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Freitag den 17. April (Siebener Anzeiger. Beilage zu Nr. 88. - 1891.

Feuilleton.

Eine Menschenfreundin.

Scizze von Hermine v. Preuschen.

(Nachdruck verboten.)

Sie hat meiner ersten Lebensstunde beigewohnt und sie war bei uns bis zu meinem sechsten Jahre, bis das Erscheinen einer kleinen Schwester plötzlich in meinen Eltern den Wunsch reae machte nach einer feineren Kinderfrau, nach einer fran- Mischen Bonne. Und so ging sieunser Lieschen" und hei- rathete bald daraus einen älteren, wohlsituirten Mann, den Gefänanißwärter Nummerich.Lieschen Nummerich," hieß sie nun in unserer ganzen Familie, und'Lieschen Numme­rich riefen wir Kinder jubelnd, wenn sie, was ost geschah, ihre Kinder" besuchte und ihnen heimlich ein Stück Kirmeß- kucken zustopfte. Sie trug dann stets einen Eapotthut und ein kornblumenblaues Kleid, das sich freilich in den letzten Jahren in düsteres Schwarz verwandelte, was sie wohl ihrer Würde und Stellung nach späterhin für angemessener hielt. Eine weinerliche Stimme hatte sie und sprach wie ein Mühl­rad So sehr meine Mutter ihre Anhänglichkeit schätzte, so wurden ihr doch die häufigen Besuche mit dem endlosen Rede­schwall, in dem sich Lieschen Nummerich in Klagen über ihren Mann erging, zur Pein. Wir aber freuten uns, wenn die Gute erschien, und wußten schon im Voraus, was sie m dem dicken, zeitungsumwickelten Papier für uns verborgen.Lieschen Nummerich muß oft zur Kirmeß gehen," sagte ich einst zu meiner Mutter,daß sie uns so häufig davon Kuchen mtt- brinqen kann." Sie nahm dann aber stets willig eine kleine Gegengabe, in Zucker, Kaffee oder einem abgelegten Kleidungsstück bestehend, in Empfang.

Kinder hatte sie nicht undmein Nummerich," wie sie mit ihrer dünnen, hohen Thränenstimme zu sagen pflegte, machte ihr füglich mehr zu schaffen. Sie hatte nach und nach fämmtliche Wäsche der Sträflinge übernommen und schien auch sonst viel beschäftigt, wie sie uns aufhorchenden Kindern hie und da geheimnißvoll andeutete. Und der Kirmeßkuchen kam Jahr um Jahr, zu den unwahrscheinlichsten und dicht hinter­einander gedrängtesten Zeitpunkten. Bald war er aus Gries­heim Ebersdorf oder Niederbeerbach, bald aus Beffungen oder'ihrer Heimath Breidenbach.Ich begreife gar nicht, Lieschen, wie Du in Deinem Alter noch so vergnügungssüchtig fein kannst, Deinen armen, kranken Mann so oft allein zu lassen," hörte ich meine Mutter eines Tages zu ihr sagen. Sie kicherte.Mein Nummerich braucht mich ja nicht, er ist froh, wenn ich - etwas verdiene." -Etwas verdiene?"

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frug meine Mutter erstaunt. Doch das Lieschen sprang ge­schickt zu einem anderen Gesprächsstoff über und jammerte über die Last, die ihr schon seit ein paar Jahren gelähmter und längst pensionirter Mann ihr bereite, der nun immer mehr sich an den Branntwein gewöhne. Und nun floß der Redestrom unermüdlich weiter und meine Mutter war froh, als sie endlich, nachdem sie dieKinnerchen" abgeschmatzt (wir putzten uns danach jedesmal den Mund) zur Thüre hinaus war.

So verging Jahr aus Jahr. Bei Nummerich hatte sich ein regelrechtes delirium tremens ausgebildet, oderDeltrem", wie Lieschen sagte, die eine Tafel mit dieser Inschrift im Spital, in das sie ihren Mann geschafft, über dessen Bette hatte anbrmgen sehen.

Sie kam nach wie vor mit ihrem Kirmeskuchen. Bei meiner Mutter hatte sich allgemach eine tiefe Abneigung gegen die einstige treue Kinderfrau entwickelt. Das ewige Klagen und Lamentiren, die Gier, mit der Lieschen die geringste Gabe entgegennahm, veranlaßten sie, zu behaupten, die Ehe habe auch diesem einst so grundguten Geschöpf den Charaeter ver­dorben. Ja, die Ehe!

Wir Kinder aber freuten uns stets gleich über den Kuchen, der freilich sonderbarer Weise manchmal etwas nach Weihrauch schmeckte. Einmal schien es, als wenn der süße Guß darauf mit Salzwasser benetzt worden sei. Doch er schmeckte uns dennoch.

Mein Nummerich starb.

Lieschen zog aus dem Gefängnißwärterhäuschen, in dem ihrem Manne auch nach seiner Pensionirung zwei kleine Zimmer verblieben waren, in die Ochsengasse und nahm eine eben erwachsene Nichte zu sich. Sie habe viel zu thun mit Nähen und Waschen, meinte sie. Als meine Mutter ihr eines Tages anbot, auch unsere Wäsche zu übernehmen, da die seit Jahren für uns arbeitende Frau gestorben war, lehnte Frau Numme­rich dies kurz ab. Das bringe Unglück, meinte sie, und kicherte.

Meine Mutter sah sie groß an; da sie aber keine Ehre dareinsetzte, sich in die Jrrgänge von Lieschens Seele zu ver­tiefen, so ließ sie diese Aeußerung auf sich beruhen.

Es schien ; r Wittwe übrigens gut zu gehen. Sie hielt sich fämmtliche Zeitungen der Stadt, das Wochenblatt, den Kreisanzeiger, die Volkszeitung und die B...-Blätter und pflegte diese Lectüre Morgens rm Bett, an das ihr die Nichte einen mächtigen, gefüllten Kaffeetopf stellen mußte. Sie blieb auch darin liegen, bis sie irgend eine Nachricht in den Zeitungen las, die ihr zu thun gab, wie sie lachend erzählte.

1 Nun, es wird eine Anzeige sein, daß in einer Familie Flick­arbeit zu vergeben sei, dachten wir alle.

So schwanden wieder ein paar Jahre. Unser Lieschen ging jetzt zusehends in die Breite und ihre stets harten Züge wurden noch massiver. Die mausblanken Aeuglein aber blitzten noch ebenso grell wie ehedem und das Organ weinte oder schrillte ganz wie früher.

Ich war eben erwachsen, da starb eine unverheirathete Schwester meines Vaters, die mit uns zusammenwohnte, rasch und unerwartet. Es war der erste, wirkliche Schmerz meines Lebens, ich hatte sie sehr lieb gehabt. Wir waren alle sehr erschüttert und mein Vater deutete gerade mit Thränen im Auge auf die betreffende Todesanzeige im Wochenblatt, als rasch und energisch draußen die Klingel gezogen ward. ,

Da die Dienstboten ausgeschickt waren, ward ich selber nach einigem Besinnen an die Thür gesandt.

Lieschen Nummerich stand vor mir, ganz erhitzt und außer Athem von dem raschen Gang; einen großen schwarzen Hut mit langem Kreppschleier auf dem Kopse und ohne jedes Kuchenpacket in den Händen.

Da bin ich," sagte sie keuchend,ich hoffe, die Mama berücksichtigt mich, unserer alten Freundschaft halber."

Sie kann Dich heut nicht sehen, meine Tante ist ge­storben," sagte ich und brach in Thränen aus beim Erinnern an die gute Tante Lene, die droben so steis und kalt in ihrem Bette lag, mit einem früher nie an ihr gekannten Aus­druck seindseligen Staunens in den sonst so milden Zügen.

Ja, habt Ihr denn schon eine andere?" frug Lieschen aufgeregt;ich habe mich so furchtbar geeilt- die Anzeige lesen und aus dem Bett springen, die Kleider überzuwerfen, war eins. Nicht einmal meinen Kaffee könnt ich zu Ende trinken, den mir die Lina freilich später als sonst gebracht, weil sie gestern noch bis in die Nacht hinein an dem Zeug für Frau Metzger Bauer zu nähen gehabt, deren Söhnchen überfahren worden ist. Sie wollte alle Knöpfe doppelt genäht haben, damit dem Kleinen bei der Auferstehung droben im Himmel mit seinem Unterzeug ja kein Unglück passiere und die Träger an den Höschen auch fest hielten. Du lieber Gott, du lieber Gott, als mein Nummerich noch lebte . . . Und wenns bei Euch bis morgen Zeit gehabt hätte, dann hätt' ich Euch auch wieder Kirmeskuchen vom Flannerts mit­gebracht." Dabei begann sie wieder zu kichern und ihre Mausaugen blinkten.

Noch immer sah ich sie verständnißlos an.

Aber habt Ihr denn schon eine andere?" begann sie abermals ängstlich.Das sollte mir doch Deine Mutter nicht anthun, das würde mich sehr kränken, und der gute Verdienst!" (Schluß folgt.)

Bekanntmachung.

Lreitaa. d<« 11. April 1891

* Nachmittags 5 Uhr

lallen aus den Schooren und m den städtischen Anlagen Sicher-, Ahorn- und Pappelstämme, sowie Ausputz­reifer versteigert werden. Zusammen­kunft an der Röhrle'schen Brauerei.

Gießen, 15. April 1891.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 3576

Holz-Versteigerung

iw Gießener Stadtwalde.

Montag den 20. April, 1891, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in dem District Hangelstein nachverzeichnetes Holz versteigert werdm:

A. Bau-, Werk- und Nutzholz.

177 Eichenstämme mit 72,32 Fstm., (darunter 8 Schnittstämme)

7 Nadelstämme mit 1,33 Festm., 8 Buchenstämme mit 1,36

1155 Fichtenstangen mit 16,92

B Brennholz

Scheith. Prügelh. Stockh. Retsh.

Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen.

Buchen 150,7 454,4 84,4 7245

Eichen 74 142 83 2o80

Die Zusammenkunft ist auf dem Weg nach Daubringen am Steinbruch.

Gietzen, am 13. April 1891.

«rotzh. Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 3527

Verkauf von Streumaterial.

Die ausgelagerte Holzwolle in der Kaserne wird Saw-tag den LS. April 1891, Vormittags 10 Uhr, in unferem Geschäftszimmer meistbietend verkauft. Bedingungen Liegen aus. 3557

Garnisonverwaltung in Gießen.

Deciimiltoaagen

in großer Auswahl vorräthig bei [3063 Earl Hensel, Wallthorstraße.

Bekanntmachung.

SamStag den 18. d» M., Nachmittag- 3 Uhr, sollen die dem Hospital gehörigen beiden Grundstücke auf der großen Weide und zwar:

Flur VIII Nr. 79 == 812 Meter,

Flur VIII Nr. 81 und 82 = 1701 lH Meter an Ort und Stelle meistbietend versteigert werdm.

Gießen, den 11. April 1891.

Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.

Gnauth.

Bekanntmachung.

Holzversteigerung.

Montag den 20. April kommen in dem Rodheimer Gemeinde­wald folgende Sortimente Holz zur Versteigerung in den Districten Hain und Riemberg bei dem Dorfe Bieber: 195 Eichen-Stämme mit 120,65 fm, 813 m lang und 1844 cm Durchm.,

1 Buchen-Stamm mit 1,02 fm, 40 Nadelholz-Stämme mit 10,20 fm,

1014 m lang UNd 1520 cm Durchm.,

180 Nadelholz-Stangen I., II. und III. Klaffe,

53 rm Eichen-Scheit,

16 Eichen-Knüppel,

96 Buchen-Scheit,

20 Buchen-Knüppeh

400 Eichen- und Buchen-Reiser, 125 Stockholz,

16 Stück Eichen-Haustöcke,

10 rm Nadelholz-Krüppel,

60 Nadelholz-Reiser.

DienStsg den 21. April kommen in den Districten Wanne 2, Dernburgswald und Lannscheid zur Versteigerung:

5 Eichen-Stämme mit 2,60 fm,

16 rm Eichen-Nutzknüppel, 2 rn lang, 260 Eichen-Reiser,

7 Buchen-Scheit,

7 Buchen-Knüppel,

20 Buchen-Reiser,

254 Nadelholz - Stämme mit 65 fm, 814 m lang und 1420 cm Durchm.,

220 Nadelholz-Stangen L, II. und III. Klaffe,

24 rm Nadelholz-Knüppel,

200 -Reiser,

12 -Stockholz.

Douner-tag den 23. April kommen in den Districten Heegstrauch und Dünsberg zur Versteigerung:

2 Eichen-Stämme mit 0,53 fm,

36 Nadelholz-Stämme mit 14,59 fm, 614 m lang und 1522 cm Durchm.,

6 rm Buchen-Scheit,

12 Buchen-Knüppel,

15 Nadelholz-Knüppel,

150 Nadelholz-Reiser.

Die Eichen - Stämme im District Hain liegen an der Straße bei der Bieber.

Die Versteigerung beginnt Morgens 9 Uhr und wird das Eichenstammholz zuerst verkauft. [3516

Rodheim, den 13. April 1891.

Der Bürgermeister: Schneider.

I. V:

Der Beigeordnete: Schlierbach.

Mlgebotenes.

Wormser Dombau-Geld-Lotterie

Hauptgewinn 75,000 Mark.

Loose a S Mark (Porto und Lifte 30 Pfg.) versenden [2862

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Die Anfuhr an das Haus erfolgt von dem Gaswerk aus bei Abnahme von mindestens 5 Centnern und werden für dieselbe 5 Pfg. per Ctr. berechnet; von Herrn Emil Piftor werden auch kleinere Quantitäten als 5 Centner zugeschickt. 2602 Städtisches Kas- und Wasserwerk Kießen.

*) Zerkleinerung -er Cokes betreffend.

Außer der seither üblichen Zerkleinerung der Cokes für größere Müllöferr wird jetzt noch, nm das Nachrutschen der Cokesstüikcheu in den neueren Oefen mit engeren Füttfchächten zu erleichtern, eine Zerkleinerung in der Korngröße von Anthracitkohlen, sowie eine noch etwas Heinere Sorte als letztere hergestellt.

Wir bitten unsere geehrten Abnehmer, durch Versuche die zweckmäßigste Korngröße für die betreffenden Oefen zu ermitteln und bei Gestellung von zerkleinertem Cokes die gewünschte Sorte Nr. 1 etwas großer als Anthracit, Nr. 2 in der Größe des Anthracit. Nr. 3 kleiner al- Anthracit zu bezeichnen. v D. O.