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1891

Mittwoch den 14. October

Nr. 239

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Anrts- und Anzeigeblatt für den Nrei» Gieren. __ä JM Lazetgea für dmGießener Anzeiger" cntgcye.

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

bett, den Oberhessischen Obstbauverein.

In Folge der Erweiterung des bisherigen Wetterauer zum Oberhessischen Obstbauverein ist für den Vereinsbezirk (Kreis) Gießen die Neuwahl eines Vorsitzenden und dessen Stellvertreters erforderlich geworden. Zur Vornahme dieser Wahl lade ich die Mitglieder des Obstbauvereins^aus dem Kreis Gießen zu einer Generalversammlung auf Sonntag den 18. October l. I., Nachmittags präcis 23/< in Steins Garten zu Gießen ergebenst ein.

Gießen, den 7. October 1891.

Der bisherige Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen.

Nebel, Amtmann.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. October. Der Kaiser hat sich in Be­gleitung der Kaiserin am Montag Nachmittag von der Wild­parkstation bei Potsdam aus zu mehrtägigem Aufenthalt nach Jagdschloß Hubertusstock begeben.

Der B u n d e s r a t h hat bei seinem Wiederzusammen­tritte in voriger Woche u. A. den Entwurf des neuen Trunksuchtsgesetzes den zuständigen Ausschüssen zur Vorprüfung überwiesen. Allseitig herrscht die Anschauung vor, daß der Entwurf noch nicht so bald aus den Ausschüssen an das Plenum zurückgelangen werde, da er in den Aus­schüssen einer tiefgreifenden Umarbeitung unterzogen werden dürfte. Dieselbe macht sich im Hinblick auf die überwiegend ungünstige Aufnahme, welche der genannte Entwurf seitens der öffentlichen Meinung erfahren hat, sowie angesichts des Widerspruchs, den einige Bundesregierungen dem Vernehmen nach gegen verschiedene Bestimmungen des.Entwurfs erhoben haben, nothwendig. Es läßt sich darum auch noch durchaus nicht übersehen, zu welchem Zeitpunkte etwa die Trunksuchts- Vorlage an den Reichstag gelangen wird- möglicher Weise geschieht dies in der bevorstehenden Winter-Session noch gar nicht.

Die Wiedereröffnung des Reichstages soll nun­mehr aus den 17. November festgesetzt sein- da es sich ledig­lich um die Fortsetzung der am 9. Mai vertagten Session handelt, so erfolgt natürlich die Wiederaufnahme der Reichs­tagsverhandlungen ohne besondere Förmlichkeiten. Bedauer­lich bleibt es aber, daß das Reichsparlament zu einem so späten Zeitpunkt seine Arbeiten für die Wintersesston auf­nimmt. Denn nach wenigen Wochen muß dann der Reichs­tag seine Berathungen wegen des Weihnachtsfestes wieder unterbrechen, im Januar aber tritt der preußische Landtag zusammen und erfahrungsmäßig wirkt das Zusammentagen desselben mit dem Reichstage ungünstig aus den Fortgang der Arbeiten in beiden Parlamenten ein. Die späte Wieder­aufnahme der Reicbstagsverhandlungen wird damit zu be­gründen gesucht, daß der Reichsetat für 1892/93 nicht eher fertiggestellt werden könne. Wenn dem wirklich so ist, so gibt es indessen doch anderes Berathungsmaterial, das zum Theil schon fertig ist, wie die Novelle zum Krankenkassen- ^esetz und das Telegraphengesetz, oder das bis Anfang November jedenfalls zur parlamentarischen Erörterung reis sein wird. Der Reichstag verliert demnach durch seinen späten Zusammentritt unnöthig kostbare Zeit und es wäre in der That höchst wünschenswerth, wenn noch jetzt Verände­rungen in den betreffenden Disposttionen getroffen würden.

Berlin, 12. October. Nach der im Reichs-Eisenbahn- amt ausgestellten veröffentlichten Nachweisung der aus deutschen Eisenbahnen - ausschließlich Bayerns - im Monat August ds. Js. beim Eisenbahnbetriebe (mit Ausschluß der Werkstätten) vorgekommenen Unfälle waren im Ganzen zu verzeichnen: 6 Entgleisungen und o Zu­sammenstöße aus freier Bahn, 19 Entgleisungen und 15 Zu­sammenstöße in Stationen und 201 sonstige Unfälle (Ueber- fahren von Fuhrwerken, Feuer im Zuge, Kesselexplosionen und andere Ereignisse beim Eisenbahnbetriebe, sofern bei letzteren Personen getödter oder verletzt worden sind). Bei diesen Unfällen sind im Ganzen, und zwar größtentheils durch eigenes Verschulden, 221 Personen verunglückt, sowie 58 Eiien- b»l)nfahrzeuge erheblich und 130 unerheblich beschädigt. Von den beförderten Reisenden wurden zwei getödtet und elf ver­letzt und zwar entfallen je eine Tödtung aus die Verwaltungv- bezirke der Königlichen Eisenbahn-Directionen zu Hannover und zu Berlin, vier Verletzungen auf den Verwaltungsbezirk der Königlichen Eisenbahn-Direction zu Erfurt, je zwei Ver­letzungen aus die Königlich württembergischen Stacttsersen-

bahnen und auf den Verwaltungsbezirk der Königlichen Eisenbahn-Direction zu Köln (linksrheinisch), je eine Ver­letzung aus die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen, auf den Verwaltungsbezirk der Königlichen Eisenbahn-Direction zu Altona und auf die Grobherzoglich badischen Staatseisen­bahnen. Von Bahnbeamten und Arbeitern im Dienst wurden beim eigentlichen Eisenbahnbetriebe 33 getödter und 148 ver­letzt, von Steuer- u. s. w. Beamten 1 verletzt, von sremden Personen (einschließlich der nicht im Dienst befindlichen Bahn­beamten und Arbeiter) 15 getödtet und 11 verletzt. Außer­dem wurden bei Nebenbeschäftigungen 42 Beamte verletzt. Von den fämmtlichen Unfällen beim Eisenbahnbetriebe ent­fallen auf: A. Staatsbahnen und unter Staatsverwaltung stehende Bahnen (bei zusammen 33 658,36 Km. Betriebs­länge und 1 016 467 630 geförderten Achskilometern) 234 Fälle, davon sind verhältnißmäßig, d. h. unter Berücksich­tigung der geförderten Achskilometer und der im Bettiebe gewesenen Längen, in den Verwaltungsbezirken der Königl. Eisenbahn-Direction (rechtsrheinisch) zu Köln, auf der Main- Neckar-Eisenbahn und in dem Verwaltungsbezirk der Königl. Eisenbahn-Direction zu Altona die meisten Unsälle vor­gekommen. B. Privatbahnen (bei zusammen 2529,33 Km. Betriebslänge und 36 264 292 geförderten Achskilometern) 12 Fälle, und zwar auf die Hessische Ludwigs-Eisenbahn zehn Fälle und aus die Lübeck-Büchener Eisenbahn zwei Fälle - verhältnißmäßig sind auf der Lübeck-Büchener Eisenbahn die meisten Unfälle vorgekommen.

Nemcftc Nachrichten.

WotffL telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.

Bayreuth, 13. October. Der Reichstags-Abgeordnete Feuster ist gestorben.

Stuttgart, 12. Oktober. DerStaatsanz." meldet: Der König genehmigte das Pensionirungsgesuch des Finanz- mimsters- den anderen Ministern, welche anläßlich des Thron­wechsels ihre Portefeuilles zur Verfügung stellten, gab der König unter der Versicherung seines Vertrauens den Entschluß zu erkennen, eine Aenderung des Ministeriums nicht zu ver­fügen. Heute Nachmittag findet die Eröffnung der letzt­willigen Verfügung des verstorbenen Königs statt.

Straßburg, 12. October. Der Statthalter empfing den Gemeinderath, welcher Namens der Einwohnerschaft für die Erleichterungen im Grenzverkehr dankte.

Wien, 12. October. In der heutigen diesjährigen ersten wissenschaftlichen Sitzung des Wiener medicinischen Doctoren- collegiums gedachte Prof. Stricker anläßlich des 70. Geburts­tages Virchows dessen Verdienste aus dem Gebiete der Anatomie und Pathologie. Die Versammlung beschloß ein­stimmig, ein Telegramm an den Jubilar zu senden. Außerdem wurde Professor Meynert beauftragt, die Beglückwünschung des Collegiums in Berlin zu übermitteln.

Wien, 12. October. Heute Vormittag begannen die Verhandlungendes Eongresses der Nahrungsmittel­chemiker und Mikroskopiker. Jnosficiell nahm unter Anderen auch der bekannte Fachmann Herr Raubenstrauch aus Wiesbaden Theil. Hofrath Ludwig begrüßte die Versamm­lung und drückte den Wunsch aus, der Congreß möge eine internationale Vereinigung zur Unterdrückung der Nahrungs­mittelverfälschung anbahnen.

Budapest, 12. October. Eine Deputation der Bürger­schaft' unter Führung des Oberbürgermeisters drückte beim Ministerpräsidenten ihre Freude aus, daß die Vorsehung den Monarchen bei dem Rosenthaler Eisenbahnfrevel vor Gefahr bewahrt habe. Graf Szapary sprach freudig seine Bereitwilligkeir aus, die Kundgebung der Hauptstadt des Landes an den Kaiser gelangen zu laffen. Die Congrega- tionen des Pester und des Temeser Comitats sprachen sich in gleichem Sinne aus.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 12. October. Nach derNordd. Allgem. Ztg." wurden 120 russische Auswanderer, welche wegen Arbeitsscheu dem städtischen Asyl zur Last lagen, heute an die russische Grenze befördert.

Berlin, 12. October. Das ehrengerichtliche Ver­fahren gegen die beiden Verteidiger im Heinze'schen Mord- proceß ist wegen Secttrinkens während der Sitzung und anderer Ungehörigkeiten eingeleitet.

Berlin, 13. October. Hiesige Blätter melden aus Leipzig: Auf Requisition der Berliner Staatsanwaltschaft wurde in verschiedenen Buchhandlungen PaaschsOffener Brief an den Reichskanzler" beschlagnahmt.

Breslau, 12. October. Die Polizei fahndet nach einem gewiffen Steinert aus Krakau, dem vermeintlichen Urheber des Attentats in Reichenberg.

Oppeln, 12. October. Ein nach Breslau gerichteter Güterzug ist entgleist, acht beladene Waggons wurden zertrümmert, ein Beamter verwundet. Das Geleise ist säst gänzlich zerstört.

Posen, 12. October. Der frühere hiesige Weihbischos Janizewski ist gestorben.

Herne, 12. October. Aus der ZecheJulia" wurden drei Bergleute durch Herabstürzen des Förderkorbes getödtet.

Paris, 12.October. Die Artillerie-Commission prüft das Modell eines 8 Mm. kalibrigen Revolvers, welcher viel leichter ist, als der gegenwärtig in der Armee eingeführte.

Chicago, 12. October. Der amtliche Bericht berechnet die diesjährige Ernte in Weizen aus 509 Millionen, in Mais auf 2000 Millionen und in Hafer aus 725 Millionen Bushels. Der Ertag an Weizen übersteigt die bisherige Schätzung um 40, an Mais um 10 und an Haser um ca. 25 Millionen Bushels.

totales und ^provinzielles.

Gießen, 13. October.

Durch Entschließung Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 6. October ds. Js. wurde der Großherzogl. Amtmann Dr. Wüst in Worms beauftragt, die Stelle eines Amtmannes bei dem Kreisamte Gießen zu versehen.

Oberhesfische Obstausstellung. Unter Vorsitz des Herrn Oberbürgermeister Gnauth sand gestern eine Sitzung des Local-Comites für die Obstausstellung statt. Die Anwesenden nahmen zunächst Kenntniß von einem Schreiben Gr. Direction der Oberhessischen Eisenbahnen, in welchem mit- getheilt wird, daß den Besuchern der Ausstellung die nach­gesuchte (in voriger Nummer d. Bl. bereits mitgetheüte) Fahrpreis-Ermäßigung bewilligt sei. Aus dem weiteren Verlaufe der Sitzung sei mitgetheilt, daß beschlossen wurde, am Tage der Eröffnung, Donnerstag, den 15. October, Nachmittags 2 Uhr in Steins Garten ein Festessen zu ver­anstalten. An demselben können Aussteller und Freunde des Obstbaues theilnehmen. Was die Eröffnungsfeierlichkeiten betrifft, so soll nach einer der Bedeutung der Sache ent­sprechenden Ansprache durch den Präsidenten und daraus folgender Berichterstattung über das Ausgestellte ein Rundgang stattfinden, nach dessen Beendigung die Ausstellung dem Publikum geöffnet wird. Der Eintrittspreis beträgt am ersten Tage 50, an den folgenden Tagen 20 Psg. pro Person- von der Ausgabe von Dauer- bezw. Familienkarten soll ab­gesehen werden. Dagegen wurde den Schülern, sowohl der hiesigen wie auswärtigen (auch der benachbarten preußischen) Schulen, sobald sie unter Führung ihrer Lehrer die Aus­stellung besuchen, eine Ermäßigung des Eintrittspreises be­willigt. Das Eintrittsgeld wurde auf 5 Psg. für Kinder der Volksschule, aus 10 Psg. für diejenigen der höheren Schulen festgesetzt.

Vergangenen Samstag sand im großen Saale von Steins Garten die Seitens des hiesigen Kaufmännischen Vereines veranstaltete Feier des diesjährigen 18. Stiftungs­festes statt. Dieselbe war von Mitgliedern genannten Ver­eines, sowie geladenen Gästen und Familien stark besucht. Arrangement und Verlaus kann in jeder Hinsicht als gelungen bezeichnet werden. Nach Vortrag einiger Concertstücke durcy einen Theil der hiesigen Regimentscapelle unter persönlicher Leitung des Großh. Musikdirectors, Herrn C. Krauße, be­grüßte der derzeitige Vorsitzende des Vereines, Herr C. Orbig, die Anwesenden, hob in kurzen Worten Zweck und Ziel des Vereines sowie die Bedeutung des Tages hervor und gab dem Wunsche Ausdruck, der Verein möge auch fernerhin als Bildungsstätte zu Nutz und Frommen der jungen Kaufmann­schaft segensreich wirken. Hierauf wurde von Mitgliedern des hiesigen Stadttheaters das vieractige Lustspiel von Oscar BlumenthalDas zweite Gesicht" gegeben, dessen Aufführung und Wirkung allgemein die Vortheilhasteste Beurtheilung fand. Hieran schloß sich ein Tanzkränzchen. In dessen Pause brachten Mitglieder des Vereines unter gütiger Mitwirkung einiger Damen die komische PantomimeDie Zaubertrommel" zur Aufführung, welche wiederholt recht lebhafte Anregung der Lachmuskeln verursachte. Die sich gebildete Feststimmung unter den Theilnehmern hielt an bis zur Trennung in vor­gerückter Morgenstunde. Den Abschluß der Feier bildere Nachmittags ein Ausflug nach dem Schiffenberg, welcher in gleich schöner Weise verlausen ist. Genannter Verein hat wiederum gezeigt, daß er das Nützliche mit dem Angenehmen