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Abg. Dr. Hirsch (dfr.) befürwortet radicale Beseitigung der Fabrikarbeit der Kinder und Ausdehnung der Schonung der jugend­lichen Arbeiter nach dem soctaldemokrattschen Anträge um zwei Jahre. Dis zum 18. Lebensjahre befinde fich der junge Mensch in dem wichtigsten Stadium seiner Entwickelung. Die paar Arbeitsstunden täglich, die künftig wegfallen sollten, würde Deutschlands industrielle Stellung wahrlich nicht erschüttern. Die übermäßig lange Arbeits- zeU sei die Hauptquelle der Erbitterung unter den Arbeitern.

Abg. Grtllenberger (Soc.) behauptet dem bayrischen Bundes- «ommissar gegenüber eine Degenerirung der Fabrikbevölkerung in Bayern und beruft sich dafür auf einen Bericht des Fabrtktnspectors Sopf in Nürnberg. Die amtlichen Ziffern über den Umfang der Kinderarbeit seien nicht richtig; thatfächlich seien die Ziffern großer. Aebrigens können hier nur relative Zahlen maßgebend sein, da Bayern j m Allgemeinen kein industrielles Land sei.

Bayr. Bundescommissar Geh. Ober-Reg.-Rath Landmann halt die Richtigkeit der amtlichen Ziffern aufrecht.

Bebel (Soc.)t Ein hoher sächsischer Regierungsbeamter habe ihm auf seinen Ausdruck der Verwunderung über die hohe Ziffer der in Fabriken beschäftigten sächsischen Kinder mitgethetlt, daß in Sachsen jedes zur Fabrtkarbeit herangezogene Kind gezählt werde, während es anderwärts keineswegs so genau genommen werde. Das habe er auch bestätigt gefunden.

S 135 wird unter Ablehnung der soctaldemokratischen Anträge und des Antrages v. Münch für den letzteren stimmt nur der Antragsteller in der Commissionsfassung angenommen.

S 136 schreibt vor, daß die Arbeitsstunden der jugendlichen Arbeiter nicht vor 5Vs Uhr früh beginnen und nicht über 8»/, Uhr Abends dauern dürfen. Er bestimmt ferner die Dauer der zu ge­währenden Pausen und verbietet die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter an Sonn- und Festtagen rc.

Die Soctaldemokraten beantragen, den zulässigen Arbeitsbeginn der jugendlichen Arbeiter auf 6 Uhr früh festzusetzen und zu be­stimmen, daß die Beschäftigung nicht über 8V2 Uhr Abends dauern darf. Die Sonntagsarbeit soll für jugendliche Arbeiter bis zum 18. Jahre verboten sein, ebenso die Nachtarbeit. Endlich soll folgende Bestimmung eingefügt werden: Insofern jugendliche Arbeiter zum Besuch der Fortbildungsschulen, deren Unterricht in die Arbeitszeit fällt, verpflichtet sind, ist ihnen die hierfür nöthige Zeit zu gewähren.

Abg. Wurm (Soc.) begründet diesen Antrag.

Abg. Uhlendorff (dfr.) befürwortet ein Amendement, durch welches für jugendliche Ztegeletarbeiter ein Arbeitsbeginn vor 51/2 Uhr gestattet sein soll.

Abg. Dr. Hartmann (cons.) und BundescommissarGeh.Rath Lohmann sprechen gegen diese Anträge, worauf dieselben abgelehnt «erden. S 136 wird angenommen.

Die Socialdemokraten beantragen die Einführung eines neuen 8 136<i, der zunächst eine zehnstündige, vom 1. Januar 1894 an eine neunstündige und vom 1. Januar 1898 an eine achtstündige Maxi- malarbettszeit, sowie eine Maxtmalschichtzeit in Bergwerken von 8 Stunden einschließlich der Ein- und Ausfahrt festsetzen soll.

Abg. Grillenberger (Soc.) begründet diesen Antrag. Der Maximalarbeitstag sei der Grund- und Eckstein eines wirksamen Arbetterschutzgesetzes. Wenn man wirklich eine Versöhnung wolle, so biete sich hier die Gelegenheit, dies zu beweisen. Wenn sich die Re­gierung weigere, dieser gerechten Forderung der Arbeiter zu ent­sprechen, so könne er sich das nicht anders erklären, als daß die Regierung das Capital fürchte, daß sie im Dienste des Capitaltsmus stehe.Wenn Sie diese Forderung bewilligen, so sind wir gern erbötig, Ihnen eine ganze Reihe anderer Sünden zu verzeihen."

Wetterberathung morgen 11 Uhr.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau.

Berlin, 16. April. Der Bundesrath überwies dem Ausschuffe für Rechnungswesen die Gesetzentwürfe wegen des Nachtrags zum Reichsetat pro 189192 (darunter Kamerun), sowie wegen der Aufnahme einer Anleihe für die Verwaltungen des Reichsheeres, der Post- und Telegraphenverwaltung.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Reichsgerichtspräsidenten Oehlschläger zum Präsi­denten, des Reichsgerichtsraths Fo ertsch zum Mitgliede des obersten Disciplinarhofes.

Berlin, 16. April. Wie die Blätter melden, gestattete eine ministerielle Verfügung an die Berliner Renn­vereine den Totalisator für die Bahnen von Hoppegarten, Charlottenburg und Westend an einer bestimmten Anzahl von Tagen. Für die Trabrennvereins-Rennen in Weißensee ist der Totalisator dauernd verboten.

Berlin, 16. April. Das Abgeordnetenhaus erledigte in zweiter Lesung die Landgemeindeordnungsvorlage

weit. Aus dem Rückwege fing es bereits an zu dämmern und wir beschleunigten unseren Schritt.

Ich kenne mich hier aus," meinte Lieschen,wir wollen den Abkürzungsweg über das Gras nehmen."

Eckig schritten wir nun dem Ausgang zu. Lauter, sehn­süchtiger schlug die Nachtigall ihr Lied von Leben und Liebe mitten im Reiche des Todes. Plötzlich stieß Lieschen ein markerschütterndes Lachen aus, dann war sie verschwunden.

Lieschen, wo bist Du?" schrieen wir angstvoll.

Da ragte auch schon ihr Kopf mit dem Trauerschleier aus einer breiten, offenen Grube neben uns. Die Mausaugen spähten wie wirr aus dem Dunkel.

Ich bin gefallen, Kinnerche, in das Loch hier gestürzt, das ich nicht bemerkt. Aber so helft mir doch heraus! Jetzt werd ich gewiß alt, das ist ein gutes Zeichen."

Mit eiskalten, zitternden Händen halfen wir ihr aus dem frischen Grab. Wieder auf der Oberwelt angelangt, schüttelte sie die nasse Erde von ihren Röcken.

Noch heute überfällt mich ein Grausen beim Geruch um­gegrabener Erde. Ein Gedicht, das ich irgendwo einmal ge­lesen, kam mir in den Sinn:

Das Grab, das wartet!"

Lieschen war aufgeregt lustig und schwatzte in einem hin. An der Kirchhossthür trennten wir uns. Pald darauf kam ich in Pension.

Jm nächsten Frühjahr schickte mir meine Mutter einen Ausschnitt aus dem Wochenblättcben:

Gestorben am 15. Mai Anna Elisabeth Nummerich, geborene Laue, Gefängnißwärterswittwe, Leichenfrau im vierten District. Alter 39 Jahre."

ES war genau der Jahrestag von Lieschens Sturz.

DaS Grab, das wartet?"

Ich aber, ich drang hinaus ins Leben, was kümmerten mich die Räthsel des Todes?

DaS Grab, das wartet!

meist nach den Beschlüssen der Commission und vertagte sich sodann bis zum Montag, an welchem Tage die dritte Lesung der Vorlage beginnen soll.

Köln, 16. April. DieKölnische Volksztg." meldet: Das westfälische Cokessyndicat verkaufte an Dewendel in Hayingen 216 000 Tonnen Cokes, lieferbar für das zweite Semester 1891 und zwar 144 000 Tonnen zum Preise von 13 Mark pro Tonne, 72000Tonnen, angeblich für französische Hochöfen bestimmt, zum Preise von 11 Mark pro Tonne. Das Cokessyndicat ging die Verpflichtung ein, im Jnlande nicht unter 13 Mk. pro Tonne zu verkaufen.

Köln, 16. April. DieKölnische Zeitung" meldet aus Luxemburg vom 15. April, der Großherzog beab­sichtige, die luxemburgischen Privatdomänen des ver­storbenen Königs anzukaufen- die Kauspreisunterhandlungen seien im Gange. Hinzugefügt wird, die Regierung habe, um die gesetzlich verbotene Majoratsbildung zu ermöglichen, der Kammer einen darauf bezüglichen Gesetzentwurf vorgelegt, dessen Annahme für zweifellos gilt.

Hamburg, 16. April. In der vergangenen Nacht wurde ein von mehreren Betrieben benutztes großes Fabrikgebäude in der Glashüttenstraße durch Feuer zerstört. In dem Maschinenraume des im Hafen liegenden englischen DampfersNiniau Stuart" wurde in der vergangenen Nacht durch Feuer großer Schaden angerichtet.

Geestemünde, 16. April. Aus 81 Bezirken sind die Resultate bekannt: Bismarck 6481 , Adloff 2158, Plate 2777, Schmahlfeldt 3664. Eine Stichwahl gilt als sicher.

Wien, 16. April. Die Fertigstellung des deutsch­österreichischen Handelsvertrags dürste nach der Presse" Mitte nächster Woche erfolgen.

Bern, 16. April. Der Nationalrath nahm mit 98 gegen 33 Stimmen den neuen Artikel der Bundesverfassung, wo­nach dem Bunde das Banknotenmonopol zusteht, an. Der Bund wird das Ausgaberecht der Banknoten einer Bank übertragen, deren Organisation (ob Staatsbank, ob Privctt- actienbank) dem Gesetz entspricht. Der Annahmezwang der Noten kann nur in Nothlagen und zu Kriegszwecken erklärt werden.

Paris, 16. April. In der heutigen Sitzung des Minister­raths theilte der Handelsminister Jules Roche das Resultat der in den Departements angestellten Enquete über den Zoll­tarif mit und erklärte, daß die Mehrheit der Gcneralräthe sich in entschieden schutzzöllnerischem Sinne ausgesprochen habe.

Paris, 16. April. Das Organisirungscomite für die Arbeiter-Kundgebung am 1. Mai beschloß, um den revolutionären Character darzuthun, an das Parlamert keine Abordnungen zu senden und die Genossen aufzufordern, ebenso zu verfahren.

Charleroi, 16. April. Der Verein derRitter der Arbeit" im Kohlenbecken von Charleroi, der gegen 20,000 Mitglieder zählt, beschloß, am 1. Mai zu feiern.

Loudon, 16. April. Admiral v. d. Goltz traf gestern Nachmittag in Devonport ein, begab sich an Bord des Kaiser" und inspicirte das Geschwader. Der Herzog von Edinburg heftete dem Admiral v. d. Goltz aus demKaiser" das Großkreuz des Michaels- und Georgsordens an. Abends segelte das Geschwader nach Wilhelmshaven ab.

Rom, 16. April. In der heutigen Kammer sitz un g beantwortete Rudini die Anfragen Marinuzzis und Lucchinis über die Vorgänge in New-Orleans. Der Ministerpräsi­dent sagte, vier der Gelynchten seien Italiener gewesen. Er habe von der Union-Negierung befriedigende Versicherungen erhalten, welche der Gesandte der Vereinigten Staaten in Rom persönlich bestätigte. Rudini verliest ein Telegramm des Präsidenten Harrison an den Gouverneur von Louisiana, worin jener diesen auffordert, die Schuldigen der Justiz zu überliefern. Italien verlange nebst gerichtlicher Verfolgung der Mörder auch eine Entschädigung für die Familien der Opfer. Nachdem das Vorgehen der Unionstaaten ihrem Ver­sprechen nicht entsprochen habe, sähe Italien sich gezwungen, die formelle Versicherung zu verlangen, daß die Schuldigen öffentlich angeklagt werden würden, und daß im Prinzip die Gewährung der Entschädigung angenommen werde. Die Unionstaaten erklärten aber, dies nicht thun zu können, weil ihnen die Verfassung verbiete, sich in die inneren Angelegen­heiten Louisianas zu mengen. Die italienische Regierung ant­wortete, sie könne nicht die Verfassung der Unionstaaten dis- cutiren; es sei aber ihre Pflicht, den Prinzipien des Völker­rechts Achtung zu verschaffen und Gerechtigkeit zu verlangen. Italien könne nicht die Verantwortungslosigkeit der Union­regierung für diesen Fall zulassen. Nachdem die Regierung nicht eine günstige Antwort erhielt, beauftragte sie Fava, mit durch die Unwirksamkeit seiner diplomatischen Action moti- virtem Urlaub abzureisen. Jmperiali wurde zur Erledigung der laufenden Geschäfte zurückgelassen und hatte Auftrag, in Beantwortung der Mittheilung Blaines zu erklären, der diplomatische Zwischenfall könne blos nach begonnenem Ge­richtsverfahren gegen die Schuldigen als erledigt betrachtet werden. Dies Alles resultire aus den in Händen Rudinis befindlichen Documenten. Ueberdies sei noch eine Note Blaines vorhanden, die noch nicht in Nom eingetroffen sei. Rudini drückt sein Vertrauen in eine günstige Lösung, entsprechend dem Rechte Italiens, aus, das auch jenes aller civilisirten Regierungen fei. Daher wären auch diese alle mit Italien solidarisch, wenn eine günstige Lösung sich nicht erzielen lasse, und deßhalb würden sich wohl selbst dann keine Schwierig­keiten oder Verwicklungen ergeben. Doch müßte Rudini dann die sonst in der Civilisation so vorgeschrittenen Unionstaaten tief beklagen, wenn dieselben den in Europa allgemein procla- mirten, sorgsam beobachteten Principien des Rechtes und der Gerechtigkeit gegenüber ein so abweichendes Verhalten zeigen würden. (Lebhafte Zustimmung.) Marinuzzi und Lucchini billigten hieraus das Verhalten der Regierung und erklärten sich von der Antwort befriedigt.

Petersburg, 16. April. Der Hofzug mit der Leiche der Großfürstin Olga ist Nachmittags 2 Uhr hier eingetroffen.

Der Kaiser Alexander war dem Zuge bis Tosna entgegen­gereist. Am Bahnhose befanden sich die Kaiserin, sämmtliche Großfürsten, die übrigen Mitglieder des Kaiserhauses, die obersten Hof- und Staatsbeamten, die Generalität und Geist­lichkeit. Der Leichenzug, in dem der Kaiser zu Fuß folgte, erreichte um 4 Uhr die Peter-Pauls-Kathedrale. Die Menschen­massen entblößten beim Passiren des Zuges ehrfurchtsvoll die Häupter.

Rio de Janeiro, 15. April. Eine zum Studium der Finanzlage des Landes zusammengetretene Bankiers - Com­mission hält eine Handelskrise für unwahrscheinlich und räth der Regierung, bei der bisherigen, für die National- Jndustrie günstigen Handelspolitik zu verharren.

Geestemünde, 17. April. Gesammtergebniß der Reichs­tagswahl. Bismarck 7557 , Adl 0 fs 2619, v. Plate 3343, Schmahlfeldt 3928 Stimmen. Sonach Stichwahl zwischen Bismarck und dem Sozialisten Schmahlfeldt.

totales rrnd ^ovinziellcs.

Gießen, 17. April.

Nach demMainzer Journal" tritt an die Stelle des Herrn Kaplan Dr. Bendix Herr Kaplan Steinacker, seither in Heusenstamm.

Die" Centralgenossenschaft der Laudwirthschastlichen Konsumvereine des Großherzogthums Hessen bezog im Jahre 1890 für ihre Mitglieder an Maaren:

im Werthe von

Hülssdünger, 63 519 Ctr. 286 283.92 Mk.

Kraftfuttermittel, 120 599.28 Ctr. 633155.78

Sämereien und Getreide, 1001.3 Ctr. 25886.16 Kohlen, 578 Doppelwaggons 97 129.

Vieh, 23 Stück Kühe 11235.

Diverse Maaren 5 576.65

Zusammen 1059 266.51 Mk.

Der Gesammtumsatz der Centralgenossenschaft erreichte im Berichtsjahre eine Höhe von 4 504 808 Mk.; das Gewinn- und Verlust - Conto schließt mit einem Gewinn von 48338.35 Mk. ab.

§ Freiensteinau, 15. April. Die Tochter des hiesigen Landwirths und Posthalters H. wurde gestern beim Jauche- sahren so heftig von dem vor den Magen gespannten Pferde ins Gesicht geschlagen, daß sie bewußtlos zu Boden fiel. Der herbeigerufene Arzt conftatirte außer sonstigen schweren Verletzungen eine Zerschmetterung des Nasenbeines.

vermischtes.

* Frankfurt a. M., 16. April. Der glückliche Gewinner des ersten Hauptgewinnes der Pferdemarktlotterie ist Herr E. Lindenberg, Buchhalter im Flinsch'schen Papier­geschäft dahier, der Gewinner des zweiten Hauptpreises ein mit Glücksgütern keineswegs gesegneter Kutscher in Bornheim. Beiden Herren sind die Gewinne zu gönnen.

* Berlin, 15. April. Der preußische Unterthan Sedat wurde von einem russischen Grenzsoldaten bei Adomischken erschossen, weil er ein wenige Schritte über die Grenze ge­laufenes Schwein zurückholen wollte. Die russische Grenz- behörde gab zu, daß der Soldat von seiner Schußwaffe unrechten Gebrauch gemacht habe, verweigerte aber der in schwerbedrängte Lage gerathenen Familie des Erschossenen eine Unterstützung. Nun hat ihr Kaiser Wilhelm 2000 Mk. geschenkt.

* Märkisch Friedland. Daß eine Braut bei ihrer Hoch­zeit von ihren beiden Brüdern getraut wird, dürste wohl noch nicht vorgekommen sein. Dieser Fall hat sich jedoch in diesen Tagen hier zugetragen. Die Tochter des Kanzleiraths a. D. A., welche am dritten Öfterfeiertag ihre Vermählung feierte, wurde von ihrem Bruder, Herrn Bürgermeister A., standesamtlich, und von ihrem anderen Bruder, welcher Geist­licher ist, kirchlich getraut.

* Nach der im Reichs-Eisen bah na mt ausgestellten Nachweisung der auf deutschen Eisenbahnen ausschließlich Bayerns im Monat Februar dss. Js. beim Eisenbahn­betriebe (mit Ausschluß der Werkstätten) vorgekommenen Unfälle waren im Ganzen zu verzeichnen: 12 Entgleisungen und 4 Zusammenstöße auf freier Bahn, 27 Entgleisungen und 20 Zusammenstöße in Stationen und 192 sonstige Un­fälle (Ueberfahren von Fuhrwerken, Feuer im Zuge, Kessel­explosionen und andere Ereignisse beim Eisenbahnbetriebe, so­fern bei letzteren Personen getödtet ober verletzt worden sind). Bei diesen Unfällen sind im Ganzen, und zwar größtentheils durch eigenes Verschulden, 200 Personen verunglückt, so­wie 54 Eisenbahnfahrzeuge erheblich und 153 unerheblich be­schädigt. Von den beförderten Reisenden wurden 3 getödtet und 3 verletzt. Von Bahnbeamten und Arbeitern im Dienst wurden beim eigentlichen Eisenbahnbetriebe 30 gelobtet unb 140 verletzt, von Steuer- u. s. w. Beamten 1 gelobtet unb 3 verletzt, von fremben Personen (einschließlich der nicht im Dienst befinblichen Bahnbeamten unb Arbeiter) 16 getöbtet und 4 verletzt. Außerdem wurden bei Nebenbeschäftigungen 36 Beamte verletzt. Von den sämmtlichen Unfällen beim Eisen­bahnbetriebe entfallen auf: A. Staatsbahnen und unter Staats­verwaltung stehende Bahnen (bei zusammen 33,471,35 km Betriebslänge unb 875,782,535 geförberten Achskilometern) 248 Fälle, davon sind verhältnißmäßig, b. h. unter Berück­sichtigung der geförberten Achskilometer unb der im Betriebe gewesenen Längen, in ben Verwaltungsbezirken der König­lichen Eisenbahndirecttonen zu Köln (rechtsrh.) zu Breslau unb zu Erfurt die meisten Unfälle vorgekommen. B. Privat­bahnen (bei zusammen 2529,33 km Betriebslänge unb 27,761,310 geförderten Achskilometern) 7 Fälle, davon sind verhältnißmäßig auf der Lübeck-Büchener Eisenbahn, auf der Werra-Eisenbahn und auf der Hessischen, Ludwigs-Eisenbahn, die meisten Unfälle vorgekommen.