Neueste Nachrichten.
VolffS teiegrapbllches Tsrrrsporrdmz-BureaN.
Rio de Janeiro, 6. December. Die Nachricht vom Ableben des Kaisers Dom Pedro hat große Theilnahme und Trauer hervorgerusen. Die Börse, die Banken und viele Geschäftslocale wurden zum Zeichen der Trauer geschlossen.
boten in ihren einzelnen Leistungen Gutes. Es muß aber zugestanden werden, daß die Palme in erster Linie den beiden Herren gebührt. Die Stimmen der Damen traten namentlich gegen die der beiden Herren in Ensemblesätzen zurück.
— Wir erhielten nachstehende Zuschrift: Der Säuger- kranz hatte am Samstag den 5. December seine Freunde und Mitglieder zu einer Abendunterhaltung geladen. Hinter diesem bescheidenen Schild jedoch barg sich, wie wir bald be- merkten, ein Vielmehr, es wurde ein echtes, zünftiges Concert geboten und, wie wir gleich hinzufügen wollen, ein wohlgelungenes. Fern liegt es uns, eine große Kritik zu bringen, wir wollen nur bescheiden berichten, deshalb unternehmen wir auch keine geistreiche Analyse und untersuchen die gebotenen Werke nicht auf „Feingehalt",- Tonwerke eines Mozart, Mendelssohn, Rubinstein und Bruch haben ihre Feuerprobe längst bestanden. — Danken wollen wir in erster Linie dem Dirigenten und der Vereinsleitung für das so überaus interessante Programm, um so mehr, als ein Männergesangverein der Veranstalter war und sich doch in das zweite Treffen stellte, um ein hochbedeutsames Werk möglich zu machen. Die Hauptnummer des Programms, „Anti g o n e",-hat prächtige, interessante Chöre, die, zumal wenn sie so trefflich gesungen werden, wie dieses unter Franz Bauers geschickter Leitung geschah, von großer Wirkung sind, trotzdem fällt dem Declamator der Löwen- anrheil an der Aufgabe zu, Chor und Orchester erhöhen nur den Eindruck, den die köstlichen Verse Sophokles-Donner Hervorrufen. Deshalb wählen sich auch die bedeutenden Recitatoren mit besonderer Vorliebe diese Tragödie, trotzdem es ihnen nicht oft gelingt, Chöre dazu zu gewinnen, denn nur ein Verein, wo Führer und Sänger von gleichem ernsten Streben beseelt sind, wird sich dazu bereit finden. Die gewaltige Ausgabe der Recitation war Herrn O. Zack zuge- theilt- derselbe bot eine durchaus achtungswerthe Leistung und hatte einzelne schöne Momente. Frau Balser, die Solistin des Abends, sang, unterstützt durch ihre liebliche, wohlgebildete Stimme, mit künstlerischem Verständniß „Endlich nahte sich die Stunde" aus Figaros Hochzeit von Mozart- dem nicht enden wollenden Beifall nachgebend, gab sie noch ein Liedchen von Ritter zu, wofür sie wieder stürmischen Dank erntete. Den Normannenzug von Max Bruch mit Orchesterbegleitung, in welchem Herr Th. Haubach sein Solopart kräftig und markig zur Geltung brachte, sang der Chor mit Präcision und Schneidigkeit, die wahrhaft zündend aus die Hörer wirkte. Das Orchester zeigte sich in seinen eigenen Sachen, wie in der Begleitung als trefflich geschulte Körperschaft, es folgte dem leisesten Winke des Dirigenten Franz Bauer, der sich auch hierbei als feinfühliger । Musiker und energischer Führer bewies. Der Sänger- kranz kann mit Stolz und Freude aus den 5. December zurückblicken, Frau Musika ist ihm großen Dank schuldig.
— Gießener Zither-Club. Wie aus dem Jnseratentheil ersichtlich, feiert der Gießener Zither-Club am 19. ds. Mts. sein diesjähriges Weihnachtssest. Wie schon seit seiner Gründung der Verein sich in den Dienst der Wohlthätigkeit gestellt, so ist es ihm auch in diesem Jahre ermöglicht worden, 12 arme Kinder vollständig neu zu kleiden. Die Feier selbst verspricht nach dem ihr zu Grunde gelegten Programm eine recht I schöne zu werden, so daß es an vielen, die Wohlthätigkeits- I zwecke mitfördernden Theilnehmern aus den Kreisen der Ein- I wohnerschast Gießens nicht fehlen wird.
— Das am 4. December ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 31) enthält u. A: Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Organisation der Unfallversicherung betreffend.
— Ordens - Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog habenAllergnädigst geruht: Am 21. November dem Rendanten Karl Grüneberg zu Gießen das Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß- müthigen zu verleihen.
— Kirchliche Dienstnachricht. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 10. November dem Pfarrverwalter Friedrich Walter zu Merlau, Decanat Grünberg, die evangelische Pfarrstelle daselbst zu übertragen.
— Postpersonalnachrichten. Versetzt wurde der Post- secretär Risse von Worms nach Laasphe behufs Ueber- nahme der dortigen Postmeisterstelle. Der Postassistent Heinze ist von Konstanz nach Offenbach (Main) versetzt und daselbst etatsmäßig angestellt worden.
— Postalisches. Manche postalische Einrichtungen werden erfahrungsgemäß deßhalb seltener benutzt, weil sie dem Publikum wenig oder gar nicht bekannt sind. Hierher gehört vor Allem die Einrichtung, daß dem Publikum unter gewissen Bedingungen gestattet ist, Einschreibbriefe und gewöhnliche Pallete auch nach Schluß des Postschalters zur Postbeförderung einzuliesern. Die Zweckmäßigkeit dieser Einrichtung ist ohne Weiteres einleuchtend. Kommt es doch oft vor, daß der Kaufmann eine eilige Geschästssendung, der Privatmann einen Brief mit wichtigem oder werthvollem Inhalte noch mit einer spät am Abend oder am Morgen in der Frühe abgehenden Post befördern möchte, davon aber absieht, weil er weiß, daß der Postschalter bereits geschlossen ist. — Für । solche Fälle ist die Einrichtung getroffen, daß Einschreib- i briese oder als dringend bezeichnete Packete bis spätestens eine halbe Stunde vor dem Abgänge der betreffenden Beförderungsgelegenheit bei der Postanstalt eingeliesert werden können, wenn sich zur Zeit der Einlieferung ohnehin ein Beamter im Dienste befindet. Für die ausnahmsweise angenommenen Sendungen ist eine besondere Gebühr von 20 Pf. zu entrichten. Diesem Betrage tritt bet Packeten die für dringende Sendungen zu entrichtende Gebühr von 1 Mk. hinzu. Die Packete werden alsdann mit der schnellsten sich darbietenden Besörderungsgelegeuheit, namentlich auch mit den Schnell- und Courierzügen, welche sonst zur Packetbeförderung
nicht benutzt werden, zur Absendung gebracht. — Die 3tit und die Dienststelle für die Annahme von Sendungen außerhalb der Schalterdienststunden sind in dem im Schalter-Vor- raume derPoftanstalten aushängenden Postbertchte angegeben. — Bei dem Postamte in Gießen kann die Annahme bis eine halbe Stunde vor Abgang der betreffenden Post beim Poftamte I (Bahnhofstraße), Zimmer Nr. 17, stattfinden.
— Der Getreiderrrarkt. Der in der letzten Woche erfolgte Stillstand und theilweise Rückgang der Getreidepreise auf dem Weltmärkte läßt daraus schließen, daß in diesem Jahre die Getreidepreise wahrscheinlich ihren höchsten Gipfel erreicht haben und vielleicht erst im neuen Jahre und im Hinblick auf die künftigen Ernteaussichten eine neue Preissteigerung stattfinden wird, da der Mangel an Roggen in ganz Europa verhältnißmäßig bedeutend ist und naturgemäß die später knapper werdenden Vorräthe leicht die Preise wieder in die Höhe treiben Helsen. Auch in den letzten Tagen blieb das Getreidegeschäst aus allen Märkten still und träge. Das russische Weizen-Ausfuhrverbot hatte seine Wirksamkeit eingebüßt und die Börsen ließen zumeist nach dem Ausfuhrverbote starke Preisrückgänge eintreten. Hierzu trug die starke Zunahme der überseeischen Zufuhren mit bei. Speciell Indien blieb Tag für Tag mit großen Angeboten auf dem Markte. Die controlirbaren Handelsvorräthe Amerikas haben sich abermals, und zwar um 2186000 Bushels, vermehrt und auch der Weizenversandt gestaltete sich recht lebhaft. Es wurden nach Großbritannien 336000 D.-Ctr., nach dem Continente 134 000 D.-Ctr. verladen. Trotz dieser colossalen Zufuhren zeigten Englands Märkte feste Haltung. In Frankreich war es sehr still. Belgien zeigte gute Frage für Weizen bei fester Preishaltung. In Holland blieb eS ruhig, da gegenüber den geforderten Preisen die Nachfrage nur sehr gering war. In Oesterreich-Ungarn war der Verkehr bei unveränderten Preisen schwach. Das Geschäft in Deutschland war gleichfalls nicht von Bedeutung, Roggen stellt sich gegen vorige Woche nur unwesentlich, Weizen ca. 3 Mk. niedriger.
— Umtausch verdorbener Postwertzeichen. Da es bekanntlich nicht selten vorkommt, daß durch irgend einen unglücklichen Zufall Briefmarken und Postkarten beschmutzt, zerrissen oder sonst verdorben werden, so sei daraus aufmerksam gemacht, daß die Post einzelne verdorbene Briefmarken nicht ohne Weiteres umtauscht, sondern Anträge Seitens des Publikums auf Umtausch verdorbener Freimarken werden nach den neuesten Bestimmungen im Allgemeinen nur berücksichtigt, wenn der Verlust ein verhältnißmäßig bedeutender ist. Die Anträge sind an die Postanstalten zu richten. Die Genehmigung zum Umtausch muß aber in jedem Falle vom Reichs-Postamt gegeben werden. Dagegen werden unbrauchbar gewordene Postkarten gegen gleichwerthige Freimarken (nicht gegen andere Postkarten) und gestempelte Postanweisungssormulare gegen neue oder gegen Freimarken selbstständig umgetauscht, und zwar kann der Umtausch von Hand zu Hand am Schalter bewirkt werden.
Mainz, 6. December. Commerzienrath Hubert A. Disch, der Gründer und Inhaber der bekannten Rhederei ist heute Abend im Alter von 70 Jahren verschieden. Der Verstorbene, der ursprünglich Schiffscapitän war, hat sich aus kleinen Verhältnissen heraus emporgearbeitet und mit klarem Verstand und rührigem Fleiß seinem Geschäfte eine Ausdehnung gegeben, daß es heute mit zu den ersten Rhedereien des Rheines zählt. Neben den zahlreichen großen Dampfern, ' die mit der Aufschrift „H. A. Disch" auf dem Rheine verkehren, hat der Verstorbene noch die Vollendung der stehenden Brücke, die Trajectanstalt zwischen hier und Castel übernommen, welche in Folge der practischen Einrichtung und günstigenj Lage zu einer bedeutenden Einnahmequelle für die Firma geworden ist. Durch den Tod des CommerzienrathS Disch, der eine zahlreiche Familie hinterläßt, wird in dem Geschäfte, das vor mehreren Jahren in eine Commandit- gesellschast umgewandelt wurde und auch eine Filiale in Duisburg besitzt, keine Aenderung eintreten und wird dasselbe unter der Leitung eines Schwiegersohnes des Verstorbenen, des Herrn P. Melchers, wie seither sortgesührt.
SchLffsnachvichten.
Bremen, 5. December. sPer transallantischen Telegraph.! Der Schnelldampfer Dave, Capt. R. Buisius, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 24. November von Bremen und am 25. November von Southampton abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Moraens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Depeschen des „Bureau Herolds
Wien, 6. December. Die jetzt bestehenden fünfzehn Armeecommandos sollen zu fünf Armeegruppen mit den Centren: Wien, Pest, Prag, Lemberg und Serajewo formirt werden.
Ratibor, 7. December. Der „Oberschlesische Anzeiger" meldet aus KattoWitz, daß aus der Kleophasgrube zwei Bergleute durch Herabfallen von Gestein erschlagen wurden.
Bern, 7. December. Das Gesammtresultat der Volksabstimmung, betreffend die Verstaatlichung der Centralbahn, ergab 268,000 Stimmen gegen, 127,000 Stimmen für. Bern gab 37,000 für und 17 Stimmen gegen ab.
Brüssel, 7. December. Der Dampfer „Ella Woermann" nimmt heute zehn belgische Nonnen für das Hospital in Matadi (Congo) auf.
St. Etienne, 6. December. Im Bergwerke de la Manu- facture erfolgte eine Explosion schlagender Wetter. 70 Bergleute wurden getödtet.
Lpielplan der vereinigten Dranksurter Stadtthrater.
vver«ha«H.
Dienstag den 8. December: Zum Gedächtnisse Mozarts. Vierter Abend. Cosi fan tutte. Gewöhnliche Preise.
Mittwoch den 8. December geschloffen.
Donnerstag den 10. December: Cavalleria rusticana. Hierauf: Fra Diavolo. Gewöhnliche Preise.
Freitag den 11. December: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Der Barbier von Sevilla. Hieraus: Die Puppenfee. Außer Abonnement.
Samstag den 12. December: Tannhäuser. Gewöhnliche Preise. Anfang 7 Uhr.
Sonntag den 13. December: Zum Gedächtnisse Mozarts. Fünfter Abend. Don Juan. Große Preise.
Tchairsplelhau-.
Dienstag den 8. December: Zum ersten Male wiederholt: Das Buch Hiob. Der vornehme Schwiegersohn. Abonnement A. Gewöhnliche Preise.
Mittwoch den 9. December: Egmont. (Egmont: Herr Emmerich von Düsseldorf als Gast.) Abonnement B. Gewöhnliche Preise.
Donnerstag den 10. December geschlossen.
Freitag den 11. December: Die Räuber. (Earl Moor: Herr Emmerich von Düsseldorf als Gast.) Abonnement A. Gewöhnliche Preise.
Samstag den 12. December: Das Buch Hiob. Der vornehme Schwiegersohn. Abonnement B. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 13. December, Nachmittags 3Vs Uhr: Die Großstadtluft. Außer Abonnement. Kleine Preise. Abends7 Uhr: Die gemeinschaftliche Hochzeitsreise. Abonnemente. Gewöhn- ■ ltche Preise.
lich um ein neues Jagdmittel der sächsischm Regierung gegen die Socialdemocratie; bet solchen Jaaden spiele Sachsen die Rolle der Piqueure. Die Vorlage bezwecke lediglich eine Einschränkung der Immunität der Reichstagsabgeordneten. Redner verlangt keine Aus- nabmsrechte zu Gunsten der Abgeordneten; aber jeder Abgeordnete müsse seinem Amte erhalten bleiben; alle weiter gehende Bestimmungen seien von Uebel; nur habe die Regierung keinerlei Gründe in diesem Sinne für ihre Vorlage eingebracht.
Staatssecretär Dr. Bosse verwahrt das Reichsgericht gegen einen von dem Vorredner gemachten Vorwurf, daß es eine „unglaubliche" Interpretation zu stände gebracht habe. Ferner nimmt Redner die sächsischen Gerichte und Staatsanwälte! gegen die Angriffe des Abg. Singer in Schutz. r P m
Sächs. Bundcsbevollm. Held vertheidigt ebenfalls die Rechtsauffassungen der sächsischen Gerichte und Staatsanwälte. Der Abg. Bamberger habe selbst die lange Vertagung als einen fictiven Zustand bezeichnet; das sei derselbe Grund, auf den die sächsischen Behörden ihre Entscheidungen begründet haben.
Abg. Dr. von Marquardsen (natlb.) stimmt im Wesentlichen dem Abg. Bamberger zu, daß es sich hier nur um eine Ausnahme handelt. Die Interessen der Abgeordneten müsse das Haus wahren. Mit der Eommissionsberathunq ist Redner einverstanden. Die Angriffe Singer gegen das Reichsgericht hält er für verfehlt. Das Reichsgericht habe sich das Vertrauen der großen Mehrheit der deutschen Nation erworben. . r
Nachdem die Abg. Bamberger und Hahn wrederholt zur Sache gesprochen, führt Abg. Stadthagen (Soc.) des Weiteren aus, daß das Verfahren des sächsischen Staatsanwalts in der Strafsache gegen dm Abg. Schmidt darauf schließm lasse, daß der Verfolgungssucht der sächsischen Staatsanwälte von deren Vorgesetztm Vorschub geleistet werde; so habe der Staatsanwalt in Ehemnitz den Abg. Schmidt einen gewerbsmäßigen Ehrabschneider genannt. Mit der Vorlage solle lediglich die Stellungnahme dieses Staatsanwalts und des Chemnitzer Gerichts gedeckt werden; dazu sich herzugeben solle der Reichstag ablehnen. ,
Die Debatte wird geschlossen. Die Vorlage geht an eine Commission von 14 Mitgliedern zur Berathung.
Damit ist die Tagesordnung erschöpft.
Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Anträge aus dem Hause.
Schluß 372 Uhr.
Localer unö provinzieller.
Gießen, 7. December 1891.
— Neues Theater. Dienstag, den 8. December, kommt I ein ausgezeichnetes Schauspiel von Charlotte Birch-Pseiffer „Rosa und Röschen" im Neuen Theater zur Aufführung. An diesem Abend wird auch die neue Vertreterin der ersten Liebhaberin, Fräulein Louise Plog, die Rosa v. Hammerstein in obigem Stücke spielen.
— Concertvereius Concert. Am Sonntag den 6. December sand in Steins Saalbau das zweite dieswinterliche Concert des Concertvereins statt. Dasselbe galt dem Gedächtniß W. A. Mozarts, der gerade vor 100 Jahren am 5. December sein Auge schloß. Das Programm des Concertes war deshalb aus Compositionen Mozarts zusammengestellt, wie es die Gedächtnißseier erheischte. In anderen Städten scheint man der Ansicht gewesen zu sein, ein ganzes Concerr aus Mozart'schen Compositionen zusammenzusetzen sei heute unthunlich. So enthielt das Concert, welches die Museumsgesellschaft in Frankfurt zur Mozartfeier abhielt, nur zum kleinen Theil Compositionen Mozarts. Die gestrigen Tagesblätter tadeln diesen Umstand mit Recht. Daß ein Mozart- abend doch etwas Hochinteressantes sein' kann, bewies das Concert des Concertvereins. — Das Concert wurde von der sogen, maurerischen Trauermusik (von Mozart für eine Festlichkeit der Wiener Freimaurerloge componirt), einer selten gehörten Orchester-Composition, stimmungsvoll eröffnet. Es folgte ein Prolog von O. Roquette, welcher auf den Zweck und die Bedeutung des Tages hinwies. Als Gros des ersten Theils folgten dann Ouvertüre, Chor der Priester und je eine Tenor- und Sopran-Arie aus der Zauberflöte. Den zweiten Theil bildete das Requiem. In allen Theilen Deutschlands ist gerade das letztere Werk vornehmlich für Mozartfeiern gewählt worden. Und kein Werk des göttlichen Meisters ist wohl textlich wie musikalisch so geeignet für eine derartige Feier wie dieses. Es läßt uns auch so recht gerade der letzten Tage des Meisters gedenken, wo er todtkrank das halb vollendete Werk in seine Hand nahm und Einiges mit seinen Freunden durchsang. — Die Gaben von Chor und Orchester waren gute. Herr Musikdirektor Felchner hatte mit Umsicht und Sorgsalt Alles vorbereitet und jeder Mitwirkende in Chor und Orchester setzte sein ganzes Können und Wollen ein, um die Ausführung zu einer würdigen zu gestalten. Wenn hie und da doch Kleinigkeiten unterliefen, so kann mit denselben hier nicht groß gerechnet werden. — Auch die Solisten (Frau Eva Adler-Hugonnett, Fräulein Fr. Zimmer, Herr Adolf Müller aus Frankfurt und Herr Nicola Doerter aus Mainz)


