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1891.
Sonntag de« 8. Februar
Zweites Blatt.
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Gießener Anzeiger
Heneral-Mnzeiger.
ViertdtShriger AN**mt*bK*i 2 Mark 20 Pfg. *6 Bringerloha.
Durch die Post bezsß« 2 Mark 50 Pf-
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Fer»jprech<r 51.
Der ®6<t*tr MiHetr e^ch-mt täglich, «M LuLnahmr M MoutOgs.
Die VKtzeuer
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Aints- unb Anzeigeblatt für den Iteeb Gieren.
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Aintlicher Theil-
Bekanntmachung,
Zie Beschaffung des Bedarfs an Pferden im Falle einer Mobilmachung, hier die Pserdemusterungs-Commission betr.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, -aß der seitherige Musterungsbezirk Hungen ausgehoben Worten ist und die zu demselben gehörigen Orte dem Musterungs- rezirke Sich zugetheilt worden sind, sowie daß zu Mitgliedern -er Pserdemusterungs-Commission die nachverzeichneten Per- Konen von dem Kreistage gewählt worden sind und daß wir -ie an die erste Stelle gesetzten Herren zu geschästsleitenden Mitgliedern ihrer Commission bestimmt haben.
I. Musterungsbezirk: Großen Linden, enthaltend die Orte und Gemarkungen:
Allendorf a. d. Lahn, Garbenteich, Großen - Linden, Grüningen, Hausen, Heuchelheim, Holzheim, Klein- Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Ober-Hörgern, Watzenborn mit Steinberg.
Zum Sammelort ist Großen-Linden bestimmt.
Mitglieder:
1) Herr Konrad Weber II. von Lang-Göns,
2) „ Heinrich Velten III. „von Großen-Linden,
Z) „ Gutsbesitzer Karl Müller zu Neuhof bei Leihgestern.
Stellvertreter:
1) Herr Johannes Weber V. von Lang-Göns,
2) „ Georg Faber, Wirth, von Leihgestern,
3) „ Jacob Arnold, Kaufmann, von Grüningen.
II. Musterungsbezirk: Lieh,
enthaltend die Orte und Gemarkungen: ,
Albach, Annerod, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Burkhardsfelden, Dors-Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Hattenrod, Hungen, Inheiden, Langd, Iangsdorf, Lich mit Hof-Albach, Colnhausen und Mühlsachsen, Münster, Muschenheim mit Hof-Güll, Nieder- Bessingen, Nonnenroth, Obbornhofen, Ober-Bessingen, Oppenrod, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinbach, Steinheim, Trais- Horloff, Utphe, Villingen.
Zum Sammelort ist Lich bestimmt.
Feuilleton.
Der blaue Domino.
Eine Fastnachtsgeschichte. Von Reinhold Ortmanu.
(2. Fortsetzung.)
Er hätte sich die Warnung gewiß erspart, wenn er ge« »Hut hätte, wie wenig abenteuerlustig dem Doctor zu Muthe war. An die Wand des Saales gelehnt, bot er ganz das Bild eines armen Opfers, das in der nächsten Minute unter irgend einer fürchterlichen Anklage vor den grausamen Rath der Zehn geführt werden soll. Die munteren Klänge der Musik, nach denen sich vor seinen Augen die fröhlichen Paare im Tanze drehten, gellten ihm wie teuflisches Hohngelächter in die Ohren, und jede der Secunden, die bis zu der Rückkehr des Assessors vergingen, dehnten sich ihm zu einer qualvolle« Ewigkeit. Endlich steuerte der Freund wieder auf ihn zu und ergriff seinen Arm, um ihn nach dem anderen Ende -eS Saales zu ziehen.
„Nun nimm Dich zusammen!" flüsterte er ihm zu. „Sei so liebenswürdig als Du es vermagst, und bereue vor Alle« in tiefer Zerknirschung Deine Verbrechen von heute Mittag."
Roch ehe Emmerich Mertelmann antworten konnte, stand rr vor einer schlanken, weiblichen Gestalt in blauseidenem Do«ino.
„Hier, schöne Maske, bringe ich einen Cavalier, der sich m Sehnsucht verzehrt, diesen Walzer mit Dir zu tanzen. — Erbarme Dich huldvollst seiner jugendlichen Schüchternheit!"
Mit diesen Worten hatte sich der Assessor artig vor dem Domino verbeugt, um gleich daraus blitzschnell im Gewühl zu verschwinden. Für einen Moment stand der Doctor völlig rathloS, dann aber nahm er sein Herz muthig in beide Hände mnd legte den Arm um die schlanke Gestalt des angebeteten Mädchens. Er war niemals ei« hervorragender Lä»zer ge-
Mitglieder:
1) Herr Bürgermeister Bopp von Bellersheim,
2) „ „ Köhler von Langsdorf,
3) „ Oberverwalter Erb von Lich.
Stellvertreter:
1) Herr Pachter Kammer von Bellersheim,
2) „ Kar! Hofmann von Hof-Gill,
3) „ Bürgermeister Görlach von Eberstadt.
III. Musterungsbezirk: Wieseck,
enthaltend die Orte und Gemarkungen:
Allendorf a. d. Lumda, Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Daubringen, Gießen mit Schiffenberg, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Stausenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lumda, Trohe, Wieseck, Winnerod.
Zum Sammelort ist Wieseck bestimmt.
Mitglieder:
1) Herr Gutsbesitzer Schlenke, Hardt bei Gießen,
2) „ Friedrich Helfrich von Gießen,
3) „ Heinrich Schadeck III. von Lollar.
Stellvertreter:
1) Herr Josef Güngerich von Gießen,
2) „ Fabrikant Georgi von Gießen,
3) „ Bürgermeister Geißler von Lollar.
IV. Musteruugsbezirk. Grüuberg, enthaltend die Orte und Gemarkungen:
Allertshausen, Beltershain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kesselbach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen mit Appenborn, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirberg, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain.
Zum Sammelort ist Grünberg bestimmt.
Mitglieder:
1) Herr Posthalter Prinz von Grünberg,
2) „ Erust Zimmer von Lauter,
3) „ Bürgermeister Faulstich von Weitershain.
Stellvertreter:
1) Herr Pachter Cloch von Appenborn,
2) „ Heinrich Zimmer II. von Grünberg,
3) „ Wirth Hofmann von Grünberg.
Gießen, am 29. Januar 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
wesen, heute aber machte ihn die Verwirrung noch ungeschickter als sonst, und da auch Gretchen sich nicht gerade als eine Meisterin in der Kunst Terpsichorens erwies, rannten sie wiederholt ziemlich unsanft mit anderen Paaren zusammen.
„Es geht nicht," sagte er mit einem tiefen Seufzer, als er sich und^seine Tänzerin wieder einmal mit genauer Noth vor einem Falle bewahrt hatte, „wollen wir nicht lieber ein wenig plaudern?"
Der blaue Domino stimmte schweigend zu und in der nächsten Minute saßen sie hinter einem der dicken Pfeiler nahe bei einander. Ohne auch nur im Geringsten an den Character zu denken, welchen er seinem Costüm nach darzustellen hatte, eröffnete der Doctor nach einer langen Verlegenheitspause das Gespräch.
„Ach, Fräulein Haberkorn, ich weiß nicht —"
„Wie?" klang es mit gedämpfter Stimme unter der seidenen Larve hervor. „Sie kennen mich, mein Herr?"
„O, ich würde Sie unter Tausenden erkannt haben," log Emmerich Mertelmann mit plötzlich erwachendem Muthe, „und wenn ich auch weiß, daß Sie mir zürnen, so hege ich doch noch immer die schwache Hoffnung, daß es meiner aufrichtigen Reue gelingen werde, Sw zu versöhnen."
Der blaue Domino machte eine hastige Bewegung.
„Ach, Sie sind doch nicht etwa —"
„Ich bin Doctor Emmerich Mertelmann," bekannte er demüthig, „der unselige Mörder des herrlichsten aller Kanarienvögel."
Der Domino schien Willens, sich ungestüm zu erheben. Mit einer Kühnheit aber, die er sich selber niemals zugetraut haben würde, ergriff der Doctor seine Hand.
„Nein, nein, Sie dürfen sich nicht so von mir wenden und mich der bittersten Verzweiflung preiSgeben," flehte er inbrünstig. „Wenn die Thränen heißer Reue einen todten Kanarienvogel zum Leben erwecken könnten, so flöge der Dahingeschiedene längst wieder fröhlich zwitschernd umher. Aber ich kann leider nicht- anderes thun, als das grausame
Bekanntmachung,
betr. die Beschaffung des Bedarfs an Pferden im Falle einer Mobilmachung, hier die von der Aushebungs-Commission zu-
1 zuziehenden Taxatoren.
Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß von dem Kreistag die nachverzeichneten Personen zu Mitgliedern der Pserde-Aushebungs-Commission für den Kreis Gießen gewählt worden sind:
I. Zu Taxatoren:
die Herren: 1) Gutsbesitzer Schlenke aus dem Hardthof bei Gießen,
2) Gutsbesitzer Karl Müller, Neuhof bei Leihgestern,
3) Stallmeister Balser von Gießen.
II. Zu Stellvertretern:
die Herren: 1) Joses Güngerich von Gießen,
2) Oberverwalter Erb von Lich,
3) Bürgermeister Geißler von Lollar.
Gießen, am 29. Januar 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
InvaUdMs- «nd Altersversicherung.
Im Monat Januar wurden bei der für das Groß- herzogthum Hessen errichteten Versicherungsanstalt 371 Ansprüche aus Bewilligung einer Altersrente erhoben. Bon diesen Ansprüchen wurden 257 anerkannt, 20 zurückgewiese«, 2 aus andere Weise erledigt, mithin zusammen 279 erledigt. Unerledigt wurden in den Monat Februar übernommen 92. Die Erledigung dieser 92 Ansprüche war um deswillen nicht möglich, weil das zur Begründung der Ansprüche beigebrachte Material noch in verschiedenen Richtungen der Ergänzung und Erläuterung bedurfte. Wenn die Versicherungsanstalt die Ansprüche auch in wohlwollender Weise prüft, so hat sie aus der anderen Seite doch die Verpflichtung, daraus zu sehe«, daß die gesetzlichen Voraussetzungen zur Gewährung einer Rente vorliegen. Hierzu gehört vor allen Dingen der Nachweis, daß zur Zeit der Erhebung des Anspruches ein ArbeitS- verhältniß vorliegt, das die Versicherungspflicht begründet, daß ferner der einen Anspruch aus Altersrente Erhebende während der Jahre 1888, 1889 und 1890 mindesten- 141 Wochen hindurch tatsächlich in einem die Versicherungspflicht begründenden Arbeits- oder Dienstverhältntß gestanden hat. Daß dieser letztere Nachweis, insbesondere z. B. bei
Verhängniß beklagen, welches mich zwang, gerade Derjenigen bitteres Leid zuzusügen, die — der — deren — nun, die ich so über alles gern glücklich machen möchte."
Es war heraus und Doctor Mertelmann hatte keinen Grund, mit der Wirkung seines verwegenen Bekenntniffes unzufrieden zu sein. Der blaue Domino senkte wie in holder, mädchenhafter Beschämung das Köpfchen, und leise, kaum vernehmlich, tönte es unter der Maske hervor:
„Ist es nur ein Maskenscherz, mein Herr, was Sie so zu mir sprechen läßt?"
„Nein, Fräulein Haberkorn, kein Scherz, sondern heiligster Ernst! Die Entscheidung über meine Zukunft liegt in Ihrer Hand. Mit einem einzigen Worte können Sie mich zum seligsten oder zum unglücklichsten aller Menschen machen."
„Aber bei einer so flüchtigen Bekanntschaft —" lispelte der Domino verschämt. „Sie haben ja noch kaum Gelegenheit gehabt, mich kennen zu lernen."
„Und sprich: Wie kommt denn Liebel" „Sie kommt nicht —- sie ist da!"
recitirte Doctor Mertelmann gefühlvoll, und dies poetische Argument mußte wirklich hinreichend gewesen sein, alle Bedenklichkeiten seiner schönen Nachbarin aus dem Felde zu schlagen. Mit namenloser Wonne fühlte er einen sanften Druck der weiß behandschuhten Finger, die noch immer in seiner Rechten lagen, und als er sich nun dicht an ihr Ohr neigte, um mit bebender Stimme zu flüstern: „So darf ich also noch heute — gleich hier — mit dem Herrn Stadtrath sprechen?" — Da hauchte es voll süßer Innigkeit von ihren Lippen zurück: „Sprechen Sie mit ihm, theurer Freund!"
(Schluß folgt.)
* RickfichtSloS. Bräutigam: „Saun man etwas Schönere- sehen, als diesen grünen Wald?" — Brant: „O pfni, Otto k DaS sagst Du «ir !?"


