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K. Grünberg, 5. Mai. Am 1. d. MtS., Vormittags 21 Uhr, entstand in der 21jährigen Eichen- und Buchenheege >eS Domanialwalddistricts Timmelberg (Gemarkung Atzenhain) ein Brand dadurch, daß von einem Feuer, das in der Nähe Beschäftigte Culturarbeiter angezündet hatten, durch einen Wirbelwind eine glühende Kohle in die benachbarte Heege verweht wurde, woselbst daS dürre, alte Gras sofort Feuer png. Ein beträchtlicher Schaden ist indessen nicht entstanden, da das Feuer wegen des feuchten Bodens mir wenig Nahrung fand und durch die erwähnten Culturarbeiter alsbald «uf seinen Herd beschränkt wurde.
Schlitz, 4. Mai. Nach einer hier eingetroffenen Depesche werden Seine Majestät der Kaiser und wahrscheinlich auch Ihre Majestät die Kaiserin am Samstag, den 9. Mai, Abends dahier eintreffen und bis zum Dienstag dahier verweilen. Die Ausfahrt der Bauern des Schützer Landes findet Montag, den 11. l. Mts., statt.
Laubach, 3. Mai. Heute war Herr Domcapitular Dr. Nostadt hier, um die katholische Gemeinde und deren gottesdienstliche Einrichtungen, die im oberen Saale des Spritzenhauses sich befinden, zu inspiciren, und hatte derselbe Gelegenheit, von der Nothwrndigkeit der Placirung eines katholischen Geistlichen sowohl, als auch von der Erbauung eines Kirchleins sich zu überzeugen. Genannter Herr hatte vorher der katholischen Gemeinde in Hungen einen Besuch abgestattet und reiste des Abends von hier aus in gleicher Absicht nach Alsfeld, woselbst seit einem halben Jahre ein katholischer Geistlicher, Herr Pfarrcurat Dr. Brentano, stationirt ist.
Bad Nauheim, 5. Mai. Wie man mit der Wahl der Mittel, wieder zu seinem Eigenthum zu gelangen, immerhin vorsichtig sein muß, bewies ein dieser Tage vor dem hiesigen Schöffengericht verhandelter Fall. Einem unserer begütertsten Oeconomen kam eine Egge vom Felde weg- Umfragen nach dem Verbleib seiner Ackergeräthschast blieben erfolglos. Er verbrachte nun mit seinem Sohn eine fremde Egge von einem benachbarten Acker in der ausgesprochenen Absicht nach seiner Hofraithe, den Eigenthümer dieser Egge ebenfalls zu Nachforschungen zu veranlassen und durch die so verstärkten Umfragen vielleicht den Besitzer seiner eigenen Egge zu ermitteln. In der That wurde die letztere nächtlicherweile von unbekannter Seite ihm zurückgebracht. Der Eigenthümer des Nachbargrundstücks erhob aber gegen den Oeconomen und dessen Sohn Anklage wegen Diebstahls einer Egge. Die Angeklagten wußten jedoch so überzeugende Beweise dafür, daß ihnen jede rechtswidrige Absicht ferngelegen, vorzubringen, daß vom Schöffengericht Freisprechung erfolgte.
r. Münster (bei Butzbach), 5. Mai. Am Freitag den 1. Mai, zwischen 1 und 2 Uhr Nachmittags, entstand aus bis jetzt unaufgeklärte Weise — vermuthlich durch Fahrlässigkeit — im hiesigen Gemeindewalde in einem mit 75jährigen Buchen und Eichen bepflanzten Bestände Feuer, welches sich Aber eine Fläche von ca. 1,25 ha verbreitete.
+ Vilbel, 5. Mai. Heute Nachmittag wurde in hiesiger Gemarkung die Leiche eines unbekannten, ca. 35—40 Jahre alten Mannes an einem Baume erhängt aufgefunden.
Nidda, 5. Mai. Heute vor 70 Jahren — am 5. Mai 1821 — starb Kaiser Napoleon I. aus der Insel St. Helena in der Verbannung. Dieser Gedenktag bringt die Erzählungen eines vor einigen Jahren verstorbenen Niddaer Bürgers in Erinnerung, die um deßwillen mitthei- lenswerth sind, weil sie den gewaltigen Fortschritt kennzeichnen, welche Eisenbahnen, Telegraphen rc. in unserem Verkehrsleben verursacht haben. In den 1820er Jahren — erzählte der Alte u. A. — ging man nicht so viel aus wie jetzt, man lebte viel häuslicher. Eine Anzahl befreundeter Bürger kam gewöhnlich die Woche einmal in einer Wirtschaft zusammen, Bier wurde da wenig getrunken, meistens Branntwein. Man legte zusammen, Jeder gab einen, wenn es hoch kam zwei Kreuzer und das Schnapsglas ging in die Runde. Man sprach dabei vom Wetter und der Ernte, erzählte sich Stadtneuigkeiten, auch oft Gespenstergeschichten (an anderen Orten war die Unterhaltung auch nicht klüger), aber von „Weltbegebenheiten" war wenig die Rede. Die Bürger lasen keine Zeitung und auch in gewöhnlichen Wirthschasten wurde kein Blatt gehalten. Da kam aber eines Abends ein Bürger in seine Stammwirth- schast in der alten Gasse — es war im Herbst 1821 — und erzählte mit wichtiger Miene was er gehört. „Wißt ihr auch was ganz Neues? Der „Bonapart'" ist gestorben!" (Seit er in der Verbannung lebte, nannte man den ehemaligen Kaiser der Franzosen meistens mit seinem Familiennamen). Die Nachricht wurde ungläubig ausgenommen. War er doch auch von der Insel Elba entflohen und der Krieg entbrannte hieraus von Neuem. „Das glaubt kein Mensch", hieß es, „wer weiß wo der Bonapart wieder steckt !" „Was wird der wieder ansangen !" „Gebt acht, öer Spectakel wird bald wieder losgehen?" „Es gibt Krieg, ich glaubs auch, da muß mein Hannes auch noch einmal mit. O wann doch —" und ein kräftiger Fluch folgte. So gingen die Reden weiter. — In den nächsten Tagen wurde die Nachricht weder bestätigt noch widerrufen. Endlich, vielleicht vier Wochen später, erfuhr man Sicheres und Einzelheiten über den Tod des bedeutendsten Mannes der damaligen Zeit und die Nachricht wurde vom Volke geglaubt- es war fast ein halbes Jahr nach seinem Tode. Alles athmete erleichtert aus. „Gott sei Dank, daß der Ruhestörer tobt ist", hieß es, „Europa braucht Ruh'!"
Verkehr, Land» nnb Volkswirthschaft.
Ararrkfirrt, 4. Mai. Vieh markt. Es waren ange- ttieben 430 Ochsen, 24 Bullen, 437 Kühe, Stiere und Rinder. 314 Kälber, 170HLmmel und 314 Schweine. Die Preise stellten sich für Ochsen 1. Qual, auf X 66—69 pr. Ctr. Schlachtgewicht, 2. Qual. X 60—64, Bullen X 50-52, Kühe und Rinder 1. Qual. X 58—60, 2. Qual. X 46 -b2, Kälber 1. Qual. 60—66 H, 2. Qual. । 50—55 H, Hümmel 1. Qual. 64—66 H, 2. Qual. 58—66 $ per Pfd, Schweine 1. Qual- 53—55 H, 2. Qual. 50—52 H pr. Pfd- • Schlach gewicht.
Ainrkfiert, 4. Mai. Marktpreise. Heu pro 100 Ko. X 620-8.-, Stroh X 5.60 - 6 80, Kartoffeln X bis —, Butter per Pfd. X 1.10—1.30, Eier per St. 5—7 4, Roggenbrod 4 Pfd- 45 H, do- feines 47 4, gemischtes 6 Pfd. 94 H.
□ Aus dem Vhmthal, 5. Mai. Wer gegenwärtig das schön« satte Grün der Wiesen unseres Thales aufmerksam betrachtet, dem werdm einzelne größere oder kleinere, noch kahle und grau aussehende Flecken mitten im saftigen Grün auffallen. Es sind dies diejenigen Stellen, auf denen daS Eis während der langen Wtnter- pertode ununterbrochen gestanden. Auf ihnen ist daS Gras bis zur Wurzel erfroren und sie werden auch jedenfalls für dieses Jahr kahl bleiben. Im Uebrtgen zeigt dagegen das Gras den besten Ansatz und Wuchs, so daß die Hoffnung auf eine gute Heuernte bezüglich der Quantität berechtigt erscheint. Ihr vortrefflich unterrichteter Correspondent über landmirthschaftltche Rathschläge und Winke hat jüngst eine Reihe Pflanzen in diesem Blatte aufge-Lhlt, die gegenwärtig auf den Wiesen so zahlreich und üppig wachsen und sich sehr gut zu Salat und Gemüse eignen und die meist von den Landleuten nicht gekannt und nicht benutzt werden. Wir möchten hierzu noch eine Pflanze erwähnen, welche ebenfalls sehr reichlich auf den Wiesen wächst und ein sehr schmackhaftes, ganz dem Spinat ähnliches Gemüse gibt, es ist dieses der Wiesenknöterich, hierorts „Lauche" genannt. Sie hat den Vorzug, daß ihre Verwendung allgemein bekannt ist und daß sie eifrig gesucht wird. ErwähnenS- werth ist es, daß der so beliebte Feldsalat, genannt „Nüßchen", in diesem Frühling völlig ausgeblieben ist. Er ist eben auch, wie viele Pflanzen, ein Opfer des strengen Winters geworden. Der Wonnemonat Mai läßt sich aber so nach Wunsch an, daß trotz des bösen Winters der diesjährige Jahrgang für den Landwirth noch ein recht guter werden kann.________
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— Berlinische Ledens - Versicherung-- Gesellschaft von 1836. Der uns vorliegende Geschäftsbericht der „Berlinischen Lebens-Versicherungs-Gesellschaft von 1836" weist wiederum günstige Resultate auf. Ende 1890 betrug die Versicherungssumme Mk. 139 938 921; der Garantie- und Reservefonds wuchs um Mk. 2 414 361 auf Mk. 47 547 064. Seit 1868 ist die an die Versicherten vertheilte Dividende von 17V2 auf 3373% gestiegen, lieber die solide Fundamentirung, die vorsichtige Geschäftsleitung und die gesunde Entwickelung dieses Instituts braucht solchen Zahlen gegen? Über gewiß nichts weiter gesagt zu werden.
Wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in Gießen.
17. Woche. Vom 26. April bis 2. Mat 1891. Einwohnerzahl: 20 611 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkettSziffer: 35,33 °/«bezw. 30,29 nach Ausschl. der Ortsfremden.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—Ib.Jahr:
Lungenschwindsucht 11 — —
Entzündliche Erkrank
ungen d.Athmungs-
Organe 1 (1) 1 (1) - -
Andere bekannte
Krankheiten 12 (1) 8 (1) 3 3
Summa: 14 (2) 10 (2) 3 3
Anm. Die in Klammem gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen
Bekanntmachung.
Freitag den 8. d. M., Nachmittags 2 Uhr, sollen im städt. Hospital am Seltersweg eine größere Partie alter Kleidungsstücke, Bett- werk und anderes Haushaltungsgeräthe meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 2. Mai 1891. Die Armendeputation der Stadt Gießen. _________Gnauth._________
Vergebung von Bauarbeiter».
Die nachstehenden zur Vergrößerung deS SchttlhauseS in Alten-Bufeck erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen Ssmstsg den 16. Mai d I, Vormittags 9 Uhr, im Gemeindehaus zu Alten-Buseck im Submisfionswege vergeben werden und zwar: veranschlagt zu:
Maurerarbeiten 2000 X 30 $ Steinhauerarbeiten
(Sandsteine) 377 „ 60 „ Zimmerarbeiten 594 „ 12 „
Dachdeckerarbeiten 180 „ — „
Spenglerarbeiten 72 „ 90 „
Schlosserarbeiten 505 „ 20 „
Glaserarbeiten 428 „ 75 „
Schreinerarbeiten 1678 „ 48 „
Weißbinderarbeiten 1238 „ 53 „
Tapezierarbeiten 86 „ 25 „
Pflasterarbeiten HO „ — „
Eisen-u. Röhrenlieseruna 338 „ 32 „
Kostenvoranschlag, Pläne und Bedingungen liegen auf Großh Bürgermeisterei Alten-Buseck zur Einsicht offen.
Gießen, am 5. Mai 1891.
Der Kreisingenieur:
__________Stahl._______4399
Zwei Buchenflämme im Diffr. Seiles des Gemeinde-Waldes Krofdorf - Gleiberg von 4 und 5 m Länge und 94 und 90 cm Durchmesser sollen Samstag den 16. d. M., Morgens 10 Uhr, dahier versteigert werden. Schriftliche Gebote werden angenommen.
Krofdorf, den 6. Mai 1891.
4383 Das Bürgermeisteramt.
4406] «ante Mist billig zu verkaufen.
Mühlgasse 14,
Die Gewerb-Patente sind abzuholen.
In den neuen Steuerzetteln ist irrig auch Mittwoch als Zahltag angegeben, wahrend die bisherige Einrichtung unverändert ist.
Großherzogliche Districtseinnehmerei Gießen I.
Platz.
Freitag, den 8. Mai, Vormittags S'/r Uhr: Fortsetzung der Mobiliar-Versteigerung im Felflng'schen JpauO Südanlage 16 I.
Zum Ausgebot kommt:
1 Küchenschrank mit Glasaussatz, 1 Eisschrank, die vollständige Kücheneinrichtung, bestehend in blauem Geschirr, Porzellan, Kupfer rc-, Bügeleisen, Bügelbretter, Bütten rc- rc.
Freitag, den 8. Mai, Nachmittags von 2*/2 Uhr an:
voraussichtlich Schluss der Versteigerung.
1 Spiegel, 2 m hoch, mit Trumeaux, 1 Ausziehtisch, 1 Damen-Schreib- tisch, Ofenschirm, Tische, Stühle, Waschconsole, 10 Fenster Vorhänge mit Gallerten, 4 complette Betten, 2 Uhren, 2 antike Commoden mit Glasaufsatz und Pult, 1 Bronze-Lustre, 1 vergold. Salon Lustre, Bilder, Gartenstühle, Gartentische, Gartengeräthe, 1 zweithür. pol. Weißzeugschrank, 1 Nähtisch, 14 Band Gartenlaube und andere Bücher.
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Ferd. Hoffmann, Ortsgerichtsmann.
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Arbeitsversteigerung.
Freitag den 8. Mai l. I., des Nachmittags um 1 Uhr, sollen wegen Herstellung eines Stücks der Wasserleitung nachstehende Arbeiten und Lieferungen auf dem Gemeindehaus dahier öffenllich vergeben werden und zwar: veranschlagt zu
Erdarbeiten X 78.60
Röhrenlieserung „ 379.70
Fährlöhne „ 10.—
Jnstallationsarbeiten,
Legung der Röhren „ 91.70
Rödgen, am 5. Mai 1891.
Großh. Bürgermeisterei Rödgen.
Jnderthal. 4384
Arbeitsversteigemng.
Die zum inneren Ausbau von zwei Lehrerwohnungen nöthigen Arbeiten, als: veranschlagt zu
Spengler-Arbeit X 214.48
Schlosser-Arbeit „ 475.40
Glaser-Arbeit „ 775.20
Schreiner-Arbeit „ 1413.82
Weißbinder-Arbeit „ 1167.74
werden
Mittwoch den 13. d. M.,
Nachmittags 3 Uhr, dahier auf dem Gemeindehaus an den Wenigstnehmenden versteigert.
Großen-Linden, am 4. Mai 1891. Gr. Bürgermeisterei Großen - Linden.
Leun. 4367
Freitag den 8. ds. Mts, Nachmittags 5 Uhr, zu Gießen im Gasthaus „zum Löwen" sollen durch den Unterzeichneten zwei Znlastfäffer
öffentlich gegen Baarzahlung versteigert werden.
Gießen, 5. Mai 1891.
Engel, 4364 Gerichtsvollzieher.
Freitag den 8. Mai,
Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfandhause, Seltersweg: 2 Wagen, 1 Commode, 2 Schranke, 1 Partie Sandsteine, Grabsteinsäule. 4381 Gnldan, Kreisbote.
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