Nr. 206
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Samstag den 5. September
1891
Gießener Anzeiger
Kenerat-Unzeiger.
Nedaction, ExpedM« und Druckerei:
Zchutstraße Mr.»»
Fernsprecher 61.
viertNjähriger Aöo««eme»t»PrrlA r 2 Mark 20 Pfg. *6 Bringerlohn.
Durch die Post bczvH« 2 Mark 50 Pf*
Amts- und Anzeigeblatt fih? den Kreis Gietzen.
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A»n»hme »on Anzeigen zu der Nachmittag» für dm tragenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Ubr. «■BHWItiliJi.liJi_______! । . ' "■'■■■gS ■F.iiJiMi »
chraiisöeikage: chießeuer JamikienSkätier.
Alle Annoncm-Vurcaux de- In. und Aaslandts nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" mtge$vw.
Aintlichev Theil.
Bekanntmachung,
die Unterhaltung der Kreisstraßen betreffend.
Wir bringen hierdurch den Fuhrwerksbesitzern zur Kennt- tti6, daß sich auf der Kreisstraße Garbenteich — Dorf- Gill von Montag den 7. September l. I. ab eine Dampfstraßenwalze in Thätigkeit befindet.
Gießen, den 4. September 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, am 1. September 1891.
Betr.: Die Ableistung des Huldigungs- und Verfaffungs- eides.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
arr die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Die Ableistung des Huldigungs- und Verfassungseides Seitens der neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großh. Hess. Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheirathet haben, soll wie folgt stattfinden:
1) der Orts- und Hessischen Staatsbürger, aus den in den Amtsgerichtsbezirken Lich und Butzbach gelegenen Gemeinden Mittwoch den 16. September l. I., Nachmittags 1 Uhr, in dem Nathhause zu Lich.
2) der Orts- und Hessischen Staatsbürger aus den in dem Amtsgerichtsbezirk Gießen gelegenen Gemeinden Dienstag den 22. September l. I., Vormittags 11 Uhr, in dem Regierungsgebäude (auf dem Brand) zu Gießen,
■3) der Orts- und Hessischen Staatsbürger aus den in den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Laubach und Nidda gelegenen Gemeinden Mittwoch den 23. September l. I., Nachmittags P/4 Uhr, in dem Rathhause zu Hungen,
4) der Orts- und Hessischen Staatsbürger aus den in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg und Homberg gelegenen Gemeinden Samstag den 3. October l. I., Vormittags 11 Uhr, in dem Rathhause zu Grünberg.
Wir beauftragen Sie hierdurch die betreffenden Personen zu den Terminen vorzuladen und, wie geschehen, unter Angabe der Namen der Vorgeladenen anzuzeigen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war; halten sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben.
v. Gagern.
Deutsches Reich.
Berlin, 3. September. Von Neuem weilt jetzt Kaiser Wilhelm als Gast seines erlauchten Freundes und Ver- 'bündeten, des Kaisers Franz Josef, auf österreichischem Boden, um daselbst den großen Herbstmanövern der österreichischen Armee bei Schwarzenau beizuwohnen. Wenn somit den äußerlichen Anlaß dieser abermaligen Zusammenkunft der beiden mächtigen Herrscher militärische Dinge bilden, so ist doch mit Zuversicht anzunehmen, daß hierbei auch die Politik bis zu einem gewissen Grade ihre Rolle spielen wird. Gewiß sind von der Monarchenbegegnung von Schwarzenau keinerlei bestimmte Abmachungen zu erwarten, solcher bedarf rs ja angesichts des festen Vertragsverhältnisses zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn gar nicht. Aber seit dem letzten Zusammensein Kaiser Wilhelms und Kaiser Franz Josefs im vorigen Herbste anläßlich der Hofjagden in der Steiermark, hat sich in der europäischen Politik doch so Manches ereignet, was den beiden kaiserlichen Freunden zu vertraulicher Aussprache genügend Stoff geben dürfte. Außerdem deutet auf den politischen Hintergrund der Manövertage von Schwarzenau auch die Anwesenheit des Reichskanzlers v. Caprivi und des österreichisch-ungarischen Ministers des Auswärtigen, Grasen Kalnoky, bei demselben hin. Die beiden Staatsmänner haben sich seit den Tagen von Rohnstock nicht wiedergesehen und gewiß wird es zwischen ihnen ebenfalls zur Erörterung der gegenwärtigen europäischen Lage kommen. Auf jeden Fall aber bezeugt die jetzt stattfindende abermalige Begegnung zwischen dem deutschen und dem österreichischen Kaiser und ihren ersten Ministern erneut die unverbrüchliche Fortdauer des innigen Bündnisses der zwei mitteleuropäischen Kaiserreiche und somit das unerschütterliche Fortbestehen des eigentlichen Bollwerks des europäischen Friedens.
— Kaiser Wilhelm traf am Donnerstag Vormittag lauf der niederösterreichischen Bahnstation Horn ein, wo ihn
die zu seinem Ehrendienst commandirten österreichischen Militärs empfingen. Von Horn aus begab sich der Kaiser alsbald in das Manöverterrain und von letzterem später nach Schloß Schwarzenau, woselbst der Kaiser Franz Joses, sowie König Albert und Prinz Georg von Sachsen schon Tags zuvor eingetroffen waren. Kaiser Wilhelm wohnt im rechten Flügel des Schlosses, gegenüber den Gemächern des Kaisers Franz Josef. König Albert nnd Prinz Georg haben den zweiten Stock inne. Caprivi und Kalnoky wohnen zusammen in dem eine Stunde von Schwarzenau entfernten Schlosse Mehres.
— Die Zeit der hohen Getreidepreise scheint nunmehr am längsten gedauert zu haben. Wenigstens wird jetzt vom deutschen Getreidemarkte ein allmäliges Sinken der Roggen- und Weizenpreise gemeldet und man darf wohl der Hoffnung Raum geben, daß diese Erscheinung anhalten wird, zu welcher Hoffnung die massenhaften Roggeneinsuhren aus Rußland, wie die Ernte-Ergebnisse im Jnlande berechtigen, welche letzteren im Allgemeinen gar nicht so ungünstige sind. Seltsamer Weise sind gerade jetzt wieder Gerüchte ausgetaucht, denen zufolge die Ermäßigung der deutschen Getreidezölle nur noch eine Frage von Tagen sein soll. Offenbar hat man es hierbei aber nur mit einer müßigen Combination zu thun, da nicht das geringste Anzeichen vorhanden ist, welches auf eine bevorstehende Veränderung der Haltung der preußischen Regierung in der Frage der Getreidezölle hindeutete.
Neueste
Wolffr telegraphisches Torrespondenz-Bureau
Berlin, 3. September. Das „Reichsgesetzblatt" veröffentlicht eine Verordnung, wonach das Verbot der Einfuhr von Schweinen, Schweinefleisch und Würsten amerikanischen Ursprungs für lebende Schweine, sowie für solche Erzeugnisse außer Kraft tritt, welche mit amtlicher Bescheinigung darüber versehen sind, daß das Fleisch im Ursprungslande nach Maßgabe der daselbst geltenden Vorschriften untersucht und frei von gesundheitsschädlichen Eigenschaften befunden worden ist. Der Reichskanzler ist ermächtigt, Anordnungen zur Controlle zu treffen. Die Verordnung tritt vom Tage der Verkündigung in Kraft.
Berlin, 3. September. In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurde der Antrag desSocialisten Singer, mit dem Magistrat darüber zu berathen, welche Mittel anzuwenden seien, um in Berlin dem fortdauernden wachsenden Noth stände wirksam entgegenzutreten, ab gelehnt. Ein Antrag Langerhans, über den Antrag Singer zur Tagesordnung überzugehen und mit dem Magistrat zu berathen, welche Mittel anzuwenden seien, um der wachsenden Noth in Berlin zu begegnen, respective vorzubeugen, angenommen. Ein Redner hatte im Laufe der Debatte die Behauptung, es bestehe Arbeitsnoth, bekämpft, beziehungsweise mit Beispielen zu widerlegen versucht, ein anderer stellte einen drohenden Nothstand nach dem nunmehrigen Sinken der Getreidepreise in Abrede, ein dritter bestritt den Socialisten das Recht, von einem Nothstand zu reden, wenn die Socialisten, wie geschehen, an der Laffallefeier bis zum Morgen Bälle abhielten.
Kiel, 3. September. Heute begannen bei Friedrichsort die großen Festungs- und Seekriegsübungen mit Minenversuchen. Alle Handelsschiffe, welche Friedrichsort passiren, müssen wegen der Minensperre bis zum 9. d. M. Lootsen nehmen. Das Manövergeschwader ging 8 Uhr Morgens aus die Außenrhede.
Danzig, 3. September. Der deutsche Katholikentag nahm eine Resolution an, welche die Arbeiterschutzgesetzgebung beifällig begrüßt, ferner Beschlüsse betreffend eine streng confessionelle Gestaltung der Volksschule und Ertheilung des Religionsunterrichts in der Muttersprache. Die Versammlung empfahl den Bau guter Arbeiterwohnungen, die Errichtung katholischer Meister-, Gesellen- und Lehrlingsvereine und die Bekämpfung der Sachsengängerei. Mittags wird der Katholikentag geschlossen.
Horn,3. September. Der Kaiser von Oesterreich, der König von Sachsen, Prinz Georg von Sachsen, die Erzherzöge Karl Ludwig, Franz Ferdinand Este, Graf Kalnoky, der Kriegsminister und der Landesvertheidigungsminister trafen um 7y2 Uhr früh zum Empfange des Kaisers Wilhelm hier ein. Der Kaiser erschien in Generalscompagnieuniform, der König von Sachsen und Prinz Georg in den Uniformen ihrer österreichisch-ungarischen Regimenter. Der Sonderzug Kaiser Wilhelms lief um 7.47 Uhr ein. Der deutsche Kaiser erschien in der Paradeuniform seines österreichisch-ungarischen Husarenregiments. Er entstieg rasch dem Hofsatonwagen, während Kaiser Franz Joseph ihm entgegeneilte. Die ver
bündeten Monarchen umarmten und küßten sich dreimal. Hierauf begrüßte Kaiser Wilhelm in wärmster Weise den Köniz von Sachsen, den Prinzen Georg und die erschienenen Erzherzöge. Es folgte sodann die Vorstellung des beiderseitigen Gefolges, wobei die beiden Kaiser den Reichskanzler v. Caprivi, den Minister Grafen v. Kalnoky sowie andere Persönlichkeiten des beiderseitigen Gefolges durch Ansprachen auszeichneten. Ungeachtet der militärischen Kürze trug die Begrüßung den Character großer Herzlichkeit, so wie sie nur da möglich ist, wo zu der politischen Verbindung warme persönliche Freundschaft hinzutritt. Nach der Bewillkommnung stiegen beide Monarchen zu Pferde und ritten, der deutsche Kaiser zur Rechten des Kaisers Franz Josef, unter dem Beifall der Bevölkerung in die Stadt, wo die Begeisterung beim Anlangen der Kaiser an der Triumphpsorte ihren Höhepunkt erreichte.
Schwarzenau, 3. September. Nach dem Empfang in Horn kehrten Caprivi und Kalnoky hierher zurück, wo sie Tags über blieben. Es fanden indeß keine Conferenzen statt. Um 6 V2 Uhr nahmen an der Hoftasel in Schwarzenau beide Kaiser, der König von Sachsen, die Prinzen und Minister Theil.
Petersburg, 3. September. Betreffs der Gerüchte über den bevorstehenden Erlaß eines russischen Pferdeausfuhrverbots erfährt die „Nordische Telegraphen- Agentur", daß die Frage der Beschränkung respective des Verbotes der Pferdeausfuhr bis jetzt noch nicht aufgeworfen worden sei.
Konstantiuopel, 3. September. Die Pforte ließ dem Prinzen Ferdinand für seine Glückwünsche anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung des Sultans durch ihren Vertreter in Sofia die kaiserliche Genugthuung ausdrücken.
Depeschen des „Bureau Herold".
Berliu, 3. September. Das Comite des Deutschen Schrift st ellertages lehnte in einer Zuschrift an den Magistrat mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der öffentlichen Zustände eine Bewirthung durch die Stadt dankend ab.
Kiel, 3. September. Das Manövergeschwader dampfte Vormittags zu den Danziger Schlußmanövern ab.
Danzig, 3. September. Letzte Sitzung der Katho- liken-Versammlung. Graf Ballestrem spricht über das Centrum und das katholische Volk als Hinterbliebene Windt- horsts, verspricht die Wiederaufnahme des Antrages Windt- horsts auf Rückberufung der Jesuiten, betont die Nothwendig- keit des Fortbestehens des Centrums, desavouirt auf das Schärfste den Artikel des „Osservatore" über den Dreibund und widerspricht der schamlosen Unterstellung, der Papst sei dafür verantwortlich. Präsident Gras Rechberg bringt ein Hoch auf den Papst und Kaiser Wilhelm aus.
Straßburg, 3. September. In Thann (Ober-Elsaß) erhielten sechs Familienväter den Befehl, binnen sechs Wochen auszuwandern oder sich naturalisiren zu lassen.
Loudou, 3. September. Der „Standard" bespricht in einem Leitartikel Frankreichs Fortschritt seit 1870. Das französische Volk würde nicht gut thun, sich dessen zu erinnern, was vor 21 Jahren in Folge des übertriebenen Selbstvertrauens geschah. Wenn Frankreich wirklich so aufrichtige und unbedingte Friedensliebe besitzt, wie beispielsweise England oder Oesterreich, wie kommt es dann, daß es sich so ängstlich abmüht, die Freundschaft der einzigen Macht Europas zu erwirken, deren Ehrgeiz grenzenlos ist. Man sollte annehmen, daß diese Macht in der Brust eines jeden Franzosen nur Abscheu und Abneigung erzeugen könne. Das einzig mögliche Band beider Nationen ist ein militärisches. Frankreich wird hoffentlich den richtigen Tact besitzen, um nicht in handgreifliche Fallen zu gerathen, welche den Sturz des zweiten Kaiserreichs herbeiführten.
Washington, 4. September. Das Marineamt erhielt eine Depesche des amerikanischen Admirals, in Valparaiso sei alles ruhig. Die Geschäfte seien wieder eröffnet. Das Congreßcomite, darunter zwei Cabinetsminister, kamen aus Jquique an und reisten nach Santiago weiter.
Cocales unö j?vovinzielles.
Gießen, 4. September.
— Behufs Bildung der Spruchliste für die am 21. September 1891 beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts wurden die Namen folgender Hauptgeschworenen aus der Urne gezogen: 1. Rudolf Ritter, Kaufmann in Laubach. 2. Martin Mickel, Landwirth in Ober-Mockstadt. 3. Philipp Bechthold, Weißgerber in Nidda. 4. Rudolf Brennemann in Ober-Erlenbach. 5. Johann Heinrich Weitzel, Landwirth in Kaichen. 6. Philipp Vogt, Privatier in Friedberg.


