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Mittwoch den 13. Mai (Siebener Airzeigev. Beilage zu Rr. 109. - 1891.
Feuilleton.
Was der alte Yachtschiffer erzählte.
Von Friedrich Meister.
(Nachdruck verboten.)
„Seit mein jüngster Enkel geboren ist, was an die sechs Jahre her sein kann, habe ich die Seesahrt an den Nagel gehängt- ich bin zu meiner Zeit mit allerlei Herren und aus den verschiedensten Fahrzeugen auf See herumgekreuzt, schon von Kindesbeinen an, ja, ich kann fast sagen, als ich noch nicht höher war als Ihr Knie, und so leicht hat Keiner mehr gesehen und erlebt, mags nun als Junge, als Matrose oder als Schiffer gewesen sein, als der alte Jacob Harschkamp, — das soll mir Niemand bestreiten. Das meiste davon habe ich zwar längst wieder vergessen, eine ganz merkwürdige Geschichte ist mir aber lebhaft im Gedächtniß geblieben. Die sollen Sie jetzt hören, und wenn Sie mir nicht glauben, je, denn Helpt dat nich. Was wahr ist, ist wahr, und Wenns sich auch noch so curios anhört. Na, hören Sie mal erst zu.
Namen sind Nebensache und darum werde ich auch keine nennen, wenigstens nicht die richtigen. Lassen Sie also das Fahrzeug einen Schoner von hundert Tonnen gewesen sein und meinetwegen „Fortuna" geheißen haben. Den Eigen- thümer nennen wir meinetwegen Reinhold und den Schiffer- Jacob Harschkamp — das bin ich und der Name ist richtig.
Seit vierzehn Tagen schon lagen wir in dem Hasen eines Seebadeortes, der den ganzen Sommer über von seinen Leuten aus allen Gegenden des Compasses wimmelte. Der englische Canal ist von dort nicht weit und man braucht nicht lange zu segeln, dann ist man im Atlantischen Ocean.
Noch niemals hatte sich Herr Reinhold mit seiner Jacht so lange an einem Orte aufgehalten, namentlich wenn das Wetter so schön war, wie damals,- ich sollte mir aber nicht lange den Kopf darüber zerbrechen, denn eines Abends sah ich ihn mit einer sehr schönen Dame den Strand entlang spazieren. Herr Reinhold war Junggeselle und ungefähr vierzig Jahre alt — ein vornehmer, liebenswürdiger Herr, an dem mir am besten seine Stimme gefiel,- das Herz ging einem auf, wenn man ihn reden hörte. Die Dame, mit derer ging, hatte ein Paar Augen im Kopfe, wie mir seitdem nicht wieder vorgekommen sind. Sie war noch jung, höchstens achtundzwanzig, und hatte, was die Leute eine schöne Figur nennen. Na, ich für meine Person habe an dünnen Taillen mein Lebtag keinen Gefallen gesunden- mir gehts wie meinem alten Herrn, dem seligen Admiral Gräting, der liebte den
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Bong Poäng, wie er zu sagen pflegte, und der war ein Kenner - hatte er doch die Frauenschönheit achtzig Jahre lang studirt.
Herr Reinhold schien der Dame die Cour zu schneiden — der alte Jacob Harschkamp versteht sich auf so was- man ist eben nicht umsonst so lange Jahre Iachtschiffer gewesen. Die Sache aber ging mich nichts an. Ich hatte meine gute Stellung, konnte den ganzen Tag mit der Pfeife im Munde an Deck herumlaufen, hatte Nachts meine bequeme Ruhe und war sehr zufrieden.
Eines Nachmittags kam der Herr Reinhold eiliger als sonst an Bord.
„Harschkamp," sagte er zu mir, „um welche Zeit haben wir morgen Abend Hochwasser?"
„Gegen neun Uhr," antwortete ich.
„Dann machen Sie bis dahin das Fahrzeug seeklar," sagte er. „Wir gehen morgen Abend um neun Uhr nach Genua unter Segel."
„Gut, Herr Reinhold."
Ich wunderte mich ja etwas über diesen unerwarteten Entschluß, da wir mit der „Fortuna" noch niemals so weit nach Süden gegangen waren, im Allgemeinen aber war mirs schon recht.
Am nächsten Abend um halb neun Uhr kam ein Boot längsseit, das Herrn Reinhold nebst einer dicht verschleierten Dame an Bord brachte. Sie hielten sich nicht erst lange an Deck aus- sie schienen es eilig zu haben. Der Bootsführer warf noch eine kleine Handtasche und eine Pappschachtel über die Regelmg und dann ließ ich den Anker hieven. Wir hatten einen fixen Landwind, die See war ganz glatt und am Horizont ging dunkelroth der Mond auf.
Nach einer Weile kam Herr Reinhold aus der Cajüte.
„Was halten Sie vom Wetter, Capitän?" fragte er mich.
„O," sagte ich, „das scheint sich ja halten zu wollen."
„Meinetwegen könnts Wind geben, je mehr je besser," meinte er. „Sparen Sie keine Leinwand, Harschkamp. Lassen Sie alles stehen, so lange es irgend stehen will. Sie wissen, was ich meine, nicht wahr?"
„Vollkommc' ," antwortete ich.
Dieser Best hl zum Parforce-Segeln erschien mir ebenso merkwürdig wie die Fahrt nach dem mittelländischen Meere. Herr Reinhold war nie ein Freund von gewaltsamen Fahrten gewesen und ich hatte von jeher das Zeug zu einem richtigen Sportsman in ihm vermißt. Ich konnte mir aber wohl denken, daß die Dame unten in der Cajüte mit dieser plötzlichen Sinnesänderung etwas zu thun haben müsse. Nachdem wir etwa zwei Stunden in See waren, erschien auch sie an
Deck. Wir hatten jetzt Hellen Mondschein und ich konnte sie mit Muße betrachten. Wenn sie so zum Monde ausblickte, dann sahen ihre Augen wirklich prachtvoll aus.
Ich bin ein Mann, der seine Töchter in Zucht und Ehren erzogen hat und so mußte ich im Stillen den Kopf darüber schütteln, daß diese junge Dame so ganz allein, ohne Begleitung von einer Schwester oder Freundin, an Bord gekommen war. Dann fiel mir ein, daß Herr Reinhold sie ja in dem Badeorte geheirathet haben konnte - so was war meines Wissens schon öfter passiert. Ich schaute ihr nach den Händen, wenn sie mit ihm an mir vorüber promenirte- Juwelen blitzten da genug, einen Ehering aber trug sie weder an der Rechten noch an der Linken.
Die Fahrt durch den Canal geschah mit günstigem Winde, im Biscayischen Meere aber flaute es ab, bis sich kein Lüftchen mehr regte. Herr Reinhold wußte sich dem Anscheine nach vor Unruhe nicht zu fassen. Die Dame dagegen befand sich sehr wohl. Sie saß unter dem Sonnensegel und las in allerlei Büchern und einmal bemerkte ich, daß sie ihren Freund mit eigenthümlich triumphirendem Lächeln anblickte und dann ihre prachtvollen Augen rings um den Horizont schweifen ließ, als wollte sie sagen:
„Haben wir hier nicht Platz genug?"
Herr Reinhold aber konnte sich nicht zufrieden geben. Hundertmal fragte er mich, wann der Wind sich wohl wieder einstellen würde, was ich doch ebenso wenig wissen konnte wie er, und dabei lies er immer mit der erloschenen Cigarre im Munde umher, was ein sicheres Zeichen dafür ist, daß der Betreffende etwas aus der Seele hat.
Daß ich über alles dieses so meine eigenen Gedanken hatte, wird mir Niemand verargen, denn der alte Jacob Harschkamp ist nicht als Stockfisch auf die Welt gekommen.
Mit der Zeit machte sich wieder eine Brise aus, aber diesmal kam sie gerade daher, wo wir hin wollten. Ich preßte die Jacht unter vollen Segeln dicht an den Wind und jagte sie durch die hochgehende See, daß der weiße Schaum in Lee über die Regeling rauschte. Bald hatten wir ein reguläres schweres Wetter, trotzdem aber kreuzten wir mit aller Macht dagegen an - wir gingen über Stag, Schlag um Schlag, und das Fahrzeug arbeitete so unmäßig, daß zwei von der Mannschaft seekrank wurden- der eine sagte mir, daß er nicht mitgegangen wäre, hätte er gewußt, daß die „Fortuna" nach der Biscayischen See gehen würde.
Unsere Dame aber war so seefest wie der Großmast selber. Sie kam in einem weiten Gummimantel an Deck und ihr Gesicht mit den großen Augen war noch einmal so schön, wie es so aus der Capuze herauslugte.
(Fortsetzung folgt.)
Vergebung von Bauarbeiten und
Eisenconstructionen.
Die nachstehenden Arbeiten und Lieferungen sollen im Submissionswege vergeben werden und zwar: a. Brückenbau Ln Steinberg veranschlagt zu Grab- und Maurerarbeit 86 77 H
Steinhauerarbeiten 827 „ 67 „
Chaussirungsarbeiten 48 „ 39 „
Pflasterarbeiten 31 „ 50 „
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140 „ Gußeisen 1148 <M. 23 H b. Brückenbau in Garbenteich Grab-und Maurerarbeit 304 78 $
Steinhauerarbeiten 566 „ 18 „
Chaussirungsarbeiten 33 „ 70 „
Pflasterarbeiten 64 „ 40 „
Eisenconstruction bestehend aus:
4280 kg Schmiedeisen
140 „ Gußeisen 1098 «X 00
Die Angebote sind mit entsprechender Aufschrift versehen bis spätestens Dienstag den 19« Mai d. I-., Vormittags 9 Uhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst die Pläne, Voranschläge und Bedingungen für diese Arbeiten zur Einsicht offen liegen, abzugeben.
Gießen, am 8. Mai 1891.
Der Kreisingenieur: 4454___________Stahl.
Mittwoch den 10. Juni,
Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Balthafer Emmerich in Gießen gehörigen Immobilien:
Flur 27 Nr- l,37/ioo — 392 Meter Haus, Schuppen und Hofraum in der Stephansmark an der Seltersbrücke,
Flur 27 Nr- 3,350 Meter Wiese da-- selbst,
Flur 27 Nr. 1<6 — 594 Meter Grab- ü garten daselbst,
Flur 27 Nr. 4,3 — 12 Meter Wiese da-
4065
Zffentlich meistbietend versteigert u "(Sichen, 28. April 1891.
Großh- OrtSgericht Gießen.
I. A-: Bogt.
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