Donnerstag den 5. Februar.
(Stefeener Anzeiger.
Beilage zu Nr. 30. - 1891.
F-ttilleton.
Vrter Alexri, der Pope.
Eine russische Geschichte von Friedrich Meister.
(Schluß.)
„Ist Ihnen nun wieder besser, Excellenz?" fragte der Gouverneur.
Iwan Kaloff richtete sich auf. Er sagte, daß er sich besser fühle - da aber begegnete sein Auge dem frieren Blick des alten Sträflings und er las in demselben, daß er erkannt sei. Er begann zu stammeln, wieder brauste es ihm in den Ohren und er schloß die Augen. Dann aber raffte er sich auf.
„Vir ist sehr unwohl," stotterte er und dabei taumelte er auf die Wittwe zu, die mit ihrem Sohne und den beiden Wärtern in der Nähe des Ofens stand.
„Marfa!" lallte er.
Gin eigenthümlicheS Aechzen drang in sein Ohr. Er schaute sich um, allein nur der Gouverneur und einige der Beamten befanden sich hinter ihm.
Marfa Hermann sah ihn erschreckt an. Sie schlang ihre Arme um den Hals des Sohnes und brach in Thränen aus. Auch der junge Mann hielt seine Mutter fest umfaßt.
„Willst Du nun auch dem armen Weibe noch ihren Sohn nehmen?" rief jetzt eine Stimme, bei deren Klang sowohl Marfa wie Kaloff emporfuhren. „Iwan Iwanowitsch, hast Mu noch nicht genug Elend angerichtet?"
Mit diesen Worten hatte sich der alte Gefangene durch die Beamten gedrängt und stand nun dicht vor dem Polizeipräsidenten.
„Marfa, Marfa Michailowna, kennst Du mich nicht?" dassvnn er wieder. „Ich bin Vater Alexei Alexandrowitsch, und dieser Mann" — er deutete auf Kaloff — dann aber miterbrach er sich und steckte die Finger in den Mund, wie ein Kind, welches eine angefangene Rede verbeißen will.
„Zurück! Fort mit Dir!" herrschte der Gouverneur den alten Sträfling an, denselben bei der Schulter packend.
„Halt!" gebot der Oberst. „Lassen Sie ihn, er ist harmlos."
„Das sagst Du, Iwan Iwanowitsch?" rief der Alte. „O, Marfa, traue ihm nicht, traue ihm nicht!"
Der Polizeipräsident stand bleich wie eine Leiche. Wieder und wieder strich er mit der zitternden Hand über sein Gesicht, als sammele er Kraft und Fassung. Endlich blickte er um sich.
„Es ist, wie er gesagt hat," begann er mit veränderter, eintöniger Stimme. „Vater Alexei Alexandrowitsch ist unschuldig an dem Morde. Ich selber habe August Hermann mit dem Pistol des Priesters erschossen- ich versteckte die Waffe hinter dem Altar in der Kirche und dann beichtete ich meine That dem Priester — hahaha!"
Er lachte hohl und gräßlich, so daß seine Zuhörer erschauerten und einander entsetzt ansahen.
Marfa Hermann trat weit von ihm zurück. Auch sie war todtenbleich geworden.
„Und wo ist der Priester?" fragte sie.
„Hier bin ich," antwortete der alte Sträfling.
Marfa sah ihn an.
„Ist das wahr, hat er — der dort, meinen Gatten ge- töbtet und mußtest Du die Strafe tragen, die ihm gebührte? Rede! Ist das wahr?"
Der Priester schwieg eine kleine Weile.
„Ob das wahr ist?" Er zuckte die Achseln. „Ich muß die Strafe tragen — ob für seine That? Ich darf nichts sagen, ich darf nichts sagen. — Rede Du!" fuhr er auf Kaloff ein. „Hörst Du nicht? Rede Du!"
Er war vorgetreten und legte bei dem letzten Wort den Finger auf die Brust des Polizeipräsidenten.
Dieser aber stand wie ein Rohr, das der Wind bewegt. Mit fahlem Antlitz und halb geschlossenen Augen schwankte er hin und her.
„ES ist wahr," lispelte er. „Er trägt die Strafe — für meine That. O, mein Gott — — helft — — Marfa, vergib — —"
Damit schlug er schwer auf den Boden nieder.
Ein allgemeines Getümmel entstand in der weiten Ge- fängnißhalle; alles drängte durcheinander, Polizisten, Gefangene, Beamte. — Marfa fühlte sich von zwei Armen umfaßt.
„Leb wohl, Mütterchen," flüsterte ihres Sohnes Stimme. „Leb wohl!"
Dann war der junge Nihilist im Gedränge verschwunden.
Ein Gefühl des Glückes durchwogte der Mutter Brust- da kam der Gouverneur des Gefängnisses an sie heran, ergriff ihren Arm und zog sie dorthin, wo der Oberst am Boden lag.
„Seine Excellenz ries nach Dir," sagte er hastig.
Aber der Oberst war todt. Er lag auf dem Rücken, die Augen geschlossen. Neben ihm fnieete Vater Alexei in stummem Gebet.
August Augustowitschs Flucht war geglückt, nach Monaten erhielt Marfa Kunde von ihm von jenseits des Oeecms. Vater Alexei, jetzt ein Achtziger, theilt mit der einsamen Frau die Wohnung. Die Regierung hat ihn für die langen Jahre unschuldigen Leidens zu entschädigen gesucht, allein was nützt dem gebrochenen Greise jetzt noch das Geld? Die Post trägt alles über den Ocean zu August Hermanns Sohn. Und wenn Freunde und Nachbarn die Rede auf Iwan Iwanowitsch bringen, dann hat der alte Mann nur die eine Antwort:
„Ich darf nichts sagen, ich darf nichts sagen!"
«in Stück Nsturgrschichte über Igel und Kreuzotter.
Fr. Koch — Auingen (Württemberg).
Gewiß wird es Ihre Leser interessiren, wenn ich mit einigen Zeilen den Kampf des Igels mit der Kreuzotter beschreibe. Daß der stachelige Geselle für Landwirthschaft überhaupt sehr nützlich ist, indem er Würmer, Schnecken, Maikäfer, Engerlinge, Werren und namentlich auch Mäuse vertilgt, das ift ja Jedermann bekannt - weniger bekannt ist, baß ihm Giftschlangen die größte Delieatesse sind, denn Obst, Brod, Kartoffeln, die ich ihm über Nacht vorlegte, blieben unberührt, während er die stärkste Viper total auffraß- überhaupt ist der Igel mehr auf animalische als auf vegetabilische Nahrung angewiesen, woraus ja schon sein Raubthiergebiß hindentet, sowie sein Aufenthalt in Stumpen, Hecken, Steinriegeln und Dorngestrüppe, wo Mäuse und Schlangen Hausen.
Die Gelehrten waren über Giftsestigkeit des Igels bisher nicht einig - 2eunis behauptete, daß derselbe am Biß der Otter ebenso zu Grunde gehe wie jedes andere warmblütige Thier, während Lenz ihn für gistfest erklärt.
Ich machte nun selbst mehrfache Proben, aus welchen ber Igel stets siegreich und als vollkommen giftsest hervor- ging.
Im Laufe vorigen Sommers bekam ich durch meinen Dachshund drei Igel. Die zwei ersten waren alte Thiere, ber dritte war noch nicht ganz ausgewachsen. Die alten Igel brachte ich, jeden einzeln, mit einer Kreuzotter zusammen - sie bestanden den Kamps allemal siegreich, ohne daß ich auch nur die geringsten Folgen von den vielen Otterbissen, die sie erhalten hatten, hätte wahrnehmen können. Nun machte ich bie dritte Probe am 16. September mit dem jungen Igel, ber bisher schwerlich einen Kamps mit einer Giftschlange zu bestehen hatte, auf den ich um so begieriger war.
Um den Kampf aufs Genaueste beobachten zu können, brachte ich den Igel mit einer Kreuzotter in eine Kiste und pellte diese auf meinen Tisch.
Fast augenblicklich fing der Igel an, das lange bewegliche Ding zu beschnuppern, als er auch schon mehrere Hiebe auf feinen Stachelpanzer bekommen hatte, um die er sich gar nicht bekümmerte. Jetzt packte der Igel die Otter an den verschiedensten Stellen, mitten, hinten am Leibe, zwickte und biß sie, daß es knirschte und schien ihr Stücke aus der Haut beißen zu wollen, während die Otter in ihrer Wuth ihm Hieb auf Hieb ertheilte, immer aber auf die Stachelhaut. Ich nahm nun die Schlange heraus und untersuchte ihren Rachen, ob sie sich wohl die Giftzähne nicht ausgebissen hätte. Den Rachen fand ich zwar blutend, die Giftzähne aber waren aus beiden Seiten des Oberkiefers noch ganz unverletzt und somit war die Otter noch kampffähig. Ich brachte sie nun wieder in die Kiste. Wiederum packte der Igel an den verschiedensten Stellen, endlich auch vorne am gefährlichsten Orte, indem er den Kopf jedoch eher niedrig, fast auf dem Boden hielt, sodaß die Otter mehr den behaarten, borstigen Theil der Schnauze traf, plötzlich aber hing die Schlange festgebissen an der seinen Nase des Igels und dies schien ihm gar nicht zu passen, denn er schüttelte so lange, bis sie sich losgelöst hatte. Hierauf setzte der Igel den Kamps kurze Zeit aus und steckte die Schnauze eine kurze Zeit in das feuchte Moos. Nach wenigen Sekunden wendete er sich und fing an dem Schwanzende der Otter zu kauen an. Durch den Schmerz noch wüthender gemacht, gab die Schlange Hieb auf Hieb ab und urplötzlich hing sie zum zweiten und dritten Male an der Nase des Igels. Nun aber packte er dieselbe am Kopse und nagte ihn vollständig ab. Jetzt war die Otter leblos und in einer Viertelstunde war sie aufgezehrt bis auf ein kleines Schwanzstück. Mein muthiger Igel hatte nicht den geringsten Schaden genommen, trotz der vielen Bisse, die er an, auf und in die Schnauze bekommen hatte.
Am anderen Tage fraß er eine zweite Kreuzotter.
Somit ist es mir außer allem Zweifel, daß der Igel gegen Schlangengift gefeit ist, daß er vollkommen giftfest ist. In nächster Zeit werde ich eine Probe machen mit Mckulwurf und Kreuzotter.
(D. Allg. Ztg. f. Landw.)
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— iw Wie«. Die Hefte 7 und 8, mit welchen
die ^Wiener Mode* das erste Quartal dieses Jahres beginnt, bringen neben anderen Wiener Toiletten nicht weniger als 24 Carneval- costüme und Ballroben von ganz ausgesuchtem Geschmack. Da die Wiener Toilettekunst immer mehr maßgebend iin den Vordergrund tritt, meinen wir die tanzlustigen Damen auf die genannten Hefte der „Wiener Mode" aufmerksam machen zu sollen.
— In der »SattaUattfte* veröffentlicht Rudolf Virchow Erinnerungen an Schliemann. Bei dm nahm Freundschafts- beziehungm, in denen die beiden hervorragmden Persönlichkeitm zu einander standen, kommt diesm Veröffentlichungm ein lebhafte- Interesse entgegen, und in der That erhält man schon aus dem crstm Artikel, der sich mit der Geschichte des für Schliemann schließlich tödtlichen Leidms, dann aber mit der wunderbaren körperlichen Leistungsfähigkeit des verstorbmen Forschers beschäftigt, merkwürdige und bisher wohl wenig bekannte Aufschlüsse. Schliemann war als junger Mensch von sehr zarter Gesundheit. Aber seiner ungewöhnlichen Energie gelang es, seinen Körper so zu kräftigm, daß er die höchsten Strapazen zu ertragen vermochte. Einmal war er malaria- krank von seinen Ausgrabungen in der Troas nach Frankfurt zur Generalversammlung der „Deutschen anthropologischen Gesellschaft" gekommen. „Eine Stunde, bevor er einen Vortrag halten sollte", so erzählt Virchow, „war er noch im Schüttelfrost; dann aber verschwand er plötzlich und erschien nach einiger Zeit, scheinbar wohl, wieder. Er hatte in aller Elle ein kaltes Douchebad genommen!" Ueberhaupt war Schliemann ein wahrer Fanatiker des Badens, er that es unter den ungünstigsten Verhältnissen und Virchow berichtet uns darüber die ergötzlichsten Beispiele; auch das Reiten gehörte zu den körperlichen Uebungen, in denen Schliemann nach starker geistiger Anstrengung Erholung suchte und Virchow meint, zu der Werthschätzung, welche Schliemann ihm gegenüber gehegt, habe nicht zum wenigsten das beigetragen, daß er, Virchow, es Schliemann an körperlicher Ausdauer gleichzuthun vermocht habe. „Das war die Folge der selbstbewußten Kraft, welche er in unaufhörlicher Hebung erworben hatte."
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