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Nr. 294 Zweites Blatt.
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Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
1891
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Entschluß, als Mutter ihr uneheliches Kind in oder gleich nach der Geburt vorsätzlich zu tödten, durch Handlungen, welche einen Anfang der Ausführung des Verbrechens des Kindesmords enthalten, bethätigt habe. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt und endete mit der Verurtheilung der Angeklagten in eine Gefängnißstrafe von einem Jahre abzüglich zweier Monate der erlittenen Untersuchungshaft.
Gießen, 16. December 1891.
— Samstag, den 19. d. Mts., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Kreisausschuffes^des Kreises Gießen statt, in welcher das Gesuch des August Schäfer von Hungen um Erlaubniß zum Betriebe eines Sägewerks zur Verhandlung gelangt.
— Musik. Das Programm des fünften Abonnements- Concertes unserer Regiments-Capelle ist aus Werken neuerer und neuester Meister zusammengesetzt als C.M.v.Weber (Jubel-Ouverture), Mascagni (Vorspiel und Siciliana aus der Cavalleria rusticana), Dilebes (Intermezzo et Valse Leute und Piccicato a. d. Ball. „Silvia"), Max Bruch (Concert f. d. Violine — Solist Herr Langenhagen —). Von R. Wagner, welchem der zweite Theil des Programms gewidmet ist, wird uns zu Gehör gebracht: „Kaiser-Marsch", Ouvertüre z. Rienzi, Vorspiel z. Lohengrin, Tonbilder a. d. Walküre. Der dritte Theil bringt uns außer Wallaxes schwungvoller Ouvertüre z. Op. „Maritana" den neuesten Walzer „Ich bin ein Kind vom Rhein", aus Zellers beliebter Operette „Der Vogelhändler", ,,S' kommt ein Vogerl geflogen" im Stile alter und neuer Meister (Siegs. Ochs) und endlich den neuesten Stern am Himmel der Märsche: „Berlin bleibt Berlin" von Keller. Dem musikliebenden Publikum ist hiermit ein genußreicher Abend geboten und für die Ausführung bürgt uns die gediegene Regiments-Musik.
— Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberhefien am 15. December 1891. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen Margaretha Rohrmann von Wetrerfeld wegen Versuchs des Kindesmords. Die Anklage vertrat der Großh. Gerichts-Assessor Dr. Zimmermann, vertheidigt wurde die Angeklagte von Rechtsanwalt Katz. Als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Karl Geiß, Paul Schäfer IV., Philipp Fritzel, Ludwig Schadcck II., Philipp Winter L, Karl Sinn, Heinrich Roth XI., Adolf Euler II., Nicolaus Metz IV., Heinrich Block I., Johann Heinrich Scheerer und August Heß. — Margarethe Rohrmann ist angeklagt, daß sie Anfangs Juni 1891 zu Wetterfeld den
— Uebersüllung der Postschalterräume ist, namentlich um die Weihnachtszeit, eine alljährlich wiederkehrende Klage. Bis zu einem gewissen Grade kann das Publikum selbst leicht Abhilfe schaffen. Die Einlieferung der Weihnachtspäckereien, namentlich der Familiensendungen, sollte nicht bis zu den Abendstunden verschoben, sondern thunlichst an den Vormittagen bewirkt werden. Mit seinem Bedarf an Postwerth- zeichen müßte sich ein Jeder bei Zeiten versehen und Selbst- frankirung der einzuliesernden Weihnachtspackete müßte die Regel bilden. Für die am Postschalter zu leistenden Zahlungen sollte das Geld abgezählt bereit gehalten werden. Die Befolgung dieser Rathschläge würde der Post und dem Publikum gleichmäßig nützen.
Aus Oberhesieu, 13, December. Die Veteranen, welche den Feldzug 1813/15 milgemacht haben, sollen durch den Staat unterstützt werden. Es werden dermalen Ermittelungen angestellt, wo sich solche Veteranen noch vorfinden. D. Ztg.
Darmstadt, 14. December. Aus einer am schwarzen Brette der Großh. Technischen Hochschule neuerdings veröffentlichten Verfügung des General-Commandos des elften Armeecorps geht hervor, daß die Einstellung von Einjährig- Freiwilligen am 1. April in Darmstadt nur dann beibehalten wird, wenn an diesem Termine eine größere Anzahl von Freiwilligen ihre Anmeldungen vollziehen.
Vermißtes.
* Alles elektrisch! In ein Delicateßwaaren-Geschäst der alten Schönhauser Straße in Berlin trat dieser Tage eine elegant gekleidete Dame, während die Verkäufer daselbst alle
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Hände voll zu thun hatten, um die zahlreichen Kunden zu h»» dienen. Die Dame kauft einige Kleinigkeiten, der Commis, der sie bedient, zieht seinen Kassenbloc aus der Tasche, notirr die verkauften Sachen mit den bezüglichen Preisen, zieht die Summe und überreicht mit ironischem Lächeln den Zettel der feinen Kundin. „Das ist ja ein Jrrrhum, mein Herr," bemerkt, nachdem sie den Zettel geprüft, die Dame, „hier sind ja 2 Mark zu viel, so viel macht es doch nicht." „O doch, meine Gnädige," entgegnete der Verkäufer, „Sie vergessen die Wurst, die Sie selbst vom Ladentisch genommen haben." Die Dame wird purpurroth, stottert verlegen die Entschuldigung, daß sie ganz daraus vergessen, betont aber schließlich, daß auf dem Zettel, der an der Wurst befestigt ist, der Verkaufspreis nur mit 1 Mark angegeben sei. „Das stimmt, meine Gnädige," antwortet mit seinem boshaften Lächeln der Commis, „der Preis verdoppelt sich aber für solche Kunden, welche die Maaren selbst einstecken." Die feine Kundin zahlte nun und verschwand. Des Räthsels Lösung: Jedes auf dem Ladentisch ausgelegte Stück Waare ruht dort auf einem kleinen Knopf, der, sobald das betreffende Stück abgenommen wird, emporschnellt und ein leises Anläuten erzeugt, welches die Verkäufer aufmerksam macht. Diese Controle ist eine sehr wirksame, denn der betreffende Deli- cateßhändler har durch die electrische Falle schon an einem Tage nicht weniger als sechs Langfinger abgefaßt, die sich heimlich an den verlockend ausgelegten Maaren vergriffen.
Ciieratttr unb Kunft
— Der rühmlichst bekannte Dichter Georg Lang in Frankfurt hat bei Abendroth unter dem Titel ,£) AllperUrrft" einen Band lyrischer Klänge aus den Alpen veröffentlicht, der jedem Naturfreund, insbesondere allen Denen, die die Herrlichkeit der Alpenwelt au- eigener Anschauung kennen, eine willkommene Gabe sein wird. Dir Kritik der hervorragendsten Blätter vereinigt sich im begeisterten Lob dieser poetischen Novität, den Gedichten wird eine ganz originelle, eigenartig schöne Diclion und ein seltener Gedankenreichthum nach- gerühmt. Die reichhaltige Gedichtesammlung ist in elegantem Einband zum Preise von 2Mk. in der W. Ferber'schen Buchhandlun- hier vorräthig.
FerLilleton.
Aus Umwegen.
Novelle von F. Stöckert.
(5. Fortsetzung.)
So half er denn, voll freudiger Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, den beiden Damen aus dem Coupe vnd bot ihnen seine ritterlichen Dienste, die dann auch huldvoll angenommen wurden. Fräulein Berg stützte sich auf seinen Arm, während Ilse munter voranschritt. Auch sie fand die Situation jetzt gar nicht so übel. Es war so abenteuerlich, so wunderbar romantisch, hier in der Dämmerung des Weihnachtsheiligabend durch die Schneelandschaft zu wandern und der Ritter dieses Abenteuers erschien ihr heute in einem ganz anderen Lichte als an jenem Septemberabend auf dem Rhein. Der selbstgefällige Ausdruck war ganz aus seinen Zügen verschwunden- es leuchtete etwas darin, wofür Ilse keine Deutung wußte- denn wie konnte sie ahnen, daß es das Erwachen eines übermächtigen Gefühls war, was seinen Zügen diesen Ausdruck verlieh, was seine Handlungen leitete. ,
Jedenfalls, gestand sich das junge Mädchen jetzt beschämt, hatte sie damals zu schroff über ihn geurtheilt, und wenn es anging, wollte sie heute ihr ungezogenes Betragen wieder gut machen.
Wunderbar war es doch, daß er heute mit ihnen fahren mußte und jcht als ihr ritterlicher Beschützer sie geleitete- und wie nett plauderte er mit Fräulein Berg, wie verstand er es, der doch keineswegs angenehmen Situation die heiterste Seite abzugewinnen.
Da sie zu den ersten der Reisenden zählten, die das Hotel jetzt erreicht, gelang es ihnen, sogleich in einem Nebenzimmer ein behagliches Sophaplätzchen zu annectiren. Kaum aber Hutten sie sich niedergelassen, als Fräulein Berg einen Schreckensruf ausstieß: „Meine Uhr! Ich habe meine Uhr verloren!" Und dabei warf sie einen höchst mißtrauischen Blick auf ihren Begleiter. ,
Gott im Himmel, wenn er nur nicht ein Taschendieb war! Dieselben nahen sich ja ost arglosen Damen in verführerischer Gestalt. Ob Erich Rode ihre für ihn so schmeichel-
i haste Gedanken errieth? Es flog plötzlich ein ganz verschmitztes Lächeln über sein hübsches Gesicht.
„Ich werde sofort wieder zurücklaufen," erklärte Ilse, der es durchaus nicht in den Sinn kam, Erich Rode für einen Taschendieb zu halten. „Vielleicht liegt die Uhr noch im Coupe oder ich finde sie unterwegs, ich habe ja gute Augen!"
Sie eilte nach der Thür, natürlich folgte ihr Erich Rode, und das geschah alles so schnell, daß Fräulein Berg es nicht verhindern konnte. Sie selbst fühlte sicy außer Stande, sich dem jungen Paare anzuschließen- die Wanderung durch den Schnee hatte ihre Kräfte doch etwas erschöpft, und so beruhigte sie sich denn mit dem Gedanken, daß, wenn der fremde Ritter wirklich ein Taschendieb war, er Ilsen nicht weiter berauben konnte, indem dieselbe weder eine Uhr, noch sonstige Schmuckgegenstände an sich trug. Wie unendlich liebenswürdig vom Schicksal, auch noch diese Situation herbeizuführen, dachte Erich Rode dankbaren Herzens, als er so mit Ilse suchend durch den Schnee eilte. Freilich, der Bahnbeflissene, der mit einer Laterne neben ihnen herschritt, störte ihn etwas, eine Unterhaltung ließ sich in dieser Gesellschaft nicht gut anknüpsen. Doch das Schicksal war ihm fernerhin gnädig, im Coupe sand sich die verlorene Uhr, dem Bahnwärter wurde ein Trinkgeld in die Hand gedrückt und der Rückweg ohne seine Begleitung angetreten.
Warum schlugen nur die Nachtigallen nicht, warum leuchtete der Mond nicht durch Blüthenbäume? So fragte sich Erich Rode, während in seiner Seele die Lenzesstimmen erster Liebe erklingen wollten. Freilich, schön war sie auch, diese Winterlandschaft, diese weißen, stillen Berge da drüben, deren Contouren sich scharf abhoben gegen den winterlichen Himmel, schneebedeckte hohe Tannen standen am Wege und statt des Gesanges der Nachtigallen tönten die Weihnachtsglocken eines nahen Dorfes an ihre Ohren.
O, nur jetzt das rechte Wort finden, dem jungen Mädchen gegenüber, "das sein Herz in Fesseln gebannt, so daß er dieses selbige Herz kaum wiedererkannte, so war es erfüllt von zärtlichen, sehnenden, liebenden Gedanken. Ob er es gesunden, als er jetzt Ilsen fragte: ob sie ihn immer noch für einen eingebildeten Gecken hielt, wollen wir dahingestellt sein lassen.
Ilse war sehr verlegen bei dieser Frage. „Sie haben das gehört? — Damals — das ist ja schrecklich," stotterte sie.
„Ja, und das Wort ist mir sehr heilsam gewesen, so sehr es mich auch im ersten Moment empörte. Ich ging in mich und fand, daß ich das schöne Geschlecht bis dahin mit einer empörenden Nachlässigkeit behandelt. Einestheils waren die Damen wohl selbst mit daran schuld, da sie trotz alledem mir immer hold und freundlich begegneten. So wie Sie, Fräulein Ilse, hatte mich nie eine behandelt, darum war aber auch der Eindruck dieser Behandlung ein tiefer, unauslöschlicher. Ich vermochte Sie und Ihre freundlichen Worte nicht zu vergessen, und als ich Sie heute endlich wiedersah in der Pferdebahn, da bin ich Ihnen gefolgt blindlings bis hierher. Und da sich nun alles so herrlich gefügt und wir beide hier allein stehen in der Men Schneelandschaft und da es Heiligabend ist, wo man sich beschenkt, da möchte ich Sie um etwas bitten, um ein Geschenk, ein großes, herrliches, ein Geschenk fürs ganze Leben."
„Aber ich weiß ja gar nicht, wer Sie sind!" rief Ilse jetzt halb erschreckt und halb beseligt.
„Ja so, ich vergaß, mich vorzustellen. In so großen Momenten, wo man den Flügelschlag des Schicksals rauschen hört, da versäumt man leicht derartige Formalitäten. Mein Name ist Rode, Doctor Erich Rode."
„O, mein Gott, wie wunderbar!" flüsterte unsere kleine kecke Heldin ganz bestürzt, und auch ihr war es jetzt, als höre sie den Flügelschlag des Schicksals rauschen.
Ein Ahnen durchzuckte Erich Rode.
„Und Ihr Name, Ihr Vatersname, Fräulein Ilse?" rief er erregt
„Ilse Welten," kam es ganz verschüchtert von den Lippen des jungen Mädchens.
Erich Rode stieß einen Jubelruf aus und faßte ihre beiden Hände.
„Ilse Welten! O, dann sind wir ja für einander bestimmt, dann habe ich ein heiliges Recht, mir mein süßes, kleines, capriciöses Weihnachtsgeschenk zu fordern. Nein, wenden Sie das Köpfchen nicht weg, zum zweiten Male laffe ich mir keinen Korb geben. Ich gehe nicht von Ihrer Seite, ich begleite Sie nach Ihrer Heimath, ich werde nicht aushören, um Sie zu werben, bis Sie mich erhören!"
Er zog ihren Arm unter den feinen und führte sie langsam an den dunklen Tannen entlang.
(Schluß folgt.)


