Dienstag den 9. Juni (Siebener Anzeiger. Beilage zu Nr. 130. - 1891,
Feuilleton.
Am Vorabend des deulsch-sranMschen Feldzuges 1870—71.
(4. Fortsetzung.)
Napoleon hatte selbst, so bestätigte man mir, von der Höhe aus mit Lulu, seinem Sohne, an der Hand, bei einer Mitrailleusen-Batterie dem Kampfe zugeschaut und war um Mittag nach Forbach zurückgesahren. Der Feind traute sich offenbar nicht in die Stadt, weil er gehört, dieselbe, unter* minirt wie das ganze Kohlenbecken hier, solle in die Lust gesprengt werden.
Abends 7 Uhr erst verließ auch ich St. Johann auf der Rückzugslinie nach Dudweiler, erreichte das Dors Quirscheidt in der Nacht und am nächsten Morgen befand ich mich in Lebach inmitten eines unabsehbaren Truppenlagers. Die Unserigen waren also heran; aber in welchem Wirrwarr hatte sich alles herbeigewälzt- es bedurfte ganzer Tage, um diese Massen zu ordnen.
General v. Goeben empfing mich um Mitternacht in Lebach, wo er eben mit Steinmetz, dem Commandeur der 1. Armee, confemte. Es galt nach all den zunächst noth- wendigen Stauungen und Schiebungen, den Anschluß mit der Armee Friedrich Carls zu gewinnen. Goeben beunruhigte der Gedanke, daß der Feind die kleine Affaire in Saarbrücken zu einem großen Siege ausbauschen und dadurch in Deutschland, wenn auch nicht Entmuthigung, doch Besorgniß erregen könne. Ihm wars deßhalb hochwillkommen, daß ich noch in der Nacht eine Schilderung des Herganges für die „Kölnische Zeitung" geschrieben- er bat mich aber ausdrücklich, derselben die Ueberschrist „Räumung von Saarbrücken" zu geben und wollte dieselbe durch den Telegraphen befördern. Aber in Lebach gabs weder einen solchen, noch war schon eine Feldpost zur Hand, und so blieb nichts übrig, als einen gedrängten Auszug davon zu machen und Artikel und Telegramm durch Staffelte nach Saarlouis zu schicken.
Ganz zerschlagen warf ich mich danach aufs Stroh. Goeben ritt wieder zu Steinmetz und kehrte erst am Morgen zurück. Der Rest der Nacht war ein unruhiger: die Kanonen rasselten durch das Dorf, die Hörner riefen schon früh zum Abmarsch- das Hauptquartier seinerseits ging nach Ottweiler- es galt also wiederum einen sechsstündigen Marsch. Kaum auf den Beinen, ward ich durch eine Ordonnanz wieder zu Goeben hinübergerufen.
„Ich bin da in einer unangenehmen Lage," empfing er mich. „Eben brachte man mir einen Franzosen, den unsere Leute in Saarbrücken abgesaßt und mitgeschleppt. Er nennt sich Jeannerot, einen früheren Offizier, und erklärte, er sei der Correspondent der Pariser Zeitung „Le Temps", als welcher er sich erst auszuweisen hat. Wie soll ich ihn behandeln?"
„Exeellenz," antwortete ich lachend, „etwa so, wie ich es von den Franzosen erwarten würde, wenn sie mich kriegten!"
„Gut, so bitte ich Sie, ihn aufzusuchen- er ist drüben- es steht ein Posten vor der Thür. Ist er ausreichend legi- timirt, so werde ich ihm ein Frühstück vorsetzen lassen, so gut es zu haben ist, und ihn dann über unsere Vorposten hinausführen lassen."
Ich sand in dem Gefangenen einen Mann der besten Formen und willkommen war es mir, dem mir befreundeten Chesredaeteur des „Temps", Neffzer, einen Dienst leisten zu können. Jeannerot erzählte mir, er habe sich in Saarbrücken zu weit vorgewagt, da er die Unserigen schon aus dem Rückzüge geglaubt, und sei von einem Lieutenant vor St. Johann abgefaßt worden. Ich frühstückte mit ihm, danach bat er, dem General seinen Dank ausdrücken zu können, und verabschiedete sich. Jeannerot sprach sich danach in seiner Zeitung in höchst anerkennender Weise über die Artigkeit Goebens aus. Leider folgten die Franzosen ihrerseits dem Beispiele desselben nicht und internirten die gefangenen Corre- spondenten in Pau. Originell wars übrigens, daß Jeannerot im Laufe des Krieges, als Goeben im Norden Frankreichs commandirte, diesem als Führer einer Truppenabtheilung gegenüberstand.
Unser Aufmarsch vollendete sich inzwischen- die Armee Friedrich Carls stieß auf die unserige unter Steinmetz, alle Wege waren mit Colonnen bedeckt. Jubel erregte es, als die Nachricht kam, der Kronprinz habe am 4. schon einen glänzenden Sieg bei Weißenburg erkämpft. Und da kam denn auch am 6. schon die Meldung, die Spitze unserer Armee und der des Prinzen sei auf dem Exereierplatze von Saarbrücken mit den Franzosen bereits engagirt. Während die Regimenter zum Eilmarsch vorbeordert wurden, sahen wir um Mittag auf der Höhe von Holz aus die weißen Wölkchen taubenartig über dem Spicherer Berge aussteigen. Hals über Kops gings nach Saarbrücken zurück und das Gefecht war in vollem Gange, als ich um ^2 Uhr das Schlachtfeld erreichte.
Der Hergang war folgender gewesen: Die 69er hatten nach Räumung der Stadt, in der die Franzosen vorsichtig nur fouragirt, jedoch der Art, daß General Frossard nur General Freßsack genannt wurde, wieder Fühlung am Feinde genommen und sich in St. Johann festgesetzt. Moltke hatte die Stadt ihrem Schicksale überlassen müssen, so lange nicht auch vor der Mündung des Nahethales unser Aufmarsch vollendet- dieser aber war jetzt so massenhaft geschehen, daß die Spitzen der ersten und zweiten Armee in dünnen Fäden sich vorschoben, den Exereierplatz erreichten und diesen unbesetzt sanden, Plötzlich aber von einer sich vor ihnen aus der Waldung ausrollenden feindlichen Macht angegriffen wurden. Sie nahmen das Gefecht aus- nur ganz allmählich und bataillonsweise aber vermochten die während des Ordnens des Aufmarsches und eines sechsstündigen Marsches ermüdeten übrigen Truppen zu Hilfe zu eilen, und da galt es denn, um dem Feinde beizukommen, die Erstürmung formidabler Positionen, des steilen Abhanges des dem Winterberge gegenüber gelegenen Spicherer Berges — eine der schwersten Ausgaben, die sonst wohl überlegter Dispositionen bedurft hätte. Der Feind hatte seine Batterien aus diesem Abhange etablirt und wars seine Geschosse in die ansangs nur wenigen Bataillone.
(Schluß folgt.)
Vergebung von Bauarbeiten.
Sämmtliche Rohbauarbeiten in Kostenhöhe von ca- 23500,00 Jt, einMeßlich Cementarbeiten, Gement- und TrägerUeferung, wie solche bei Erbauung eines Wohngebäudes für den Verwaltungs-Director der neuen Universitäts-Kliniken zu Gießen zur Ausführung kommen, sollen nach Gewerken getrennt oder an einen General- Unternehmer aus dem Wege öffentlichen Angebots vergeben werden.
Zeichnungen, Arbeitsbeschreibungen und Bedingungen können von Sunstag den 9. Juni l. I. ab auf dem Bau- bureau der Kliniken, Frankfurterstrabe Nr. 103, eingefehen werden, woselbst auch gegen Eopialgebithren Angebot- unterlagsn erhältlich sind.
Termin zur Eröffnung der Angebote:
Dienstag den 23. Juni d. I., Vormittags 10 Uhr.
Zufchlagsfrist 16 Tage.
Gießen, den 5. Juni 1891.
Großh. Kreisbauamt Gießen.
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Die bei Erweiterung der Station Bist dinaen vorkommenden Arbeiten und Lieferungen sollen im Subnnssionswege vergeben werden und sind die Bedingungen hierüber nebst Zeichnungen und Kostenanschlag im Expeditionszimmer der Station Büdingen bis zum 12. d. Mts. emzufehen. Die schriftlich einzureichenden Offerten sind verschlossen und vers egelt bis zum 13. d- Mrs., Vormittags 11 Uhr, mit der Aufschrift „Offerte auf die Arbeiten und Lieferungen bei Erweiterung der (Station Büdingen" im Bureau de-'Unterzeichneten portofrei einzureichen, woselbst um M die Eröffnung der emgelaufenen Offerten stattfindet.
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