Ausgabe 
6.9.1891 Erstes Blatt
 
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günstigen Verlauf nehmen. Die Langsamkeit der Verhand­lungen mit Oesterreich rühre daher, daß die österreichischen Bevollmächtigten bemüht seien, die aus dem Scheitern der italienisch-französischen Verhandlungen erwachsenen Nachtheile durch Erlangung anderer Vortheile seitens Italiens zu paralysiren.

Newyork, 4. September. In Whtte - Plheon (Michi­gan) wurde die Dynamitfabrik der Farrinold Compagnie durch eine Explosion von 20 Tonnen Dynamit i n die Lust gesprengt. Sechzehn meist schwedische Arbeiter wurden getödtct. Der Thurm der deutschen lutherischen Kirche stürzte ein, viele Häuser wurde« beschädigt.

Die Stadt Dallaö in Oregon ist zum größten Theile niedcrgebrannt. Tausend Menschen sind obdachlos.

Die coustitiiireude General-Versammlung des Oberhessischen Obstbau-Vereins

sand hier in SteinS Garten am 3. September statt. Der­selben wohnten bei als Vertreter der Kreise Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen, Lauterbach und Schotten theilS die betr. Herren KreiSrüthc (Provinzialdircctor Freiherr v. Gagern, Kreiörath K l t e t f ch - Büdingen, KreiSrath Dr. Braden- Friedberg) selbst, theilS waren Vertreter derselben erschienen. Auch Herr Landes»Oeconomterath Müller nahm an den Verhandlungen Theil. Dagegen war Se. Erlaucht der Graf Friedrich zu Solms-Laubach (Vorsitzender des Land- wirthschastlichcn Vereins Oberhessen) verhindert, an den Ver­handlungen theilzunehmcn; Gras Oriola-BüdeSheim sandte der Versammlung telegraphisch seine Grüße. Der Versamm­lung war eine AuSschuß-Sitzung vorausgegangen, in welcher hauptsächlich der Voranschlag vorberathen worden war. Herr Kreiörath Dr. Brad en-Friedberg führte den Vorsitz, und trat die Versammlung zunächst in die Bcrathung und Fest­setzung der in der AuSschuß-Sitzung am 29. Juli vorberathenen Satzungen ein. Der § 1 der Satzungen lautet:Der Verein umschließt die Provinz Oberhessen und führt den Namen Oberhessischer Obstbau Verein", hat seine GeschäftSleitung in Friedberg und ist als selbstständiges Glied dem landwirth- schastlichen Verein für die Provinz Oberhessen angeschlossen." Nach § 2 besteht der Verein aus den Vereinsbezirken Als­feld, Büdingen, Friedberg, Gießen, Lauterbach und Schotten. Zwei Vereinsbezirke bilden einen Geschästöbezirk mit einem eigenen Geschäftsführer. Seinen Zweck:Förderung der Obstcultur und dcS Obstbaues im weitesten Sinne" sucht der Verein zu erreichen durch: 1) Rath und Belehrung durch die Beamten dcS Obstbau-Vereins, welche allen Mitgliedern kostensrei zur Verfügung stehen. 2) Ab­haltung von Obstbau-Cursen. 3) Herausgabe einer Monats­schrift :Rathgeber für Obst- und Gartenbau". 4) Fachliche Vorträge lit Versammluugeu und Demonstrationen in den Baumanlagen. 5) Gemeinschaftliche Ausflüge nach muster­gültigen Baumanlagcn. 6) Vermittelung deö Bezugs guter Obstbäume und aller Materialien für Obstbau und dcS Ver­kaufs von Obst durch kaufmännisch geleitete VermittclungS« stellen, die selbstständig und mit eigenem Capital unter Aus­sicht deS Vereins arbeiten. (Bemerkt wurde hierzu von Herrn LandwirthschaftSlehrer Dr. v. Peter- Friedberg, daß es nicht in der Absicht deS Vereins liege, den Obsthandel an sich zu ziehen und die Händler zu schädigen, sondern man wolle er­mitteln, welchen Nutzen der Handel dem Obstzüchter bringe.) 7) Unentgeltliche Verkeilung vop Edelreisern bewährter Obstsorten. (Im letzten Jahre wurden 10000 Strick ver- theilt.) 8) Veranstaltung von Ausstellungen und Obstmärkten resp. Sammclstellen für den Obsthandel in den verschiedenen Vereinsbezirken und Verbreitung der Kenntniß einer möglichst nutzbringenden Berwerthung deö Obstes. 9) Ermittelung der für die einzelnen Orte des VereinögebieteS mit Berücksich­tigung von Lage und Bodenbeschaffcnheit geeigneten Obstsorten. 10) Förderung deö Feldschutzes durch Ermahnung der Mit­glieder zu größerer Achtsamkeit aus Beschädigung deö eigenen Besitzes wie daö der Nachbarn und zur Strenge in Bezug auf Anzeigen. Besonderes Augenmerk auf Alles dem Obst­bau Schädliche zu richten, namentlich in Bezug auf Krank­heiten und Jnfectenfchäden. 11) Dahin zu wirken, daß ge­eignete, noch unbebaute Plätze int Vereinsbezirk mit paffenden Obstsorten bepflanzt werden. 12) In den Gemeinden aus Anstellung von Baumwärtern Einfluß zu nehmen. Der Jahresbeitrag beträgt pro Jahr und Mitglied Mk. 1.50, wofür daö Vereinöblatt frei ins Hanö geliefert wird. Die Mitglieder sind berechtigt u. A. Auskünfte über Obstbau bei den Geschäftsstellen nachzusuchen, Bücher und Zeitschriften deS Vereins leihweise zu benutzen, Obstreifer für eigenen Bedarf, soweit die Vorräthe reichen, kostensrei zu beanspruche», die Zusendung der technischen Hilfskräfte zu Arbeitöauösühr> ungen gegen Entrichtung der dafür erwachsenden besonderen Kosten zu verlangen. Die Leitung deS Vereins besorgt ein aus 16 Mitgliedern bestehender Ausschuß (Präsident, Stell­vertreter desselben, Director der Geschäftsstelle, 6 Vorsitzende der Vereinsbezirke, 6 Beisitzer, ein vom landwirthschaftlichen Provinzialverein zu ernennender Vertreter.) Der Verein hat seine Geschäftsstelle in Friedberg. In den einzelnen Orten sind Vertrauensmänner zu ernennen, welche die Mit­gliederbeiträge erheben, das Vereinöblatt vertheilen und son­stiges zwischen Mitgliedern und Geschäftsstelle zu vermitteln haben. Zum Präsidenten wurde Herr KreiSrath Dr. Braden, zu dessen Stellvertreter Herr Graf O r i o l a BüdeSheim, zum Director der Geschäftsstelle Herr Dr. von Peter- Friedberg, zumSecretärHerr LandwirthschaftSlehrer Reichelt- Friedberg, zum Rechner Herr Rentner Gwinner-Friedberg gewählt. Zu Anöschußmitgliedern wurden gewählt: Land- wirth W. Reitz in Echzell, Oberverwalter Beilsteiit in Oberseemer Hof, Bürgermeister Feldmann-Lauter, Redac- tciir S ch e y d a - Gießen, Forstinspcctor R e u ß - Butzbüch, Hosgärtncr Welle- Assenheim. Zu Geschäftsführern wurden ernannt: Herr Reich elt-Friedberg für den Geschäftsbezirk Friedberg-Gießen, Herr A n d r v - Büdingen für den Geschäfts­bezirk Büdingen-Schotten- die Ernennung eines Geschäfts'

sührers für den Bezirk Alsfeld-Lauterbach wurde ausgesetzt. Alö Techniker wurde Herr Metz-Friedberg bestellt, ein zweiter Techniker bleibt noch zu bestellen. Der Voranschlag steht in Einnahme vor 5700 Mk. und zwar 3000 Mk. aus Mitgliederbeiträgen (2000 Mitglieder a, 1.50 Mk), 1000 Mk. Staatszuschuß, 1500 Mk. Zuschuß auö den Kreiskaffen, 200 Mk. sonstige Einnahmen. Die Ausgaben setzen sich zusammen aus Porto, Inseraten, Beschaffung von Büchern, Zeitschriften, Modellen, Instrumenten und Geräthen für Obstbau, sowie von Reisern guter Obstsorten, Veranstaltung von Obstmärkten und Ausstellungen, Honoraren für Vorträge, Gehälter an die Beamten des Vereins. Die im Monat October in Gießen stattfindende Obstbau aus stellung soll 7 Tage dauern, davon ist ein Tag zur Abhaltung einer Versammlung mit belehrenden Vortrügen vorgesehen worden.

ikoealer nn6 provinzielle».

Gießen, 5. September.

Sitzung der Stadtverordneten vom 3. September. (Schluß.) Nachdem vor einiger Zeit beschlossen worden, die Fried hoss-Ordnung dahin zu ändern, daß das Rauchen aus dem Friedhose nicht nur während der Beerdigungen, sondern gänzlich zu verbieten, sowie daö Mitbringen von Kinderwagen nicht zu gestatten sei, auch das Mitnehmen von Blumen nur mit Zustimmung deö Friedhof-Aufsehers erfolgen könne, hat Großh. Polizeiamt eine neue Friedhofsordnung vorgelegt, in welcher die hier angeführten Verbote enthalten sind. Die Stadtverordneten-Versammlung erklärt sich mit dem Entwurf insofern einverstanden, als demselben noch daö Verbot des Betretens fremder Begräbnißstätten, sowie dasjenige deö Mitbringens oder Lausenlassens von Hunden eingesügt werden soll. Daö Polizei-Reglement, betr. die Bezeichnung der Fuhrwerke, wird in der Fassung des früher vor- gelegten Entwurfs angenommen, mit der Abänderung, daß die Buchstaben der an den Fuhrwerken an deutlich sicht­barer Stelle anzubringenden Namensschilder eine Höhe von mindestens 3 Zentimetern (im Entwurf waren 5 Zentimeter vorgesehen) haben müssen. Daö Gesuch des Herrn W. Gail mm Genehmigung zur Anlage eines Anschlußgeleises, bezw. die Verlegung deS Erdkauterwegs wird unter der Bedingung genehmigt, daß Gesuchsteller für die Aufnahme und Weg- sührung des sich ergebenden Waffers sorgt. Da nach ' Mittheilung der Frau Ad. Noll Wwe. das Wieseckuser an dem nordöstlichen Theile ihres Gartens unterspült worden ist, soll die Wieseckböschung an der bezeichneten Stelle mittelst Faschinen befestigt werden. Die zu 190 Mk. veranschlagten Kosten werden bewilligt. Der Special-Voranschlag über den Ausbau der Straße auf der Nordanlage, von dem Klingspor'schen Hause bis gegen den Lahnstein, wird ge­nehmigt. Die Kosten des StraßenauSbaues, sowie der unter Berücksichtigung deö Canalisationöprojectes auszusührende Ban eines DoppelcanalS von der Eingeriunschleuße an sind auf 50000 Mk. veranschlagt. Verschiedene als besonders dringend bezeichnete Herstellungsarbeiten in der Dienst­wohnung deS OctroierheberS Vix sollen demnächst aus­geführt werden. Zur Ergänzung deS VorrathS an Gurte- zeug für die Feuerwehr werden 130 Mk. bewilligt. Nach Erledigtmg dieses Gegenstandes fragt Herr S ch o p b a ch an, inwieweit die Stadt gewillt sei, für die Hinterbliebenen deö verunglückten Feuerwehrmannes Löber helfend einzutreten. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkte, daß nach den Be­stimmungen deö LandeSfenerlöfchgefetzeS die Unterstützungen für bei Brandfällen ober Hebungen verunglückte Feuerwehr­leute ober bereit Hinterbliebene auö ber LattbeSfeuerlöfchkaffe zu leisten feien.*) Je nach Höhe ber gewährten llnterstützung bleibe ber Stabt, ber btc Vermittelung von Unterstützungs­gesuchen an btc LanbeSseuerlöschkasse obliege, unbenommen, weiter helsenb einzutreten. Die erforberlichen Schritte zur Erlangung einer Unterstützung für die Hinterbliebeuen seien bereits von einem Verwandten eingeleitet und werde die Stadt sich in Kürze damit zu beschäftigen haben. Herr Schmal! hält angesichts deö schweren Unglückösalles für nöthig, daß die Löschgerüthe an einem geeigneteren Orte alö in dem modrigen Spritzenhause bei der Stadtkirche untergebracht werden. Herr- Oberbürgermeister Gnauth erwidert, daß die Fragen wegen Beschaffung geeigneter Räume für Löschgerüthe, Er­richtung eines Steigthurmeö u. s. w. wiederholt erörtert worden seien. Ein endgültiger Beschluß habe ans dem Grunde noch nicht gefaßt werden können, weil über die Verwendung des nach Vereinigung deS Brandplatzes mit dem Lindenplatze gewonnenen Platzes, infolge der lange schwebenden Verhand­lungen mit dem FiscnS (Erwerbung deS alten HofgerichtS- gebüudeö) ein Beschluß nicht gefaßt werden konnte. Infolge der centralen Lage sowohl, wie seiner Beschaffenheit als Uebungsplatz sei dieses Terrain bisher als das geeignetste zur Errichtimg eines GeräthehauscS nächst der Projectirten Markthalle erachtet worden. Herr Wallenfels ersucht um Mittheiluug darüber, was eigentlich die Ursache des UuglücküfalleS Löber gewesen sei. Herr Oberbürgermeister G »aut h entgegnet, daß der RettungSsack sich in polizeilichem Gewahrsam befinde und die Staatsanwaltschaft die Unter­suchung einleiten werde. Ausklürung über die Ursache deS Unfalles könne vor Abschluß dieser Untersuchung deßhalb nicht gegeben werden. Herr Petri bemerkt, daß der jetzige Gerütheschuppen trocken gehalten werden könne, wenn dem­selben ein zweites Schutzdach gegeben würde. Weil die Bruch­stelle des RettungösackeS so nahe an der Ansatzstelle, sei eS immerhin möglich, daß das Gewebe fehlerhaft gewesen sei. Herr Hom berg er erklärt, daß die Gewebe schon in einem Jahre vermodern könnten - der Umstand, daß der Rettungü-

*) Art. 14, Abs. 3 der Landcsfeuerlöschordnung lautet: Der Landeüfeuerlöschkasse liegt in erster Linie die Verpflichtung ob, Feuerwehrleuten oder von der Feuerwehr betgezogenen Dritten, welche in Folge der Dienstleistung bet Brandtällen ober Hebungen verletzt werben oder erkranken, und wenn bk Verletzung ober Erkrankung den Tod herbetführte, den Htntcrbltebenen derselben Schadenersatz tnsowett zu gewähren, als dte Mittel der Kasse dtcS gestatten.

sack erst seit vier Jahren im Gebrauche, also noch ziemlich neu sei, schließe ein Verderben des Gewebes in dieser Zeit nicht auS. Es wird, nachdem Herr Wallenfels die Noth- Wendigkeit der Beschaffung eines neuen Rettungssackes dar­gelegt, beschloffen, daß die Feuerlöschcommission unter Zu­ziehung von Vertretern der Feuerwehr verhandeln soll über die angeregte Errichtung eines neuen Geräthehauses, die Be­schaffung eines RettungösackeS ». s. w.

Die Uebersicht über die wirklichen Einnahmen und Aus­gaben der Vorschule des Gymnasiums für 1890/91, die Rechnung der Plock'schen Stiftung für 1890/91 und der Voranschlag derselben für 1891/92, sowie die Rechnung der Armenkasse für 1890/91 werden, nachdem dieselben der Prüfung in ber Armeticommission unterzogen gewesen unb bezüglich ber zwischen Voranschlag unb Rechnung ent­standenen Abweichungen vom Herrn Oberbürgermeister erläu­tert worden, aus Antrag der Commission gutgeheißen. Rech­nung und Voranschlag der Löber'sche» Stiftung werden ebenfalls den gestellten Anträgen entsprechend genehmigt, ein Gesuch um Einweisung in eilte Pfründe dieser Stiftung bewilligt.

Zur Beruhigung. Mit Bezug aus unsere gestrige Notiz (-r. Alsfeld) schreibt unser Alsfelder Berichterstatter, daß feilte Mittheilung einer Berichtigung bedürfe. ES soll in Folge von Hitzschlag nur ein Todesfall vorgekommen sein, dagegen habe es eine große Anzahl Marode gegeben, was ja auch bei ber großen Hitze ganz natürlich sei. (Wir geben biefer Berichtigung hiermit Raum, um unfern Lesern weitere Beunruhigung zu ersparen, richten aber an unsere Berichterstatter bas Ersuchen, uns nur solche Nachrichten zu- kommen zu lassen, bie auf Thatsachen beruhen unb für bereu Richtigkeit sie einstehen können. Mit auf Hörensagen fußenben Nachrichten ist ber Presse nicht gedient, im Gegentheil ein schlechter Dienst erwiesen, wenn dadurch, wie im vorliegenden Falle, eilte große Aufregung hervorgerufen wird. Red.)

Schloß Romrod, 3. September. Gestern Abend hatten Generalmajor v. Obernitz mit seinem Brigade-Adjutanten Premierlieutenant v. Gerlach, sodann Oberst PertheS, Oberst­lieutenant Schmidt, Major Buchholz und Major v. Kurna- towöki, Hauptmann Clausius und Hauptmann Deter vom Großh. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 116, welche hier ein« s quartirt sind, sowie die Reservelieutenants Nömheld und Bücking die Ehre, zur Tafel geladen zu werden.

Schloß Romrod, 3. September. Nach Schluß der heutigen Gefechtsübung der 49. gegen die 50. Infanterie-Brigade in ber Gegenb von Angerob würben bie Truppenabtheiluugen nach beit Lagerplätzen birigirt für baö heutige Biwak ber Großh. (25.) Division. Se. Exc. Generallieutenant v. Bülow mit dem Divisionsstab, sowie Generalmajor Labemann mit bem Stab ber 50. Jnfanterie-Brigabe sinb in Romrob in bem Mittelpunkt bes Biwaks im Quartier. Das 1. Infanterie- Regiment (Leibgarde-Regiment) Nr. 115 hat SBnvaf A cheval ber Straße Nomrob-Alsfelb, und zwar vor bem nörblichen Ausgang aus bem Walb bes Rornrober BergeS bezogen unb bie Borpostenlinie nach Alsfeld vorgeschoben in die Gegend, wo die Straße von Liederbach auf die Alsfelder Straße mündet. Das 1. Dragoner-Regiment (Garde - Dragoner - Regiment) Nr. 23 hat zur Deckung nach Osten Biwak bei Liederbach bezogen. Nördlich von Romrod längs des SüdrandeS deS Romroder Berg-Waldes ziehen sich die Biwaks der drei Bataillons des 2. Infanterie-Regiments Nr. 116, ein Bataillon östlich, zwei vertheilt westlich der Straße von Alöseld. DaS 3. Infanterie-Regiment Nr. 117 hat östlich von Romrod an der Straße von Strebendors vor dem Wald Biwak bezogen. Das Groö der Division biwakirt nordwestlich von Nieder­breidenbach auf dem Rücken westlich ber Straße von Romrob nach biesem Ort.

Schloß Romrod, 4. September. Seine Königliche Hoh- heit ber Großherzog begaben sich heute früh mit allen Herrschaften unb dem Gefolge, die Damen unb Herren zu Wagen, nach Alsselb, wohin bie Pferbe vorausgeschickt worben waren. Dort stiegen die Herrschaften um 9 Uhr zu Pferde unb begaben sich zum Divisionsmanöver uorböstlich von Als- felb nach Reibertenrob hin. Gestern Abenb sinb Seine Königliche Hoheit ber Großherzog erst gegen 9^2 Uhr von Hersselb hierher zurückgekehrt. Das hiesige Biwak würbe von Sr. Großh. Hoheit dem Prinzen Heinrich, sowie J.J. K. Gr. H.H. den Prinzessinnen Christian zu Schleswig- Holstein und Alix besucht.

Vcrmifdjfw.

* Marburg, 4. September. Bei unserem gegenwärtig im Manöverterrain bei Werkel befindlichen 11. Jügerbataillon hat sich ein bedauerlicher Unglückssall zugetragen. Durch unvorsichtiges Hautiren ging beim Putzen ein mit einer Platz­patrone geladenes Gewehr los und tras den Jäger Krug ber 3. Comp., einen im zweiten Jahre bienenben jungen Mann aus Erfurt, so unglücklich in'ö Gesicht, baß baö linke Auge vollstänbig herauögeschvffen unb daö rechte schwer verletzt würbe. Derselbe würbe gestern Abenb hierher gebracht und hofft man mit Anwenbung aller ärztlichen Kunst beut Schwer­verletzten wenigstens das rechte Auge erhalten zu können.

*tt Kassel, 4. September. Die festlichen Vorbereitungen zu einer bem Besuche ber Kaiserlichen Majestäten würbigen Ausschmückung ber Stabt sinb im vollen Gange. Kassel wird einen so reichen, glänzenben unb prachtvollen Schmuck erhalten wie niemals zuvor. Zunächst wirb der Centralpersonenbahnhos und daran anschließend der BahnhosS- platz von der Eisenbahnbehörde mit einem festlichen Gewände versehen, dann kommt am Eingang der Museumsstraße, vor dem Hause der Reichöbank und dem Bahnhofsgebäude gegen­über, die große Ehrenpforte der Stadt Kassel, unter welcher der Kaiser von den städtischen Vertretern, an der Spitze ber Oberbürgermeister, empfangen und begrüßt werden wird. Die Ehrenpforte wird die Form eines Zeltes erhalten, welches mit duftigen Blumen und prunkendem Zierrath, von.