Ausgabe 
17.11.1891
 
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Nr. 268

1891

Dienstag den 17. November

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Gießener Anzeiger

Keneral'-Mnzeiger.

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Amt»» unb AnzeiAeblaLt für den TCreU Gieren-

Amtlichem Lheir

ee« Anzeigen zu der Ns^mittagA für dm Sag erscheinenden Nummer bi» vor«. 10 Uhr.

Bekanntmachung,

betreffend den Schutz junger ObstbLume gegen Hasenfraß.

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GMNsösrlüge: Hreßmer SaMinmslSNer- i Anzeigen f»,- d« ^e-e«^«^

Beim Herannahen des Winters machen wir die Land- wirthe unseres Kreises darauf aufmerksam, ihre jungen Obst­bäume in gehöriger Weise gegen Hasenfraß za schützen. Das Umwickeln der Bäume mit Stroh oder Ginstern, rote es viel­fach üblich ist, ist nicht genügend, da der Hase diese beiden Schutzmittel leicht durchnagt; auch nisten sich im Stroh gern Obstbaumschädlinge ein. Einen wirklichen Schutz gewährt vielmehr nur ein dichtes Umbinden der Bäume mit Dornen. Bei der großen Bedeutung, welche der Obstbau zur Zeit hat, liegt es im dringenden Interesse der Landwirthe, ihren Bäu' men diesen leicht und billig zu beschaffenden Schutz ange­deihen zu laffen.

Gießen, den 14. November 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Polizei-Verordnung.

Aus Grund des Art. 56 der Städte-Ordnung wird nach Anhörung der Stadtverordneten-Versammlung und mit Ge­nehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 7. November 1891 zu Nr. M. I. 29 744 für die Provinzial-Hauptstadt Gießen verordnet wie folgt:

§ 1. Jedes Fuhrwerk, welches seiner Natur nach nicht ausschließlich zur Beförderung von Personen bestimmt ist, muß an beständig sichtbarer Stelle, wenn thun- lich auf der linken oder Hinteren Seite mit dem Namen (Firma) und Wohnort des Eigenthümers und wenn Letzterer mehrere derartige Fuhrwerke besitzt, auch mit fortlaufenden Nummern versehen sein. Diese Bezeichnung muß in durchaus deutlicher Schrift mit Buchstaben von nicht unter 3 cm Höhe ausgeführt sein.

§ 2. Ausgenommen von dieser Verpflichtung sind die Kaiserlichen Posten und die städtischen Sprengfässer.

§ 3. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Anordnungen werden mit Geldstrafen bis zu 30 Mark oder mit entsprechender Haft bestraft.

§ 4. Diese Polizeiverordnung tritt mit dem 1. April 1892 in Kraft.

Gießen, den 13. November 1891.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 14. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Decan Müller von Alsfeld, den Forstinspector Heyer aus Gießen.

Berlin, 14. November. Der Kaiser hielt am Freitag und Sonnabend in Begleitung zahlreicher geladener Gäste größere Hofjagden in den Letzlinger Forsten ab. In der Nacht zum Sonntag traf der Monarch von Letzlingen aus wieder im Neuen Palais bei Potsdam ein. Im Laufe dieser Woche gedenkt der Kaiser einen Jagdausflug nach Springe in Hannover zu unternehmen.

Der Reichstag nimmt an diesem Dienstag seine Arbeiten nach mehr als sechsmonatiger Pause mit der ersten Lesung der Vorlage betr. die Bestrafung des Sclavenhandels wieder auf. Im Vergleiche mit früheren Jahren tritt das Reichsparlament diesmal etwas verspätet zusammen, was damit zusammenhängt, daß die nöthtgsten Vorarbeiten im Bundesrathe, vor Allem, was die Feststellung des Etats anbelangt, eine ungewöhnliche Verzögerung erfahren haben. Hoffentlich wird der Reichstag gleich vom Wiederbeginn ferner Thätigkeit an beschlußfähig sein, damit die ohnehin kurz genug bemessene Frist bis zu den Weihnachtsserien nach Möglichkeit aüsgenutzt werden kann, denn im Januar wird versassungsgemäß der preußische Landtag eröffnet und dessen Concurrenz übt, wie die Erfahrung lehrt, immer einen ver­zögernden Einfluß auf den Gang der Reichstagsgeschäfte aus. Von Vorlagen, welche dem Reichstag bei seinem Zusammen­tritte oder kurz nach demselben zugehen dürften, wäre zu nennen der neue Etat nebst den beiden Nachtragsetals für 1891/92 und verschiedene Nechnungsübersichten, der schon erwähnte Gesetzentwurf über die Bestrafung des Sclaven­handels, die Vorlage über die Einziehung der Vereinsthaler österreichischen Gepräges und verschiedene kleinere Sachen - außerdem restiren aus dem letzten Sessionsabschnitt noch das

Telegraphenmonopolgesetz und die Novelle zum Krankenkassen­gesetz. Noch nicht fertiggestellt ist im Bundesrathe der Ent­wurf des Trunksuchtsgesetzes, ferner sind angekündigt Vor­lagen über big, Herstellung electrischer Anlagen, über den Verkehr mit Wein und mit Giften und neue Weißbücher über Ostafrika. Es sollen im Verlaufe der Session auch noch andere Vorlagen eingebracht werden und schließlich wird es auch an Initiativanträgen aus dem Hause nicht sehlen. Der Reichstag sieht sich also auch jetzt wieder vor ein ziemlich reiches Arbeitsmaterial gestellt, dessen Bewältigung wohl den Zeitraum bis Ostern beanspruchen wird. Hoffentlich erfolgt dann endlich der definitive Schluß dieser berühmtenlangen Session", zu welcher der Reichstag bekanntlich schon am 6. Mai 1890 zusammengetreten ist.

Berlin, 14. November. DerReichsanzeiger" meldet: In der gestrigen Conserenz der deutschen und italienischen Delegirten zu den Handelsvertragsverhandlungen sei der deutsch-italienische Handelsvertrag paraptzirt und das Paraphirungsprotokoll unterzeichnet worden.

DerReichsanzeiger" theilt serner mit, die Wiener Verhandlungen über ein neues gemeinsames Eisenbahn- Betriebs-Reglement haben zu einer erfreulichen Ver­ständigung über alle wichtigen Punkte geführt.

Berlin, 14. November. DieNordd. Allg. Ztg." ver­öffentlicht eine ihr von amtlicher türkischer Seite zugegangene Erklärung, in welcher gegenüber den Meldungen ver­schiedener Blätter, daß die türkische Regierung die Besitzer von Schuldscheinen der ottomanischen Bank, namentlich aber von Türkenloosen schädigende Finanzprojecte pflege, erklärt wird, daß die türkische Regierung, welche stets das Interesse der Besitzer von türkischen Papieren wahrnehme, sich beeile zur Kenntniß zu bringen, daß diese Gerüchte völlig grundlos und von ihren Erfindern nur zum 'Zwecke von Börsenmanövern ausgestreut worden seien.

Berlin, 14. November. Die Probenummer des Organs der unabhängigen SocialistenDer So cialist" wurde heute ausgegeben, derselbe erscheint wöchentlich. Als Redacteur zeichnet Hermann Teistler, Verleger ist Wilhelm Werner. Die neue Partei adoplirt die Hauptforderungen der Social­demokratie, verwirft aber alles Pactiren mit den herrschenden Klassen, die Theilnahme an der Gesetzgebung im Parlament, die zwangsweise Centralisation innerhalb der politischen Be­wegung. Der Schwerpunkt der Partei ist ein gewerkschaftlich socialistischer Klassenkampf.

Berlin, 14. November. Fürst Bismarck ist mit der Fürstin Bismarck und der Gräfin Rantzau auf der Rückkehr nach Friedrichsruh nach 5 Uhr aus dem Lehrter Bahnhose eingetroffen, wo zahlreiche Personen den Fürsten begrüßten. Derselbe dankte herzlich vom Waggon aus und begab sich nach dem Lehrter Bahnhofe, um gegen 7 Uhr nach Friedrichsruh weiterzufahren.

Köln, 14. November. Ein Petersburger Telegramm der Köln. Ztg." meldet, man erwarte im Laufe der nächsten Woche ein Ausfuhrverbot, nicht nur einen Ausfuhrzoll, für Weizen, desgleichen für Hülsenfrüchte, Schweine und Schweinefleisch.

Köln, 14. November. Nach Meldung derK. Ztg. aus Odessa werden Besorgnisse von einer großen Handels­krisis laut. Wie die Staatsbanknebenstellen, hätten viele Banken Rußlands das Wechselgeschäst saft ganz eingestellt. Die Boden-Credit-Anstalten seien infolge des starken Sinkens der Jmmobilien-Werthe nicht mehr gedeckt.

Straßburg, 14. November. In der gestrigen Sitzung des hiesigen Gemeinderaths hat der Bezirkspräsident den Bürgermeister Back mit der ihm durch den Kaiser geschenkten goldenen Kette bekleidet. Die Kette ist der Stadt Straßburg und dem zur Tragung befugten jeweiligen Bürgermeister ver­liehen. Staatsrath Klein gratulirte Namens des Gemeinde­raths. Letzterer beschloß einstimmig, dem Kaiser den unter- thänigsten Dank der in treuer Ergebenheit verharrenden Stadt Straßburg auszudrücken.

München, 14. November. Die Akademie der Wissenschaften hat Dom Pedro zum Ehrenmitgliede und folgende Gelehrte zu ordentlichen Mitgliedern erwählt: den hiesigen Professor der Physik Boltzmann, die Geheimen Justiz- räthe Professor Brunner und Professor Perntce in Berlin, den Geheimrath Wachsmuth, Professor der Geschichte in Leipzig, den Professor der Zoologie Haeckel in Jena und die Hof- räthe Professor der Rechts- und Staatswissenschaft Maaßen und Professor der Philologie Jagic in Wien.

Ausland.

London, 14. November. Die Chicago Burlington Eisen­bahn gibt ihren Agenten bekannt, vorläufig kein Getreide

für Chicago anzunehmen, da die beladenen Getreidewaggons über 10 Meilen des Schienenwegs blockiren.

London, 14. November. Dem Reuter'schen Bureau wird aus Rio de Janeiro vom 13. ds. berichtet: Eine De­pesche aus Porto Alegre meldet die Absetzung Castilhos als Gouverneur von Rio Grande do Sul. Der Staat wird durch die provisorische Junta beherrscht. Der Telegraph steht unter Controle der Regierung. Aus Para liegt keine neue Nachricht vor. In Rio de Janeiro herrscht Ruhe, die Regierung trifft Vorbereitungen zu einer öffentlichen Feier des 15. d. M., des zweiten Jahrestages der Revolution.

Rom, 14. November. Aus dem Bahnhose Poniegalera bei Rom fand ein Zusammenstoß^ zwischen dem Rom- Turiner Schnellzug und dem gewöhnlichen Zuge von Genua nach Rom statt. Drei Personen sollen getödtet und sieben verwundet sein. Die Behörden sandten sofort Hilfe nach Pontegalera.

Arras, 14. November. Ein Fischersahrzeug aus Berck (Departement Pas de Calais), auf welchem sich 16 Personen befanden, ist während des letzten Sturmes gescheitert- die ganze Bemannung ist ertrunken.

Rom, 14. November. Der Friedens congreß nahm in den beiden heutigen Sitzungen Beschlüsse an, betreffend eine Reform der Erziehung, welche geeignet wäre, in den Lehranstalten bte Principien bes Friebens zu verbreiten, unb betreffend die Presse als ein Mittel, für die Verbreitung friedlicher Gesinnungen zu wirken. Aus Antrag Bonghis be­schloß der Congreß unter lebhaftem Beifall eine Sympathie- Kundgebung sür Lemonnier und Passy.

Petersburg, 15. November. Durch einen heute ver­öffentlichten kaiserlichen Erlaß wird das Ausfuhrverbot für diejenigen Landesproducte, deren Aussuhr für^die übrigen Theile von Rußland verboten war, auch aus Finnland ausgedehnt.

Petersburg, 14. November. Der Gesetzentwurf über die Colonisaton von Ausländern verbietet denselben den Besitz oder die Pachtung ländlicher Grundstücke. Diejenigen Ausländer, welche bereits Immobilien besitzen, müssen inner­halb drei Jahre die russische Unterthanenschaft erwerben oder den Besitz veräußern.

Rewyork, 14. November. Die Atschison, Topeka and Santa Fe Eisenbahn hat Aufträge auf täglich tausend Getreidewaggons über den verfügbaren Waggonbestand.

Rio de Janeiro, 14. November. Reutermeldung. Privat- meldungen zufolge herrscht in der Provinz Sao Paulo große Unzufriedenheit. Durch eine strenger wie je gehand­habte Depeschen-Censur wird verhindert, daß nähere Nach­richten nach Außen gelangen.

XUudjte Nachrichten.

Depeschen desBureau Herold".

Rom, 1.6. November. Anläßlich des gestrigen Eisen­bahnunglückes wurde gegen die schuldigen Bahn-Jnspectoren die Untersuchung eingeleitet. Mehrere Bahnbeamte, darunter der Stationschef von Pontegalera, wurden verhaftet. Es verlautet, der Arbeitsminister werde energisch gegen die Eisenbahn-Gesellschaften selbst einschreiten.

Bern, 16. November. Die Creditbank in Winter­thur mit einem Actiencapital von zwei Millionen hat ihre Zahlungen eingestellt. Dieselbe genoß das vollste Vertrauen des Publikums. Die Katastrophe hat eine große Panik verursacht.

Palermo, 16. November. Gestern wurde die Ausstellung eröffnet. Das Königsprar weilte 3y2 Kunden in der­selben, obwohl die Ausstellung wenig Neues bietet. Interessant ist die abessinische Abtheilung, besonders das von einem kleinen Stamm aus Asmara bewohnte abessinische Dorf. Die Königin streichelte die Kinder einiger Frauen. Die Verwirrung ist noch groß. Die Eingeladenen klagen über die unglaubliche Tactlosigkeit des Comitös. Der König schenkte fünf ver­letzten Garibaldianern 1500 Lire.

totales unb provinzielles.

Gießen, 16. November 1891.

Theater-Verein. Wir erhielten nachstehende Zuschrift: Obgleich die sechste Vorstellung des Vereins erst in der Mitte des December stattfinden wird, war es doch im Hinblick auf die Statuten schon jetzt nöthig, die Generalversammlung cin- zuberufen. (Siehe die heutige Anzeige). Der Verein tritt in das zweite Lebensjahr ein. Im ersten hatte er mit vielerlei, jetzt glücklich überwundenen Schwierigkeiten zu kämpfen. Es galt die Bühne zu erweitern, den Saal angemessen auszustatten, Decorationen herzustellen, Gasleitungen zu führen und das