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Mittwoch de 15 Juli

(Stegner Anzeiger.

Beilage zu Rr 161. - 1891

Feuilleton.

Die Menfchrnfänger in der Türkei.

Am 15. Juli 1890, Morgens nach 5 Uhr, verließ ich zu Wagen Bazont, von meinem Rechnungsbeamten, Herrn Mejor, begleitet, um die Bauarbeiten des gegen Karakeni zu, etwa zwanzig Kilometer entfernten Theiles meiner Section einer neu zu erbauenden Eisenbahn zu inspiciren. Ein herr­licher Morgen war angebrochen, ein seit Wochen ungetrübter tiefblauer Himmel verhieß hohe Tagestemperatur, vor der wir rechtzeitig geborgen zu sein hofften. So waren wir etwa sechs Kilometer weit gefahren und, mehrere beladene Fuhrwagen überholend, in ein Defile gelangt, ohne irgendwie Auffälliges bemerkt zu haben. Am Ein- und Ausgange dieses Defiles befindet sich je eine Karaula (Blockhaus). Der Zaptieh in der ersteren Karaula hockte im Untergewand und blossüßig vor der Thüre, damit beschäftigt, seinen Morgenkaffee zu be­reiten. Mit flüchtigem Gruße fuhren wir weiter, sorglos plaudernd, etwa ein Kilometer. Da tritt, wie ein Nebel­bild, plötzlich vor uns die Erscheinung dreier, bis an die Zähne bewaffneter Männer in bulgarischer Tracht- schon sind sie den Pferden in die Zügel gefallen, schon hat ein Vierter den Arm des Kutschers gepackt, der seinen Revolver ergreifen wollte- ein rascher Blick seitwärts und ich sehe drei andere Gestalten neben deut Wagen auftauchen. Indessen war schon mein Kutscher gebunden und im herrischen Tone riefen uns zwei der Gesellen zu, vom Wagen zu steigen. Um ihren Worten etwas mehr Nachdrrck zu gebrn, legten sie gleichzeitig beiderseits ihre Gewehre auf uns an, ein Argument, dem wir keine Veranlassung hatten, uns zu verschließen. Wir gehorchten also und nun eröffneten uns die Vertreter der Gruppe", daß wir 3000 Lire (eine türkische Lira 9 fl. 10 kr.) Gold zu erlegen hätten. Im Falle wir diese Summe nicht bei uns hätten, würde uns bis zum Eintreffen derselben eine Villeggiatur in den Wäldern offerirt. Es hals uns

nichts, auf den im schreiendsten Mißverhältniffe zum gesor- derten Betrage stehenden Inhalt unserer Geldtäschchen hin- zuweisen. Zwischen einem Spalier von Repetirgewehren führte man uns nach rückwärts, die Straße entlang. In­dessen hatten sich aus derselben zahlreiche Fuhrwagen an­gesammelt, die von den Briganten am Meitersahren verhin­dert wurden, um nicht die nächstgelegene Karaula zu allarmiren. Das bloße Commando des Capitäns:Halt hier eine halbe Stunde!", unterstützt von einem in Anschlag stehenden Schützen neben dem vordersten Wagen, genügte, um eine Kette von 40 Wagen anzuhalten. Keiner der Fuhrleute machte auch nur den Versuch, uns zu helfen- in das Packstroh des Wagens versteckt, betrachteten sie theilnahmslos das Schauspiel.

Wir wurden an den Fluß geführt, Huckepack hinüber­getragen und nun in rasender Eile den gegenüberliegenden Bergabhang hinaufgetrieben. Gezogene Handschars mahnten uns nachdrücklich zur Beschleunigung des Tempos, so oft unsere Kräfte zu erlahmen drohten. So stiegen wir an hundert Meter empor und hier wurde, gedeckt von einem Felsvorsprung, Rast geboten. Die Räuber, die nur schlecht türkisch, etwas besser griechisch, unter sich aber arnautisch (albanesisch, eine Mischsprache aus griechisch, türkisch, serbisch und italienisch) sprachen, erklärten nun, wir hätten brieflich sofort 3000 Lire zu verlangen, den Brief würde unser Kutscher an seine Adresse befördern. Würden wir aber, so hieß es, wagen, Zaptiehs zu verlangen, oder sollten auch nur unsere Freunde Miene machen, die bewaffnete Macht zu unserem Schutze aufzubieten, so flögen beim ersten Versuche unsere beiden Köpse. Die verlockende Aussicht auf diese Doppelhinrichtung kam denn auch in unserem depeschenartigen Schreiben zum stimmungsvollen Ausdruck.

Indessen hatte sich doch das Gerücht von dem Geschehenen verbreitet. Zaptiehs eilten aus den benachbarten Karaulas herbei und plötzlich ertönten Schüsse. Neugierig erhoben wir, im Grase zum Schreiben gelagert, die Köpfe, da heißt es schonDucken!" und in der That schlagen dicht neben uns

die Kugeln ein- die eine derselben bewahre ich noch heute als Andenken. Der Capitän, an solche Scenen mehr ge­wöhnt als wir, commandirte in aller Seelenruhe:Zwei Martini (nämlich zwei Mann mit Martini Stutzen) vor!" und wie am Manöverplatze, accurat, ruhig und gelassen, vollzieht sich die Bewegung. Zwei Mann werfen sich aus einen vorgelagerten, bastionartigen Felsen und erwidern das Feuer der Zaptiehs. So werden beiderseits zwölf bis fünf­zehn Schüsse abgegeben. Endlich verstummt das Feuer beiderseits, wir heben die Köpse, die Zaptiehs haben sich, der Tapferkeit besseren Theil erwählend, in die Karaula zurück­gezogen und nun begibt sich einer der Räuber hinunter auf die Straße, übergibt dem bis dahin gefangen gehaltenen Kutscher unsere Briefe und schon sehe ich meinen Wagen in rasendem Galopp nach Bazont fahren.

Wir aber ziehen weiter. Schweigend, nur mit ge­zogenem Handschar winkend, treiben uns die Räuber zur Eile an. Unter dem 38. Breitengrade brennt die Sonne schon um 8 Uhr Morgens gehörig heiß. Nach anderthalb­stündigem Anstieg auf kahler, nur stellenweise mit Buschwerk bewachsener Felslehne haben wir den Kamm erreicht und da­mit auch schattiges Gehölz vor uns. Zwei Schnarrposten werden an die Lisiere beordert, wir lagern uns erschöpft im Innern des Waldes.

Also wie viel Geld hast Du in Bazont?" herrschte mich der Hauptmann an, nachdem wir an einem Trunk Wasser unseren Durst gelabt. So weit war ich nun schon Orientale geworden, um hierauf nicht direct zu antworten, sondern in gebrochenstem Türkisch eine lange Geschichte zu erzählen, daß ich mit Geld gar nichts zu thun habe, daß die Kasse anderwärts in Eskischehir sich befinde, daß nur zeit­weilig größere Summen von Stambul anlangen, und daß so auch die 3000 Lire, die er verlangt, erst von dort gesandt werden müßten. Gegenwärtig seien etwa vier bis fünf Lire in Bazont. (Schluß folgt.)

Bekanntmachung.

Zufolge Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß im Laufe des Monats August vor­aussichtlich keine Sitzungen der Stadtverordneten-Versammlung abgehalten werden. Dringliche, die Beschlußfassung der Stadtverordneten-Versammlung erfordernde Angelegenheiten sind daher behufs vorgängiger Erledigung bis spätestens 18. d. Mts. bei uns vorzubringen.

Gießen, den 10. Juli 1891.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

___________Gnauth._____________________6411

Bekanntmachung.

Auf den am 22. d. Mts. dahier stattfindenden Markt machen wir hierdurch aufmerksam, da mit demselben wieder Rindvieh- und Schweinemarkt verbunden ist.

Homberg a. d. O., am 8. Juli 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Homberg a. d. O.

Repp. 6307

Mittwoch den 12° August, Nachmittags 21/2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Friedrich Welker Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien:

Flur 40 Nr. 296 450 Meter Acker auf dem Sand,

Flur 40 Nr. 297 - B88 Meter Acker da­selbst,

Flur 1 Nr. 39 12 Meter Hofraum Miststätte in der Mühlgasse, Flur 1 Nr. 41 - 75 Meter Hofraithe in der Mühlgasse öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 29. Juni 1891.

Großh. Ortsgericht Gießen.

__________I. A: Bogt. 6008

Mittwoch den 15 Juli,

Vormittags 10 Uhr, wird auf dem hiesigen Viehmarkte eine Kuh gegen Baarzahlung versteigert.

Geißler, 6436 Gr. Gerichtsvollzieher.

Mittwoch der 15. Juli,

Nachmittags 2 Uhr beginnend,

werden im Laden des Herrn Möbelfabrikanten Lotz, Neustadt 11, die noch übrigen Möbel, Geschäftsfournituren, Werkzeuge und Utensilien meistbietend versteigert.

Besonders sind dabei:

1 Silberschrank, 1 Bücherschrank, 1 Damenschreibtisch, 1 Polster­sessel, 1 Marmortischchen, 1 Kinderbett, 1 Stehpult, 3 Gold­stühlchen, 1 Kinderstühlchen, 1 Comptoirstuhl, verschiedene andere Stühle, 1 Toilettenspiegel, 1 Krankenstuhl, 1 Krankentisch, 1 Closet, 1 Bidet, 1 Portiere, Gallerien u. s. w., Möbelstoff, Plüsch, Galleriefranzen, Vorhangstoff, Rouleaux, Kleiderleisten, Möbelgimpen, Kordel, Quasten rc. re.

1 Hobelbank, 1 Nähmaschine für Sattler, Werk­zeuge, Fournituren u. s. w. [6277

Moderne Holz- und Metallbeschläge, Kloben, Nägel, Ver­zierungen, Porzellanringe, Stechgarn, Schnürfaden, Schellack, Leim, ca. 6 Ctr. Sprungfedern, 4 Ctr. Seegras, Rohr, Federn rc.

1 Roßhaarmaschine, 1 Seegrasmaschine, 1 Nessel­maschine, 2 Möbelhandwagen, 1 Schienenwägelchen, ca. 120 Ctm. lang, 1 Schlitten, 1 großer Schleifstein.

I. A.:

________Louis Rothenberger, Auktionator.

Das Jahresfest

des Gießener Zweigvereins der Gustav-Adolf-Stistung soll, so Gott will, nächsten Mittwoch den 15. Juli in Lang-Göns gefeiert werden. Festprediger im Vormiltagsgottesdienst ist Herr Pfarrer Nies aus Ettings, hausen, derjenige im Nachmittagsgottesdienst Herr Pfarrer Volp aus Allendorf a. d. Lumda. Der Vormittagsgottesdienst, in welchem der Bericht von Herrn Prof. Stamm erstattet wird, soll nach Ankunft des 950 Uhr von Gießen abgehenden Zuges um l01/4 Uhr seinen Anfang nehmen. Nachmittags nach der Predigt wahrscheinlich noch Ansprachen.

Zur Theilnahme lädt alle Freunde der Gustav-Adolfs-Vereinssache herzlichst ein Für den Borstand:

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amtfannf vorzügliche- Fabrikat, empfiehlt

4295 I. Happel, HeuHaöl 56.

Aufforderung.

Forderungen an den Nachlaß des Fräulein Bertha Worms von hier wolle man alsbald bei dem Unterzeichneten anmelden.

Gießen, den 7. Juli 1891.

Der Testamentsvollstrecker:

Holzapfel, Rechtsanwalt. 6306

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