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Dienstag den io. Februar. (Siebener Anzeisev. Beilage zu Nr. 34. - 1891.

Feuilleton.

Der blaue Domino.

Sine Fastnachtsgeschichte. Von Neinhold Ortmann.

(Schluß.)

Einige Minuten lang saßen sie so Hand in Hand in selige» Schweigen. Dann seuszte der blaue Domino plötzlich.

Ach, wie heiß wir geworden ist? Wenn ich nur für einen einzigen Augenblick diese schreckliche Maske lüsten könnte."

Sie waren hinter ihrem Pfeiler so gut wie ganz un­beachtet, und die Aussicht, endlich einen vollen Blick in «reichens liebreizendes Antlitz thun zu dürfen, war für Doc- lor Mertelmann viel zu verlockend, als daß er nicht seine ganze Beredtsamkeit ausgeboten hätte, den blauen Domino zur Ausführung seines Wunsches zu bestimmen. Er selbst war ihr behilflich, das etwas verknotete Band der Larve zu lösen die neidische Hülle sank herab das holde Antlitz wandte sich ihm zu und eiskalt rieselte das Entsetzen durch des Doetors Glieder: denn der blaue Domino, dem er seine Liebe gestanden, war nicht Gretchen, sondern Diejenige, welche er seit heute Mittag von allen lebenden Wesen am meisten fiirchtete Tante Dorette? Und sie hatte niemals weniger verführerisch ausgesehen als in diesem Augenblicke mit den erhitzten, dunkel gerötheten Wangen und den glänzenden Schweißtropfen auf der Nase.

Eine fürchterliche Pause folgte der vorzeitigen Demas- kirung, dann aber sprang der unglückliche Emmerich Mertel- mann mit der Geistesgegenwart der Verzweiflung von seinem Stuhle auf.

Sie sehen sehr echauffiert aus, mein Fräulein!" stieß er hervor.Gestatten Sie mir, Ihnen ein Glas Limonade zu holen!"

Ohne ihre Erwiderung abzuwarten, stürzte er fort ; aber er dachte nicht an Limonade, sondern viel eher au Blut. Wenn der Assessor Breitschwert geglaubt hatte, sich ungestraft solchen Fastnachtsscherz mit ihm erlauben zu dürfen, so sollte er sich wahrlich bitter getäuscht haben. Auf der Stelle sollte er Rede stehen, und wehe ihm, wenn er sich nicht zu recht­fertigen vermochte. Ein glücklicher Zufall ließ ihn den Ge­suchten schon in der nächsten Minute finden. In anscheinend sehr traulichem Gespräche mit einer Dame im altdeutschen Gretchencostüm saß er auf dem Sopha eines kleinen Neben­zimmers. Mertelmann aber war so wild erregt, daß er die Anwesenheit der weiblichen Maske kaum bemerkte. Ohne Weiteres stürmte er aus den Treulosen zu.

Ist das Deine Freundschaft, Verräther? Weißt Du, wer es gewesen ist, zu welchem Du mich da drinnen ae- führt hast?"

Ich denke, es zu wissen," erwiderte der Assessor mit unbegreiflicher Gelassenheit.Es war Fräulein Dorette Haber­korn, die Dir den Tod ihres durch Dich geopferten Kanarien­vogels nun hoffentlich verziehen haben wird!"

Ach, was kümmert mich der verrückte Kanarienvogel! Meine Liebe habe ich ihr gestanden, denn ich meinte ja nicht anders, als daß es Gretchen sei, mit der ich sprach."

Er sank völlig geknickt aus einen Stuhl. Die Dame im Gretchencostüm, auf die Doctor Mertelmann so wenig Rück­sicht genommen hatte, schien Willens, sich hastig zu entfernen. Der Assessor aber hielt sie zurück.

Nun haben Sic es aus seinem eigenen Munde gehört, Fräulein Gretchen! Werden Sie mir jetzt glauben, daß ich die Wahrheit sprach?"

Der unglückliche Emmerich horchte hoch auf. Da traf ihn ein seelenvoller Blick aus den Augen der maskirten Dame und mit einem jubelnden Ausruf sprang er aus, um ihre beiden Hände zu ergreifen.

Gretchen mein theures Gretchen! Wahrhaftig, diesmal täusche ich mich nicht! Können Sie mir armen Un­glücksmenschen denn verzeihen?"

Von Herzen gern," flüsterte sie, und sie sträubte sich nicht, als er ihre zierliche Gestalt überglücklich in seine Arme zog.

Na, da komme ich ja, wie es scheint, gerade zur rechten Zeit, tönte in diesem Augenblicke eine tiefe Stimme von der ^hüre her.Nun weiß ich freilich, was es bedeuten sollte, als meine Schwester mir eben zuflüsterte:Wenn Doctor Mertelmann mit Dir spricht,' mußt Du ihm unbedingt Dein Jawort geben. Meine Einwilligung hat er bereits erhalten." Na, in meine Arme denn, Schwiegersohn ! Mir haben Sie von vornherein recht gut gefallen."

Gratulor, gratulor! schrie der Assessor, daß man eS fast im ganzen Saale hören konnte.

In demselben Moment aber fiel aus der Schwelle des kleinen Seitengemachs ein blauer Domino mit einem Ausruf des Entsetzens in Ohnmacht und mußte von hilfsbereiten Händen in das Toilettezimmer getragen werden. Dort er­holte sich Tante Dorette zwar sehr bald, aber sie fuhr nach Hause, ohne ihren Brnder oder chre Nichte auch nur einer Blickes zu würdigen und die Fastnachts - Maskerade rn der Ressource war die letzte, welche sie in ihrem Leben besuchte.

Fatal. A.:Haben Sie die neuen Hundertmarkscheine der württembergischen Notenbank schon gesehen?" B. - Ach, ich kenne nicht einmal die alten!"

Bekanntmachung.

Die Lieferung des Armenbrodes und des Bedarfs des Bürgerhospitals an Brod, Wecken, Kuchen, Mehl, Milch, Fleisch, Schmalzfett, Colonialwaaren und Hülsenfrüchten, Seife, Petroleum, Butter, Eier, Dörrobst rc. sowie die Fertigung der Schuhe und Särge ffic Arme soll im Wege der Sub< Atisfio« vergeben werden und sind Offerten hierauf verschlossen unter Beifügung von Mustern bis zum 114. d. M1S. bei Armenkassenrechner Döpfer einzureichen, bei welchem auch die Bedingungen eingesehen sowie die zur Submission auf Colonial- araaren rc. zu verwendenden Formu­laren biogen werden können.

Gießen, den 6. Februar 1891.

Die

Zlrmen-Deputation der Stadt Gießen. Gnauth.

Holzversteigerung.

Donnerstag, den^2.Febr.l.J.

von Vormittags 9 Uhr an soll im Anueröder Gemeinde wald in den Abteilungen Neuwiese und Krähenholz nachverzeichnetes Holz versteigert werden.

A. Werkholz:

179 Eichen-Stämme, 15 bis 34 Ctm. Durchm., 5 bis 12 Meter lang, 28,52 Festm. haltend

25 Nadel-Stämme, 18 bis 44 Ctm. Durchm , 8 bis 14 Meter lang, 10,33 Festm. haltend

262 kichen-Derbstangen, 11 bis 14 Etm. Durchm., 3 bis 6 Meter lang, 16,48 Festm. haltend

39 Nadel-Derbstangen, 8 bis 14 Ctm. Durchm., 8 bis 12 Meter lang, 3,60 Festm. haltend.

B Brennholz:

Scheith Knüppelh. Stott 1). ReiSH.

Rmtr. Rmtr. 5tmtr. Wellen Siche 27 113 10 1550

Nadel 4 2 3 960

3Upe 8 8 0 350

Bemerkt wird, daß das Eicheu- Werkholz sich zu Wagner- und Gruben­holz eignet.

Die Zusammenkunft ist am Mttllerwez bei Brennholz Nr. 164.

Annerod, den 6. Februar 1891. Großherzogl Bürgermeisterei Annerod.

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nach Maß liefert in bester Aus- -hrnng von JL 3 an (1091 I. Kau« jr-, Kreuz.

Holzversteigerung im Lollarer Gerueindewaid. Donner-tag, 12. Febr. 1891 von Vormittags 9 Uhr an

soll im Lollarer Gemeindewald in den Districten Pfaffenstrauch, Kopf und Boden nachverzeichnetes Holz ver­steigert werden:

A. Bau-, Werk- und Nutzholz: 139 Nadel-Stämme mit 51,46 Festm. 92 Nadel-Stangen mit 10,12 Festm.

B. Brennholz:

Scheith. Knüppelh. Stockh. Reish.

Rmtt. Rmtr. Rmtr. Wellen

Buche 140

Nadel 93 115,5 10,6 2525

Die Zusammenkunft ist in dem Distrtcte Pfaffenstrauch nächst der Holzmühle.

Lollar, den 5. Februar 1891. Großherzogl. Bürgermeisterei Lollar.

C. Geißler. 1135

Mittwoch -en 11. Februar,

Nachmittags 2 Uhr,

sollen auf dem hiesigen Ortsgericht erb- vertheilungshalber die den Friedrich Lind Eheleute« in Gießen gehörigen Immobilien:

Flur I Nr. 326 75 Meter Hofraithe in der Katharinengaffe,

Flur I Nr. 327 31 Meter Hofraithe daselbst

nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 2. Februar 1891. Großh. Ortsgericht Gießen- I- A-:

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