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UMtilitl k* 17. März

(Stegner Anzeiger4 Beilage zu St. 64. - 1891.

Feuilleton.

Die «eit Eiszeit

Genau zwei Monatt hat der Winter diesmal im unter- brachen geherrscht. Zu Ende November setzte er mit 10 Gr. Kälte ein und Ende Januar machte ihm ein allgemeines Thau- wetter em wasserreiches Ende. Recht auffällig war der Um» stand, baß Süd- und Mitteleuropa zeitweise einer viel strengeren Kälte au-gesetzt waren als Nordeuropa. ES gab Tage, an denen eS in Berlin kälter war als in Petersburg, und wiederum in Norditalien weit kälter als in Deutschland. Und nicht nur Italien, auch Spanien, Südfrankreich und Algerien waren in Mitleidenschaft gezogen. In dem schönen Venedig froren die Lagunen zu, in Neapel, Sicilien und Algier schneite es, Mantua hatte 12 Grad Kälte aufzuweisen, der Arno, die Rhone, der Tajo, der Guadalquivir todten vereist. Alle-, was flüssig war im schönen Süden Europas, war in Bauden geschlagen. Im Departement Gard im südlichen Frankreich begann man für die Olivenernte zu fürchten- in Beaucaire wurde auf der Rhone Schlittschuh gelaufen, was seit Menschengedenken nicht vorgekommen war; die Häsen von Toulon waren mit Eis bedeckt- in Perpignan erfroren mehrere Menschen, die aus Algier in Port-BendreS ankommenden Packetboote waren mit Eis bedeckt, als ob sie vom Nordpole herkämen- ja der strengste, eisigste Winter herrschte bis nach Algier hinab, bis an den Saum der Wüste Sahara.

Und während eS in Südfrankreich eiste und stürmte, herrschte freundlichstes Wetter auf Spitzbergen und in Sibirien. Das war die verkehrte Welt.

3" Wien mußten die Musiker, die auf den Eisplätzen zum Eistanz ausspielten, nach jeder Pause ihre Blechinstrumente an den Gasflammen erst erwärmen und aufthauen laffen, um weiterspielen zu können.

In Algier fiel eine Schneedecke von 26 Cm. Höhe. Aus dem Gouvernementsplatze war der Schnee so bedeutend, daß Biebhaber dort einen Schneemann von 4 Meter Höhe errichten konnten, welcher der dort ausgestellten Statue des Herzogs von Orleans Eoncurrenz machte.

Der Eindruck, den der Schneefall aus die muhamedanische Bevölkerung Algeriens machte, war unbeschreiblich. Die alten Beduinen es gibt auch hier die bekanntenältesten Leute" erinnerten sich, daß im Jahre 1829, ein Jahr »or der Einnahme Algiers, ein Erdbeben stattgesunden hatte, welchem ein reichlicher Schneefall gefolgt war. Seit der Zeit war kein Schneefall über Algier gekommen. Anfänglich war die Bevölkerung bestürzt, dann gewann man dem Ereigniß eine heitere Seite ab, und die kleinen Museljungen fchnee- ballten sich wie anderwärts ihre Altersgenoffen in Stockholm, London und Berlin.

Der Einfluß, den der strenge anhaltende Winter auf unseren gesammten mitteleuropäischen Verkehr auöübte, war ungeheuerlich. Neber im Schnee stecken gebliebene Eisenbahn­züge wurde kaum noch berichtet, noch weniger über ein­gefrorene Schiffe.

Sehr außergewöhnlich hartem Winter gegenüber ist alle- j Geschöpf der Erde wehrlos, ist selbst der großsprecherische Mensch eigentlich immer noch ein hilfloses Kind. Wolle und Pelzwerk, Ofen nnd Kamin und ein strammer Grogk oder Glühwein find die einzigen Waffen, die wir im Lause der Jahrtausende gegen die Kälte erfunden haben. Und jeder rauhe Winter mahnt und, wie nothwendig es wäre, auf mu­tigere Schutzmittel bedacht zu fein, auf solche namentlich, die allgemein wirken und nicht bloS dem Einzelnen zu Gme kommen.

In diesen harten Winterlagen ist den Regierungen das Bewußtsein aufgegangen, daß der Winterschutz zu den Pflichten des Staates gehört.

Am geschicktesten haben sich die Franzosen erwiesen- sie marschirten diesmal wirklich an der Spitze der Civilisation. Minister Constans verlangte und erhielt von der Kammer einen Credit von sechs Millionen Francs, wofür Wärme für die Nothleidenden angeschafft wurde. Der Pariser Gemeinde­rath bestimmte eine ansehnliche Summe zu Wohnungsbeittägen für bedürftige Miether - die Zahl der Betten in den Spitälern vermehrte man um zwölfhundert- alle leerstehenden Räume irgend welcher Art, Schulen, Turnsäle, Tanzlocale, wurden in Suppenanstalten und Nachtasyle umgewandelt- man ließ die Kirchen Heizen und des Nachts offen stehen - sie gewährten ehedem jedem Unglück eine Freistatt, warum sollten sie dem Obdachlosen verweigern, was sie srüher dem Verbrecher zugestanden? Gleichviel, ob ein öffentlicher Raum dem Ver­gnügen oder der Andacht geweiht, in diesen harten Tagen sollte er dem Elend dienen. Aus einem großen Wandel­panorama machten sie ein Nachtlager für zweitausend Arme. Was Augenlust, wenn die Leute vor Kälte erstarren! Der große Kunstpavillon auf dem Marsfelde bot 1500 Schläfern allnächtlich rinen Unterschlupf in durchheizten Räumen. Auch die bekannte, unermeßlich große Maschinenhalle der letzten Weltausstellung wurde ein Heim für Obdachlose - man konnte sie zwar nicht Heizen, aber man stellte darin warme Zelte aus und das französische Kriegsminifterium gab fünftausend Matratzen und fünftausend wollene Decken für das Nachtlager unter dem riesigen Glasgewölbe her. Die vereinigten Pariser Zeitungen veranstalteten Sammlungen, welche über eine halbe Million Francs ergeben haben. Paris hatte aber allein über 200,000 Arme zu versorgen und besitzt mit Italien die aller­schlechtesten Heizvorrichtungen.

Denn das ist erwiesen, daß wir Nordländer, wir Deutsche, Engländer, Dänen, Schweden, Russen, verhältnißmäßig am wenigsten durch die abnorme Kälte zu leiden hatten. Und das alles, weil wir gute Oesen haben. Bei uns hatten nur die wirthschastlich Schwachen zu leiden.

Darum Dank Dir, Du guter deutscher Ofen! Wenn deine Verfertiger den rechten kaufmännischen Geist walten lassen wollten, so beeilten sie sich jetzt und stellten in Neapel, Rom, Florenz und Mailand, in Toulon, Marseille, Paris, eine gut durchwärmte deutsche Ätube aus und brächten die Südländer zur Nacheiferung, daß sie ihr elendes Kaminzeug ( abschaffen und die bessere Einrichtung, den guten Ofen, auf- | stellen möchten.

Woher kam nun all btt grimme Kältehäufung, diese neue Eiszeit? Man hat gefroren, wie noch in keinem Winter, man hat Leidensgesährttn in Ländern gehabt, welche niemals zuvor des Winters rauhe Hand gegriffen hatte; nun möchte man auch wissen, wie und woher all das gekommen ist. Mit Marthe Schwerdtlein sagt man:Man möchte gern ein Zeugniß haben, wo, wie, woher das alles kam. Man ist von je der Ordnung Freund gewesen, möcht alles nun im Wochenblättchen lesen."

Die in dreihundert Jahren lebenden Gelehrten mögen vielleicht genauere Antwort aus solche Frage geben können al- unsere gelehrten Mitbürger. Für heute müssen wir uns an diese halten und darum wollen wir einem französischen Gelehrten das Wort geben, der sich vor einigen Wochen über den Gegenstand ausgelassen hat.

Der französische Gelehrte Emile Gautier führt die außer­ordentliche Strenge des gegenwärtigen Winters ausLaunen" des Golfstroms und auf das Treiben der Eisberge zurück. Wenn sich die Eismaffen lösen, um nach Osten ober Westen zu treiben, so steigt die Temperatur in Island, wogegen Nor­wegen, England, Frankreich, Deutschland ihren Schutz gegen die aus dem höchsten Norden kommenden eisigen Luftströmungen verlieren. Da das Treiben des Eises im hohen Norden im Frühjahr beginnt, so wird zunächst unsere Sommertemperatur hierdurch beeinflußt. Hierbei bleibt jedoch zu berücksichtigen, daß die Eisberge äußerst langsam schmelzen. Werden sie von den absteigenden Strömungen nach dem Süden sortgeriffen, so legen sie täglich 810 Meilen zurück und brauchen daher Wochen und selbst Monate, bis sie in den warmen Golfstrom gelangen und zerschmelzen. Diese Eisberge haben einen fabel­haften Umfang. Am 21. September wurde in der Nähe des Caps Race (Halbinsel Avelon) ein derartiger schwimmender Gletscher beobachtet, der eine Höhe von 200 Metern und einen Umfang von 5 Kilometern hatte. Bedenkt man, daß der unter Wasser schwimmende Theil dieser Ungethüme den sichtbaren um das Sieben- bis Achtfache überragt, so ist eS selbstverständlich, daß beim Zerschmelzen dieser Massen eine ungeheure Wärmemenge absorbirt werden muß. Die Folge hiervon ist, daß der durch die Eismassen abgekühlte Golf­strom seinen Einfluß nicht mehr ausüben und dem gestrengen Herrn Winter keine Vernunft beibringen kann. Nun sollen aber nach den amtlichen Aufstellungen des Hydrographischen Bureaus von Washington gerade die Eisberge in den Polar­gegenden sehr häufig gewesen sein und sich erst spät gelöst haben.

So die Erklärung des Herrn Prosessor Gautier. Sie ist ein wenig weit hergeholt und gibt wahrscheinlich nur eine theilweise Erklärung für die abnorme Witterung der ver­gangenen Monate.

Für das kommende Frühjahr prophezeien Wetterver­ständige, daß keine Spätfröste eintreten werden. Das wäre Heil für alle Welt, wenn die Propheten Recht behielten. (AusZur guten Stunde", Jllustrirte Zeitschrift. Verlag: Deutsches VerlagshauS Bong, Dominik u. Co. in Berlin).

Holz-Versteigerung.

De««er»tag, 19. März I. I, vox Vormittags 9 Uhr an sollen im Gemeinewald zu

Großen-Buseck,

District Schlieberg, versteigert

37 Lichen-Stämme mit 33,18 Festm.

25 Nadel-Stämme 7,72

16 Buchen-Stumme 16,29

380 Rmtr. Buchen-Scheitholz

4 Eichen-Scheüholz

36 Buchen'Knüppel

8 Eichen-Knüppel

30 Nadd-Knüppel

48 Hundert Buchen-Reiserwellen

6 Eichen-Reiserwellen

11 Radel-Reiserweüen

80 Rmtr. Buchen-Stöcke

8 Eichen-Stöcke.

Die Zusammenkunft ist am Reis- kirchnerweg.

Großen-Buseck. 13. März 1891.

Gr. Bürgermeisterei Großen-Buseck.

Stephan. 2370

Mittwoch den 18. Mär), Nachmittags 2 Uhr, soll« auf dem hiesigen Ottsgericht erbver- HeilNAgrhalber die den Philipp Daniel Ockel EtzÄeate« in Gießen gehörigen Immobilien:

Alur I Nr. 363 56 Meter Hosraithe im Tiefenweg,

Klar Kl Nr. 24 - 1700 Meter Acker an der alten Leimenkaute,

Klar m «r 25 - 1700 Meter Acker daselbst,

! Rr. 41 - 2525 Meter Acker am Wismarer Weg über dem Schulbachischen Acker, Flnr 32 Sir. 160 1706 Meter Acker im Altenfeld auf das Bruch Lssentttch freiwillig »ersteigert werben.

Gieße«, 12. März lb91.

Großh. Ortsgericht Gießen.

Z. A-: Bogt, 2281

Holzversteigerung.

Au- de« Waldungen deS Gr. OberfkallmeifterS Frei­herr« von Nabenau, District Möuchwald und Kernberg, werden

Freitag den SV. d. MtS, von Morgens 91/2 Uhr an, im Schloßhof zu Großen-Buseck versteigert:

20 Stück Eichen mit 5,55 Fm., 24 Kiefern mit 10,69 Fm.

50 Stück BohnenstangenMit 0,59 Fm.

8 Rm. Eichen-, 2 Rm. Kiefern- und 4 Rm Aspen Knüppel-

36 Hundert Buchen-, 34 Hundert Eichen- und 6V2 Hundert Nadel- Reifig-Wellen 2421

Diejenigen, welche das Holz vor der Versteigerung einzusehen wünschen, wollen sich an die Forstwarte Melior und D 0 r t zu Großen-Buseck wenden.

Treis a/Lda., 12. März 1891. Amendt, Forstinspector.

Dirnslsg den 17. März

Nachmittag- 2 Uhr

wird wegen Aufgabe einer Peufton Liebigvratze 61 (Riegelpfad) ver­steigert:

1 Sopha, 4 fast neue Tische, 2 Bett­stellen mit Sprungfedermatratze, 2 Kleiderschränke, 2 Kleiderständer, Waschtisch, Wascheonsole, 1 Nacht­tisch, 1 Eommode, 2 Spiegel, 6 Stühle, 1 neue- Bücherregal, 1 Parthie guter Herreukleider, 1 Leiter und etwas HauSgerüthe, 2 Etageren u. s. w.

Im Auftrag:

Louis Rothenberger,

2354 Auktionator.

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Marburg.

Nächsten Donnerstag den 19. d. Mts.

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