Nr. 260 Samstag den 7. November 1891
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2lnrtlicher Theit.
Gießen, den 5. November 1891.
Betr.: Ernteerträgniffe.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
m die Srotzh. Bürgermeiftereierr de- Sreises.
Nachdem nunmehr die Kartoffel- und Hülsenfrüchte-Ernte beendigt ist, sehen wir Ihrem Bericht über das Ergebniß binnen 3 Tagen entgegen.
v. Gagern.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 5. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Sich heute Vormittag 10 Uhr 48 Min. in Begleitung des Generaladjutanten Generalmajors Wernher, der Flügeladjutanten Major Frhr. v. Grancy und Hauptmann Frhr. v. Röder, sowie des Generalstabsoffiziers der III. Armee- inspection Major v. Schwarzhoff nach Frankfurt a. M. begeben, um dem 25jährigen Jubiläum des 1. Hessischen Infanterie- Regiments Nr. 81, dessen Chef Seine Königliche Hoheit sind, beizuwohnen.
Berlin, 5. November. Die allgemach brennende Frage, wann der Reichstag zu seiner Wintersession zusammentreten werde, hat jetzt ihre Erledigung gesunden. Seitens des Präsidenten v. Levetzow sind die Neichstagsmitglieder auf Dienstag, den 17. November, Nachmittags 2 Uhr wieder einberufen worden und stehen auf der Tagesordnung dieser Sitzung die erste Lesung der Vorlage betr. die Bestrafung des Sclavenhandels, sowie Petitionen. Mit dem bevorstehenden Wiederbeginne der Reichstagsverhandlungen wird die innere Politik nach der sommerlichen Ruhepause wieder vollständig zu neuem Leben erwachen und wenn auch in der Wintertagung des Reichsparlamentes keine großen principiellen Entscheidungen zu erwarten sind, so dürste sie doch immerhin des An- und Aufregenden genug bringen. Lebhafte Debatten sind namentlich beim Etat der Militärverwaltung und ebenso beim Marine- Etat zu gewärtigen, da bekanntlich beide Specialetats beträchtliche Mehrforderungen enthalten, die sicherlich nicht ohne scharfe Beanstandung im Reichstage bleiben werden. Zweifellos wird auch die Colonialpolttik wieder eine hervorragende Rolle in den herannahenden Reichstagsverhandlungen spielen, wozu namentlich die mancherlei Vorgänge in den ostafrikanischen Dingen Stoff liefern werden. Inwieweit die Nachricht begründet ist, die Reichsregierung gedenke dem Parlamente sogar eine besondere Vorlage wegen Deutsch-Ostafrika zu machen, muß zunächst dabingestellt bleiben. Im Uebrigen verlautet von der Bildung einer „Freien Vereinigung" aus den Reihen der colonialfreundlichen Elemente des Reichstages, welche es sich zum Ziele setzen will, in schwierigeren colonialpolitischen Angelegenheiten eine rasche Verständigung zwischen der Regierung und der Reichstagsmehrheit zu vermitteln.
— Am Berliner Hofe wurde im Lause dieses Freitags dem Eintreffen eines asiatischen Fürsten, des Prinzen Damrong von Siam entgegengesehen. Prinz Damrong befindet sich auf einer Rundreise durch Europa, in deren Verlause er am Dienstag in Kopenhagen eintraf; von der dänischen Hauptstadt aus gedachte der Prinz am Freitag nach Berlin weiterzureisen. Der interessante fürstliche Gast ist der Ueberbringer eines Handschreibens des Königs von Siam an Kaiser Wilhelm.
— Bischof Dr. Klein von Limburg feierte am Mittwoch sein 50jähriges Priesterjubiläum. Der Jubilar wurde aus diesem Anlasse vom Kaiser durch die Verleihung des Sterns zum Kronenorden 3. Klosse, vom Papste durch ein herzliches Glückwunschschreiben ausgezeichnet.
— In Württemberg sanden am Dienstag drei Landtagsersatzwahlen statt. Im Kreise Neuenbürg wurde der nationalliberale Candidat Commerell, im Kreise Oberndorf der bisherige Vertreter, v. Leibbrand, und im Kreise Oehringen der Demokrat Hartmann gegen den bisherigen nationalliberalen Vertreter Leemann gewählt. Die Niederlage im Oehringer Kreise, welche die Nanonallibercüeu verzeichnen müssen, könnte beinahe als ein böses Omen für dieselben im Hinblick aus die im Wahlkreise Oehringen Hall bevorstehende Reichstagsnachwahl erscheinen, bei welcher der soeben in der Landtagswahl unterlegene Nationalliberale Leemann sein bisheriges Mandat zu vertheidigen hat.
Ausland.
Nom, 5. November. Friedenskonferenz. Beim Beginn der heutigen Conferenzsitzung überreichten Jmbriani, Hubbard und Ricard einen Antrag, worin sie verlangen, daß
jeder Vertrag gegen den Frieden und das Naturrecht erklärt werde, der über die Völker gegen ihren Willen verfügt, daß das Recht, über Krieg und Frieden zu beschließen, dem Volke zugesprochen werde und nur dieses Verträge schließen darf. Daraus beantragt der Spanier Marcoartu, daß zu den zukünftigen europäischen Congressen auch die Kleinstaaten zugezogen würden. Odescalchi unterstützt den Antrag, indem er aussührte, daß er das Recht der Nationalität zwar anerkenne, aber das Recht der Humanität höher stelle und daß die Franzosen, deren Aspirationen heilig seien, dieselben durch Recht und Vernunft, nicht durch Blut triumphiren lassen müssen. Jmbriani wiederholte seinen Antrag, daß ohne Anerkennung der Rechte der Nationalitäten kein Friede möglich sei. Der Ungar Pulßky tritt diesen Ausführungen entgegen: das Gefühl der Nationalität müsse durch Gerechtigkeit und Menschlichkeit gemäßigt sein,- alle Völker hätten einander Manches zu verzeihen und es sei Zeit, daß Differenzen nicht mehr durch Kanonen ausgeglichen würden. Heute sei der einzige Wettstreit in geistiger und industrieller Arbeit zu suchen. Darauf wird der Antrag Marcoartu angenommen. — Es beginnt die Discussion^über den Commissionsantrag, wonach Pandolfi mit der vorläufigen Geschäftsführung betraut, die Gründung nationaler Comites verlangt und aus die Tagesordnung der nächsten Conferenz die Organisation eines Schiedsgerichts gesetzt wird. Paffy exemplificirt auf die bereits erfolgten Entscheidungen internationaler Streitigkeiten durch Schiedsgerichte und perhorrescirt Jmbrianis Ansicht, daß für gewisse Fälle der Krieg unvermeidlich und heilig sei: Man vergesse nie, welchen Preis an Blut und Gut solche Entscheidung kostet, die immer Hazardspiel ist. Deshalb ist es sicher, daß auch die Fragen, aus die hier eingehend hingewiesen worden, durch Schiedsgerichte gelöst werden. — Daraus tritt die Vertagung ein. — Die französischen Deputaten halten den Antrag Jmbriani-Hubbard für inopportun, erklären, sie wollen der Conferenz keine Schwierigkeiten bereiten und enthalten sich jeder Discussion, die die Stimmung stören könnte, ohne damit aus die nationalen Hoffnungen zu verzichten. — Der Schweizer Foos wird beantragen, den Papst auszusordern, den Bischofseid dahin zu ändern, daß die Bischöfe nicht gezwungen sind, Häretiker zu verfolgen. (Fr. Z.)
Netteste Nachrichten.
Wolffs tdegrapbifdirS Lorrdpond>>:rz»B^rerm.
Straßburg, 5. November. Der heute nach längerer Abwesenheit von Paris zurückgekehrte Fabrikant Eduard Gros, Schweizer-Bürger und Theilhaber der Firma Gros, Roman u. Co. in Weßerling, ist wegen Theilnahme an der Feier in Bussang ausgewiesen.
München, 5. November. Der Finanzausschuß genehmigte den Militär-Nachtragsetat für 1890/91, welcher sich, hauptsächlich infolge der Neuformation der fünften bayerischen Division, auf 6,298,836 Mk. beziffert, wovon 855,436 Mk. auf die dauernden Ausgaben entfallen. Der Kriegsminister hatte gebeten, infolge des Reichsgesetzes vom 15. Juli 1890 Indemnität zu ertheilen. Die Summe von 1,525,000 Mk. für Ausbildung der Beurlaubten mit dem neuen Gewehre fällt künftig fort. Die Heerespräsenz Bayerns beträgt 56,334 Mann.
Wien, 5. November. Nach dem offiziellen Programm über die Festlichkeiten anläßlich der Vermählung der Erzherzogin Luise von Toscana mit dem Prinzen Friedrich August von Sachsen treffen am 18. November die sächsischen Majestäten und Mitglieder des sächsischen Königshauses ein. Am 19. findet die Renunciation der Braut, am 21. November, Vormittags, die Vermählung in der Pfarrkirche der Hofburg statt. Am Nachmittag reisen die Neuvermählten nach Prag. Die sächsische Königsfamilie kehrt am 21. November Abends nach Dresden zurück.
Paris, 5. November. Nach Meldungen aus Valparaiso hielten die Delegirten der verschiedenen politischen Parteien Beratungen ab und stellten den Fregattencapitän Montt als Candidat für die Präsidentschaft der Republik auf.
Paris, 5. November. Der Munizipalrath genehmigte die Vorlage der Vergrößerung des Sanatoriums des Viehhofes von Lavilette, sodaß dasselbe 15000 Schafe statt 12000 ausnehmen kann. Der Ackerbauminister machte die Wiedereröffnung der Grenze für Schafvieh von obiger Vergrößerung abhängig.
Brest, 5. November. Der russische Kreuzer „Minin" ist unter Hurrahrufen der Matrosen der französischen Schiffe nach Madeira weitergefahren.
London, 5. November. Eine der hiesigen brasilianischen 1 Gesandtschaft aus Rio de Janeiro zugegangene Depesche ! vom 4. November besagt: Der Congreß sei ausgelöst, der '
Präsident werde die Nation berufen, an einem noch festzusetzenden Tage neue Vertreter zu wählen, lieber Rio de Janeiro wurde zweimonatlicher Belagerungszustand verhängt. Die Maßnahmen seien durch die Haltung des Con- gresses und die Versuche einiger Parteigänger, die Monarchie wieder herzustellen, hervorgerufen worden. Armee und Marine hielten treu zur Regierung. Die Ruhe sei nirgends gestört. Die Regierung werde die Ordnung ausrechterhalten, die Verfassung, wie alle internationalen Verpflichtungen respectiren.
London, 5. November. Der brasilianische Gesandte in London erhielt ein Telegramm, dem zufolge in Brasilien nach Auflösung des Congreffes vollkommene Ruhe herrsche.
Waterford, 5. November. Anläßlich des Besuchs DillonL kam es zwischen Parnelliten und Antiparnelliten zu blutigen Schlägereien, in denen gegen 150 Personen verwundet wurden.
Athen, 5. November. Ein nach dem Piraeus bestimmter, mit Petroleum beladener Dampfer, der die englische Flagge führte, ist gestern Nacht im Golfe von Euboea vollständig verbrannt. Von der Bemannung sind zehn umgekommen, sechs gerettet.
Lissabon, 5. November. Die Regierung unterzeichnete den provisorischen Vertrag mit der Gesellschaft, betreffend das Zündhölzchen-Monopol. Der Vertrag ist für den Staatsschatz um eine halbe Million günstiger als das Ergebniß der öffentlichen Ausschreibung.
Liffabon, 5. November. Aus dem Bahnhose Famalicao der Staatsbahnstrecke Minho-Coneo stießen zwei Personenzüge zusammen, wobei sechs Personen verwundet wurden. 13
Petersburg, 5. November. Der hier tagende Congreß von Vertretern russischer Eisenbahn Verwaltungen beschloß die Einführung eines allgemeinen, für alle Bahnen geltenden Besörderungstarifs,- Abweichungen sollen nur mit Genehmigung des Finanzministeriums zulässig sein.
Newyork, 5. November. Der „Herald" meldet aus Rio de Janeiro: Der Congreß genehmigte das Gesetz betr. die Beschränkung des Budgets sowie des dem Präsidenten von der Verfassung übertragenen Vetorechtes. In Folge dessen sprach der Präsident Tonocca die Auflösung des Congreffes aus.
Newyork, 4. November. Nach einer Meldung des Newyork-Herald aus Valpariso ist daselbst ein Complot zur Ermordung des Generals Canto, welcher die Truppen der Congreßpartei befehligte, entdeckt worden. Das Complott soll von den Balmacedisten angezettelt sein. — In den Staaten Massachuffets, Pennsylvanien sind die republikanischen Candidaren mit großer Mehrheit gewählt, in New- Jersey dagegen die Demokraten.
Newyork, 5. November. Dem „Herald" wird aus Valparaiso über das Complot gegen den Befehlshaber der Landtruppen, General Canto, noch Folgendes gemeldet: Ein Mann Namens Juan Mackenna, welcher sich in den Schutz der amerikanischen Gesandtschaft in Chile geflüchtet hat, werde beschuldigt, der Führer der Bewegung zu sein, deren Theilnehmer frühere Offiziere Balmacedas seien. Es sei beabsichtigt gewesen, Canto zu ermorden. Der Oberst Gandarillas sei durch Loos bestimmt worden, den Mord auszuführen und sei verhaftet worden. In das Complot seien hervorragende Persönlichkeiten verwickelt und sei alles vorbereitet gewesen, um mit den Anhängern Balmacedas in Buenos Ayres in Verbindung zu treten. Der amerikanische Gesandte, Herr Egan, stellte jede Verbindung mit Mackenna in Abrede.
Bombay, 5. November. Reutermeldung. Ein von hier abgegangener Eisenbahnzug mit britischen und eingeborenen Soldaten entgleiste in der Nähe von Napur. Fünf englische Soldaten und fünf Mann des Zugpersonals wurden getödret, 31 englische und vier eingeborene Soldaten verletzt. Der Oberbefehlshaber der Truppen der Bombayer Präsidentschaft mit seinem Stab befand sich ebenfalls im Zuge, blieb aber angeblich unverletzt.
Depeschen des „Bureau Herold".
Berlin, 6. November. Wie der „Allg. Reichst." aus Petersburg gemeldet wird, ist ein Pferdeaussuhr- verbot nicht geplant, ebenso eine innere Anleihe nicht in Aussicht genommen.
— Nach der „Nordd. Allg. Ztg." ist die Meldung von einer Herabsetzung des deutschen Weinzollesim deutsch-italienischen Handelsvertrag von 24 aus 15 Mk. unrichtig.
— Die „Berl. Pol. Nachr." melden, der Post- und


