Ausgabe 
10.7.1891
 
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Freitag den io. Juli (Siebener AnzerHev. Beilage zu Nr. 157. - 1891

DerEntwurf eines Programms der forial- demokratifchen Arbeiterpartei Deutschlands"

lautet wie folgt:

Die Trennung der Arbeiter von den Arbeitsmitteln Grund und Boden, Bergwerke, Gruben, Maschinen und Werk­zeuge, Verkehrsmittel und deren Uebergang in den Allein­besitz eines Theiles der Gesellschastsmitglieder hat zur Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen, die arbeitende und die be­sitzende, geführt.

In den Händen ihrer Aneigner sind die gesellschaftlichen Arbeitsmittel zu Mitteln der Ausbeutung geworden. Die hierdurch bedingte öconomische Unterwerfung der Arbeiter unter die Besitzer der Arbeitsmittel, d. h. der Lebensquellen, ist die Grundlage der Knechtschaft in jeder Gestalt: des gesell­schaftlichen Elends, der geistigen Verkümmerung, der politischen Abhängigkeit.

Unter der Herrschaft dieser Ausbeutung nimmt die An­häufung des durch die Ausgebeuteten erzeugten Reichthums in den Händen der Ausbeuter der Capitalisten und Groß­grundbesitzer mit wachsender Geschwindigkeit zu. Immer ungleicher wird die Vertheilung des Arbeitsproductes zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten, immer größer die Zahl und immer unsicherer die Lebenslage der Proletarier, immer massenhafter die Armee der überschüssigen Arbeiter, immer schroffer der Klassengegensatz, immer erbitterter der Klassen­kampf, welcher die moderne Gesellschaft in zwei feindliche Heerlager trennt und das gemeinsame Merkmal aller Industrie­länder ist.

Die im Wesen der capitalistischen Production begründete Planlosigkeit erzeugt jene immer länger andauernden Krisen und Arbeitsstockungen, welche die Lage der Arbeiter noch ver­schlimmern, durch den Ruin der städtischen und ländlichen Mittelstände der Kleinbürger und Kleinbauern den Abgrund zwischen Besitzenden und Besitzlosen erweitern, die allgemeine Unsicherheit zum Normalzustand der Gesellschaft erheben und den Beweis liefern, daß die Klasse der An­eigner der gesellschaftlichen Arbeitsmittel den Beruf und die Fähigkeit zur wirthschaftlichen und politischen Führung ver­loren hat.

Diesem Zustande, der von Tag zu Tag unerträglicher wird, durch Beseitigung seiner Ursachen ein Ende zu machen und die Befreiung der Arbeiterklasse zu erringen, ist das Ziel und die Aufgabe der Socialdemokratie.

Die socialdemokratische Partei Deutschlands erstrebt dem­gemäß die Umwandlung der Arbeitsmittel Grund und Boden, Bergwerke, Gruben, Maschinen und Werkzeuge, Ver­kehrsmittel in Gemeineigenthum der Gesellschaft, und die Umwandlung der capitalistischen Production in socialistische Production- eine Umwandlung, für welche die kapitalistische Gesellschaft selbst die materiellen und geistigen Bedingungen geschaffen hat und weiter schafft und durch welche allein die Befreiung der Arbeiterklasse und mit ihr die Befreiung aller Gesellschaftsglieder ohne Ausnahme verwirklicht wird.

Die socialdemokratische Partei hat nichts gemein mit dem sogenannten Staatssocialismus, dem System der Verstaat­lichung zu fiscalischen Zwecken, das den Staat an die Stelle des Privatunternehmers setzt und damit die Macht der öko­nomischen Ausbeutung und der politischen Unterdrückung des Arbeiters in einer Hand vereinigt.

Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein, weil alle übrigen Klassen und Parteien aus dem Boden des Capitalismus stehen und trotz der Jnteressenstreitigkeiten unter sich doch die Erhaltung und Stärkung der Grundlagen der heutigen Gesellschaft zum ge­meinsamen Ziel haben.

Die Interessen der Arbeiterklasse sind in allen Ländern mit kapitalistischer Produktionsweise die gleichen; mit der Ausdehnung des Weltverkehrs und der Production für den Weltmarkt wird die Lage der Arbeiter eines jeden Landes immer abhängiger von der Lage der Arbeiter in den anderen Ländern- die Befreiung der Arbeiterklasse ist daher nicht eine nationale, sondern eine sociale Aufgabe, an der die Arbeiter aller Culturländer gleichmäßig betheiligt sind. In dieser Erkenntniß fühlt und erklärt die socialdemokratische Partei Deutschlands sich eins mit den klassenbewußten Arbeitern aller- übrigen Länder.

Die socialdemokratische Partei kämpft nicht für neue Klaffenprivilegien und Vorrechte, sondern für die Abschaffung der Klassenherrschaft und der Klassen selbst und für gleiche Rechte und gleiche Pflichten Aller ohne Unterschied des Ge­schlechts und der Abstammung. In diesem Befreiungskämpfe versicht die Socialdemokratie, als die Vertreterin nicht blos der Lohnarbeiter, sondern der Ausgebeuteten und Unter­drückten insgesammt, alle Forderungen, Maßregeln und Em- richtungen, welche die Lage des Volkes im Allgemeinen und der Arbeiterklasse im Besonderen zu verbessern geeignet sind.

Die socialdemokratische Partei Deutschlands tritt deßhalb gegenwärtig für folgende Forderungen ein:

1) Allgemeines gleiches directes Wahl- und Stimmrecht mit geheimer Stimmabgabe aller über 21 Jahre alten Reichsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts für alle Wahlen und Abstimmungen. Einführung des Pro- portionalwahlsystems. Festsetzung der Wahlen und Ab­stimmungen auf einen Sonn- oder Feiertag. Entschä­digung für die gewählten Vertreter.

2) Directe Antheilnahme des Volkes an der Gesetzgebung mittelst des Vorschlags- und Verwerfungsrechts. Selbst­verwaltung des Volkes iu Reich, Staat, Provinz nnd Gemeinde. Jährliche Steuerbewilligung. Recht der . Steuerverweigerung.

3) Entscheidung über Krieg und Frieden durch die gewählten Vertreter des Volkes. Errichtung eines internationalen Schiedsgerichts.

4) Abschaffung aller Gesetze, welche die freie Meinungs­äußerung und das Recht der Vereinigung und Versamm­lung einschränken oder unterdrücken.

5) Abschaffung aller Aufwendungen aus öffentlichen Mitteln zu kirchlichen und religiösen Zwecken. Die kirchlichen und religiösen Gemeinschaften sind als Privatvereinig­ungen zu betrachten.

6) Weltlichkeit der Schule. Obligatorischer Besuch der öffentlichen Volksschulen. Unentgeltlichkeit des Unter­richts und der Lehrmittel in allen öffentlichen Bildungs­anstalten.

7) Erziehung zu allgemeiner Wehrhaftigkeit. Volkswehr an Stelle der stehenden Heere.

8) Unentgeltlichkeit der Rechtspflege und der Rechtshilfe. Rechtsprechung durch vom Volk gewählte Richter.

9) Unentgeltlichkeit der ärzlichen Hilfeleistung und der Heilmittel.

10) Stufenweise steigende Einkommen-, Capital- und Erb­schaftssteuer für die Bestreitung aller öffentlichen Aus­gaben, soweit diese durch Steuern zu decken sind. Ab­schaffung aller indirecten Steuern, Zölle und sonstigen wirthschaftspolitischen Maßnahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit den Interessen einer bevorzugten Minderheit unterordnen.

Zum Schutze der Arbeiterklasse fordert die socialdemo­kratische Partei Deutschlands:

1) Eine wirksame nationale und internationale Arbeiter­schutz-Gesetzgebung auf folgender Grundlage:

a. Festsetzung eines höchstens acht Stunden betragenden Normal-Arbeitstages.

b. Verbot der gewerblichen Arbeit für Kinder unter 14 Jahren.

c. Verbot der Nachtarbeit, außer für solche Industrie­zweige, die ihrer Natur nach, aus technischen Gründen oder aus Gründen der öffentlichen Wohlfahrt Nacht- arbl erheischen.

d. (Sim ununterbrochene Ruhepause von mindestens 36 Stunden in jeder Woche für jeden Arbeiter.

6. Verbot des Trucksystems.

2) Ueberwachung aller gewerblichen Betriebe und Rege­lung der Arbeitsverhältnisse in Stadt und Land durch ein Reichs-Arbeitsamt, Bezirks-Arbeitsämter und Ar­beitskammern.

3) Gleichstellung der landwirthschaftlichen Arbeiter und Dienstboten mit den gewerblichen Arbeitern. Beseitigung der Gesinde-Ordnungen.

4) Sicherstellung des Coalitionsrechts.

5) Uebernahme der gesammten Arbeiterversicherung durch das Reich mit maßgebender Mitwirkung der Arbeiter an der Verwaltung."

vermischtes.

* Aus Anlaß der. jüngst in Straßburg im Elsaß ab­gehaltenen 31. Jahresversammlung des Deutschen Vereins von Gas- und Wasser-Fachmännern sendet ein Gasfreund derStraßburger Post" nachstehenden Sprachscherz, Gas- Glossen betitelt:Geehrte Genossen! Guttenbergs getreue Gemeinde gegenüber Galliens Grenze, grüßt gastgeberisch geistige Gas-Größen geographisch germanischer Gaue. Goethes großem Gedanken gehorchend, grübelten Gottes gelungenste Geschöpfe gar gründlich, gegen gewohntes, geöltes Gassen- gefunkel grauer Geschlechter, grell gelb glühendes Gas ge­bärend. Gewaltiges, glorreiches, goldenes Gas! Gutgerathenes Geschenk gütiger Genien! Gigantische Gabe gelehrter Geister! Galvaniker, griesgrämige Glotzer, grollen Gasmännern- grinsen gräßliches Geheul, geifern Galle, giftigen Gischt gegen Gases glückliche Gesittung. Glühlicht glimmendes Gezücht! Gönnet Gunst gasmännischem Getriebe! Günstig gestellte, gewinngebende Gasgesellschasten gegenwärtiger Generation gewähren ganzen Gegenden gegen gesetzlich geprägtes Geld gereinigtes, geruchreiches glühendes Gas. Geräumige, ge­füllte, gesättigte Gasometer, geheimnißvoll gelegten, gefräßigen Gasleitungen geschäftig Gas gebend, gelten gutmütigen, gasgeschwängerten Großmüttern gleich. Gasgeblendet gleichen gewundene, geheime, gefährliche, gerngemiedene Gräben ge­ebnetem, großartig gepflegtem, granitgepflaftertem, groß­städtischem Gebiete. Glanzvoll glorificirt Gas gravitätischer Gesichter Glatzen, gewährt Gleichmuth gegen Glanzlicht ge­feite Gimpel, geleitet gefallene Gestalten großmüthig gefahr­losere, glücklicher gewählte Gänge. Gleichzeitig gestattet Gas gerichtlichen, gescheidten Gesetzesgehiilsen, gesichertes Gelingen geschickt geführter Genickgriffe gegen gefürchtete gewerbs­mäßige Gauner, geflissentlich gegen gewöhnliches, gemeines Galgengesindel. Gemeingut genial gebauter gußeiserner Gar­küchen gibt Gas gehörige gleichmäßige Gluth guten gebratenen Gänsen, gaumengesälligem, gut geröstetem, garnirtem Gaul­braten, gern gegessenem, gedunstetem gepfeffertem Gulasch. Gewandte, gesuchte, geprüfte Gebißkünstler gebrauchen ge- | legentlich gleichfalls gern Gas geringerer Güte, gehöhlten, gänzlich geknickten Gebißgliederu gewinselfreien, gemüthlichen Garaus gebend. Gern gesehene Gäste! Gleichgesinnte Gas­gönner! Gebt glücklichem Gedeihen gepriesenen GaseS ge­bührende Genugthunng - geschwind Gambrinus geaichte, gut- gefüllte Gläser geleert! gez. guter Gassreund."

* Der jüngste Tag. In einem Hamburger Bankierhause waren drei Brüder angestellt, welche den NamenTag" führten und von denen der jüngste Kassirer war. Einstmals

erschien ein Fremder, um eine Summe Geldes in Empfang zu nehmen. Der Buchhalter ertheilt die Antwort:Da müssen Sie warten, bis der jüngste Tag kommt."

Literatur uwö KetttfL

lieber die in Berlin seit 5 Jahren erscheinende Wochen- schrist Blatt gehört der HairSfrair!* urthellte eine un­parteiische Stimme jüngst wie folgt:An Reichhaltigkeit ihres alle Gebiete des häuslichen Lebens umfassenden Inhaltes bleibt diese Zeitschrift hinter keinem ihrer Nebenbuhler zurück, dagegen ist sie vielen derselben durch eine gewisse Vornehmheit des Tones überlegen, der jedes Lappische und Alberne ausschließt. Durchweg bewegt sich die Leserin hier wie in einem guten Hause, in dem es neben ange­nehmer Unterhaltung an allen Enden viel des Wissenswerthen und Anregenden gibt." Wir bemerken hierzu noch, daßDies Blatt gehört der Hausftau!" den Abonnentinnen auch eine vorzügliche, reich illustrirte Modenzeitung mit Original-Schnittmustern bietet, so daß also den weitgehendsten Anforderungen an eine Haussrauenzeitung Genüge geschaffen wird. Jede Buchhandlung und Postanstalt ver­mittelt Abonnements zum Preise von 1.25 Mk. pro Quartal.

Verkehr, Land» und Votkswirthschast.

Der kleine Froftsparmer (Chelmatobla brmnata). Oft kommen die Knospen der Bäume nicht zu ihrer Entfaltung, schreibt Max Winter imLandbote", hier und da drängt sich mühsam etwas Grün hervor, wohl auch ein vereinzeltes Blättchen. Die ganze Krone besteht im Wesentlichen aus unregelmäßigen, grünlichen, allmählich auch eine bräunliche Färbung annehmenden Knäulchen, die sich nicht ausbreiten können, weil sie an ihrem Pol von einigen Fäden zusammengehalten werden. Bet näherer Betrachtung derselben findet sich im Innern eines solchen Knäuels der Missethäter, eine, auch wohl mehrere grüne, meist licht gestreifte Raupen mit nur 10 Beinen, den sechs gegliederten vorn und zwei Paar ungegliederten am Leibesende. Wenn die Raupe fortkriechen will, krümmt sie ihren Rücken schleifeartig, um das vorletzte Fußpaar hinter das letzte der Brustfüße zu setzen, dann läßt sie mit den Bruftfüßen los, streckt den Körper gerade aus, hält sich mit letzteren fest und zieht unter Schleifenbtldung die Hinterbeine wieder nach. Well derartige Raupen ihren Wegdurchspannen", so hat man sieSpannmefser" oder Spannraupen genannt und die zugehörigen SchmetterlingeSpanner". Die hier beschriebenen waren im ersten Frühjahre den Eiern ent­schlüpft, bohrten sich tief in die Knospen ein und zerstörten dieselben um so vollständiger, je später die Frühlingswärme deren Entwickelung bewirken konnte. Grau kamen die Raupen aus dem Et, nahmen eine gelbgrüne Farbe und einen schwarzen Kopf nach der ersten Häutung an, nach den folgenden Häutungen werden sie entschiedener grün, die lichten Längsstreifen treten schärfer und weiß hervor, der Kopf wird hellbraun und die Luftlöcher erscheinen als schwarze Pünktchen. Bei einer Länge von 22 mm sind sie spätestens im Anfänge des Juni erwachsen. Während der Lebensdauer sitzen sie nicht oder nur selten frei an den Blättern, sondern ziehen dieselben immer von den Rändern her durch einige Fäden zusammen, bangen auch öfter an kürzeren oder längeren Fäden vom Baum herab. Wenn man sie nicht stört, klettern sie alsbald, jede an ihrem Faden wieder in die Höhe und es ist ihnen alho nicht beizukommen. Die erwachsene Raupe gräbt sich im Schirme des Baumes flach unter die Erde, spinnt dieselbe in ihrer nächsten Umgebung zu einem zerbrechlichen Gehäuse zusammen und verwandelt sich hier in eine gedrungene, gelbbraune Puppe, welche hinten in zwei nach außen gerichtete Dörnchen ausläuft. Sie ruht vom Juni bis in den October. Erst in diesem Monate und auch noch später, wenn das übrige Jnsecten- leben schon bereits erstorben zu sein scheint, kommen bei Abend die Schmetterlinge hervor, die Männchen, um in taumelndem mattem Fluge ein Weibchen zu erobern, die Weibchen um auf ihren langen Beinen an einem Stamme hinaufzukriechen, einem Männchen zu begegnen unb nach der Paarung oben an die Knospen die kleinen Eier anzukleben. Nicht genug, daß ihnen der liebe Gott eine so späte, unfreundliche Jahreszeit zu ihren Lebensfreuden angewiesen, hat er dieselben durch die stummelhaften, zum Fluge untauglichen Flügel noch weiter stiefmütterlich bedacht. Angemessen der Jahres­zeit ist das Kleid des Frostspanners ein unscheinbar staudgraues. Ueber die dünnen Flügel des Männchens ziehen einige dunklere, meist verwischte Wellenlinien; die Hinterflügel sind roentg Heller als die Vorderflügel. Auch das Weibchen fuhrt einige dunkle Binden über die Flügelstumpfe. Sein Elervorrath beläuft sich ungefähr auf 250 Stück, und es läßt sich daher schon erwarten, daß ein Dutzend Weibchen an einem Baume Brut genug absetzen kann, um dessen Laub und Früchte für das nächste Jahr zu vernichten, ja das Leben des ganzen Baumes in Frage zu stellen, wenn sich der Fraß jahre­lang wiederholt. Darum kommt alles darauf an, dem Weibchen die Fußparthte nach der Krone unmöglich zu machen, ihm den Weg zu verlegen. Dies hat für Bäume keine Schwierigkeit, wohl aber für Spaliere und Strauchwerk. Das allbekannte und, wenn mit der nöthigen Umsicht angewendet, auch unfehlbarste Mittel besteht in demTbeerringe" oberSchutzgürtel". Da der Obstbaum das Bestreichen seiner Rinde mit einer klebenden Masse nicht verträgt, so muß der Raupenleim (Brumatalcim) auf eine Unterlage von starkem Papier gestrichen werden und es ist der etwa handbreite Papierftreifen so um den Stamm zu binden, daß zwischen ihm und der Rinde ein Durchweg unmöglich wird, indem er fest anliegt. Bei fehr unebener, alter Rinde läßt sich dies durch Glätten derselben erreichen oder durch Verstreichen derselben durch Lehm. Das zweite Erforderniß ist möglichst andauernde Klebrigkeit des Leims, bezüglich der erneuerte Anstrich, wenn bei der Revision recht zahlreiche Weibchen als Gefangene aufgefunden werden. Natürlich muß die Anlegung des Ringes Anfangs October geschehen. Die Art und Weise der­selben ist schon im vorigen Jahre oft und eingehend in diesem Blatte besprochen worden. Leider frißt die Raupe auch an ben verschiedensten Hölzern im Walde, wo ihre Wirkung meist leicht ver­schmerzt werden kann; daher gewährt der Theerring immer nur einen lokalen Schutz und kann wenig zu der allgemeinen Ver­minderung des Schädlings überhaupt beitragen, der im Norden Deutschlands und weiter hinauf bis nach Schweden in der oben angegebenen Weise sich so verwüstend zeigt und somit als einer der schlimmsten Obstverderber auftritt. Schließlich die schon so oft ausgesprochene Bitte: Schützt die Singvögel! Sie haben viele, ja so viele Feinde, der schlimmste Feind ist leider immer noch der Mensch, theils aus Bosheit, theils aus Dummheit. Auf eins möchte ich hierbei aufmerksam machen, nämlich auf das zu frühzeitige Be­schneiden der Hecken unb lebenbtgen Zäune. Wo sie vor Katzen ?c. sicher sind, nisten sie gar zu gern in dem bichten Buschwerk derselben. Kaum haben sie indeß die Eier gelegt, kaum dieselben angebrütet, ober vielleicht schon ausgebrütet, da kommt der Mensch. Wie viele Vogelnester, wieviel Vogelleben geht durch solch unzeitiges Beschneiden der Hecken verloren! Schneidet später, vielleicht im Juli ober August; es ist nicht wahr, baß burch bas späte Schneiden die Hecke leidet, aber die junge Vogelbrut ist bann flügge und dankt es Euch durch Gesang und Raupenfraß.