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Kreitag den io. April. Gretzenev ^lnzergev. Beilage zu Rr. 82. - 1891.
Feuilleton
D i e Rappen.
Novelleite von Zoe von Reuß.
(Schluß.)
III.
Es war saft Mitternacht, als Trudel droben in ihrem Zimmer stand und still in die schweigende Sommernacht hinaus- blicktc Der Abend war noch sehr belebt gewesen, sie hatte sich qanr regelrecht von den Offizieren die Cour schneiden lassen So hätte es sehr hübsch sein können, wenn fie nicht immer an den Vetter hätte denken müssen. Vermuthlich bestrebt, die Flüchtlinge wieder zu erlangen, hatte er sich am Abend nicht in der Gesellschaft sehen lassen.
Umherschweisend trifft ihr Auge das Hosthor, Laternen- schein blitzt ihr von dort entgegen. Steht der Vetter abermals dort, um die Flüchtlinge zu erspähen? Wahrend Herrschaft und Gesinde längst die Ruhe gesucht haben, scheucht er den Schlaf. Auch Trudel ist merkwürdig munter, - nein, sie vermag noch nicht zu schlafen. Bereits halb entkleidet, wirft sie das Kleid von Neuem über, schlagt den weichen, seidendurchsütterten Mantel um die Schultern und schlupft eilig hinaus. Lautlos wie ein Schatten gleitet sie in ihren Atlaspantöffelchen die Eichentreppe hinab, ein Ruck mit der kleinen, kräftigen Hand und der schwere Eisenriegel der Haus- thür fährt zurück — sie steht draußen. Drüben der Laternenschein zieht sie magnetisch an.
„Sind sie noch nicht ba?" fragt sie, am Hofthor an- gekommtti. Hochstedt wendet den Kopf und starrt sie an, als ob er einen Geist sähe.
„Ich bins — Cousine Gertrud."
„Aber, gnädiges Fräulein . ,
Sie fühlte die Anrede wie einen neuen Such im Herzen, er mag nichts von ihr wissen. _________
„Ich begreife allerdings Ihre Sorge — um Ihre Lieb- I linge," setzte er etwas freundlicher hinzu. |
„O, nein! Die Rappen sinds nicht, behüte! 's ist mir nur um Sie!"
„Um — mich, Cousinchen!"
„Freilich! Glauben Sie, daß ich Ihren Aerger nicht begreife? Ach, ich bin zu unglücklich, daß ich Ihnen solchen Verdruß bereitet habe, ja ich, ich . . . Zuerst hatte ich näm- lich ein bischen mit den Rappen ausgeschnitten . ."
„Natürlich! — Aber das schadet nicht viel."
„Nein! Aber nachher! — Ich ließ Sie feige im Stiche, trotzdem ich wußte, daß Sie Recht hatten^ das war recht schlecht von mir. Darum konnte ich auch nicht schlafen."
Aus Herrn v. Hochstedts Augen brach ein Strahl des Entzückens/so hell und strahlend, daß er fast die Nacht durchdrang. Trudel in ihrem gegenwärtigen Seelenzustande bemerkte es nicht, sondern fuhr in Selbstanklage fort:
„Es gefiel mir sehr gut, mir von den andern die Cour machen zu lassen. Sie thaten es ja einmal nicht! Aber ich bin doch froh, daß sie fort sind, die andern nämlich, und Sie dafür hier bleiben. Ich weiß, Papa denkt ebenso, oder zweifeln Sie, daß Trudel ihren Papa auskennt? . . Doch still, still!"
„Wahrhaftig, die Rappen kommen — die Hufe schlagen vor dem Dorfe auf einen Knüppeldamm aus. Sie kommen, die volle Krippe zu suchen," entscheidet Herr v. Hochstedt.
„Hurrah!" jubelt das junge Mädchen.
„Schnell hinter das Hofthor, Trudel!"
Im Nu standen sie in dem durch das Zurückschlagen des Hofthores gebildeten Winkel, athemlos lauschend. Drei Minuten später stürzten die hungrigen Rappen pfeilschnell zum Hosthore hinein, an ihnen vorüber und in den benachbarten Stall. Schnell hatte der Jnspeetor die Stallthüre geschlossen.
„Gefangen!" triumphirte Trudel, in die Hände klatschend.
„Ja, sie sind glücklich in Sicherheit. Ich freue mich darauf, morgen Ihrem Papa die Meldung machen zu können. Aber, Trudelchen, Sie zittern ja wie Espenlaub. Und Ihre Füßchen! Sie haben ja nur Ihre Pantöffelchen an?"
„Ich nahm mir nicht die Zeit, die Schuhe wieder anzuziehen, als ich Sie mit der Laterne an dem Hosthore stehen sah."
„Und es fängt an zu regnen — große Tropfen . . ."
„'s ist nur eine einzige dunkle Wolke."
„Aber das Pflaster wird schon naß — Sie werden sich erkälten. Nein, das geht so nicht — ich werde Sie über den Hos tragen."
Trudel war vielleicht zu erschrocken, um zu widerstreben, denn im Nu saß sie auf dem starken Arme. Ihr Herzchen schlug in unsagbarem Glücke, unwillkürlich schmiegte sie sich immer fester an die treue Brust, als der Vetter, hoch und stolz aufgerichtet, mit seiner süßen Last über den Hof schritt. Sie an der offenen Hausthür sanft herablassend, srug er zärtlich: „Darf ich Papa morgen sagen, daß wir uns sehr, sehr lieb haben?"
„Freilich! Aber zuvor melden Sie doch, daß die Rappen wieder da sind," entgegnete Trudel diplomatisch.
* *
*
Drei Monate später fuhr das Rappengespann die tannenbepflanzte, hochzeitlich geschmückte Dorsstraße entlang, auf der der Kriegerverein zu Ehren der Neuvermählten Ausstellung genommen hatte. Zwischen die Gewehrsalven herein klangen lustig die Klänge der Dorfmusik, die aus dem stattlichsten Düngerhaufen Platz gefunden hatte.
„Wenn wir von der Hochzeitsreise zurück sind, Hans, lehrst Du mich alles so hübsch einrichten, wie es Dir für eine Landedelsrau gefällt," sagte Frau Gertrud, „und Deine schönen Pläne, für welche Du mich als Sprachrohr benutzen wolltest, kannst Du nun selbst ausführen."
Herr v. Hochstedt zog sein junges, reizendes Weib an die Brust. Dann sagte er, zum Wagen hinausblickend: „Da ist schon die Eisenbahnstation! Die Rappen gehen famos. Sie scheinen ordentlich zu wissen, daß sie unser Glück gemacht haben."
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Bekanntmachung.
Vom 20. bis 30. l. Mts. wird wieder eine erhebliche Anzahl von Mannschaften des Landwehrstandes zu einer Uebung eingezogen, welche für diese Zeit in die Stadt ohne Verpflegung einquartirt werden.
Wir fordern daher alle diejenigen Einwohner der Stadt Gießen, welche Lust haben, gegen die aus der Stadtkasse geleistet werdende Vergütung von 50 A pro Mann und Tag folche Einquartierung zu übernehmen, aus, dies auf unserem Bureau bis spätestens zum 14. l. MtS.
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