Dienstag de« 15. December
(Steinet Anzeiger.
Beilage zu Rr. 292. -1891
Feuilleton.
Auf Umwegen.
Novelle von F. Stöckert.
(3. Fortsetzung.)
Sein Glaube an seine Unwiderstehlichkeit war aber doch etwas schwankend geworden aus dieser Rheinfahrt und das vernichtende Wort, daß er ein eingebildeter Geck sei, tönte fort und sort in seinen Ohren, trotzdem Wochen und Monate vergangen seit jenem Tage, wo er es vernommen.
Kalte Nordwinde brausten durch die Lande- es war Winter geworden und das Leben in der Residenz bot Unterhaltung aller Art. Erich Rode war ein eifriger Besucher aller Theater, Concerte, Bälle und Gesellschaften. Er wollte sich zerstreuen, wollte die kecken, braunen Augen Ilsens durchaus vergessen, aber es gelang ihm nicht, immer wieder tauchten sie vor ihm auf, wie zwei lichte Sterne, die stetig über seinem Leben leuchteten.
Gab es wirklich unsichtbare Schicksalssäden? Gab es wirklich noch Parzen, die da gleich den anderen Göttern im Exil, von denen Heine uns erzählt, in irgend einen Winkel der Welt verbannt waren, dort ihre Fäden unverdrossen weiterspannen von Herzen zu Herzen? — Aber wenn dem so war, wenn die Parzen sein und der schnippischen Ilse Herz umsponnen, mußte da nicht auch vor ihren Augen sein Bild austauchen und sie vorwurfsvoll anblicken, der Kränkung wegen, die sie ihm angethan?
Ja, wer ihm das sagen könnte! Es wäre doch eine kleine Genugthuung. Und wo mochte sie weilen? Würde die zierliche, leichte Gestalt je wieder ihm begegnen?
Ach, er ahnte nicht, daß Ilse Welten oft dieselbe Luft mit ihm athmete, oft in denselben Räumen, im Theater oder in Concertsälen mit ihm weilte. Das lebenslustige Fräulein Berg führte ihren Schützling überall hin,- Opern- und Schauspielhaus wurden besucht, auch noch verschiedene andere Theater,- man promenirte Unter den Linden, im Thiergarten, und heute, em paar Tage vor Weihnachten, da gingen die beiden Damen dicht an Erich Rode vorüber, ohne daß er sie sah.
Fräulein Berg aber hatte ihn sofort erkannt.
„Das war ja der schöne Geck vom Rhein!" ries sie lachend.
Ilse blickte der eleganten Gestalt träumerisch nach.
,/Ja, schön war er wirklich- ich habe eigentlich solchen schönen Mann noch nicht wieder gesehen seitdem."
„Warum sind Sie auch so kurz angebunden gegen ihn gewesen, liebe Ilse? Er war vielleicht gar nicht so geckenhaft. Schöne Männer werden auch in der Regel sehr verwöhnt von den meisten Damen."
„Eben darum muß man ihnen zeigen, daß man sich nicht von ihrem Aeußeren bestechen läßt, daß man Cha- racter hat."
„Nun, Character besitzen Sie ganz unzweifelhaft, das haben Sie bewiesen mit dem Korbe, den Sie jenem Herrn Doctor Rode gegeben haben. Die wenigsten Mädchen hätten das heutzutage gethan und hätten es vorgezogen, das Vaterhaus zu verlassen und in die weite Welt zu gehen, anstatt Frau Doctor zu werden. Neugierig bin ich übrigens auf den gestrengen Herrn Papa. Ich fürchte, er läßt Sie nicht wieder sort, wenn wir unsere Weihnachtsreise noch ausführen, ich werde wohl müssen allein zurückkehren. Ach, und ich habe mich so an Ihr liebes, fröhliches Gesichtchen gewöhnt, daß mir das Leben wohl öde vorkommen wird ohne Sie."
„O, da haben Sie keine Sorge," erwiderte Ilse, „wir sind ja drei Schwestern, und drei erwachsene Töchter werden jetzt nicht mehr in einer Familie geduldet, das ist gesetzwidrig, da muß schon eine in die Fremde gehen. Nein, der Papa wird mich ruhig wieder ziehen lassen und ich gehe auch sehr gerne wieder mit Ihnen zurück, so sehr ich mich auch auf das Weihnachtsfest zu Hause freue, denn so schön wie bei uns ist es, glaube ich, nirgends zu Weihnachten. Meine Brüder, die beiden Studenten, kommen dann auch, ach, und das ist ein Leben, eine Fröhlichkeit, wenn wir alle im dunklen Zimmer sitzen und nebenan die Eltern die Tanne schmücken und für uns die Geschenke ausbauen. Die ganze selige Kindheit rauscht zurück in solchen Stunden."
„Ja, schön ist es, eine solche Heimath zu haben," sagte : Fräulein Berg, und über ihr fröhliches Gesicht flog es wie - Schatten.
" „Mir ist es nie so gut geworden, meine Eltern verlor
—aman aca—8—
ich in frühester Kindheit, Geschwister besitze ich nicht. Längst habe ich mich ja auch in all dies gefunden, aber wenn das Weihnachtsfest naht, wenn ich sehe, wie überall um mich herum die Menschen eifrig schaffen und sich zu dem Feste rüsten, dann erfaßt mich jedesmal ein trostloses Gefühl der Vereinsamung und ich muß mich sehr zusammennehmen, mich davon nicht übermannen zu lassen. Nun, dies Jahr aber werde ich das Fest ja im fröhlichen Familienkreise feiern! Ich freue mich wirklich unbeschreiblich darauf."
„Und ich erst!" ries Ilse, „wäre es nur erst so weit!" „Die paar Tage werden schnell genug vergehen und wir haben noch genug zu thun bis dahin."
„Ach ja," seufzte Ilse, „ich muß noch sehr fleißig sein." Die Beschäftigung mit Handarbeiten war durchaus nicht ihre Passion. Trotzdem war sie aber doch sehr fleißig am Abend dieses Tages- mit hochrothem Gesicht saß sie über eine Stickerei gebeugt, während Fräulein Berg aus einem Journal vorlas?
Ilse war aber nicht sehr andächtig bei dieser Vorlesung, sie hatte so ihre eigenen Gedanken- und aus all den bunten Wollensträhnen, deren Fäden sie verarbeitete,! da tauchte hin und wieder ein braunlockiger Männerkops auf.
Was wollte er nur? Ja, die Parzen, die Parzen, oder war es Cupido, der sein loses Spiel mit ihr trieb?
Unter eifrigen Zurüstungen waren so den beiden Damen die letzten Tage vor dem Feste vergangen. Ihren Koffer hatten sie schon sortgeschickt, denn Fräulem Berg liebte es, ohne Gepäck zu reisen.
„Wir steigen dann gemüthlich in die Pserdebahn," meinte sie. „Auf der Bahn brauchen wir nur die Billete zu lösen und haben keine Laufereien und Besorgungen weiter."
Ilse war natürlich mit dieser bequemen Art zu reisen sehr einverstanden, und so stiegen sie denn am Vormittag des 24. December gemüthlich in die Pferdebahn. Ueberall an den Haltestellen herrschte ein reges Leben und Treiben- alle Menschen, die da aus- und einstiegen, männlich wie weiblich, waren mit Packeten, Schachteln und Kästen beladen, und auf den meisten Gesichtern lag schon eine frohe, festliche Erregung. Es war ja Heiligabend!
(Fortsetzung folgt.)
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