Ausgabe 
8.10.1891
 
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Donnerstag de 8. October

Gietzener Anzeigen.

Beilage zu Rr. 234. -1891

Der Fortschritt in der Landwirthschaft.

Es wird heute wohl von Niemand mehr, der einigermaßen Fühlung mit der Landwirthschaft hat, geleugnet, daß unser Beruf, besonders im letzten Jahrzehnt, sehr bedeutende Fortschritte gemacht hat. Wer es bezweifelt, der gehe nur hin in ein beliebiges Dorf und erkundige sich, man wird ihm tagen, daß nicht nur die Erträge aus der Viehhaltung ganz andere geworden sind, daß der Acker, die Wiesen heute doppelt so hohe Erträge liefern, wie zur Zett der Eltern, der Großeltern. Allerdings zeigt sich diese Verbesserung nicht gleich­mäßig in allen Gegenden, hier tritt sie schärfer hervor, dort zeigt sie sich erst in ihren Anfängen, aber eingetreten ist sie überall. Da, wo diese Fortschritte schon älter sind, wo schon eine gewisse Sicher­heit in der größeren Leistungsfähigkeit eingetreten ist, da sehen wir unsere Landwirthe heute schon mit einem gewissen Stolz auf ihre Fortschritte blicken. Derselbe hat bis zu einem gewissen Grade seine volle Berechtigung, zeigt er doch, daß in der Landwirthschaft ein gesunder Geist lebt, daß mit den Erfolgen auch die Berufssreudig- kett wächst. Wo aber diese vorhanden ist, da tritt kein Stillstand ein, da wird der Fortschritt nur noch ein stetigerer und lebhafterer WerbCXrofcbetn wird sich der vorurtheilslose Beobachter unserer land- wirthschastlichen Verhältnisse nicht täuschen können; es muß zu- gestanden werden, daß wir erst am Anfang der Entwickelung sind und daß noch recht viel geschehen muß, bis wir sagen können, unsere Landwirthschaft wird allen an sie gestellten Anforderungen gerecht. Wie viele Landwirthe stehen z. B. der Anwendung der künstlichen Düngemittel noch zweifelhaft gegenüber, zweifelhaft, weil ihnen das Verstandniß für eine richtige Anwendung derselben fehlt; durch jahrelanges, unsicheres Versuchen, was oft mit viel Geld ver­knüpft ist, muß erst das Vertrauen für die Wirksamkeit derselben erworben werden. Aehnlich verhält es sich bei der Auswahl und Anwendung besserer Geräthe, Instrumente und Maschinen, der Aus­wahl ertragreicherer Eulturgewächse, überall tappt der ausschließlich im practischen Berufe aufgewachsene Landwirth im Dunkeln. Im Allgemeinen leichter findet sich der ältere Landwirth auf dem Gebiete der Thierzucht und Thterhaltung zurecht, wenn auch hier, selbst von recht tüchtigen Landwirthen, noch recht große Fehler gemacht werden. Kurzum, überall sehen wir ein zwar recht lebhaftes Vorwärtsstreben, aber der Weg ist häufig ein unsicherer, langsam zum Ziele führender, weil meist Die Grundlage, die richtige Berufsbildung, fehlt.

Verschiedene Factoren haben zusammengewtrkt, um diese schnelle Entwickelung der Landwirthschaft zu veranlassen. Schon die bessere allgemeine Schulbildung, die durch unter geordnetes und gegen früher viel oerbesfertes Schulwesen herbeigeführt wurde, hat einen wesent­lichen Antheil. Rückwirkend haben die Fortschritte aus allen anderen Gebieten unseres Erwerbslebens auch die Landwirthschaft gefördert; ich verweise blos auf die verschiedenen Jndustrieen, die durch ihre verbesserten Producte, wie Maschinen, Düngemittel, Futtermittel rc. günstig auf die Landwirthschaft eingewirkt haben. Einen wesentlichen Antheil haben aber ferner die Fortschritte, welche auf wisfenschaft- lichem Gebiete, insbesondere den der Naturwissenschaften, gemacht worden sind. Sie haben die Landwirthschaft befruchtet, sie haben bewirkt, daß die Landwirthschaft selbst zur Wissenschaft geworden ist. Man sucht die innersten Gründe unseres Erwerbes zu erforschen und die Gesetze und Regeln werden dann zum Vortheil der Praxis angewandt.

Die landwirthschaftlicken Vereine haben sich besonders seit ihrem Bestehen die Aufgabe gestellt, die Fortschritte unseres Berufes in die Kreise der Landwirthe hineinzutragen. Durch Vorträge in Ver­sammlungen, durch Zeitungen, durch Aneiferung und besonders das Beispiel haben sie diese Aufgabe zu erfüllen gesucht. Und daß sie Gutes geschaffen haben, wird nicht zu bestreiten sein. Sie sind oft für viele ältere Landwirthe und für viele Gegenden das einzige Mittel gewesen, um Kenntniß von den Fortschritten des Berufes zu verschaffen. Daß die Vereine aber für die künftige Generation, denen ihre Ausgabe als practische Landwirthe allem Anscheine nach noch schwerer wie den heutigen werden dürfte, nicht ausreichen, steht

außer Zweifel. Will der junge Landwirth und wir sagen, er muß es sich für seinen Beruf zweckentsprechend vorbereiten, so genügt hierzu nicht eine tüchtige Elementarschulbildung; es genügt nicht, daß er das Handwerksmäßige seines Berufes, was er von seinem Vater lernen kann, verstehe, heute muß der Landwirth neben den practischen Handgriffen, die ja sein Knecht gerade so gut wie der Landwirth selbst kann, über eine entsprechende wissenschaft­liche Berufsbildung verfügen. Untere hessische Regierung hat für untere mehr bäuerischen Verhältnisse die landwirthschast- lichen Winterschulen als die passendsten Anstalten für diesen Zweck ausgewählt und eine Anzahl solcher Schulen eingerichtet in diesem Jahre wieder drei neue sie hat die Schule organiftrt und beaufsichtigt sie. Um aber die gute Absicht der Regierung, auf diese Weise eine Anzahl junger Leute so für ihren Beruf vorzubilden, daß sie als Wirthschafter spater den anderen Landwirthen förmlich als Beispiele dienen können, zu erreichm, ist es nöthig, daß recht viele junge Landwirthe diese Schulen besuchen. Da die Zeit, wo diese Schulen ihre (Surfe eröffnen, bald wieder herankommt die meisten Schulen fangen am 2. November an so wollen wir nicht verfehlen, unsere Landwirthe nochmals darauf aufmerksam zu machen. Kein Landwirth, der einigermaßen so gestellt ist, daß ihm die Aus­gabe für den zweimaligen Besuch seines Sohnes an einer solchen Schule keine Last ist, sollte dies versäumen, zumal die Kosten nicht hohe sind.

Alsfeld, im September 1891.

Leithiger, Großh. LandwirthschaftSlehrer.

totales unö provinzielles.

Gießen, 7. October.

Betreffs des Portos für durck den tzectographen hergestellten Schriftstücke wird auf die bezüglichen Post- vorschriften hingewiesen, nach welchen die Beförderung solcher Schriftstücke gegen das Porto für Drucksachen erfolgt, sobald die Zahl der aufgegebenen Schriftstücke mindestens zwanzig beträgt, während einzelne Exemplare wie Briese frankirt werden müssen.

Arbeiterschutzgesetz. Nach § 120 der Gewerbeordnung in der Fassung des Reichsgesetzes vom 1. Juni d. Js., den Arbeiterschutz bett., ist bestimmt, daß der Unterricht in den vom Staate als Fortbildungsschule anerkannten Unterrichtsanstalten Sonntags nur stattfinden darf, wenn die Unterrichtsstunden so gelegt werden, daß die Schüler nicht gehindert sind, den Hauptgottesdienst oder einen mit Genehmigung der kirchlichen Behörden für sie eingerichteten besonderen Gottesdienst ihrer Confession zu besuchen. Da die sogen. Sonntagshandwerker­schulen jedenfalls vorerst der Unterrichtszeit an den Vor­mittagen der Sotn ge noch nicht entbehren können, so hat das hessische Mini- cium bestimmt, daß es für die unter Leitung der Centralstelle für die Gewerbe- und stehenden gewerblichen Schulen des Großherzogthums bis zum 1. October 1894 bei den seitherigen Bestimmungen zu verbleiben hat.

Was man nicht tobten soll! In Frankreich ent­halten die Schulbücher Belehrungen über die Nützlichkeit mancher Thiere, die vielfach gelobtet werden, die man aber nicht tobten soll. Es heißt darin: Igel: Lebt meistens von Mäusen, kleinen Nagethieren, Erd- und Wegschnecken und Engerlingen, Thieren, die dem Ackerbau schädlich sind. Tobtet daher keinen Igel. Kröte. Eine wahre Gehilfin des

Landmannes. Jede vernichtet 20 bis 30 Jnsecten in der Stunde. Tobtet die Kröten nicht! Maulwurf. Er verzehrt unablässig Engerlinge, Larven, Raupen und andere den Ackerbau schädigende Jnsecten. Keine Spur von Pflanzen wurde jemals in seinem Magen gefunden. Tödtet den Maul­wurf nicht! Vögel. Jede Provinz hat alljährlich große Verluste durch die Jnsecten. Vögel sind die einzigen Feinde derselben, welche im Stande sind, tüchtig aufzuräumen. Sie sind die großen Raupentodter und Gehilfen des Ackerbaues wie der Obstzucht. Tödtet die Vögel nicht! Marien- 'ferchen. Diese sind die Freunde der Feldbauer und Gärtner, indem sie Blattläuse auf den Gewächsen in Menge verzehren. Tödtet die Marienkäserchen nicht!

+ Langd, 4. October. Hier stürzte ein bei der Dresch­maschine beschäftigter hiesiger Einwohner von dem Dresch­wagen und fiel so unglücklich, daß er, wie ärztlicher­seits constatirt wurde, das Rückgrad brach. Schwerverletzt liegt der Verunglückte nunmehr darnieder.

Büttelborn, 2. October. Allgemeine Theilnahme erregt ein Unglücksfall, den die Familie des Försters Raiß dahier betroffen hat. Dessen Ehefrau befand sich gestern mit zwei ihrer Kinder auf einem mit Grummet beladenen Wagen auf dem Heimwege. In Folge einer stärkeren Erschütterung des Fuhrwerks geriethen die beiden Kinder ins Fallen,- ihre Mutter wollte sie schnell erfassen, fiel aber mit zu Boden und brach das Genick, während die Kinder unbeschädigt blieben. Der alsbald erschienene Arzt constatirte, daß der Tod sofort eingetreten war. Der jähe Tod der noch jungen, braven Frau wird umsomehr bedauert, als dieselbe ein Muster einer rastlos thätigen und tüchtigen Hausfrau war.

Darmstadt, 5. October. Auf dem am 18. d. Mts. im Tivoli-Saale in Eisenach stattfindenden diesjährigen Partei­tag der thüringischen Nationalliberalen wird u. A. in der allgemeinen Versammlung am Nachmittag lautF. I." Herr ; Dr. Osann von hier als Redner auftreten.

vermischtes.

* Internationale elektrotechnische Ausstellung in Frank­furt a. M. Der Maschinenfabrik Oerlikon ist es gelungen, große Drehstrom-Motoren von 25 HP. mit einfachem Eisen- eylinder ohne Schleifringe zu conftruiren, wie solche bisher nur für ganz kleine Kräfte bis zu einer Pferdestärke her­gestellt wurden. Dieser Motor soll neben dem großen Vor­theil einer einfachen Construction auch noch den Vorzug eines vorzüglichen Nutzeffectes besitzen. Die Maschine ist ein so bedeutender Fortschritt, daß die Maschinensabrik Oerlikon sich entschlossen hat, dieselbe trotz der vorgerückten Zeit noch nach der Ausstellung zu bringen und mit der von Lauffen über­tragenen Kraft zu betreiben. Die von Herrn v. Miller vor Beginn der Ausstellung ausgesprochene Ansicht und Hoffnung, daß, angeregt durch die Ausstellung, bis zum letzten Tage neue Maschinen und verbesserte Apparate ausgestellt würden, scheint thatsächlich in Erfüllung zu gehen.

Feuilleton.

Seltsamkeiten berühmter Menschen.

Von Aug. Scheibe.

(2. Fortsetzung.)

Milton, obgleich er nicht übermäßig rauchte, ver­mochte nicht einzuschlafen, ehe er seine Pfeife Tabak ge­schmaucht hatte. Der englische Dichter Charles Lamb foar eine Zeitlang so leidenschaftlicher Raucher, daß er bei­nahe zwei Jahre lang die heftigsten, durch den Tabak her­vorgerufenen Kopfschmerzen ertrug, ohne von der Gewohn­heit zu laffen.Der Tabak ist während der letzten fünf Jahre mein Fluch am Morgen und mein Labsal am Abend gewesen," schrieb er einst einem Freunde. Auch Thomas Carlyle war ein leidenschaftlicher Raucher.

So verschieden und eigenartig die Geister, so verschieden sind zu allen Zeiten die Mittel gewesen, durch die sie sich von aroßen Anstrengungen zu erholen suchten.

Zwei der größten Denker, Leibnitz und Locke, wid­meten sich in ihren Mußestunden mit besonderer Vorliebe der Mechanik. Leibnitz beschäftigte sich namentlich lange Zeit mit Verbesserung der Construction der Wagen und gab dadurch einigen seiner Zeitgenossen Veranlassung, sich über ihn lustig zu be F^chier, Bischof zu Nimes, ein Meister

in der geistlichen Beredsamkeit, las mit Leidenschaft alte spanische' und italienische Postillen, welche in ihrer niederen volkstümlichen, fast pöbelhaften Weise dem Tone seiner eigenen Predigten vollkommen entgegengesetzt waren. Er pflegte dergleichen Bücher seine Hofnarren zu nennen und rühmte von ihnen, daß sie zur Bildung seines Talents und Geschmacks sehr viel beigetragen hätten. .

Der Dechant und Schriftsteller Jonathan Swift, dessen Ohr so empfindlich war, daß ihm ein schlechter Reim wie ein Verbrechen erschien, hatte dennoch eine so unwider­stehliche Zuneigung zu der Sprache und der Gesellschaft der niedrigsten Volksklassen, daß er sich bei feinen Fußreisen in den Wirthshäusern stets zu den Fuhrleuten und Hausknechten setzte und mit diesen und trank.

Peter Bayle, ein Mann von fast unermeßlichem Umsange des Wissens, fand sein größtes Vergnügen darin, Gauklern und Seiltänzern zuzuschauen. Man sah ihn, als er schon ein bejahrter Mann war, derartigen Künstlern oft

straßenweit nachgehen und sich mit der Unbefangenheit eines Kindes an ihren Sprüngen erfreuen.

Vielfach zeigten sich berühmte Persönlichkeiten im Privat­leben durchaus verschieden von ihren Werken.

Von Lafontaine, dem französischen Fabeldichter, hörte man mündlich nie eine Aeußerung von jener sittlich ver­letzenden Art, deren wir in feinen Schriften so viele finden. Es schien, als ob der Mensch sich des Schriftstellers und seiner Werke schämte. Suchte man ihn in Gesellschaft zu bestimmen, im Geiste seiner Erzählungen zu reden, so blieb er vollständig stumm. Was er sprach, war in sittlicher Hin­sicht stets untadelig- nur wenn er die Feder in die Hand nahm, schien ihn das Anstandsgefühl zu verlassen. Einst, als ihn ein Generalpächter zu Gast geladen hatte und man ihn aufreizen wollte, eine ober die andere seiner lockeren Ge­schichten zum Besten zu geben, blieb er stumm und ging mit keinem Worte auf die Unterhaltung ein. Plötzlich stand er vom Tische auf unter dem Vorwande, er müsse in die Aka­demie gehen. Als man ihn erinnerte, daß es hierzu noch nicht Zeit sei, antwortete er:Ich will den längsten Weg gehen."

Tycho de Brahe, einer der bedeutendsten Astronomen, pflegte mit scharfem Spott Diejenigen zu geißeln, welche Sonnen- und Mondfinsternissen, Kometen, Nordlichtern und anderen Himmelserscheinungen irgend welche Vorbedeutung zuschrieben. Er selbst aber war so abergläubisch, daß er, wenn ihm am Morgen ein altes Weib begegnete, sogleich wieder umkehrte, aus Furcht, jenes Begegnen möge ihm Un­glück bringen.

Zu den abergläubischsten Menschen gehörte der freigeistige Byron. Er glaubte an Geistererscheinungen, Ahnungen, Vorbedeutungen und Träume. Der Freitag war ein schwarzer Tag in seinem Kalender. Er dachte mit Schrecken daran, daß er feine Reise nach Griechenland an einem Freitage an­getreten hatte. In Genua verabschiedete er einst einen Schneider, weil dieser ihm am Freitag einen neuen Anzug brachte. In Pisa wollte er eines Tages eine vornehme Dame aufsuchen, deren Bekanntschaft er wünschte, kehrte aber an der Thür wieder um, als er sich besann, daß es Freitag war. Bei Tische reichte er Niemand das Salz, ließ es sich aber auch von Niemand reichen, weil dies der Freundschaft Gefahr brachte. Ein Salznäpfchen umzuwerfen ober bas Brob fallen zu laffen, waren Dinge von sehr schlimmer Vorbebeutung - bas Zerbrechen eines Spiegels aber galt ihm als ein wirk­liches Unglück.

Montaigne, der Moralphilosoph, war voller Vorur-

theil und Aberglauben. Er hätte sich um keinen Preis zu Dreizehn an den Tisch gesetzt, fing am Freitag keinerlei Ge­schäft an und war sehr beunruhigt, wenn ein Hase ihm über den Weg lief. Voltaire, der sich über alles lustig machte, was Aberglauben heißt, hielt es für die übelste Vor­bedeutung, wenn im Freien Krähen zu feiner Linken aufflogen. , Napoleon I. glaubte an Kartenschläger, Wahrsager, i an gute und böse Vorzeichen. Sein Neffe ließ sich von dem , Spiritisten Home in die Mysterien des Geisterklopfens und - Tischrückens einweihen.

Der englische Schriftsteller Johnson hatte eine ab» ! sonderliche Abneigung, mit dem linken Fuß zuerst über eine Schwelle zu treten. War ihm das begegnet, so kehrte er ' unfehlbar um, zählte die Schritte ab und trat nun mit dem : rechten Fuß zuerst ein. Oft sah man ihn einen großen Bogen ; machen, um eine gewisse, ihm fatale Allee im Leicester Fields j nicht durchschreiten zu müssen. Trotz feiner Schriften über religiöse Philosophie hegte Johnson eine entsetzliche Furcht ' vor dem Tode. Auch Talleyrand konnte das Wort Tod" nicht Horen, ohne zu erblassen. Seine Dienerschaft i wagte kaum, ihm einen Brief mit schwarzem Siegel vorzu- ! legen und das Ableben von Freunden wurde ihm oft jahre- ! lang verheimlicht. Die gleiche kindische Furcht vor dem Tode hegte Fürst Kaunitz, der große Minister der Kaiserin : Maria Theresia, welchem man die wichtigsten Nachrichten kaum ; zu hinterbringen wagte, wenn sie mit einem Todesfall zu- « sammenhingen. Als Ludwig XV. während seiner letzten : Krankheit in den besorgten Mienen der Aerzte sein Todes- ' urtheil las, verbot er ihnen, das schreckliche Wort auszu« sprechen.Wenn ich sterben muß, so sagen Sie mir, es i wird schlechtes Wetter geben und ich werde es verstehen!" ! sagte er. In Gegenwart der Königin Elisabeth von England durfte das WortTod" niemals ausgesprochen, der j Name ihrer tobten Feindin Maria Stuart niemals genannt werden.

Auch Jean Jacques Rousseau war nicht ohne j seine kleinen Schwäche. Namentlich fürchtete er sich vor der - Dunkelheit - die einbrechende Nacht war ihm etwas Entsetz- liches. Der Schriftsteller Thomas Hobbes gerieth in i einen dem Wahnsinn ähnlichen Zustand, so oft er bei Nacht ; auch nur auf einige Augenblicke ohne Licht blieb, wurde aber ; sogleich wieder vernünftig, wenn man von Neuem Licht ms I Zimmer brachte.

i (Schluß folgt.)