Mittwoch den 8. Juli
Giesterrer Anzeiger.
Beilage zu Nr. 155. - 1891
■ III » _______
Feuilleton.
Der Tsusendmarkschein.
Von Julius Bergen.
(Schluß.)
Dem Wirthe war es nicht möglich, Fassung zu erlangen. Willenlos legte er seine Rechte in die dargebotene Hand des Gastes, welcher sie kräftig schüttelte und fortsetzte:
„So! Ich baue auf Sie, aus Ihre Ehre und Verschwiegenheit, nun hören Sie. Sie sind aus eine Fährte gekommen, deren Weiterverfolgung mir hätte verhängnißvoll werden müssen. Entweder hätte ich sofort Ihr Haus verlassen oder, Ihres Stillschweigens gewiß zu sein, Sie in mein Geheimniß einweihen müssen. Ich erkannte Sie als meinen Mann,- ich nahm mir vor, Sie glücklich zu machen und wählte nach langem Kampfe mit mir selbst das Letztere. Ich bin, was Sie ahnten — ein Falschmünzer."
Bei diesen Worten sprang der Wirth erregt aus und brachte nur die wenigen Silben hervor:
„Herr Graf — wie können . .
Im Augenblicke hatte ihn der Fremde aus das Sopha zurückgezogen und flüsterte:
„Ruhe, um Gotteswillen. Wenn wir uns verrathen, sind wir beide verloren!"
Der Wirth heftete seine Augen fragend aus den Sprecher. Dieser setzte in geheimnißvoller Sprache fort: „Ich befasse mich nur mit der Herstellung von Papiergeld. Meine Kunst ist einzig, ich habe sie in Warschau redlich erlernt. Kann man meine Zwanzigmarkscheine von den echten unterscheiden? Sie haben die Antwort im Wechselgeschäst vernommen. Nun will ich es mit höheren Geldsorten versuchen- zu diesem Zwecke ging lch in das Bankgeschäft, mir einen Tausendmarkschein einzuwechseln, den ich zum Muster brauche. Leider bekam ich vorderhand keinen. Frisch auf denn, Freund, unser Glück soll blühen."
Saß der Wirth bis jetzt stumm neben dem Fremden, so halten die zuletzt gesprochenen Worte doch nicht verfehlt, - seine Lebensgeister zu wecken, und sprach er zuerst nur weniges, so kam er doch bald in Redefluß. Der Gedanke, mit Hilfe des Gastes in Kurzem ein reicher Mann zu werden, löste
das Band, das vordem seine Zunge gefesselt hielt. Als er schließlich erfuhr, daß der Fremde all sein nöthtges Werkzeug in den beiden Koffern mit sich führe, konnte er den Tag nimmer erwarten, an dem der erste Tausendmarkschein gemacht werden sollte. Und als ihm der Gast mittheilte, daß er schon heute damit beginnen und ihn bis Abends etwa um 11 oder 12 Uhr fertigstellen könnte, falls er einen echten Kassenschein in dieser Höhe als Muster bekomme und der Wirth ihm seine Mithilfe für den Abend zusage, stand Letzterer begeistert auf. Nach der Thüre schreitend, sagte er:
„Nichts leichter als das. Ich gehe sofort in die Hauptbank und besorge einen Tausendmarkschein. Meiner Mithilfe für diesen und^jeden Abend seien Sie gewiß. In wenigen Minuten bin ich zurück."
Während der Hotelwirrh nach der Hauptbank gegangen war, legte sich der Fremde im Zimmer Nr. 5 bläuliche Tinte, Papier und eine Zeichenfeder zurecht- mitten auf den Tisch stellte er einen großen, glatten Stein. Er war gerade mit dem Herunterlassen der Fenstervorhänge beschäftigt, als der Wirth freudestrahlenden Gesichtes eintrat.
„Hier ist er, er mehre sich, wie der Sand am Ufer des Meeres!" Mit dieser Aeußerung warf er einen Tausendmarkschein auf den Tisch, näherte sich dem Gaste, umarmte ihn und rief: „Glück aus!"
Der Fremde setzte sich sofort an den Tisch, um seine Arbeit zu beginnen. Noch bat er den Wirth, ja nicht durch Miene oder Wort sich und ihn zu verrathen und keinen Diener eher hinauf zu senden, als bis er das Signal durch die electrische Glocke gebe. Bis zum Abend wollte er alles so weit fertigstellen, daß der Wirth dann Helsen könne, was ihm ein Leichtes sein werde.
Fröhlichen Herzens verließ der Wirth das Zimmer Nr. 5. In wenigen Augenblicken signalisirte der Gast den Kellner und wünschte eine Flasche Sect- hierauf bestellte er das Mittagsbrod, das er heute ausnahmsweise aus seinem Zimmer einnehmen wollte. Seinen Wünschen wurde Folge geleistet.
Der Tag war vergangen - es nahte die Stunde, da der Wirth dem Fremden seine Hilfeleistung zugesagt. Er ordnete Verschiedentliches an und meinte, daß er ars^'kurze Zeit den Fremden in Nr. 5 besuchen wolle. Er ging. Als er an
der Thür stand, klopfte er leise, wissend, daß sie wohl verschlossen sei. Er klopfte ein-, zwei-, dreimal. Keine Antwort erscholl von drinnen, — die Thür öffnete sich nicht. Mechanisch griff er nach der Klinke- sie gab nach und die Thür ging auf. Im Zimmer aber war es finster. In der Meinung, der Gast sei infolge der angestrengten Arbeit ein- geschlasen, machte er Licht. Aber das Zimmer war leer, Niemand zu sehen. Aus dem Tische nur lag ein Zettel, der folgende Worte enthielt:
„Bescheinige, daß ich am heutigen Tage von Gastwirth Herrn .... Tausend Mark in einem Kassenscheine empfangen habe und ihm dafür meine beiden Koffer abtrete.
B....., den . . . . 18 . . .
Gras Katuscheff, Falschmünzer."
Der Wirth war, als er zu Ende gelesen, mit einem Schrei, der bis hinunter in den Parterreraum gehört wurde, in Ohnmacht gefallen. Die Diener eilten die Treppe hinan, fanden die Thür nach dem Zimmer Nr. 5 offen, traten ein und sahen ihren Herrn leblos am Boden liegen. Sie glaubten, es wäre ihm Uebles zugefügt worden und sandten unverzüglich nach, der Polizei. Als sie kam, hatte der Wirth bereits seine Kräfte wiedergewonnen. Er machte am nächsten Tage Anzeige, daß aus seinem Hotel ein Gast mit einem Tausendmarkschein, den er ihm geliehen, verschwunden sei. Auch forschte er aus der Hauptbank nach, welche Nummer der Tausendmarkschein, den er gestern eingewechselt, gehabt habe. Man setzte diese Affaire sofort in die Zeitung, zugleich mit der Nummer des Kassenscheines. Da meldete gleich der Chef des Central-Wechselgeschäfts, daß im Laufe des gestrigen Nachmittags ein Herr, der sich am Morgen des nämlichen Tages als Gras Katuscheff, z. Z. wohnhaft im Hotel „zum goldenen Horn", vorstellte, einen Tausendmarkschein mit der in der Zeitung genannten Nummer in Gold- nnd Silbergeld umgewechselt habe.
Vom Grafen Katuscheff hörte der Wirth nichts mehr- die beiden Kisten hatten nur eine Menge schwerer Feldsteine enthalten. Nebenbei hatte er dem Schlosser für Oeffnung der äußerst kunstreichen Schlösser 3 Mk. bezahlen müssen.
Waaren-Versteigerung.
Mittwoch den 8. und Donnerstag den 9. Juli, Vormittags 9 Uhr und Nachmittags
2 Uhr,
werden SelterSwrg 68 die ganzen Vor- räthe des Meyer'fchen Waarenhairfe-, bestehend in HauShaltrrrrgsgegerr- ständen aller Art, als: Blech- nnd Emaille-Kochgeschirr, Gießkannen, Lampen, Kohlenträger, Eimer, Züber, Porzellan, Rauchserviee, Koffer, Körbe, Bürsten, Spiegel, Spielwaaren u. s. w. versteigert.
Im Auftrag: 7040 Hoffman NL
Aeilgeöotenes.
Täglich frischen
Kirsch- und
Stachelbeer-Kuchen
empfiehlt
(MMettler
Süd-Anlage.
Fernsprech-Anschluß Nr. 71. [5515
Gefrorenes
in verschiedenen Sorten, sowie
Kaffee und Chocolade
empfiehlt zu jeder Tageszeit
Conditorei Heiur. Kinkel,
____Marktstraße 32. [5715
Backsteine
Feldbrand, la. Qualität.
Jedes Quantum, billigst.
Nahe und gute Abfahrt.
Auch können dieselben an die Baustelle geliefert werden. 5942 Andreas Euler. Helle Sommer Mellen, leichte Sommer-Röcke, Turner-Tricot-Hemden empfiehlt
4268 Hm Rübsamen»
Waaren-Versteigerung.
Dienstag, den 7. Juli, Nachmittags von 2 Uhr an werden im Saal der Restauration Bieker, Neustadt 55, aus dem Lagerbestand der früheren Firma Friedrich Emil Loos nachbenannte Waaren meistbietend versteigert: 6150
Kleiderstoffe, Möbel- und Kleiderkattun, Lama, Druckzeug, Flanell, Bettzeug, Schürzenstoff, Biber, Baumwollenbiber, Kalmuk, fertige Hosen, Westen, Jacken, Handtücher, Shlipse u. s. w.
I. A.: Louis Rothenberger, Auktionator.
Lahnkalk-Industne 5C
Ang. Gabriel jr. in Gießen.
Ningofenbetrieb. Große Production von Prima-Marmor- Stückkolk. Regelmäßiger Sommer- und Winterbetrieb. Bahnanschluß Kinzenbach bei Gießen.
KS3 Analyse der Marmorkalksteine: ca. 9972% 6154) kohlensaurer Kalk.
zzzz Abgabe einzelner Fuhren nur gegen Baar, zz
| Neuenweg 152S I
| Großes Lager I
in
I RohcnKaffecs I
tzsowie
I MgeneMassee-ZWeret I
von 5532 I
I .<). F Nassauer. J
25 JÄHRIGER ERFOLG
159
-i o 30
VERKAUF IN DEN APOTHEKEN
UND HANDLUNGEN
•** m -- 2 Z»: O o 5 m v> 30 o
ZE m m 3 z 3 >
verkaufe ich von heute ab sämmtliche
Colonial- und Material-Waaren
zu ermäßigten Preisen aus.
6087__________________________
Empfehle: reinschmeckende rohe Kaffees, per Pfd. von Mk. 1.20 an, gebrannte Kaffees per Pfd. von Mk. 1.50 an. 6087 Fr. Seibel.
Fr. Seibel.
Weiße Kernseife
beste Qualität
per Pfd. ... 27 Pfg.
10 „ für . . Mk. 2.65
m ,, ♦ ♦ ,, 6.50
empfiehlt [6088
Fr. Seibel.
V. Moser, Handeisgärtner,
Wieseckerweg
empfiehlt sich in 6181
Bouquett- und Kranzbinderei
von den gewöhnlichsten bis zu den feinsten.
Lorbeer- und Palmkränze re. bei billigen Preisen.
Bestellungen nimmt zu jeder Zeit entgegen bei sofortiger Beförderung Frau Kinzenbach im Laden Wetzsteingasse 15.


