Rarborff (sreicons.) meint, die Freisinnigen würden die Schiffe auch nicht bewilligen, wenn sie 18 Knoten hätten. Er hoffe, die Majorität des Hauses werde die Verantwortung der Ablehnung nicht auf sich nehmen.
Rickert: Die Freisinnigen hätten stets ein warmes Herz für die Marine gehabt, aber diese rapide Steigerung könnten sie nicht mitmachen, zumal sich ihre früheren Befürchtungen bestätigten, daß unsere Dock- und Hafenanlagen den Bau so großer Schiffe nicht erlauben.
Barth (bfr.): Es gehe eine Beunruhigung durch das Volk, ob unsere Marineverwaltung nicht durch liebereilung unserer Marine schade. Namentlich habe Henk schon im Jahre 1889 in einem Artikel nachgewtesen, daß unsere Schiffe bereits veraltet seien, wenn sie den Stapel verlassen. Bedenklich sei, daß ein einziger Beamter, bei Schiffsbauconstructeur, alle Entscheidungen treffe.
Martnestaatssecretär Holl mann: Das Ausschreiben von Eoncurrenzen habe keinen Zweck, denn schließlich entscheide doch nur Einer.
Richter erinnert daran, daß die Marine eigentlich ein Kind der demokratischen Begeisterung gewesen sei, das zuerst von gou- vernementaler Seite angefeindet wurde. Diese Liebe zur Marine sei geblieben, trotzdem seim die Freisinnigen vorsichtig, denn die sub- jective Marine-Liebhaberei an gewisser Stelle sei bedenklich, zumal auch die ChefS der Marine häufiger wechselten, als die Kriegsminister.
Mirbach (cons.) polemisirt gegen die Freisinnigen, die immer nur negiren.
Richter weist nach, daß das Verdienst der jetzigen freisinnigen Opposition den Conoersativen Massow und Henk gebühre, die durch ihre Fragen in der Commission die bedenklichen Auslastungen des Staatssecretärs hervorgerufen hätten.
Die Discussion geht zur Forderung zweier Raten für zwei Kreuzercorvetten über; die Commission beschloß, die Forderung von 3000000 Mk. zu streichen.
Richter tadelt es. daß man zweite Raten für Schiffe fordere, die noch gar nicht angefangen seien.
Das Haus schließt sich dem Beschlüsse der Commission an.
Es folgt die Discussion über die bekannten von der Commission gestrichenen fünf Schiffe, drei Panzerschiffe, ein Kreuzer, ein Aviso.
Manteuffel (cons.) stellt den Vermittelungsantrag, zwei Panzerschiffe mit je 1000000 Mk. als erste Rate zu bewilligen.
Wtndthorst erklärt, daß seine politischen Freunde zu seinem Bedauern den Antrag nicht annehmen würden. Die Stellung der Budgetcommission sei berechtigt, denn 1889 sei ein neuer Flotten- gründungsplan entstanden, der auf die Vermehrung der Marine hinziele, was zu enorme Mittel beanspruche. Die Darlegungen des Marinestaatssecretärs hätten geradezu Schrecken verbreitet, für eine solche Zukunstsmarine reichten unsere finanziellen und Menschenkräfte nicht aus. Man müsse einen von allen Factoren der Regierung sestgestellten Plan vorlegen, eher könne man über die Forderung nicht derathen. Auf allgemeine vage Andeutungen, die das Herz erwärmen, lasse er sich nicht ein. Dieser Plan könne wohl bis zum nächsten Budget fertig sein, bis dahin könne also die Sache hinaus- -eschoben werden.
Reichskanzler v. Caprivi: Die verbündeten Regierungen stehen noch heute auf dem alten Flottengründungsplan von 1888/89. Ich glaube in der Lage zu sein, der Voraussetzung widersprechen zu können, daß weitere Projecte vorliegen. Wir wollen nicht mehr sein als eine Marine zweiten Ranges. Deshalb solle der Reichstag sich noch einmal die Sache überlegen; die beiden Schiffe seien zum Schutze des Nordostseecanals nothwendig, der 1895 bestimmt fertig sein werde. Die beiden Schiffe gehörten zu einer Klasse, die nach bestimmtem Typus gebaut würde, ein Fehler sei daher ausgeschlossen. Er bitte, die beiden Nummern noch einmal zur Budgetcommission zurückzuoer- weisen und hoffe, daß dort eine Einigung erzielt werde durch Erspar- niste an anderen Stellen des Etats.
Marinesecretär Hollmann erklärt, daß er mit keinem Worte von einem neuen Flottengründungsplan gesprochen habe.
Abg. Dr. Windthorst (Ctr.): Die Erklärung des Reichskanzlers und die frühere des Marinesecretärs deckten sich nicht. Wir haben immer noch Zeit bis zum nächsten Jahre, zumal der Nord- oftfeecanal 1895 noch nicht fertig sein wird. Wir wären nicht so ängstlich, wenn wir nicht glaubten, daß mit beiden Schiffen schon der Anfang der Pläne gemacht wird, die Admiral Hollmann entwickelte. Eine Uederweisung an die Commission sei überflüssig, man habe ja noch die dritte Lesung vor sich.
Reichskanzler v. Caprivi erklärt nochmals, daß die Regierung von n'uen Zukunftsplänen nichts wisse. Jrn Nothfalle könne man beim Bau der vier großen Panzerschiffe die Kosten der beiden kleinen Panzerfahrzeuge sparen.
Morgen Fortsetzung und Telegraphengesetz.
Ne«efte Nacheichten.
WolsiS telegraphisches Correspondenz-Burearr.
Berlin, 6. März. Für die heute Abend begonnene Sitzung des 13. Balneologen - C o ngre sses wurden Liebrelch-Berlin, Fromm^torderney und Winternitz-Wien zu Vorsitzenden gewählt. Anwesend waren Vertreter deutscher und österreichischer Badeorte. Unter Anderen sprach Gutt- mann-Moabit über das Koch'sche Heilverfahren. In der sich anschließenden Discussion hob unter lebhafter Zustimmung Ewald-Berlin hervor, daß der Wunsch bestehe, die Zusammensetzung des Koch'schen Mittels, unbeschadet des Vertrauens zu Kochs Gewissenhaftigkeit, bekannt gemacht zu sehen.
Berlin, 6. März. Ein Telegramm des „Berl. Tagebl." auS Zanzibar vom 5. d. M. meldet: „Wißmann hat den Stamm Kibosho wegen zahlreicher Räubereien blutig gezüchtigt. Er erbeutete 6000 Stück Vieh, viel Munition und Elfenbein. 200 Kiboshokrieger sind gefallen, 60 verwundet und 50 gefangen worden, von der Schutztruppe sind zwei Schwarze gefallen und 15 verwundet worden, darunter zwei deutsche Unteroffiziere. Adjutant Bumiller erstürmte das coloffal befestigte Boma. Die Eingeborenen erbaten Hissung der deutschen Flagge, was geschah. Wir sind auf dem Rückmarsch nach der Küste."
Hamburg, 6. März. Das Urtheil des Landgerichts im Spiritusschmuggel-Prozeß lautete gegen Prange und Holländer auf je Mk. 594,265.60 Strafe oder zweijähriges Gesängniß, gegen Kochmann auf Mk. 71,181.98 Strafe, wovon 65,506.78 Mk. als durch Untersuchungshaft verbüßt gerechnet werden- für den Rest tritt einjähriges Gesängniß ein. Färber wurde sreigefprochen.
Wien, 6. März. Heute fanden 23 Reichsrat hs- Zahlen statt und zwar die des Großgrundbesitzes in Mähren und Salzburg, der Handelskammern in Böhmen, Galizien, der Bukowina, dem Stadtbezirke Görz, dem Stadtbezirke Istrien. Gewählt wurden drei Jungczechen, ein Altczeche, acht Deutschliberale, drei Polen, drei Mitglieder des Coronini- Elubs, vier Anhänger der märischen Mittelpartei, ein Deutsch- -Eonservativer. Unter den Gewählten sind zu nennen: Plener und Gras Coronini. Die Deutschliberalen gewannen bisher sieben Sitze und verloren fünf. Die Antisemiten gewannen
sechs und verloren drei, die Deutschnationalen verloren vier, die Altczechen achtundzwanzig, davon fünfundzwanzig an die Jungczechen, drei an wilde Czechen. Es stehen nunmehr noch vier Stichwahlen in Wien und vier Stichwahlen in Prag, bezw. Karolinenthal, aus.
Paris, 6. März. Die Rennoereine beschlossen, die Rennen am Sonntag wie gewöhnlich stattfinden zu lassen. Die Polizeipräfectur trifft außergewöhnliche polizeiliche Vorkehrungen gegenüber etwaigen Ordnungsstörungen infolge des Spielverbots.
London, 6. März. Der Minister Shmith empfing gestern eine Abordnung des parlamentarischen Ausschusses des Gewerkvereins-Congresses, welche den Wunsch aussprach, daß wenigstens die Hälfte der Mitglieder der königlichen Arbeitscommission aus Arbeitern bestehen solle- Herr Smith fand die Hälfte zu viel, doch solle die Arbeit wohl vertreten sein. — Der Verband der in London tagenden Handelskammern beschloß, aus Einführung des Penny- portos im gejammten britischen Reich und Herabsetzung der Telegraphengebühren für Depeschen bis zwölf Worte auf 6 Pence im Posttelegraphengebiet (wobei Adresse nicht zu berechnen ist) hinzuwirken.
Pittsburg, 6. März. Oer Ausstand der Grubenarbeiter des Reviers Monongahela ist beendet, nachdem die Grubenbesitzer eine Erhöhung der Arbeitslöhne bewilligt haben. Der Ausstand hat zehn Wochen gedauert- es feierten 10,000 Mann. Die Gefammtcinbuße an Löhnen wird auf eine Million Dollars geschätzt.
Liffabon, 6. März. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer dankte der Präsident für die auf ihn gefallene Wahl, sprach sein Bedauern über die Vorgänge in Oporto aus und schlug vor, durch eine Deputation den König der Ergebenheit der Kammer zu versichern. Nachdem der Vorschlag von der Kammer angenommen worden war, legte der Minister des Innern einen Bericht über die Ereignisse in Oporto vor und brachte Namens des durch Familientrauer zurückgehaltenen Finanzmmisters einen Antrag, betr. die Ermächtigung zur Consolidation der schwebenden Schuld, und den Vertragsentwurf für das Tabakmonopol ein.
Bukarest, 6. März. Die Kammer wurde aufgelöst. Die Neuwahlen werden wahrscheinlich über einen Monat stattfinden.
nnö protHttjkUet.
Gießen, 7. März.
A Die am 4. d. Mts. stattgefundene Plenarsitzung des Bezirks-Eisenbahnraths Köln beschäftigte sich hauptsächlich mit folgenden Gegenständen der Tagesordnung: Seitens des Herrn Ministers war die Anfrage gestellt, ob sich die Einführung der östlichen Viehtarife mit fallender Scala für die westlichen Verkehrsgebiete empfehle, und zwar für Pferde und anderes Groß- und Kleinvieh. Man beschloß, für Pferde diese billigeren Tarife zu befürworten, dagegen für andere Gattungen Vieh abzulehnen. Ebensowenig fand ein aus der Versammlung gestellter Vermittlungsantrag: „unter Ablehnung der Staffeltarife, welche zu großen Bedenken berechtigen, dem Herrn Minister die Einführung eines durchgängig billigen Einheitssatzes (von etwa 0,015 Mk. für 1 km. und 1 Qm Bodenfläche) vorzuschlagen" Annahme. In der Begründung dieses Antrags wird auf die in Folge allzu hoher Fleischpreise nothleidende Volksernährung, das vorwiegend allgemeine Interesse hingewiesen, während die Majorität der Ansicht war, daß die Landwirthschast in ihrer Viehproduction zu schützen sei. Die von dem Herrn Minister in Aussicht genommene Herabsetzung des Ausnahmetarifs für Holz des Specialtarifs II (tannene Schnittwaaren rc.) erzielte keinen zustimmenden Beschluß. Die Majorität der Versammlung befürchtete, es möchte durch die Maßregel eine Herabminderung der Wirkung des Holzzolles und durch die Verbilligung jener Waarengattung eine Schädigung rheinischer Holzschneidewerke herbeigeführt werden. — An die Regierungsvorlage betr. „Reform der Perfonentarise" knüpfte sich eine längere Debatte, welche eine große Verschiedenheit der Ansichten kundgab. Unter Hinweis auf diesen Umstand und wie besonders diese hochwichtige.Frage eine gründliche Vorberathung und Sichtung der zum Ausdruck gekommenen Wünsche und Bedenken erfordere, gelangte der Antrag auf Vertagung zur Annahme. Es wurde beschlossen, die Regierungsvorlage zur nochmaligen Behandlung in diesem Sinne an den ständigen Ausschuß zurückzuweisen und wird sich derselbe in der auf den 8. April anberaumten Sitzung zugleich mit drei von einander abweichenden Anträgen der Handelskammer-Vertreter von Barmen, Bielefeld und Gießen, welche die Forderung weitergehender Reformen enthalten, zu beschäftigen haben.
Bad Nauheim, 5. März. Der diesjährige Balneologen- Congreß wird morgen in Berlin eröffnet und dauert drei Tage. Auch zwei Aerzte von hier, Medicinalrath Dr. Grödel und Dr. Schott, haben Vorträge angekündigt über Materien, die in das reiche Gebiet der Herzkrankheiten einschlagen. Der verstorbene Profeffor Dr. Bennecke von Marburg war der erste, der auf die wohlthätige Wirkung unserer Thermen auf Herzkranke aufmerksam machte, und jetzt bilden derartige Leidende ein Hauptccmtingent unseres Curpublikums. Unsere Aerzte haben sich in Folge davon eine ganz besondere Erfahrung in der therapeutischen Behandlung von Herzleidenden erworben. D. Ztg.
— lieber die Zahl der im Großherzogthum Hessen an- gestellten akademisch gebildeten Lehrer bringt das „M. I." nachstehende statistische Angaben, die auch für weitere Kreise von Jntereffe sein dürften. An den Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen sind 217, an Schullehrerseminarien 19, an Mädchen- und Mittelschulen 14 Stellen definitiv mit akademisch gebildeten Lehrern besetzt. Die Zahl der Accessisten beträgt 121, von diesen sind jedoch 81 provisorisch oder mit den Rechten von Volksschullehrern angestellt und beziehen einen Gehalt von durchschnittlich 1700 Mk. Nur 40 Accessisten
sind noch ohne Verwendung, dieselben haben meist 1889 erst ihr Examen bestanden oder befinden sich anderweitig in Stellungen.
ch Büdingen, 6. März. Am 28. Februar d. I. sand an hiesigem Gymnasium unter dem Vorsitz des Herrn Ober- schulrathes Soldan die Reifeprüfung der diesjährigen Abiturienten statt. Allen acht Leuten, welche sich der Prüfung unterzogen, konnte das Reisezeugniß ertheilt werden. Es widmen sich der Medicin einer, der Philologie zwei, dem Postfach einer, dem Militär zwei, der Theologi einer und einer ist noch unentschlossen.
— Kleine Mittheilungen aus dem Großherzogthum heffen. In Lampertheim machte am Sonntag früh ein Landwirth die Entdeckung, daß dem Vichfutter während der Nacht von nichtswürdiger Hand eine Menge Glassplitter und ein Behälter mit 26 Nähnadeln beigemengt worden und seinem Pferde die Vorderbeine zusammengebunden waren. Glücklicherweise wurde die Unthat bemerkt, ehe das Vieh von dem Futter gefressen hatte. — In Mainz waren einige schulpflichtige Buben auf irgend welche Weise in den Besitz eines Revolvers und der dazu gehörigen Munition gekommen und übten sich vor dem Binger Thor im Schießen. Einige Schüsse hatten sie schon abgefeuert, als der Hahn versagte- im Begriff, denselben wieder brauchbar zu machen, ging der Schuß los und drang die Kugel' dem einen der Buben in den Unterleib. Der Verletzte wurde in das Hospital gebracht, wo er schwer barnieberliegt. — In Worms ist es drei Fischern geglückt, in der Mitte des Rheinstrombettes und an ziemlich tiefer Stelle am oberen Durchstich einen überaus interessanten und werthvollen Fund in Gestalt eines noch am Schädel sitzenden mächtigen Elchgeweihes zu machen. Dasselbe ist so prächtig erhalten, daß ihm seine vielhundcrtjährige Vergangenheit kaum anzusehen ist. Selbst der Schädel des längst in unseren Gegenden nicht mehr heimischen Thieres ist gut erhalten. — In der Bergstraße circulirt z. Z. eine Petition der Tabakbauer, welche in der Bitte gipfelt, die Regierung möge der vom Reichstag angestrebten Herabsetzung der Tabaksteuer von 45 auf 24 Mk. per 100 Kilo zustimmen. — Auf den Landorten werden z. Z. durch die Districtseinnehmer die staatlichen Zuschüsse zu den Lehrergehalten ausbezahlt. Da das neue Gehaltsgesetz bis zum 1. April 1890 rückwirkend ist, so belaufen sich die Nachzahlungen bis zu300Mk. — In der vorigen Samstagnacht wurden in mehreren Hofraithen in der Umgebung von Offenbach über ein Dutzend obdachlose Personen verhaftet und in Polizeigewahrsam gebracht. Die Verhafteten nftrren zum Theil in einem bedauernswerthen Zustande. — Wie aus Mainz berichtet wird, beabsichtigt der Verwaltungsrath der Hessischen Ludwigsbahn der demnächst stattfindenden Generalversammlung der Actionäre den Antrag auf Gehalts-Erhöhung sämmtlicher Angestellten zu unterbreiten.
OermiRH**.
* Groß-Umstadt, 5. März. Künftigen Mittwoch, den 11. d. M., wird hier die 6. Generalversammlung des Bauernvereins im Großherzogthum Hessen abgehalten, bei welcher u. A. Herr v. Wamboldt über das Thema: „Warum schließen Bauernvereine und Socialdemokratie einander aus?" sprechen wird.
* lieber den Ausfall an Rekruten, welchen das Kriegsjahr 1870—71 im lausenden Jahre hervorgerufen hat, sind in jüngster Zeit merkwürdige Nachrichten verbreitet worden. So wurde noch kürzlich von den Haßbergen in Bayern gemeldet , daß im dortigen Bezirksamte der Ausfall allein 300 Mann betrage und manche Dörfer nicht einmal eine Militär-Stammrolle hätten fertigen können, weil nickt ein Gestellungspflichtiger sich vorfinde.
tiferatur utfe Kruft
— Von dem Werke ,D«rch M Garte«» kleine W«rwer- well*, naturfreundliche Streifzüge von Heinrich Freiherr Schilling von Canstatt (Verlag der Königlichen Hofbuchdruckerei Trowitzsch u. Sohn in Frankfurt a. O.) ist soeben die zweite Lieferung erschienen. Dieselbe läßt uns immer mehr erkennen, mit welch liebevollem Eifer sich der Verfasser in die Wunder der Natur versenkt hat und deren Geheimniffen nachzuforschen bemüht gewesen ist und mit welch großem Geschick er das Verständniß für das, was er erforscht und erschaut, seinen Lesern beizubrtngen versteht. So gibt er in diesem Heft eine faßliche Erklärung über den complicirten Vorgang der Thaubtldung und die chemische Zusammensetzung des Thaues sowie dessen Functionen im Leben der Pflanzenwelt, hieran anschließend erläutert et die Erscheinungen des Reifs, des Nebels, ferner der Wolken, Wolkenformen, des Regens, enthüllt uns die Geheimnisse des Regentröpfchcr.s mit seinen mineralischen, pflanzlichen und thierischen Körperchen, um uns sodann das Gewitter, Hagel und die anderen meteorischeu Erscheinungen klar zu machen. Im II. Capitel belehrt er die Leser über die mikroskopisch kleine Thierwelt im Gießwaffer, Infusorien- Wasserälchen, Würmchen und Wassermilben, im III. Capitel über sonstiges thierisches Kleinleben im Gartenwasser, niedere Crustaceen, Wasserlarven von Lustthieren, Schwimmkäfer, Wasserpflanzen und Wasserschnecken.
Verkehr, Caitfc« uni»
Vietze«, 7. März. Marktbericht. Auf dem heutige« Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,85—0,90, Hühnertter 1 St. 5-6, 2 St. — 4, Enteneier 1 St. 7 — 4, 2 <St — 4> Käse pr. St. 5—8 4, Käsematte pr. St. 3 4, Erbsen vr. Liter 19 4, Linsen pr. Liter 30 4, Tauben pr. Paar X 0,60—0,70, Hühner pr. Stück X 1,20—1.50, Hahnen pr. ©t X 1,30—1,70, Enten pr. Stück X 2,00—2,30, Ochsenfleisch pr. Pfd 70—74 4, Kuh- und Rindfleisch 60—64 4, Schweinefleisch 60—70 4, Hammelfleisch 50—70 4, Kalbfleisch 60--4, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 6,00—7,00, Weißkraut
vr. St. 3—7 4, Zwiebeln per Gentner X 6,50—7,50, Milch per Liter 12-18 4, Gänseeier 12 4-_______________________________
Auszug au» den Stande,an»t»r«giftern »er Stadt toießen.
März: 2. Kaspar Göbel, Bremser dahier, mit Elise Köhler von Langsdorf. 2. Erich Friedrich Kalkhof, Zahlmeister-Aüpirant dahier, mit Katharine Prior Wittwe zu Darmstadt. 2. Kaspar Lenz» Taglöhner dahier, mit Katharine Völzel zu Wteseck. 3. Alfred Bock» Cigarrenfabrikant dahier, mit Juliane Kehr zu Kaiserslautern. 5. Bernhard Klein, isr. Religionslehrer zu Gießen, mit Karoline Siegbert zu Pftaumloch.


