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Nr. 35

Mittwoch den 11. Februar

1891.

feierrcHalni^o

Montaoe.

Kenerat-Mnzeiger

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Rcbactton, »pebviw. mtb Druckerei:

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Wben dem Anzeiger »LchenLlich dreimal beiflHett

Der

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Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.

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Alle Lnnvncen-Bureaux des In- und Auslandes Wchum« An-tigcn für den »Gießener Anzeiger" entgegen. SWWWWWWWWSWUWWWWWMWMMWWWWWAWI

2lnrtlici?er' Lhrrl.

Bekanntmachung.

Mit Rücksicht auf das Ueberhandnehmen der Dächse im Lang-Gönser Hardtwald ist durch Verfügung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz die Heegzeit dieser Thiere in den Gemarkungen Lang-Göns, Leihgestern, Garben­teich, Schiffenberg mit Herrnwald und Watzenborn-Steinberg für das Jahr 1891 ausgehoben worden.

Gießen, den 7. Februar 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Derrtsebes Reich.

Darmstadt, 9. Februar. Für die vierte Sitzung der Zweiten Kammer der Stände am Dienstag, den 17. Februar 1891, Vormittags 9</j Uhr, ist folgende Tageö- ordnung sestgestellt:

1. Neue Einläuse.

II. Berichtsanzeigen.

111. Beantwortung, eventuell Besprechung der Interpella­tion der Abgeordneten Schröder und Genossen, die Revision der BerwaltnngSgesetze betreffend.

IV. Berathung über die Vorlage Großherzoglichen Mini­steriums der Finanzen, den Hauptvoranschlag der Staatseinnahmen und Ausgaben für die Finanz­periode 1891/94 betreffend, und zwarVorbemerkung" undOrdentliche Ausgabe".

Berlin, 9. Februar. Noch immer wird in einem Theile der deutschen Tagcspresse wie der Anslcmdspresse nach den Gründen geforscht, welche den bisherigen Generalstabschef Grafen Waldersee zum Rücktritt veranlaßt haben. So weiß jetzt dieNene Fr. Presse" mit der üblichenBestimmtheit" zu versichern, daß hierbei in der Thal Meinungsverschieden- heiten zwischen Reichskanzler v. Caprivi und dem Grafen Waldersee mit von Einfluß gewesen seien. ES soll sich um politische Berichte der deutschen Militär-Attaches bei aus­ländischen Regierungen handeln, welche vom Grasen Waldersee zurückbehalten worden sein sollen, ohne daß er von ihrem Inhalte dem Reichskanzler Mitthcilung machte. Herr v. Caprivi habe gegen diese Handlungsweise wiederholt Einspruch erhoben und die hieraus entstandenen Mißhelligkciten zwischen Reichs­kanzler und Gencralsstabsches hätten schließlich zur Demission dcS Grasen Waldersee mitgewirkt. 'Natürlich mnß man auch diese. Anschauung mit eben solcher Vorsicht aufnehmen, ivie sie gegenüber den sonstigen Mittheilungen über die Ursachen der Demission deS Grafen Waldersee angebracht erscheint. Inzwischen verlautet, daß zum Nachfolger des bisherigen Generalstabschefs nicht General v. Wittich, sondern General­lieutenant Gras Schlieffen, Ober Quarticrmeister im Großen Generalstabe, ernannt ivorden sei. Graf Schliessen, welcher nahezu 58 Jahre alt ist, wurde im Jahre 1854 Seconde- lieutenant im 2. Garde Ulanen-Regiment und legte die unteren militärischen Stufen verhältnißmäßig rasch zurück. Den Krieg gegen Frankreich machte er als Gencralstabövssizier bei der vom Großherzog von Mecklenburg befehligten Armee mit und sah er sich während des Feldzuges zum Major befördert. In den Frontdienst trat Gras Schlieffen 1876 als Commandcur des 1. Garde Ulauenregimcnts zurück - 1884 wurde er in den Großen Generalstab versetzt. Seit 1888 Generallieutenant, erhielt Graf Schliessen am 1. April 1889 eine der drei mit genanntem Tage ins Leben getretenen Gcneralquartiermeisterstellen.

ArislEd.

Bern, 8. Februar. Der Nationalrath Hauser ist gestern in Ospedaletto gestorben.

Rom, 8. FMruar. Pie Ministerkrisiö wird als beseitigt angesehen. Außer der bereits gemeldeten Minister­liste wird für das Portefeuille des Unterrichts noch der Se­nator Billari genannt. Die osficielle Ministerliste soll morgen veröffentlicht werden.

Nom, 8. Februar, Abends. Der Senator Billari wird heute Nacht in Nom erwartet. Sollte er das Porte­feuille des Unterrichtsministeriums morgen annehmen, so wird die Zusammensetzung des Cabinetö sofort osfieiell publicirt werden und die Minister werden dem König um 3 Uhr Nach­mittags den Eid leisten. Crispi hat heute von den Sections- chess der Ministerien des Innern und dcS Aeußern Abschied genommen.

Petersburg, 8. Februar. Der Erzherzog Franz Fe r- Linand wohnte heute der Messe in der katholischen Kirche

bei, frühstückte bei dem Kaiser und der Kaiserin im Winter­palais, dinirte mit dem Kaiserpaar bei dem Großfürsten Wladimir und wohnte sodann in Begleitung des Kaiserpaares einer Balletvorstellnng bei. Die Abreise nach Moskau ist aus den 14. Februar festgesetzt; von dort erfolgt am 16. Febr. die Weiterreise über Warschau nach Pest.

Deutfc^er Rei<h»tag

61. Plenarsitzung. Montag, 9. Februar 1891, 1 Uhr.

Etngcgangen ist der Gcsktzentkvurs betr. daS Verbot von Maschinen zur Herstellung künstlicher Kaffeebohnen.

DaS HauS eriedtgt Wahlprüfungen.

Bezüglich der Wahlen der Abgg. Hermes (bfr.), Dr. Hänel (bfr.) und Raviibet (ReichSp.) roiib die Beschlußfassung über die Gültigkeit dec Wahlen ausgesetzt und werden zunächst Erhebungen über angebliche UnregelmLgigkeitcn beschlossen. Eine Debatte findet hierbei nicht statt.

Die Wahl deS Abg. Graf E armer (cons.) wird gültig erklärt.

lieber die Wahl des Abg. Porsch ((Str.) soll nach dem Vor­schläge der Lommission die Bcschlußsaffung ausgesetzt werden, bi« eine Reihe von Erhebungen, welche die Commission vorschlägt, gemacht morden sind.

Abg. Gröber (6tr.) erbittet diese Erhebungen ihrem Umfange nach einzuschränkeu.

Abg. Auer (Soc.) beantragt, diese Erhebungen auch noch auf einige andere Punkte auszudehncn. Das Haus lehnt die nach beiden Richtungen hin gestellten Abünderungsanträge ab und genehmigt die Vorschläge der Kommission.

Ein gleicher Beschluß wird bezüglich der Wahl deS Abg. v. Jagow (cons.) gefaßt,

Die Wahl des Abg. v. Norman« (cons.) wird für gültig erklärt, doch sollen Erhebungen über einige angebliche Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften erhoben werden.

Die Wahl des Abg. Friesen (cons.) wird für gültig erklärt, ebenso die Wahl des Abg. v. B red 0 w (cons.), während bezüglich der Wahl des Abg. Seemann ((Str.) ein älterer Beschluß für erledigt erachtet wi>d

Die Eoinmtssion deanii agt: 1. die Beschlußfassung über die Wahl deS Abg. Graf v. Saldern-Ahlimb (cons.) auszusetzen, 11 Er­hebungen über mehrere angeblich vorgekommene Unregelmäßigkeiten M der Wahl anzustellen.

Die Abgg. Dr. Mehnert (RchSp.) und v. Steinau-Sittmück (cons.) beantrogrn, diese Erhebungen einzuschränken und namentlich von her Einreichung der Stimmzettel Abstand zu nehmen, aus denen die weiße Farbe der Zettel sestgestellt werden soll.

Die Abgg. Träger (bfr.), Auer und Singer (Soc.) ocr- theidigen den Eommifsionsantrag, der von dem Abg. Singer dahin zu erweitern beantragt wird, daß die Erhebungen noch über eine Reihe ariderer Thalfachen ftotifinbui feUen.

Unter Ablehnung des Antrages Singer werden die Vorschläge der Commission angenommen.

Die Commission schlägt vor, über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Wahl des Abg. Zangemeister (Reichtzp.) Erhebungen zu oeianlaffc« und die Beschlußsassu ig über die Gültigkeit der Wahl auszusetzen.

Abg. Dr. Mehnert (Reichsp.): Es liegt hier der vom Abg. Rickert stets für unmöglich gehaltene Fall vor, daß die K'iegervereine für einen dcutschsreifinnigen Candidaten eingelreten sind. Redner sucht bann in langer Ausführung nachzuweifen, daß die Krieger- ueretne berechtigt sind, Socialdemokraten auSzuschließen, da der Fahneneid unoevtinbar ist mit dem socialdemokratischcn Partei­programm.

Abg. Dr. Barth (bfr.): Der Vorredner scheint hier eine liegen gebliebeoe Rede zu Gunsten des SociallstengcsetzeS gehalten zu haben. (Sehr richtig!) Man wirft den Soctaloenrokiaten immer Feindselig­keit gegen da« Vaterland vor; aber hat sich denn doS Vaterland immer so si eundlich gegen die L>oc>aldemokraten gezeigt. Die Krieger- verelne haben eine autoritative Bedeutung und deshalb sollen sie keine Wahlagitaiton treiben.

Abg. Auer (£ oc.): Der Fahneneid wird von dem Soldaten gcleistft, sür die soldatischen Ven ältnisse, für bürgerliche Verhältnisse und für die Wahlurne hat der Fahneneid nichts zu bedeuten. Was die Aevßerungen Einzelner betriff', so kann man unsere Partei nicht dafür verantwortlich nwchcn; wir thun unsere staatsbürgerlichen Pflichten, das Gegenth.il rst un8 n cht nachgewiesen. Reichsseinde sind in allen anderen Parteien zahlreich vorhanden. Die Krteger- oeietnc machen heute geg«u unö, morgen gegen eine andere Partei mobil unb jebcSmal soll für Zuwibelhanbelnbe der Vorwurf schrecke«, er habe ben Fahnenelb gebrochen. Die Krieger haben ja baS Reich mit chaffen b^ien; aber baß wir bas allg.meine gleiche unb blrtcte Wahlrecht Haden, das liegt daran, baß Fürst BiSmarck unS gebrauchen wollte, um bie Bourgoisi' zu ärgern. Auch der König von Sachsen forbeitc die Kriegerverttne auf, gegen Socialdemokraten und Fort- schrittlee zu flhnmen. Als die Hetze gegen die Socialdemokraten begann unb ble Arbeiter wegen ihrer Gesinnung entlassen würben, ba habe ich allcrbings, um bieser Niebertiächtigkeit cntgegenzutreten, empfohlen: Arbeiter, gebt Euer Ehrenwort; lügt Eure Arbeitgeber an, Sie verbtenen es nicht besser-

Abg. Dr. 2)1 ebnert (cons.): Auch der Abg. Bebel hat an- itfüiuit, baß socialdemokratische Organe, z. B. bieSächsische Arbeiter- zeitung", zu weit gehen in der Verfolgung socialdemoklatischer Priiicipien.

Abg. Bebel (Soc.): Die Ansichten der Herren rechts über StaatStreue wechseln oft. Im Jahre 1867 stimmten Particulariften, Socialdemokraten und Kricgervereine gemeinfam für mich im Wahl- kl eise Glauchau und der Freiberr v.Friesen kam bi meine Werkstatt, um mich zu meiner Jungfern^Rede gegen den üttorddeutschen Bund zu beglückwünschen. N cht wir, sondern Sie (rechts) haben die Stelling geändert.

Abg. Ackermann (cons.) nimmt die sächsische Justiz in Schutz gegen versteckte Angriffe der Vorredner.

ES werden die Vorschläge der WahlprüfungScommlssion an­genommen.

Tie Wahlen der Abgg Holtz (Rck^p.) unb Reichert ((Str.) werben gültig erklärt. Die Beschlußsassu.rg über bie Wahl bes Abg. V« er dach (Rchsp.) wirb ausgesetzt und sollen Erhebungen über an gelrliche Unregelmäßigkeiten statt finden.

Nächste Sitzung Dienstag l Uhr. Kleine Vorlagen und Etat berathung.

Schluß 5 Hör.

Neueste Nachrichten.

WolssS telegraphisches (korrespondenz-Bureau.

Berlin, 9. Februar. DerReichsanzeiger" meldet : Der Kaiser empfing Vormittags den zum Ches deS Generaistabs ernannten Generallientenant Grafen Schliessen zur Meldung.

Berlin, 9. Februar. DieNordd. Allgem. Zig." hebt hervor, die Regierung sei keine Parteiregierung, sondern in erster Linie der berufene Vertreter aller wirthschastlichcn In tereffen und betont, die Handelövertragö-Verhattdlnngen mit Oesterreich müßten von dem Gesichtspunkte benrtheilt werden, daß die Regierung beim gegenseitigen Ausgleiche der vor- schicdenen Jntereffcn hier und da den einzelnen Interessen gruppen nicht zn Gefallen sein kann. Das VertragSverhält- niß zwischen den beiden Kaiserr'eichen kann znm Crystallisa tionSpunktc der handelspolitischen Gruppirnng unb von dau­erndem Vortheile werden. Die Besorgniß, daß die Wirth- schastspolitik ganz neue Wege nehmen werde, hält dieNordd." für ungerechtfertigt. Die Rcichsregiernng bekenne sich zum Schutze aller nationalen Arbeit und werde diesem Grundsätze auch bei den Wiener Verhandlungen treu bleiben. In dem eventuellen Handelsverträge werde nicht etwa nur ein Factor der Volkswirthschaft als contribuirender Theil sein, sondern ein billiger Ausgleich erreicht werden müssen und zwar in dem Umfange, welchen die LebeitSbedingungen der Industrie solvie der Landwirthschast gestatteten.

Berlin, 9. Februar. Die Kranleukaffcn Commission der Reichstags beschloß, daß die in den Geschäftsbetrieben der Krankenkassen,NerusSgenossenschasteu und Versicherungsanstalten beschäftigten Personen versicherungspflichtig sein sollen.

Berlin, 9. Februar. DieNordd. Allgem. Ztg." sagt gegenüber denHamb. Nachr." itnb derMünchener Allg. Ztg.": Für die Behauptung, daß seit deut Rücktritt des Fürsten Bismarck eine wesentliche Veränderung In dem Verhältnis; zwischen Deutschland und Rußlanb eingelreten sei, bezw. daß Deutschland hoffentlich allmälig die eigentliche Basis der deutschen Politik wiedergewinue, ivelche in einem freund schastlichen Einvernehmen mit Oesterreich-Ungarn und Rttß- land besteht sür diese schwere, allen bekannten Thatsachen diametral widersprechende Beschuldigung, daß die derzeitige Politik die wesentliche Basis der Friedenspolitik DentschlandS, nämlich das sreundschastliche Einvernehmen mit Rußland, preisgegeben habe, müssen beide Blätter nothwendig irgend welchen Beweis antreten, wenn nicht der gegründete Verdacht entstehen sott, daß sie Zwecks Discreditirung der auswärtigen Politik Deutschlands auch vor wittkürlichen Erfiudimgeu nicht zurückschrecken.

Berlin, 9. Februar. DieBerliner Politischen Nach richten" bezeichnen die Meldung der Blätter, die Regierung beabsichtige, daS Gesetz über die Rentengüter vollständig umgearbeitet tem Landtage vorzulegeu, sür unrichtig.

Berlin, 9. Februar. Bei dem Staatsseeretär Bötticher sand heule Abend ein Ball statt, an dem die Minister, die Chefs der Reichöämter, Mitglieder des Bundeörathö, des diplomatischen Corps, die Präsidien deS Reichstags, des Herrenhauses und Abgeordnetenhauses, sowie zahlreiche Par­lamentarier und Repräsentanten der Kunst, Wissenschaft und der Kaufmannschaft theilnahmen.

Bremen, 9. Februar. Nach hier cingetross^en Nach- richlei' auS London ist der norddeutsche LloyddampferSchivan" mit dem DampferDelamdre" zusammengestoßen. Der Delambre" ist gesunken, derSchwan" wurde am Bug beschädigt. Näheres fehlt.

Paris, 9. Februar. In NimcS sand gestern eine ropalistischc Versammlung statt, bei der 3000 Personen an­wesend waren. Gras Hanssonvitte bekämpfte in einer Rede die republikanische Kundgebung deS Cardinals Lavigerie und forderte zum Ausharren im Kampfe gegen die Republik aus.

Paris, 9. Februar. DemSiecle" zufolge hätte die französische Regierung dem Projeete der egyplischen Regierung, ans den Ersparnissen der Schuldeneonversion jährlich 150000 Pfund für die Aushebung der Fr ohne zu verwenden, unter gewissen Vorbehalten zugestimmt.

Rom, 9. Februar. DerA. Stesani" zufolge geneh mißte der König folgende Mini sierliste: Rudini, Präsi­dium, Auswärtiges und Marine interimistisch^ Nieotera, Inneres- Lnzzatti, Schatz- Colombo, Finanzen- Pelloux, Krieg- Ferart, Justiz- Vranea, Arbeiten, interimistisch Post