sehr rauhen Lagen, besitzt eine große Keimfähigkeit, gibt viel Stroh unb wird bet kräftiger Cultur schön und groß im Kern.
Aber die Preise? fragen die Landwirthe sogleich, wie steht es mit denen? Gewöhnlich sind derartige neueinzuführende Artikel ganz abscheulich theuer. Das trifft allerdings hier zu, denn der Doppcl- ccntner kommt auf etliche dreißig Mark, bis er bei uns anlangt. Allein was kann durch eine solche Ausgabe alles erspart werden! Wir haben es ja im vergangenen Frühjahre gesehen, nachdem die Felder gänzlich ausgefroren und von Neuem gesät, gepflügt und geeggt wer- ben mußten. , ,
Man kann behaupten, daß bie Herrichtung eines vorzüglichen Saatgutes für bie zukünftige Ernte fast noch wichtiger ist, als die Düngung und Vorbereitung des Ackers zur Saat. Der Bauer frage sich einmal: Was nützt ihn alles Düngen, Pflügen, Hacken, Eggen und Walzen, wenn der eingesäete Samen nichts nutz ist und nicht aufgeht?
Alles dies bezieht sich aber nicht blos auf die Saatfrucht von Getreidearten, sondern ebenso gut auf Klee- und Grassaaten, auf Kartoffeln, Dickwurzeln, weiße und gelbe Rüben, Gemüse und verschiedenes Andere. Einige practische Beispiele mögen hier folgen, weil sie dem einfachen Landwirthe, für den wir in erster Linie die Feder führen, gewöhnlich begreiflicher sind, als gelehrte Auseinander-
Nehmen wir an, es sollte Kleesamen grsät werden. Dies ist ein theurer Artikel und darum sind diejenigen Leute, welche sich den Samen nicht selber ziehen, gar leicht geneigt, an den Ankaufskosten zu sparen. Mancher Bauer ist förmlich stolz darauf, wenn er seinen Nachbarn sagen kann: ich habe den Kleesamen um 5 bis 10 Pfg. pro Pfund billiger gekauft, als Andere. Nicht lange darnach zeigt sich der Prosit in einer sehr schiefen Lage. Der Kleesamen war wohl billig, aber auch schlecht — und billig und schlecht sind zwei Dinge, welche sich bekanntlich öfter zusammenfinden. Der Same geht nicht recht auf; was ausgeht, ist mit Unkraut und Flachsseide so zersetzt, daß das Bischen Klee nicht gedeihen kann. ZablloS sind die Betrügereien, welche bei dem Kleesamen in Anwendung gebracht werden, denn da der Eentner nicht selten 60 bis 80 Mk. kostet, so ren- tirt es sich schon eber, eine Schmuggelei zu riskiren, als bei Maaren, die nur 3 bis 4 Mk. pro Eentner kosten. Nachdem es sich herausgestellt hat, daß der Kleesamen nicht oder doch höchst ungenügend aufgeganzen ist, steht der Bauer vor seinen Aeckern, kratzt sich hinter den Ohren und fragt: Woher nehme ich jetzt Klee? Die Ernte ist gänzlich verloren, nun heißt es kaufen. Das kostet vieles, vieles Geld; für jeden Pfennig, den der Bauer beim Ankauf von schlechtem Samen ersparte, muß er eine Mark, also das Hundertfache, schwitzen. Es wird am Futter gespart, der Viehstand wird schlechter, der Dung wird schlechter, der Acker wird ungenügend gedüngt und es tritt derselbe Kreislauf ein, den wir kürzlich bet einer anderen Gelegenheit vorführten. Darum, werther Bauer, „bevorab Du Deinen Beutel austhust, thue Deine Augen auf," beißt es in landesväterltcher Weise irgendwo im Solmser Landrecht, das anerkannlermaßen ein recht tüchtiges ist.
Betrügereien und Schwindel bei Kleesamen sind häufiger als bei anderen Samenbranchen. In Norddeutschland gab es sogar eine Fabrik, welche kleine Steinchen in der Größe und Farbe des Klee- samenö mit solcher Virtuosität darzustellen wußte, baß sie nur ein geübtes Auge von dem wirklichen Samen zu unterscheiden vermochte. Die Fabrik offerirte ihre Fabrikate „zum Anmtschen" von Kleesamen durch Circulare an die Samenhandlungen. Welche Frechheit! Welch' erbärmliches Handwerk! das den sauberen Patronen natürlich sehr bald gelegt wurde.
Das eine Beispiel mag für heute genügen; es zeigt hinlänglich, wie schwer die Folgen sind, wenn der Bauer schlechtes Saatgut verwendet und daß unsere Ansicht ganz richtig ist: Die Herrichtung eines vorzüglichen Saatgutes ist für die zukünftige Ernte fast noch wichtiger, als die Düngung und Vorbereitung des Ackers zur Saat. Denn ein nicht ganz regelrecht gebauter Acker kann immer noch eine erträgliche Ernte bringen; der vorzüglich vorbereitete Acker aber kann niemals etwas Ordentliches bringen, wenn der aufgestreute Same nichts taugt. Man kann keine Trauben ernten von den Dornen und keine Feigen von den Disteln, sagt der Evangelist.
Vermischtes.
* Das französische Journal „L'Eleveur" veröffentlicht einen Artikel über den Handel mit Wachteln, welcher vom Verfasser von einem ganz neuen Gesichtspunkte aus kritisirt wird. Der Corresvondent des „L'Eleveur" schreibt zum großen Theil die colossale Zunahme der Heuschrecken, dieser Landplage, von welcher die algerischen Colonisten gerade dieses Jahr so entsetzlich viel zu leiden hatten, der Gewinn
sucht einiger englischer und französischer Geflügelhändler zu. i Seit Frankreich von einem beträchtlichen Theile Nordasrikas I Besitz genommen hat, ist daselbst ohne jedes Maß und Ziel J daraus losgejagt worden. Dec Sahara-Strauß, die Karthagohühner, die kleinen Trappen, die Fences, die Rebhühner, die Wachteln sind so furchtbar decimirt worden, daß das Jagdgebiet Algeriens, von welchem die Generale Daumas und Marguerite und der Commandant Garnier so entzückende Schilderungen machten, zu einer Art Filiale der Provence herabgesunken ist. Und man erstaunt noch, daß die Jnsecten in so erschreckender Weise zugenommen haben! Der Verfasser des Artikels kommt zu folgenden Schlußbetrachtungen: Eine Wachtel, sagt er, verzehrt täglich 50—60 Gr. an Nahrung und ganz junge Heuschrecknn in der Größe von Hanskörnern gehen 20 auf ein Gramm, so daß nach seiner Berechnung eine einzige Wachtel täglich circa 1000 Stück Heuschrecken verzehrt und 20,000—25,000 Stück während der Periode, wo diese Jnsecten klein genug sind, um von der Wachtel verschluckt werden zu können. Die tunesischen Jäger, welche am 8. Mai 50,000 Wachteln nach Frankreich verschifften, sind also mit Schuld daran, daß einzig in diesem Jahre 150 Millionen Heuschrecken weniger vernichtet worden sind durch diese Vogelart. Im Magen eines Straußes hat man 4228 Gramm Substanzen gefunden, die aus Speiseresten, Sand, Steinchen rc. bestanden. Nehmen wir an, es seien nur 2 Kilogramm Nährstoffe hierbei gewesen, so würde dennoch ein Strauß täglich 40,000 Heuschreckchen verzehren. Die so nützlichen Strauße, die ost nur der Federn wegen gejagt werden, finden die Jnsecten so sehr nach ihrem Geschmack, daß sie selbst im Kameelmist nacy solchen suchen.
Literatrrr uitö Arinst.
— ,Der Stein der Weisen" veröffentlicht in seinem neuesten (21.) Hefte einige sehr bemerkenswerthe Aufsätze aus dem Gebiete der Verkehrstechnik, die weitere Kreise interessiren werden. Hervorzuheben ist ein Projcct des ehemaligen Marineoffiziers v. SzLbel von einer eigenartigen, sehr zweckmäßigen Construction von Fluß- unb Ccmalschiffen, die durch 5 Abbildungen erläutert ist. Nicht minder lesenswrrth ist die Abhandlung Bürckes über den gegenwärtigen Stand der Entwicklung der Stadtbahnen (6 Abbildungen), worunter wieder bie electrische Untergrundbahn von London als besonders interessant hervorzuhebm ist. Ein Artikel über Vielfach- Telcgrapbie setzt die mannigfache, höchst sinnreiche Manipulation, mit weichet dieses Verkehrsmittel verknüpft ist, in lichtvoller, Jedermann verständlicher Welse auseinander. Außerdem finden wir in dem vorliegenden Hefte Ansichten der Drahtseilbahn auf den Vesuv und der projectirten ungeheueren Brücke über den Hudson, welche nach ihrer Vollendung wohl eines der modernen Weltwunder sein wird. An diese technischen Aufsätze schließen anregende naturwissenschaftliche Themen an: „Die kleinsten Lebewesen", „Frostwirkung auf Pflanzen", „Die Contraction des Flüssigkeftsstrahles", „Ein neues Projections- Mckroskop" usw. Auch diese Artikel sind durchwegs illustrirt. Das Heft beginnt mit einem schön illustrirten Aufsatz über das Riesengebirge und beschließt mit einer ausführlichen Beschreibung des prähistorischen Schanzwerkes von Lengyel (3 Bilder), zum Theile nach den Darlegungen Rudolf Virchows, den bie wissenschaftliche Welt erst in jüngster Zett anläßlich seines 70. Geburtstages gefeiert hat.
— Grnst Evers, Dichtergrütze für- Heim; mit Beiträgen von R. Beutner, G. Oertel. Jul. Sturm, E. Quandt, Gg. Vogel (inBeuern), Brschof Wunderling u.21. Berlin 1891. 75 S. In eleganter Ausstattung. 1 Mk.
Der Ertrag des empfehlenswerthen Büchleins soll dem Ferienheim bei Wernigerode, einer Heimstätte für müde und schwache Menschenkinder, zu gute kommen. Es will indetz nicht blos im Hinblick hierauf gekauft, es mag auch um seiner selbst willen gelesen und genossen werden. Die Gedichte schlagen Töne an, welche in den Herzen der Leser und Leserinnen warmen Sympathien begegnen werden. Unterstellt sind sie den drei Bibelworten: Die Liebe ist die größeste unter ihnen. Meine Seele ist stille zu Gott. Die Himmel erzählen bie Ehre Gottes.
Wer solchen Gemüthern, die sich ber Dichtkunst gerne öffnen, eine kleine Freude machen will, kann getrost hier zugreifen. Inhalt und Gewand dienen dem Büchlein zur Empfehlung. Aus den
„Dichtergrüßen" feien zwei kleinere Gedichte hier als Probe bcfe gefügt.
A. Ein Heim (Matth. 6, 26) von G. Vogel in Beuern.
Der Sturmwind trug herein Ein Vöglein arm und klein. Wie waren bie Federn zerschlissen! Wie war es vom Sturme zerrissen!
Doch als bie Sonne schien, Da ließ ich's wieder ziehn.
Und fröblich ist's entflogen — Was hat's wohl heimgezogen?
Von Emil Quandt.
B. Hinaus!
1. Hinaus! hinaus Aus dem wirren Gebraus, Aus der lärmenden Menge, Aus Hast und Gebt äuge, In bie Stille hinein, Still möcht ich fein!
3. Hinaus! hinaus
Aus bem täglichen Strauß, Aus dem Sorgen und Ringen Mit Menschen und Dingen In die Freude hinein, Froh möchte ich sein.
2. Hinaus! hinaus Aus bem staubigen Haus, Aus aerniethet'n Kammern, Aus Riegeln und Klammern, In die Freiheit hinein, Frei möcht ich sein!
4, Hinaus! hinaus, Und zieh ich jetzt aus In bas Stille unb Freie Unb Frohe, so weihe Ich bankenb es ein, Fromm möcht ich sein!
Aus Ton unb Art bieser Gebichte mag man auf bie andern schließen. A. L.
Brodpreise
vom 8. bis 22. November 1891.
1 Kgr.
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Bei den Bäder«. 4
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(2 „ ) Schwarzbr^b 29
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bei K- Heuser, I. Thomas 87
(2 Pfb.) Tafelbrod .
(4 „ ) Tafelbrod .
(2 „ ) Weißbrod .
(4 „ ) Weißbrod .
(2 „ j Schwarzbrot)
(4 „ ) Schwarzbrod
(6 „ ) Schwarzbrod
Gießen, den 7. November 1891.
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Abnahme von mindestens 5 Eentner und werden für dieselbe 5 Pfg. für den Centner berechnet; von Herrn Emil Pistor werden auch geringere Mengen als 5 Centner zugeschickt.
Bei Entnahme von Wagenladungen von mindestens 35 Centner, welche einige Tage vor dem Bezug zu bestellen sind, tritt bei allen Sorten eine Preisermäßigung von 5 Pfg. für den Centner ein.
Bei Bezug von 200 Centner auf einmal tntt eine Prelsermaßigung
von 10 Pfg. für den Centner ein und empfiehlt es sich, diesbezügliche Bestellungen zeitig bei uns vormerken zu lassen. 9501
Städtisches Gas- und Wasserwerk Giessen.


