die GehaltsverhäLtnifse der an den Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen angestellten seminaristisch gebildeten Lehrer betreffend;
das Gesuch der Steuerausseher des Großherzogthums um Gehaltserhöhung -
das Gesuch der Unterbeamten der Grobherzoglichen Badeanstalt zu Bad-Nauheim und des Grobherzoglichen Braunkohlenbergwerks Ludwigshoffnung bei Melbach um Gehaltserhöhung-
desgl. bezüglich der Eingaben der Gemeinden Trais- Horloff, Steinheim und Rodheim wegen Errichtung einer Haltestelle für den Personenverkehr an der Oberhessischen Eisenbahn zwischen Ober-Widdersheim und Hungen bei Trais- Horloff, von dem Abgeordneten Herrn Theobald zum Antrag erhoben.
— Der Verbandstag der „Hasfia", welcher am 7. d. M. in Alzey abgehalten wurde, war aus allen Gauen Hessens gut besucht. Zu Ehren der alten Kriegskameraden waren die Straßen prächtig herausgeputzt. Um 10 Uhr begann im Saalbau die Delegirten-Versammlung. Der vom Bezirk Butzbach gestellte Antrag betreffs der Wehrsteuer wurde in folgender, von Herrn Major von Heyl vorgeschlagenen Fassung angenommen: „Im Interesse der ausgleichenden Gerechtigkeit ist eine Besteuerung derjenigen Wünschenswerth, die zum activen Heeresdienst nicht herangezogen werden. Die Erträgnisse sollen zur Unterhaltung der Familien der eingezogenen Wehrmänner, Reservisten und Invaliden verwendet werden." Dieser Antrag wird dem Reichstag zugesandt werden. Ferner wurde beschlossen, geeignete Schritte zu thun, daß Se. König!. Hoheit der Grobherzog in der Folge den Präsidenten der „Hassia" ernennen möge (bisher fand nur eine Bestätigung statt). Alsfeld wurde als Ort für die nächstjährige Zusammenkunft bestimmt. Mittags fand Festmahl im Saalbau statt. Vom Grobherzog und dem Prinzen Heinrich trafen Begrüßungs-Telegramme ein, welche mit Jubel ausgenommen wurden.
— Wie mitgetheilt wird, hat sich die von der preußischen Staatsbahnverwaltung vor etwa Jahresfrist versuchsweise angeordnete Ausrüstung der Eisenbahn-Personenwagen 4. Klaffe mit Bänken an den Seitenwänden bewährt. Die staatlichen Werkstätten sollen daher bereits damit beschäftigt sein, dieselbe in größerem Umfange zu bewirken, so daß demnächst die meisten Personenzüge, vorzugsweise aber diejenigen, welche lange Fahrten zu machen haben, mit Wagen versehen werden können, welche die beregte Ausstattung besitzen.
— Die Staatseisenbahn-Verwaltung geht mit der Absicht um, Einrichtungen zu schaffen, welche dem reisenden Publikum gestatten, an den amtlichen Gepäck-Aufbewahrungsstellen durch dritte Personen Gepäck oder andere Gegenstände zur Abholung niederlegen zu lassen. Diese Einrichtung wird namentlich von Geschäftsleuten lebhaft willkommen geheißen werden, die
zu Einkäufen nach der Stadt gekommen sind und die eingekauften Gegenstände durch die einzelnen Geschäfte bei der Gepäck-Aufbewahrungsstelle niederlegen laffen können, um sie beim Abgang des Zuges in Empfang zu nehmen. Aber auch vielen anderen Reisenden wird es sehr erwünscht sein, irgend einen Gegenstand auf dem Bahnhofe für sich abgeben laffen zu können. Die Gebühren, welche die Eifenbahn-Verwaltungen erheben wollen, sollen die gleichen sein wie für die Aufbewahrung von Handgepäck.
-r. Rödgen (bei Gießen), 10. Juni. Am 9. ds. Mts. schlug der Blitz in das Wohnhaus desJoh. Ludwig Schneider hier, ohne zu zünden. Der Strahl kam durch das Dach, ging durch das Zimmer einer Wöchnerin, welche mit dem Schrecken glücklicherweise davonkam, fuhr von da in einen im Erdgeschoß liegenden Stall und tödtete daselbst eine Ziege.
Vilbel, 9. Juni. Hier ist in letzter Zeit die Diph- theritis so stark aufgetreten, daß die Schulen geschloffen werden mußten.
-d. Schotten, 10. Juni. Das neunte Bezirksfest des Bezirks-Krieger-Verbandes Vogelsberg findet Sonntag, den 21. Juni, in Betzenrod statt, verbunden mit der Fahnenweihe des Kriegervereins daselbst.
Lingesandt.
A Gießen, den 10. Juni 1891.
Mit Herannaben der Heuernte begegnet man oft, namentlich in denjenigen Staotthetlen, deren Bewohner noch Landwirthschait betreiben, einer Art Sensenmänner, die an sich zwar harmlose Menschen sind, im Verein mit ihrem Handwerkszeug aber eine gewisse Scheu einflößen. In besonders landwirthschastlich hoch entwickelten Kreisen ist das Tragen unverwahrter Sensen verboten, auch auf dem Lande, obgleich dort weniger Gefahr für die an dieses Geräth Gewöhnten vorhanden ist, als in den engen und belebten Straßen der Stadt. Gehört schon ohnedies viel Vorsicht dazu, z. B. Abends auf dem Wege nach dm Badeanstalten, wegen des dortigen regen Fuhrwerks- und sonstigen Verkehrs, ohne Belästigung durchzukommen, so wird die Gefahr, körperlich Schaden zu nehmen, um die Erntezeit wesentlich erhöht. Einsender weiß sich zwar keines durch das offene Tragen der Sensen herbeigeführten Unfalls zu erinnern, allein es soll auch nicht der Gefahr erst vorgebeugt werden, wenn ein Unglück geschehen ist. Das Tragen un- verwahrter Sensen müßte verboten werden. Es kann dies um fo eher geschehen, als mit dem Verbot keinerlei Belästigung für die Schnitter verbunden ist. Ein Umwickeln der Sensen mit Pack- leinwand oder das Anlegen einer aus Holz geschnitzten Scheide verursachten so wenig Mühe und Kosten, daß es fast unbegreiflich erscheint, wie das Tragen unverwahrter Sensen auf unfein verkehrsreichen Straßen bisher noch geduldet werden konnte.*)
*) Im Hinblick auf die bevorstehende Heuernte haben eben die preußischen Regierungsbehörden durch Polizei-Verordnungen folgendes angeordnet: Wenn Sensen auf öffentlichen Wegen oder an öffentlichen Orten getragen werden, muß die Klinge derselben durch einen längs der Scheide zu befestigenden Bügel (sogenannten Sensenschuh) verwahrt sein. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift werden mit Geldstrafe bis zu 15 Mark bestraft. Red.
■BMMMBBMMMMBBMMMMMMBBBMWMillliri III UM II ......
(iferatttr mm» Ktinft.
— Amerikanische- Eeizzebüchelchc. Zwei Episteln in Versen, von Georg ASmuS, ist der Titel eines geschmackvoll auS- geftatteten, im Verlage von Eduard Heinrich Mayer in Leipzig erschienenen Buches. Das Buch ist in wirklich herzerfrischender Weise geschrieben, bezw. gedichtet, und sollte in keiner Familie fehlen, in der ein wirklich gesunder Humor auch in der Literatur Vertretung finden soll. Was das Merkchen aber besonders für unsere Gegend werthvoll macht, ist seine in rheinisch-frankfurter Mundart gehaltene Schreibweise. „Von einem in Amerika, der, was er aß und trank und sah, und was ihn sonst noch da genirt, seim Ohm nach Hesse rapportirt." Unter diesem Merkspruch führt uns der Verfasser ein in das Leben jenseits des Oceans, schildert er die Eindrücke, die im öffentlichen wie im privaten Leben und Treiben zu einem Vergleiche mit dem alten Vaterlande und der neuen Welt herausfordern. Der „Ohm in Hesse" gibt dem Buche das Geleit in folgenden Versen: „Mei Schwestersohn bat mir geschriewe, wie in Neuyork fichs lebt und treibt, Nu hört emal, was von da driwe nebst Annerm mir der Schlingel schreibt." Und nun geht es an die Beschreibung von „driwe", daß es eine Art hat; Manner und Frauen werden in gleich derber Weise vorgenommen. So schreibt der Verfasser, gewissermaßen als Seitenhieb auf die Temperenzler: „Es gibt hier wie in alle Lanner, am Hudson grad fo wie am Rhei', ganz aufgeklärte Biedermänner, nur trinke se viel Branntewei." Und über die Klagelieder der deutschen Köchinnen: „Die Kälwer hawe Ochseknoche, die Gäns die hätte thranig Fett, in bene Heerd kann mer net koche, wann mer nur deutsche Dippe bett." Daß sich das in dem Werke Niedergeschriebene auf sehr genaue Beobachtungen stützt, geht aus jedem Vers hervor. Das in fünfter Auflage erschienene Werk ist durch jede Buchhandlung zum Preise von 3 Mk. zu beziehen; möge es auch im Kreise unserer Leser recht viele Käufer finden.
verkehr, Land- «nd Volksrvlrthschaft.
ffriedberg, 9. Juni. Fruchtpreise. Weizen 'X 23.50 bis 24.00, Korn X 21.50-00.00, Gerste X 17.00-17.50, Hafer X 17.50—0000. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo, gleich 200 Zollpfund.
Friedberg, 10. Juni. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. X 0.80-1.00, Eier 1 St. 7 H, 2 St. 13 H.
Limburg, 10. Juni. Fruchtmarkt. Rother Weizen X 2015, weißer Weizen X 20.—, Korn X 15.80, Gerste X 11.30, Hafer X 7-75. Erbsen —, Kartoffeln —.—.
Frankfurt, 10. Juni. Marktpreise. Heu pro 100 Ko- X 5.00-7.10, Stroh X 6.00-6 40, Kartoffeln X -.— bis---, Butter per Pfd. X 0.95—1.10, Eier per St. 5—7 H.
Für die Armen
zu Hunderttausenden aus Rußland vertriebenen Juden nehme ich meine Zuflucht zu den mildthätigen Herzen unserer Stadt mit der Bitte, mir Geldunterftützungen für dieselben zukommen lassen zu wollen, die ich mit herzlichem Danke entgegennehmen und an das für deren Auswanderung thätige ComM nach Berlin schicken werde. Rabbiner Dr. Levi.
Temperatur der Lahn und Lust gemessen am 11. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 11, Luft IOV2 Grad Reaumur.
L. Ehr. Rübsamen Wwe.
Bekanntmachung.
In dem Concurfe über das Vermögen des Bierbrauers Johannes Förtsch in Gießen ist das Verfahren auf Antrag des Gemein- fchuldnsrs nach Zustimmung sämmt- licher Gläubiger eingestellt worden.
Gießen, den 8. Juni 1891.
Großherzogliches Amtsgericht. __________Landm r n n. 5419
Bekanntmachung.
Die sämmtlichen Nummersteine von km 100,0 (Cölbe) bis 195,0 (Bocken- yeim) zusammen 950 Stück, sowie dre Bahnwärtergrenzzeichen (etwa 100 (5t.) nebst den zugehörigen Nummertafeln und Nummern sollen neu gestrichen und beschrieben werden. Gefällige Angebote auf die Ausführung der ganzen Arbeit oder einen Theil derselben beliebe man bis zum 25. d M. an den Unterzeichneten einzusenden, von dem auch Angebotsformulare gegen freie Einsendung von 50 Pfg. erhÄt- !ich sind
Marburg, den 8. Juni 1891. Königliche Eisenbahn-Bauinspection.
Schwamborn. 5407
Verdingung
Die Lieferung von 45,4 cbm kiefernen Brückenbalken soll unter Zugrundelegung der in Nr. 295 der Kölnischen Zeitung vom 24. October 1889 veröffentlichten Bedingungen un- getheilt vergeben werden. Verdingungsunterlagen können bei unterzeich- Sr Dienststelle eingefehen, auch gegen
attung von 0,75 Mark von dort bezogen werden.
Mit entsprechender Aufschrift ver- fehene Angebote sind versiegelt und kostenfrei bis Mittwoch den 24. Juni 1891, Bormitt. 11 Uhr einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. 5223
Wetzlar, den 26. Mai 1891.
Königliche Ofenbahn-Bau-Jnspection III. Stroh verkauft 5137________Emil Lotz, Kirchenplatz.
5439] Eine Kaute Mist zu verkaufen^ Licherstraße b.
Versteigerung.
Am Aöller'schen Hause, Gcke der Bahnhofstraße und Neustadt, kommen Samstag den 13. d. von Vormittags 10 Uhr ab:
bis zu 3000 große Falzziegel, ein große- Quantum Brennholz, große- Quantum gut erhaltenes Glaserund Schreinerholz, verschiedene gut erhaltene Thü- ren, ein Scheunenthor, Krippen, Sandsteinrinneu und sonstige Bau-Utenfilien
zur Versteigerung. 5434
Freitag den 26. Juni, Nachmittags 2^2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Erben des Georg Franz dritter in Gießen gehörigen Immobilien:
Flur 17 Nr. 275i/160 - 378 Meter Grabgarten am Hamm am Neustadter Thor,
Flur 17 Nr. 27«/ioo — 170 Meter Hof- raithe daselbst,
Flur 17 Nr. 27”/io0 — 293 Meter Grabgarten daselbst,
Flur 17 Nr. 28Vio — 323 Meter Hof- raithe daselbst,
Flur 17 Nr. 8a/10 — 373 Meter Grabgarten daselbst und dem MÜHl- wegsgarten
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 7. Juni 1891.
Großh. Ortsgericht Gießen.
I. A.: Bogt. 5231
Montag den 15. Juni,
Vormittags 9 Uhr, werden in der früheren Restanration Heil (Eingang Schloßgasse):
1 großer Eisschrank, für Wirthe und Metzger geeignet, sowie
2 große Schaufenster
meistbietend versteigert.
Im Auftrag: [5432
LoiiiS Rothenberger Gerichtstaxator.
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Freitsg den 12. Juni,
Nachmittags 2 Uhr, in der Bieker'scheu Hoftaithe zu Gießen werden durch den Unterzeichneten öffentlich gegen Baarzahlung versteigert:
5 Schweine, 1 Pferd, 1 Ladeneinrichtung, 1 Ladentheke, 1 Cassaschrank, 1 Pianino, 2 Sekretäre, 1 Verticow, 1 Sopha, 2 Commoden, Tische, Stühle, Pult, Sessel, Eckschrank, 1 Nähmaschine, Regulator rc.
Engel,
5410 Gerichtsvollzieher.
Gutsverkaufr
Die Erben der Ehefrau des Millers Bolinger wollen das in Wehrda bei Marburg belegens Gut, bestehend aus Wohnhaus, Hofraum, Scheuer rc., die Mühle mit drei Mahlgängen, Oel- und Schneidemühle, Gärten u. Wiesen beim Hof und die dazu gehörigen Grundstücke (ungefähr 20 Hect.) frei* willig verkaufen. Die Hälfte des Kaufgeldes kann stehen bleiben.
Auskunft ertheilt
Textor, Administrator, 5203 Marburg a/L.
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