Freitag den 13. November
(Stegner Anzeiger.
Beilage zu Rr. 265.-1891
Feuillrtsn.
Sie und ihr Vierlelsvetter-
Erzählung von I. Bonnet.
(4. Fortsetzung.)
Robert war aufgesprungen und kletterte, um seine Verlegenheit zu verdecken, von Mieze begleitet, in der Ruine umher. Das Gemäuer war unsicher, Risse und Spalten überall, so daß ein Weiterklimmen gefährlich erschien. Jndeß fühlte sich die übrige Gesellschaft durch sein Beispiel angelockt, das Gleiche zu thun, um eine desto freiere Umsicht von der Höhe zu genießen. Indem er zurückkehren wollte, widerrieth er ernstlich das Vorhaben. Nun aber war es Ottilie, die recht darauf brannte. Lieutenant Hecht fand ihre Kühnheit großartig, entzückend und folgte. Ottilie schwang sich leicht von Mauer zu Mauer, fast stand sie oben auf der höchsten Spitze der Ruine, als die Steine nachgaben und hinabstürzend das waghalsige Mädchen in die Tiefe rissen.
Ein einziger Schrei entrang sich allen Zuschauern. Lieutenant Hecht taumelte selbst auf zerbröckelndem Gemäuer. Robert allein behielt in dem verhängnißvollen Augenblicke den Kopf oben. Sich an einem Baumstamme haltend, gelang es ihm, die Hinabstürzende zu ergreifen und zu stützen. Eine Secunde lang wankte der Grund auch unter ihm. Dann glückte es seiner Gewandtheit, Ottilie im Arme, auf festeres Gemäuer zu springen, wo beide zusammenbrachen, um sich im nächsten Augenblicke unbeschädigt zu erheben.
Ein unbeschreiblicher Jubel brach los. Die Mädchen, die Ossiziere umringten den Retter und drückten ihm die Hände, er aber hielt in stolzem Glück die bebende Gestalt fest, als könnte sie durch eine unheimliche Zaubermacht noch einmal dem Abgrunde zugerissen werden, als müßte und wollte er sie schirmen mit aller Kraft, die in ihm war.
Ottilie, die sonst so kecke, selbstbewußte Ottilie, hielt ihm bleich, zitternd, wie abwesend, stille. Dort vor ihr war die steinersüllte Tiefe, wo sie ohne ihn mit zerbrochenen Gliedern gelegen hätte. Sie athmete auf, blickte scheu, ergeben zu ihm empor und drückte ihm wortlos die Hand.
Die Flaschen wurden zusammengeräumt, nach Friedrich gerufen und in gedämpfter Stimmung der Rückweg angetreten.
Früh am nächsten Morgen verließ die Einquartierung Blankensee- Nachmittags hatte Roberts Stunde geschlagen, welcher erklärte, sein Rücksahrtsbillet nicht drangeben zu wollen.
Onkel Ferdinand hatte seine Gespanne nöthig. Die
Mädchen und Hans und Paul erboten sich einhellig, den Vetter, der es ihnen allen angethan hatte, nach guter Kameraden Sitte ein Stück Weges zu Fuß zu begleiten. So lange als möglich wurde mit dem Ausbruche gezögert. Robert, der pünktliche Mensch mit der Rückfahrtskarte, hatte es selbst nicht eilig, von Blankensee sortzukommen. Und nun unterwegs, was da nicht noch alles zu plaudern und zu erzählen, zu berathen war! Am Ende ängstigten sich sogar die Cou- ; sinen darum, daß er zu spät zur Bahn komme.
„Wenn ich auch zu spät komme, das schadet nicht," tröstete er mit wundersamer Ruhe.
Ohne Gewissenspein setzte er sich mit den Cousinen noch einmal ins duftende Waldmoos. Heber allem Geplauder ver- \ irrte man sich, als ein vermeintlicher Richtsteig eingeschlagen worden war. Heber Gräben und durch Gesträuche ging es wie die wilde Jagd. Er war so ritterlich behilflich und wurde immer vergnügter, je mehr Zeit verfloß. Da erschien ein Bauer, der über die Entfernung nach Trebbin Auskunft geben konnte. Es sei nur noch eine halbe Stunde, wenn man ordentlich zuginge, sagte er, mit dem Kopfe nickend.
„Ich wollte, ich hätte keine Rücksahrtskarte," ließ der Vetter fallen, und die Cousinen sahen sich zweifelnd an, sie wußten nicht, was sie aus dem sonst so bestimmten, entschiedenen Menschen machen sollten. Hnb jetzt gar wollte er den kleinen Vetter Hans küssen. Der aber entwischte ihm, bis Mieze ihren Schirm aufspannte, hinter dem der große und kleine Vetter sich zärtliche Abschiedsküsse gaben, als wollten sie sich schnell verloben.
„Heute Abend wird er wohl wieder vor der Thüre stehen," sagten die Cousinen, als er allein sürbaß schritt. „Der kommt im Leben nicht zur rechten Zeit nach Trebbin."
„Hns begleitet keiner," warf Miezchen hin, die Achseln zuckend. „Ja, ist das ein Leben mit solchem Vetter, ist das ein Aufwand."
Lachend über ihre seltsamen Erlebnisse mit dem Vetter, begaben sich die Mädchen allein im still gewordenen Schlosse zur Ruhe.
„Wo sind die Streichhölzer?" wurde gefragt. Sie tappten im Dunkeln und sanden sie nicht. „Wir müssen wieder hinüber und Streichhölzer holen."
„Was ist das?" riesen sie zurückkehrend. „Da im Zimmer ist Licht!"
Sie stürmten erschrocken wieder ins Amtshaus.
„In Roberts Zimmer ist Llcht, er ist wieder da, der Viertelsvetter!"
Onkel und Tante begleiteten die wilden, furchtsamen Mädchen.
„Ja, in Roberts Zimmer ist wahrhaftig Licht!"
Doch nein, bei näherem Zusehen war es nur das Mondlicht, das die Fensterscheiben erhellte.
Hnd im Vollmondlicht schritt der Vetter durch Berlin, dem Lehrter Bahnhofe zu. Auch er sah Licht in seinem Zimmer im Blankenseer Schlosse, hörte das helle Lachen, das heimliche Kichern der Mädchen. Hnd dann dachte er an den elend zerrissenen Merkzettel der Tante. Es war ihm Leid um den Verunglückten. Leid? Er trug im Herzen ein Glück, einen Traum, ein Weben wundersamer Art, alles vergaß er über der einen, die er dachte, als er wie ein Traum auf den verhängnißvollen Merkzettel der Tante schrieb: „Erstes Gericht: Ottilie."
Sie war der erste Traum, den sein junges Herz träumte, und der es darum voll und ganz erfüllte.
* *
*
Es war Winter geworden- dunkel hingen die Wolken über der schauernden Erde, im schneidenden Winde taumelten Krähen und Raben aus ausgespanntem Fittig, von Schnee bedeckt lagen Stadt und Land, verklungen war der frohe Kinderschrei im Garten, das emsige Regen auf den Feldern, der Sang und Klang aus den lustigen Höhen. Es war Winter. Stille ruhte über dem Dorfe, dem Hose - keine beängstigende Stille, sondern die der Sammlung im süßen Heim des Familienlebens, dessen Traulichkeit der Ofen oder das Kamin mit dem flackernden Herdfeuer erhöhte - die Stille wohlthuender Einkehr in sich selbst und die inneren Schätze, welche dem Menschen seinen wahren Werth, seine höhere Prägung geben, indem seine Persönlichkeit sich daraus nährt und erbaut.
In Berlin stand das gesellige Leben auf seiner Höhe. Wenn später Abend geworden war, rollten die Equipagen heran, der Tag wurde in die Nacht verlegt und die Nacht wurde zum Tage. Ob Winter war oder was sonst, wen kümmerte es in den glänzenden Salons, die von gleichmäßiger Wärme durchströmt und von blendendem Lichte durchstrahlt waren? Blitzende Uniformen und der gesternte Frack, die junge Damenwelt in lichten Wolken von Gaze und die Mütter, die Tanten in schwerem Sammet, in rauschender Seide durcheinander flirrend, lachend, fächernd und umschwebt von Blumendüften, Musik und Tanz und Gläserklirren - das war das Bild hier wie dort, eine leuchtende Welt, die die Sonne und alle Sterne erborgt zu haben schien, während es draußen dunkelte und winterte, fror und klagte und stürmte.
(Fortsetzung folgt.)
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Der Voranschlag der Gemeinde Heuchelheim pro 1892/93 liegt acht Tage lang und zwar vom 13. bis incl. 20. November l. -j. aus dem Bürgermeisterei-Bureau zur Einsicht der Betheiligten offen.
Heuchelheim, am 12. November 1891.
Großherzogliche Bürgermeisterei Heuchelheim.
______________Kreiling._____________________10049
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Rüddingshausen für 1892/93 liegt acht Tage lang vom 13. bis 21. November d. I. auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen.
Rüddingshausen, am 11. November 1891.
Großherzogliche Bürgermeisterei Rüddingshausen.
'Scheerer.10048
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Londorf für 1892/93 liegt acht Tage lang vom 13. bis 21. November d. I. auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen.
Londorf, am 11. November 1891.
Großherzogliche Bürgermeisterei Londorf.
Au mann. 10047
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Climbach für 1892/93 liegt acht Tage lang vom 13. bis 21. November d. I. auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen.
Climbach, am 11. November 1891.
Großherzogliche Bürgermeisterei Climbach.
Stein. 10046
Bekanntmachung.
Der Voranschlag für die Gemeinde Sich für 1892/93 ist zur Einsicht aller Betheiligten acht Tage lang vom 11. bis 19. November l. I. auf dem Bürgermeisterei-Bureau dahier offen gelegt.
Lich, am 11. November 1891.
Großherzogliche Bürgermeisterei Lich.
Walz.10042
Bekanntmachung
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Rabertshausen für 1892/93 liegt acht Tage lang auf dem Bürgermeisterei-Bureau zu Jedermanns Einsicht offen.
Rabertshausen, am 9. November 1891.
Großherzogliche Bürgermeisterei Rabertshausen.
Widdersheim. 10050
Vorkehrungen
gegen das Einfrieren der Wasserleitungen.
Unter Hinweis auf die Bestimmungen über Anlage der Hauswasserleitungen zu Gießen, machen wir darauf aufmerksam, daß, um bei eintretender Kälte dem Einfrieren der Hauswasserleitungen! vorzubeugen, es erforderlich ist, die Hauswasserleitungen des Abends für die Dauer der Nacht mittelst des Hauptabsperrhahnes abzuschlietzen und mittelst des Entleerungshähnchens und obersten Zapfventils zu entleeren.
Das diesbezügliche Verfahren haben wir s. Z. allen Wafferabnehmern in einer gedruckten Anleitung mitgetheilt, welche auch wiederholt veröffentlicht wurde. Erforderlichenfalls sind wir zu weiterer desfallsiger Auskunfts- ertheilung bereit.
Die Wassermesser sind während des Winters mit Stroh, Säcken, Filz oder ähnlichen Schutzmitteln gegen Kälte sorgfältig zu umkleiden, auch namentlich die betr. Kellerfenster geschloffen zu halten.
Durch diese Vorkehrungen wird dem Wafferabnehmer die Lieferung des Wassers möglichst gewährleistet, dem Hausbesitzer aber werden Beschädigungen an Leitung und Gebäude fern gehalten. — Wir empfehlen daher vorstehende Vorsichtsmaßregeln allen Betheiligten zur ganz besonderen Beachtung.
Roch besonders machen wir darauf aufmerksam, daß es nicht in das Bereich unserer geschäftlichen Obliegenheiten gehört, Reparaturen und Aufthauen von Hauswasserleitungen — soweit dieselben vom Waffermeffer ab innerhalb des Hauses liegen — vorzunehmen. Derartige Herstellungen werden am schnellsten von denjenigen Installations-Geschäften besorgt, welche die betr. Hauswasserleitungen s. Z. ausgeführt haben.
Gießen, 6. November 1891.
^Städtisches Gas- und Wafferwerk Gießen.
Otto Bergen. 9871
Montag den 16. November,
Nachmittags 2 Uhr, wird im Gasthaus „zum Pfau", Neustadt 55 (früher Bramm):
Arbeitsversteigerung.
Freitag den 13. lfd. Mts.,
Vormittags 9 Uhr, soll im alten Rathhause eine zu 281,40 «X veranschlagte Pflasterarbeit versteigert werden.
Gießen, am 11. November 1891.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth. 10027
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Der Voranschlag der Gemeinde Obbornhofen pro 1892/93 liegt vom 13. bis 21. l. M. auf unserem Bureau zur Einsicht der Be- theiligten und Entgegennahme von Einwendungen offen.
Obbornhofen, am 11. November 1891.
Großherzogliche Bürgermeisterei Obbornhofen.
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