Ausgabe 
12.5.1891
 
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Dienstag den 12. Mai.

Gie^errer Anzeiger.

Beilage zu Br. los. -1891.

LsrrMetori.

D « sselbe Her).

Von A. Her.

(Schluß.)

Eines Abends besuchten sie einen Ball. Die Räume waren alle wunderschön eingerichtet; über Gruppen von Pflanzen schwebten buntfarbige Ampeln, in den Nischen standen Lampen mit dunkelrothen Schirmen, welche die Gesichter der in der Nähe sitzenden, Personen in einem magischen rothen Lichte erschimmern ließen. Die Säle füllten sich mit Menschen. Die Dame des Hauses ging einem Herrn entgegen, der die allgemeine Aufmerksamkeit erregte- er war eine große Be­rühmtheit und jeder drängte sich an ihn heran, um ihn zu begrüßen. Schließlich gelangte er auch in die Nische, in welcher sich Jhna mit ihrer Dame aushielt und die Haus­frau stellte ihn vor.

Er machte eine schöne Verbeugung und wie er aussah, rief Jhna:Arno!"

Du! Wie kommst Du hierher?"

Da im selben Augenblicke die Töne des ersten Walzers erklangen, so reichte er ihr den Arm und führte sie in den Tanzsaal.

Nun sehen wir uns doch endlich wieder," meinte Jhna erfreut.Ich habe sehr oft an Sie gedacht.

Damit walzte er mit ihr los und sagte kein Wort davon, daß auch er ihrer gedacht habe.

Als sie stille standen, fragte er wieder:Wie kommen Sie hierher?"

Mit einer Dame- ich bin nämlich Gesellschafterin. Schon lange habe ich die Heimath verlassen- unsere Familienkutsche, in der wir so oft zu Ihren Eltern fuhren, ist verkauft worden."

So!"

Arno blickte nach dem anderen Ende des Saales und schien sich für Familienkutschen gar nicht zu interessiren.

Ich bin sehr weit in der Welt herumgekommen, ich habe so viele Länder nnd Menschen gesehen. Und denken Sie nur, in Sicilien, in Taormina las ich Ihren Namen^im Fremdenbuch."

Er nickte.Einige Tage verlebte ich dort in Gesellschaft mehrerer liebenswürdiger Damen, gewissermaßen Berufs- genossinnen von mir."

O!" Jhna wurde es plötzlich sehr heiß und sie ent­faltete ihren Fächer. Wer konnten diese Berufsgenossinnen sein? Hätte sie doch damals im Fremdenbuche weitergelesen,

welche Namen noch dort verzeichnet standen. Aber es war nur ein einziger Name, der sie interessirte, der seine!

Und," fragte sie etwas beklommen,denken Sie nie mehr an die alte Brücke mit der Laterne und das rauschende Wasser und an den Lindenbaum und an die Gespenster­geschichten und an das kleine Theater und an die bemalte Theekanne?"

Er schüttelte den Kopf.Ich habe nicht Zeit, an Der­artiges zu denken." Und nun führte er Jhna an ihren früheren Platz zurück. Sie sah von Weitem durch die ge­öffnete Flügelthüre, wie er mit anderen vorübertanzte und in den Pausen unterhielt er sich mit Herren und Damen.

Jhna war traurig gestimmt. Sie dachte an den Ab­schied unterm Lindenbaum und wie Arno gesagt hatte, daß man nur in der Welt etwas Außergewöhnliches werden könne. Nur in der Welt.

Plötzlich entstand eine Unruhe unter den Anwesenden und sie schritten zu zweien davon zum Abendessen, während Jhna verlassen stehen blieb. Auf einmal nahte sich Arno. Ich bitte um die Ehre," und er reichte ihr den Arm.

O, er hatte doch immer noch ein gutes Herz!

Und wie sie nebeneinander faßen, fragte sie:Sie sind berühmt geworden, Arno?"

Sein Name entfuhr ihr so.

Es ist doch seltsam, daß der Fluß noch immer rauscht, die Weiden im Winde flüstern, die Brücke kracht, wenn die Wagen über sie hinwegrollen, die Laterne schwankt, daß das alles gleich geblieben ist, während Sie sich so verändert haben."

Inwiefern?"

Weil Sie so berühmt geworden find."

Und in anderer Beziehung, habe ich mich da auch verändert?"

In anderer Beziehung" sie blickte in seine Augen und die sahen so schön, so klug, so gut aus, daß sie ver­wirrt wurde und die Antwort schuldig blieb. Arno schenkte ihr Sect ein und er handhabte sein Sectglas mit einer Ge­wandtheit, als ob er im Leben nie etwas anders gethan habe, als Sect getrun:>. Es ist merkwürdig, dachte Jhna, wie schnell man sich au alles gewöhnt, namentlich an das Sect- trinken. Und dann sagte sie:Ich möchte so gern einmal die alte Brücke Wiedersehen."

Ich werde Sie eines Tages über die Brücke fahren."

Ach, das ist ja gar nicht möglich. Ich weiß nicht, ob ich jemals in meine Heimath zurückkehre und wenn dies der Fall fein sollte, dann sind Sie sicher nicht dort und wenn Sie einmal dort sind, bin ich wieder nicht da."

O, eS ereignen sich viel merkwürdigere Dinge in der Welt, als daß zwei zusammen über eine Brücke fahren. Das können Sie mir glauben."

Werden Sie die nächste Zeit in dieser Stadt bleiben?" fragte Jhna, denn sie hoffte, ihn noch oft, oft in Gesellschaft zu treffen."

Ich gedenke nächstens eine Reise anzutreten, denn ich stehe im Begriff, mich zu verheirathen."

£)!" Jhna wurde es ganz unbeschreiblich traurig zu Muthe.

Weßhalb gratuliren Sie mir nicht?"

Weil weil ich Ihre Braut nicht kenne und nicht weiß, ob sie im Stande sein wird, Sie glücklich zu machen."

Das lassen Sie doch meine Sorge fein," und bei diesen Worten nahm Arno einen tüchtigen Schluck Sect.Uebrigens," fuhr er gleich darauf fort,kann es Ihnen gleichgiltig fein, ob ich glücklich werde oder nicht."

Es ist mir nie gleichgiltig, wenn Jemand unglücklich ist, am wenigsten . . ." hier hielt sie inne.

Arno starrte in den Kronleuchter hinauf. Gewiß dachte er an feine Braut. Jhna stellte sich dieselbe als eine im­posante Erscheinung vor mit schwarzem Haar, blitzenden Augen, einem rothseidenen Kleide und den Hals mit funkelndem Ge­schmeide geschmückt.

Die Hausfrau gab das Zeichen zum Aufbruch. Alles erhob sich. Arno durchschritt mit Jhna mehrere Säle und führte sie in ein kleines Zimmer, in dem sich Niemand auf­hielt.Es ist doch sonderbar," meinte er,daß wir uns hKr wieder getroffen haben, nachdem wir viele Jahre hin­durch getrennt gewesen sind. Aber das Merkwürdigste von Allem ist doch . . ." hier stockte er und sah Jhna an.

Was ist so merkwürdig?" fragte sie.

Daß ich Dir noch immer so gut bin. Ich erkundigte mich sehr oft nach Dir und Niemand konnte mir Auskunft geben."

O, Du herzliebster, bester Arno!" flüsterte Jhna und legte ihren Kopf an feine Achsel. Aber dann fuhr sie plötz­lich zurück.Und Ihre Braut?"

Die bist Du ja. Du! Ich wollte nur ergründen, ob Du mich lieb habest. Ja, der Fluß rauscht noch immer, die Weiden flüstern, die Brücke kracht, wenn die Wagen über sie Hinwegrollen, die Laterne schwankt, alles das ist gleich ge­blieben, aber viel merkwürdiger ist es, daß Du, nachdem Du in so vielen Ländern und unter so vielen Menschen gelebt hast, eins unverändert behieltest: Dasselbe Herz!"

Verdingung.

Die Ausführung von 3600 cbm Erd­arbeiten, 2380 qm Chaussirung und von 60 cbm Bruchsteinmauerwerk zur Herstellung eines Zufuhrweges aus dem Bahnhofe Niederwöllstadt soll vergeben roerben. Hierzu ist öffentliche Verstand-, lung aus EamStag den 16. Mai I Vormittags 11 Uhr, im Geschäfts- zimmer des Unterzeichneten anberaumt. | Zeichnungen und Bedingungen können vorher bei dem Bahnmeister Gülke in Friedberg und bei der unterzeichneten Bauinspection eingefehen werden. An­gebots-Formulare können gegen freie Einsendung von 0,50 Mk. von hier be­zogen werden.

Marburg, den 5. Mai 1891. Königliche Eisenbahn-Bauinspection. _______Schwamborn. 4418

Vergebung von Bauarbeiten.

Nachstehende Bauarbeiten werden am Freitag den 18. Mai,

Vormittags 8 Uhr, im Gemeindehaus zu Oppenrod im Submissionswege vergeben und zwar: veranschlagt zu Maurerarbeiten 276 je. 43 H

Zimmerarbeiten 376 94

Dachdeckerarbeiten 264 79

Spenglerarbeiten 78 82

Weißbinderarbeiten 528 88

Schreinerarbeiten 382 10

Glaserarbeiten 48 80

Schlofferarbeiten 62

Tapezierarbeiten 14

Voranschlag, Plan und Bedingungen liegen bei Großh. Bürgermeisterei Oppenrod zur Einsicht offen.

Gießen, am 6. Mai 1891.

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