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Gußstahlverein mit, worin, um die Zurücknahme der von Janssen erhaltenen Kündigung zu erwirken, er die versteckte Drohung ausspricht, über von ihm angefertigte Stempel An­gaben zu veröffentlichen. Der damals zum Bericht über die Sache ausgeforderte Ingenieur Diefenbach stellte fest,, daß im Auftrage der Abnahmebeamten inländischer und ausländischer Eisenbahnen ordnungsmäßig Stempel angefertigt worden feien und machte mehrere Eisenbahnen namhaft. Hierzu theilt Geheimerath Baare mit, daß laut Ausweis des Auftragbuches von 1881 bis 1891 achtzig Stempel vom Gußstahlverein für inländische und ausländische Bahnen auf Wunsch angefertigt wurden.

Bochum, 11. Juni. Gegenüber der Erklärung Baares in derKölnischen Zeitung", daß die Stempel nur im Auftrage der Revisoren nachgeahmt worden seien, hält die Fusangel'scheWestfälische Volkszeitung" ihre Angabe auf­recht, daß die Stempel zum Zwecke der Fälschung an- gefertigt und gebraucht worden sind. Das Blatt erklärt, im Besitze hinlänglicher Beweismittel zu fein.

Essen a. d. Ruhr, 11. Juni. Steuer-Proceß. Gegenüber der vorgestrigen Erklärung des Staatsanwalts, betreffend die Stempelfälschung, constatirte heute Rechtsanwalt Kohn, es seien nicht sämmtliche von der Ver- theidigung genannte Zeugen vernommen und kein Zeuge sei beeidigt worden.

Bremen, 11. Juni. Infolge des Strikes der Heizer und Kohlenzieher des Lloyd fanden Abends in Bremer­haven vor der Lloydagentur, Bürgermeister- und Schmidt- straße ernste Ruhestörungen statt, so daß die Schutz- mannschast mit dem Säbel einschreiten mußte. Die Menge zerstreute sich erst 11 Uhr Nachts, nachdem die Schutzmannschaft aus Lehe und Geestemünde verstärkt worden und die städtische Feuerwehr mit der Dampfspritze thätig gewesen war. Zwei »Schutzleute wurden verletzt.

Bremen, 11. Juni. Von maßgebendster Seite verlautet, trotz dem Ausstande der Heizer und Kohlenzieher werde die Abfahrt der Lloyddampfer voraussichtlich ebenso pünktlich wie bisher erfolgen.

Wien, 11. Juni. Der Kaiser richtete an den General­stabschef Beck anläßlich dessen zehnjähriger Wirksamkeit auf diesem Posten ein Handschreiben, in dem er seine Zufrieden­heit und Dankbarkeit für dessen Verdienste um die kriegs­tüchtige Ausgestaltung der gesummten Wehrkraft und um das Wohl der Monarchie ausdrückte. Das Handschreiben schließt nit der Versicherung des Vertrauens und dem Wunsche, daß cc n Jubilar noch eine lange, schaffensfreudige Wirksamkeit vergönnt sein möge.

Wien, 11. Juni. Die Schriftsetzer beschlossen, nach­dem 100 000 Gulden von dem Strikefonds verbraucht sind, heute die Arbeit wieder aufzunehmen.

Neapel, 11. Juni. Dem Hauptkrater des Vesuv ent­steigt mit Asche gemengter Rauch. Der Lavaerguß schreitet langsam fort. Im Krater des Vuleans und in der Schwefel­grube von Puzzoli wurden Erdstöße conftatirt.

Verona, 11. Juni. Nach andauernden leichten Erd­stößen erfolgte heute um 8 Uhr 30 Minuten bei Tregnago und Badia-Calavena ein heftiger Erdstoß. Zwei Häuser sind eingestürzt. Es herrscht große Ausregung.

Paris, 11. Juni. Die Kammer hielt als Datum für die Herabsetzung der Getreidezölle den 1. August aufrecht. Der Gesetzentwurf geht an den Senat zurück.

Paris, 11. Juni. Es bestätigt sich, daß in Folge von mehr als 60 bei dem Staatsanwalt eingereichten Klagen ein gerichtliches Verfahren gegen Ferdinand Lesseps, dessen Sohn Charles und zwei andere Mitglieder des Verwaltungs- rathes der Panama Canal-Gesellschaft eingeleitet werden wird und zwar auf Grund des Gesetzes von 1867 über die Aktien­gesellschaften ; die Klage wird durch die letzten von der Gesell­schaft gemachten Emissionen motivirt werden.

Paris, 11. Juni. Gestern Abend sand eine neuerliche socialistische Protestversammlung gegen die Sacre-Coeur- Kirche statt. Zwischen Soeialisten und Anarchisten kam es zu einer Schlägerei, so daß die Polizei einschreiten mußte.

Paris, 11. Juni. Der französischen Regierung ist noch keinerlei Meldung über eine Vernichtung der Expedition Crampels nach dem Tschadsee zugegangen.

Paris, 11. Juni. Die Bäckergehilfen fordern die Abschaffung der Placirungsbureaus und drohen, widrigenfalls in acht Tagen zu striken.

Toulon, 11. Juni. Ende dieses Monats finden große Flottenmanöver statt, sowie Flottenmobilisirungsversuche mit 50 Kriegsschiffen.

London, 11. Juni. Lord Salisbury sandte an Baron Ui o 11) i dj i 1 b ein Schreiben in Beantwortung der an ihn gerichteten Petition, welche die Unterstützung der englischen 'Regierung zu dem Zwecke erbat, vom Sultan die Genehmft gung zur Niederlassung russischer und polnischer Juden in Palästina zu erhalten. Lord Salisbury antwortet, er werde den englischen Botschafter in Konstantinopel eonsultiren, ob die Intervention der englischen Regierung dazu beitrage, den angegebenen Zweck zu erreichen; im bejahenden Falle werde der Botschafter dem Sultan die Sache unterbreiten.

Lissabon, 11. Juni. Es verlautet, die Regierung werde nach Schluß der Cortes den politischen Verurtheilten eine Strafmilderung gewähren. Heute wurde das eng­lisch-portugiesische Abkommen hier unterzeichnet.

Mozambique, 11. Juni. Telegramm des Reuter'scheu Bureaus. Nach hier eingegangenen Nachrichten hätte sich der Häuptling Gouvera mit drei- bis viertausend Eingeborenen gegen die Portugiesen empört und sich für England erklärt. Der Gouverneur sende Truppen ab , um den Aufstand zu unterbrütfen.

Locales unö ^rovitrzrelles.

Gießen, 12. Juni.

Sitzung der Stadtverordneten vom 11. Juni. An­wesend : Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten

Keller und Lcutgsdorff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Georgi, Habenicht, Heyligenstaedt, Hornberger, Jughardt, Keller, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Die drei auf der Tagesordnung stehenden Gesuche um Ertheilung der Coneession zum Wirthschafts- betrieb werden hinsichtlich der für die Stadtverordneten- Versammlung in Betracht kommenden Frage wegen des Vorhandenseins des Bedürfnisses befürwortet. Nach den Gesuchen beabsichtigt Herr M. Lechner den Betrieb der Heil'schen Wirtschaft in der Caplaneigasse, Herr Gg. Pfaff denjenigen der Hattenhauer'fchen Wirtschaft (Ecke der Rod- Heimer- und Schützenstraße) weiterzusühreu, während Herr Karl Kratzenberger (Steinstraße 52) darum nachgesucht hat, von der ihm bereits im Jahre 1887 ertheilten Concession, nachdem er von derselben nur durch Verkauf von Flaschenbier und Wein über die Straße Gebrauch gemacht, nunmehr vollen Gebrauch machen zu dürfen. Die zur Herstellung der Beete in den Anlagen erforderlichen Pflanzen sollen wie in früheren Jahren nach Auswahl des Stadtgärtners beschafft werben, wofür 91.10 Mk. bewilligt wurden. Heber das Gesuch des Herrn Ernst Wallenfels um Erlaubniß zum Wiederaufbau der am 6. März b. I. durch Brand zerstörten Scheuern wird dem Antrag der Baudeputation gemäß be­schlossen. Danach soll auf Ausführung fragt Scheuern in massivem Neubau bestanden werden. Die mit 1. Juli in Besitz der Stadt übergegangene Schüler'sche Besitzung ist für 2500 Mk. jährlich auf drei Jahre vermiethet worden. Betreffs der Frage, ob die Besitzung bis zu dem am 1. Sept, d. I. erfolgenden Einzüge des Miethers (Herrn Provinzial- Director Fthr. v. Gagern) geschlossen bleiben oder sonstwie benutzt werden solle, hat die Baudeputation beantragt: Das Anwesen bis zum 31. August täglich von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr für das Publikum mit der Maßgabe zu öffnen, daß der Eingang ausschließlich von der Südanlage aus erfolgt und Kinder nur in Begleitung Erwachsener dasselbe betreten dürfen. Die Bewachung der Gartenanlagen während der Zeit, in welcher dieselben dem Publikum zugäng­lich, sowie der städtischen Anlagen überhaupt soll einer be­sonderen Person gegen tägliche Vergütung von 80 Pfg. i5ertragen werden. Die Baudeputation hat im Interesse v-cx Erhaltung der städtischen Anlagen und unbeschadet der polizeilichen Bewachung eine Vermehrung des Schutzes für nöthig erachtet, den sie um so wirksamer hält, als er durch einen nichtuniformirten Wächter ausgeübt werden soll. Die Anträge der Baudeputation werden zum Beschluß erhoben. Mehrere Bewohner des Selterswegs haben um regel­mäßige Entleerung des am Eingang zum Teufelslustgärtchen neben dem städtischen Ventilbrunnen befindlichen Pumpbrunnens nachgesucht, da der Brunnen im Verein mit dem Abfallwasser des Ventilbrunnens ungünstig auf die Grundwasierverhältnisse einwirke und das Ansammeln von Wasser in den Kellern der Nachbarschaft herbeisühre. Es wird nach Vorlage des dieserhalb eingeforderten Berichts des Gas- und Wasserwerks beschlossen, unter Bestreitung der Verpflichtung Seitens des Gas- und Wasserwerks zum Entleeren des Brunnens, Großh. Polizeiamt zu ersuchen, den Brunnen von Zeit zu Zeit durch Naturalverpflegte auspumpen zu lassen. Dem Gesuche des Herrn Ferd. Burk um Versetzung der an dem Wege nach den Mühlen befindlichen Pumpe wird nur insoweit entsprochen, als dem Gesuchsteller gestattet wird, die angeblich dem Fähr­verkehr hinderliche Pumpe auf feine Kosten versetzen zu lassen, wogegen die Stadt die Kosten für etwa neu zu beschaffende Ersatzstücke zu tragen hätte. Den Gesuchen der Herren H. Balser III. und Konrad Marx um Bewilligung einer Frist zur Herstellung von Einfriedigungen vor ihren an der Grünbergerstraße gelegenen Häusern wird stattgegeben; Ersterem wird Frist bis April 1892, Letzterem bis 1. No­vember d. I. bewilligt. Nachdem in voriger Sitzung über die Benennung der Wodestraße verhandelt und den Herren Stadtverordneten aufgegeben worden, Namen für die Straße ausfindig zu machen, wird beschlossen, die Straße nach einem anonym gemachten Vorschläge Diezstraße zu benennen. Der Einsender motivirt seinen Vorschlag damit, daß der Philologe Diez, dessen Andenken durch eine Tafel am Bäcker Faß'schen Hause geehrt worden, nur einige Häuser von der Straße entfernt geboren worden sei. Nächst dem war die BenennungFranckestraße" als passend empfohlen worden, zum Andenken an Herrn. Aug. Francke, den Gründer von Waisenhäusern und Erziehungsanstalten. Zur Her­stellung neuer Closetanlagen im Bürgermeisterei- gebäube wird unter Bewilligung der 650 Mk. betragenden Kosten Genehmigung ertheilt. Infolge Gesuches mehrerer Bleicher um Herstellung eines Weges über den Schweine- markt wird beschlossen, den vorhandenen Weg durch eine Steinpackung zu befestigen. Herstellung des Weges im Sinne der Eingabe wurde wegen der hohen Auffüllungskosten ab­gelehnt. Die Herstellung einer die Wohnung des Vorstandes des Großh. Polizeiamtes mit den Stationen des Polizeiamtes verbindenden Fernsprechleitung wird unter der Annahme beschlossen, daß die Leitung zunächst nur bis an die Wache am Seltersthor, keinesfalls aber vor Uebersiedelung des Polizeiamtes nach dem Schulhaufe in der Schulstraße direet nach dem Polizeiamt geführt wird.

(Schluß folgt)

Turnerisches, Bezüglich der schon vor einiger Zeit bekannt gegebenen Turufahrt des Gaues Hessen auf den Hainig bei Lauterbach am Sonntag den 14. Juni er. wird uns soeben mitgetheilt, daß die Direktion der Oberh. Bahnen die übliche Fahrpreisermäßigung von 50pCt. bei Lösung von 30 Fah,rkarten mit der wichtigen Vergünstigung bewilligt hat, daß die Rückfahrt nicht in geschlossener Gesell­schaft zu geschehen braucht und innerhalb der Gültigkeitsdauer der Rückfahrkarten erfolgen kann. Die Betheiligung dürste deshalb eine recht lebhafte werden, da auch die Zeit der Ab­fahrt, 6 Uhr 43 Min. Vormittags, eine sehr günstige ist.

Lenz'scher Felsenkeller. Die bereits angekündigten Künstler-Vorstellungen nehmen heute Samstag Abend

ihren Anfang und verspricht das Unternehmen, das über Specialitäten ersten Ranges verfügt, sich in bester Weise einzuführen und beliebt zu machen.

DerAllgemeine Deutsche Verein" in Berlin, welcher die Pflege des deutschen Volksthums bezweckt, setzt einen Preis von 300 Mk. aus für die beste Beantwortung der Frage: Inwiefern ist eine volksthümlichere Faffung unserer Gesetze erforderlich und ausführbar? Es wird nicht eine er­schöpfende Behandlung des Gegenstandes verlangt, sondern eine kurze, leicht lesbare Darlegung, welche namentlich auch geeignet ist, den Gebildeten aller Stände die Wichtigkeit der Frage ans Herz zu legen, sowie Behörden und gesetzgebende Körper auf ausführbare Vorschläge aufmerksam zu machen. Das Hauptgewicht ist daraus zu legen, inwiefern die in den letzten Jahren veröffentlichten Gesetze und Gesetzentwürfe, im Vergleich zu früheren Zeiten, in Bezug auf Volkstümlichkeit einen Fortschritt oder aber einen Rückschritt bedeuten. Der Umfang der Arbeit soll etwa 45 Druckbogen betragen. Das Preisrichteramt haben folgende Herren übernommen: Blenck, Geh. Ober-Reg.-Rath, Direktor des Statistischen Bureaus, Gierke, Dr., Geh. Justizrath und Professor an der Universität, Jastrow, Dr., Privatdoeent an der Universität, Stölzel, Dr., Präsident der Justiz-Prüfungskommission und Vortragender Rat im Justizministerium, von Wilmowski, Dr., Geh. Justizrath, Rechtsanwalt beim Kammergericht und Notar, Zelle, Stadtsyndikus und Stadtrath, sämmtlich in Berlin. Die Arbeiten sind bei dem Geschäftsleiter des Vereins, Dr. Heinr. Thießen, Berlin W 35, Steglitzerstraße 64, bis zum 1. December 1891 einzureichen.

Für Einjahrig-Freiwillige. Einer vor etwa einem Monat erlassenen Verfügung zufolge gehören neuerdings Die­jenigen, welche als Einjährig-Freiwillige einen längeren Auf­schub als drei Jahre für ihren Eintritt in das Heer genossen haben, der Übungspflichtigen Landwehr um den entsprechenden Zeitraum länger an. In Folge dessen sind u. A. in Berlin in diesen Tagen viele Herren, welche, da sie über 32 Jahre alt sind, schon von jeder militärischen Hebung frei zu fein glaubten, mit der Aufforderung zur Ableistung einer zehn­tägigen Hebung in der ersten Hälfte des Juni überrascht worden.

's Lich, 11. Juni. Heute haben die in hiesigen Familien sich zur Erziehung befindlichen Frankfurter Waisenkinder in Begleitung ihrer Lehrer, Pflegeeltern, sowie des Oberlehrers Müller aus Frankfurt einen Ausflug nach Salzhausen unter­nommen, um daselbst ein Jahresfest zu begehen, welchem auch die in Gelnhausen untergebrachten Waisenkinder, sowie der Vorstand des Waisenhauses in Frankfurt beiwohnen werden. Dieses Fest wird auchReisbreifest" genannt, weil nach einer alten Bestimmung an diesem Tage unter den verschiedenen Speisen sich auch ein GerichtReisbrei" befinden muß.

Friedberg, 11. Juni. Gestern wurde das Schullehrer- Seminar auf unbestimmte Zeit geschlossen, da eine größere Anzahl von Seminaristen an einer influenzaartigen, vorläufig allerdings nicht gefährlichen, Krankheit erkrankt sind. Der Reigen der Dereinsseste in unserem Kreise wurde am 7. Juni mit dem Bundesfeste des 22 Vereine zählenden Nidderthal- Sängerbundes in Kaichen bei wenig günstiger Witterung er­öffnet. Der Festzug zählte 15 Vereine. Auf dem fast grundlos gewordenen Festplatze, dem sogenanntensteinernen Tisch," einer alten Gerichtsstätte, angekommen, hielt der Bundespräsident, Herr Graf Oriola zu Büdesheim, die Fest­rede, der sich die Vorträge der einzelnen Gesangvereine an­schlossen. Die Feststimmung war trotz der ungünstigen Witte­rung doch eine animirte.

Vom Vogelsberg, 11. Juni.Mai kühl, Juni naß füllt dem Bauer Scheuer und Faß." Wenn diese Witterungs­regel aus der Erfahrung stammt und sich auch heuer bewahr­heitet, so winken dem Landmanne die besten Aussichten; denn das Wetter entspricht genau der Voraussetzung dieser Regel. In der That war das seitherige Wetter für die Saaten aus­gezeichnet. Wärme und Regen wechselten in fast idealem Ver- hältniß und die jungen Pflanzen konnten sich kräftig ent­wickeln und die Stoffe sich aneignen, die sie zum weiteren Wachsthum und Gedeihen brauchen. Der Roggen hat bereits Aehren gesetzt. Da wo der harte Winter seinen Stand ge­lichtet, haben sich die einzelnen Halmen um so kräftiger ent­wickelt und es steht zu hoffen, wenn er günstige Witterung zur Blüthe hat, daß die Aehren um so vollkommener sich ge­stalten. Bekanntlich nahm im vorigen Jahr der Roggen gerade in seiner Blüthe großen Schaden, indem die Temperatur- Nachts so tief sank, daß die Blüthen zum Theil erfroren ein seltenes Vorkommen. Die Sommersaaten, sowie die Kar­toffeln, zeigen ein üppiges Wachsthum, nur dürfte ihnen die gegenwärtige nasse Witterung, wenn sie lange anhalten sollte, leicht verhängnißvoll werden; denn feucht und warm ist wohl ihr Hauptgedeihen, aber nicht naß. Viele Schäden, die der scharfe und ausnahmsweise kalte Winter verursacht hat, haben inzwischen ihre Ausgleichung erfahren und man wird kaum mehr von einer Verspätung der Ernte hören, vorausgesetzt natürlich, daß wir auch für die Folge günstiges Wetter be­halten. Beim Obst haben die Insekten mitunter empfind­lichen Schaden angerichtet, namentlich gilt das von den Pflaumen und Zwetschen, also dem Steinobst mit Ausnahme der Kirschen, die in ihrer Entwickelung schon so weit vor waren, als daß ihnen die Insekten noch hätten schaden können. Ein Heer von Blattläusen hat oft das Laub der Steinobst­bäume ztlm Absterben gebracht, so daß sie wie verdorrt oder erfroren aussahen. Dann ist es ein Insekt, dessen Namen uns augenblicklich fremd, das großen Schaden bei den Stein­früchten anrichtet. Es bohrt die zarten Fruchtknospen an, legt sein Ei hinein, hieraus entwickelt sich eine Larve und die junge Frucht geht stets verloren. So zeigen auch die Zwetschenbäume die ebenfalls von einem Jnsect herrührenden sackartigen Erweiterungen der jungen Früchte, hier Lebersäcke oder Muldenzwetschen genannt, in großer Menge. Gewitz mahnt dieser Schaden eindringlich: schonet die Vogelnester^ hütet die Vögel! Wer ein aufmerksames Auge auf diese Vor-