kwrden. — Nach demselben Blatte wird die gleichzeitige Anwesenheit des Ministers Thiel en und des Finanzministers dahin gedeutet, daß Besprechungen wichtiger Art betreffs einer großen Umgestaltung auf dem Gebiete des Arbeitsministers stattfinden.
Köln, 2. September. Der „Köln. Ztg." wird aus Petersburg gemeldet, das Gerücht behaupte sich, wonach sich die Prinzessin Marie von Griechenland in den nächsten Tagen mit dem russischen Thronfolger in Kopenhagen verlobe. Die orthodoxe Kirche erklärte sich bereit, den noth- wendigen Dispens zu ertheilen. Man bethauptet, Kaiser Wilhelm werde im Laufe des September drei Tage nach Kopenhagen reisen, um dem Verlobungsseste anzuwohnen.
— Die gesammte russische Presse befürwortet die ausdrückliche Ergänzung des Roggenausfuhr-Verbots bezüglich des gebackenen Roggenbrodes, damit das Schwindelgerücht über die angeblich erlaubte Ausfuhr desselben die ungebildete Bevölkerung nicht weiter errege.
Gotha, 2. September. Nach dem „Thür. Tageblatt" beschloß der außerordentliche Bezirkstag des Kriegerverbandes Sachsen-Weimar-Eisenach in Apolda einstimmig, von einer offiziellen Betheiligung an der diesjährigen Kaiserparade des 4. und 11. Armeecorps abzusehen.
Kiel, 2. September. Der Aviso „Blitz" ist heute Morgen seewärts gegangen, um den Curs des „President Pinto" zu beobachten.
Emden, 2. September. Die „Ems-Zeitung" meldet, der revidirende Regierungsbaumeister fand unter den 300 aus Bochum für die rechtsrheinische Bahn gelieferten Schienen 72 geflickte. Sämmtliche Schienen waren gestempelt.
Wien, 3. September. Die österreichischen Leinenindustriellen verlangen von der Regierung, dieselbe solle dafür sorgen, daß im neuen Handelsverträge mit Italien für Leinen nach Italien keinerlei Erhöhung eintrete.
— Die Nord bahn hat eine Erhöhung der Gehälter für Diener und Unterbeamten, sowie eine Quartiergeld-Regu- lirung beschlossen. Die dadurch entstehende jährliche Mehrausgabe beträgt 300,000 fl.
London, 3. September. Nach dem „Truth" hat Kaiser i Wilhelm die Königin zum Besuche im Frühjahre auf Schloß Stolzenfels eingeladen.
Paris, 2. September. Der Generalrath der Gironde hat gestern auf bonapartistischer Seite die Einführung, des russischen Sprachunterrichts in den Schulen angeordnet. *
Paris, 2. September. Gestern ereigneten sich drei Entgleisungen: bei St. Juste-Cambray, Aubreville und Marseille. Bei dem ersten gab es zwei Todte.
Newyork, 2. September. Nach Meldungen aus Valparaiso sind Sennor Montt und General Canto heute in Santiago angekommen und mit großem Enthusiasmus empfangen worden. Die übrigen Führer der Congreßpartei werden, morgen erwartet. Gegen die Amerikaner herrscht seitens der Insurgenten große Erbitterung. Der deutsche Admiral sandte die Corvette „Alexandrina", an deren Bord sich Claudio Vicunna und andere Häupter der Balmaceda- partei befinden, nach Callao.
— Weitere Meldungen aus Valparaiso bestätigen, daß Balmaceda am 18. August 42 Studenten erschießen ließ, welche eines Complotts beschuldigt waren. Viele der- selben waren weniger als 18 Jahre alt.
Valparaiso, 2. September. Die Balmacedisten verließen zumeist die Stadt, die Zurückgebliebenen befinden sich in größter Nothlage. Bisher fanden nur wenige Hinrichtungen von Balmacedisten statt. Die Wahlen werden innerhalb Monatsfrist vorgenommen. Die Ordnung ist hergestellt- die Pöbelhaufen werden überwacht. Sämmtliche Geschäfte sind wieder geöffnet. Nachrichten über Balmaceda werden wahrscheinlich erst, wenn er jenseits der Anden, hierher gelangen. Die bisher unbegrabenen Gefallenen werden morgen verbrannt. Da die Krankenhäuser überfüllt, richteten die ausländischen Wundärzte Ambulanzcorps ein. Zwei Regimenter Regierungstruppen auf dem Transportschiffe „Imperial" von Coquimbo nach Talcahuano unterwegs, revoltirten bei der Nachricht von dem Sturze Balmacedas, tödteten die Offiziere, nahmen vereint mit tausend Bergleuten die Stadt Coronel und verübten dort Greuelscenen. Das deutsche Kriegsschiff „Sophie" und die englische „Daphne" sind dort- hin abgegangen. Das Schiff „Imperiale" wurde bisher nicht aufgesunden.
Cocafcs unö ^provinzielles,
Gießen, 3. September.
— Beerdigung. Die allgemeine Theilnahme, welche sich für den am Montag Abend bei der Uebung verunglückten Feuerwehrmann Wilhelm Löber nach Bekanntwerden des Unglückes bei der Einwohnerschaft Gießens kundgab, äußerte fich auch gestern Nachmittag, als die sterbliche Hülle des in Ausübung seines Berufes so jäh vom Tode ereilten jungen Mannes zur ewigen Ruhe gebracht wurde. Lange vor Beginn der Trauerseier hatte sich in den Straßen, welche der Leichenzug passiren mußte, zahlreich die Einwohnerschaft aufgestellt, und aus den Mienen der Einzelnen sprach deutlich die Rührung, die sie ob des erschütternden Unglückes empfanden. Punkt 5 Uhr setzte sich der lange Leichenzug vom Trauerhause an der oberen Frankfurter Straße aus in Bewegung. Den Zug eröffnete unter den Klängen eines Trauermarsches das Musikcorps der Gießener Freiwilligen Feuerwehr. Dem reich mit Blumen geschmückten, mit vier Pferden bespannten Trauerwagen folgte zunächst in voller Stärke die Gießener Freiwillige Feuerwehr, deren Mitglied der Verstorbene gewesen, die Freiwillige Gail'sche Feuerwehr, eine Deputation der Freiwilligen Feuerwehr zu Lollar, als Vertreter der Regierung Herr Provinziat- director Freiherr v. Gag ern mit den Beamten des Krcis- amtes, als Vertreter der Stadl Herr Oberbürgermeister '
Gnauth, Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung, die Vereine, die zahlreichen Freunde des Verstorbenen und das gesammte Personal der Firma Hehlig enstaedt & Co., bei welcher der Verblichene in Arbeit gestanden. Der Kreis- Feuerwehr-Jnspector sowie mehrere auswärtige Feuerwehren hatten theils durch Beileidschreiben, theils durch Blumenspenden ihre Theilnahme ausgedrückt. So bewegte sich denn der Zug nach dem Friedhöfe. Nachdem der Sarg in die Erde gesenkt, hielt Herr Pfarrer Dr. Naumann die auf alle um die Gruft Versammelten einen ergreifenden Eindruck übende Trauerrede. Der so plötzlich uns entrissene Jüngling habe gleich den aus dem Schlachtfelde gefallenen Soldaten, deren man am heutigen Tage allenthalben gedenke, in Ausübung seiner Pflicht den Tod gefunden. Sein Pflichteifer habe ihn abgehalten, den Vorstellungen seiner betagten Eltern, den Bitten seiner Braut, der Uebung einmal fernzubleiben, nachzugeben- berussfreudig habe er die Wohnung der Eltern verlassen, die ihren Sohn nun lebend nicht Wiedersehen sollten. Die betagten Eltern konnten ihrem Sohne nicht das letzte Geleit zur Ruhestätte geben, aber die große Zahl der Leidtragenden, die ihm ans Grab gefolgt, die große Trauerversammlung, die vielen den Augen der auf dem langen Wege, durch welchen sich der Trauerzug bewegte, versammelten Menschen entfallenen Thränen legten Zeugniß ab von der Theilnahme für den so jäh Dahingeschiedenen. So viel Eifer in seinem „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" geweihten Berufe als Feuerwehrmann der Dahingeschiedene bewiesen, so bewußt sei er sich seiner Pflicht als Mensch, als treuer Freund seiner Umgebung, als Sohn seiner Eltern gewesen, und daß derselbe fest an seinem Glauben gehalten, könne er als Pfarrer, bei dem der nun Verewigte Confirmanden-Unterricht genossen, bezeugen. Mit dem Hinweis auf die hier wieder geoffenbarte Mahnung, daß wir Alle uns vorbereiten müßten, plötzlich von dieser Welt abgerufen zu werden, schloß Herr Pfarrer Dr. Naumann seine Trauerrede, deren gewaltige Wirkung sich in Schluchzen und Thränen fast aller Zeugen dieses Traueractes kundgab. — Herr Stadtverordneter Petri legte im Namen der Gießener Freiwilligen Feuerwehr als deren ältestes Mitglied einen Kranz am Grabe nieder. — Möge, nachdem die Erde sich über der sterblichen Hülle des braven Jünglings geschlossen, das Andenken an denselben nie erlöschen- möge seinen Grabhügel einst das Denkmal schmücken, dessen Errichtung Herr Pfarrer Dr. Naumann in tief empfundenen Worten den Kameraden des Verstorbenen, sowie den Vertretern der Stadt ans Herz legte- möchten aber auch die tiesbetrübten Eltern durch werk- thätige Liebe der Einwohnerschaft der ganzen Stadt einigermaßen Ersatz finden für Das, was ihnen in ihrem Sohne so jäh entrissen wurde. Diejenigen aber, welche sich berufen fühlen, gleich dem Verstorbenen ihre Dienste dem Wohle und der Sicherheit der Stadt zu widmen und angesichts des Unglücks sich nicht abhalten lassen, dies auch ferner zu thun, möge allezeit ein gütiges Geschick vor ähnlichem Unglück bewahren !
— Sedanfeier. Gestern Nachmittag 6 Uhr hielt der Kriegerverein Gießen an den Gräbern der aus dem hiesigen Friedhose beerdigten Krieger aus dem Jahre 1870/71 die alljährlich übliche Gedächtnißfeier. Der Präsident des Vereins, Herr Mayer, hielt an die versammelten Krieger eine Ansprache, in welcher er besonders der seit der großen Zeit dahingeschiedenen Heerführer gedachte und aus die Noth- wendigkeit hinwies, allen Parteizwist zu unterlassen, damit, wenn je wieder die Kriegsfackel uns entgegengeschleudert werde, der Feind ein starkes, einiges, deutsches Volk zur Abwehr aller Angriffe vorfinde. Die Denkmäler der deutschen und französischen Krieger wurden mit Kränzen geschmückt.
— Seltene Gäste. Unsere Stadt war vorgestern von zwei seltenen Fremden besucht. Ein Araber und ein Malaye aus Singapore verweilten zum Besuche des Herrn M. Behr, der ihnen von dort bekannt ist, hier und sprachen sich sehr anerkennend über die öffentlichen Anlagen u. s. w. hiesiger Stadt aus. Jener Araber ist einer der reichsten und bei seinen Landsleuten einflußreichsten Kaufleute Singapores und der Malaye ein hoher Beamter des Sultans von Johore, der manchem unserer Leser von seinem letzten Aufenthalt in Frankfurt a. M. bekannt sein dürfte.
§ Breungeshain bei Schotten, 31. August. Heute Morgen gegen 10 Uhr brannte das Gehöft des Landwirths und Drehers Christian Linker dahier nieder. Leider hatte der Abgebrannte seine Habe nicht versichert. Ueber die Entstehung des Fe«rs ist bis jetzt noch nichts bekannt, doch wird Brandstiftung vermuthet.
K. Eschenrod bei Schotten, 31. August. Dahier hat sich gestern ein Greis im Alter von 84 Jahren nochmals verheirat h et, d. h. zum vierten Male. Seine letzte Ehehälfte ist im Herbst vorigen Jahres nach dem Jenseits abberufen worden und muß sich das alleinstehende Männlein darob sehr einsam gefühlt haben. Die jetzige Braut des Alten zählt einige Siebzig und war noch nicht verheirathet - daß jemals ein Brautkranz auf ihrem Haupte prangen würde, dürste sie vor Decennien nicht mehr gehofft haben. Glück dem Greisenpaare !
A Aus dem Kreise Alsfeld, 2. September. Mit dem Beginn dieser Woche sind die Brodpreise abermals in die Höhe gegangen «wb zwar in einem Grad, wie er ansängt bedenklich zu werden. Nachdem seither der vierpfündige Laib Brod 52 Pfg. gekostet, stieg er aus 55 Psg. und jetzt aus 58 Pfg. und 60 Psg. Das bedeutet gegen das vorige Jahr eine Preisdifferenz von 15—18 Pfg. per Laib. Allgemein hoffte man, daß mit dem Eintritt der Kornernte auch die Brodpreise wieder zurückgehen würden, wie das in anderen Jabrgängen auch stets der Fall gewesen, allein statt der erhofften Ermäßigung ist abermals eine rapide Steigerung eingetreten. Wo soll das hinaus, fragt man sich unwillkürlich, wenn schon beim Beginn der Ernte die Brodpreise aus einer solchen Höhe stehen? Wie sollen die geringen Leute, die zahlreichen Familien, welche oft pro Tag 2—3 Laib Brod bedürfen, zurecht kommen? So schlecht ist nun aber doch auch
der Stand der Ernte gerade nicht, wenn er auch Vieles zu wünschen übrig läßt, namentlich wegen des Wetters, daß er eine solche Preissteigerung Hervorrufen könntet Likst man doch von anderen Theilen unseres Vaterlandes, daß sogar die Ernteergebnisse die gestellten Erwartungen übertroffen haben. Wir sind ganz Ihrer Meinung, welche Sie in einem gestrigen Artikel von Berlin aus brachten, daß eben andere Factoren wie die culturellen Verhältnisse eine solche Steigerung der Brodpreise künstlich in Szene setzen. An der Zeit wäre es aber in der That, wenn von maßgebender Seite eingeschritten würde, um einem drohenden Nothstande zu begegnen.
□ Dom Vogelsberg, 2. September. Seit dem Gestrigen ist die Jagd auf Hühner und Hasen offen und bereits hört man im Felde die Flinte des Jägers knallen. Allein die Jagdaussichten sind gleich wie im vorigen Jahre nichts weniger als günstig. Namentlich gilt das von den Rebhühnern. Ihnen hat der kalte, regnerische Sommer sehr geschadet und sie im Ausbrüten der Eier gestört oder die Jungen elendiglich zu Grunde gehen lassen. So sieht man gegenwärtig viele Gelthühner (unfruchtbare, die keine Junge haben) im Felde, auch trifft man Ketten an, deren Junge erst die Größe einer Wachtel haben. Bei letzteren ist die erste Brut zu Grunde gegangen und die Henne hat abermals gebrütet. Den Hasen hat indessen die feuchte Witterung nicht so sehr zugesetzt, obgleich sie ihnen ja auch nicht günstig war.
Friedberg, 29. August. Eine in den landwirthschastlichen Kreisen hiesiger Gegend mit Freuden aufgenommene Verfügung wurde von Großherzoglicher Kreisschulcommission Friedberg deshalb erlassen, weil infolge der bisherigen ungünstigen Witterung die landwirthschastlichen Arbeiten in diesem Jahre noch zurückstehen und besondere Rücksicht erheischen. Sie lautet dahin, daß, da die den Schulvorständen zur Vertheilung gelassenen 42 Ferientage nicht überschritten werden dürften und eine Verlängerung den mit dieser Woche zu Ende gehenden Sommerferien der nahe herangerückten Herbstferien wegen nicht angängig sei, der Unterricht da, wo es die Verhältnisse gebieten, nach Benehmen mit dem Gesammtschulvorstande so eingerichtet werden dürfte, daß der Nachmittagsunterricht aussällt. Diese Einrichtung kann bis zur Mitte der zweiten Septemberwoche bestehen bleiben. D. Z.
Bremen, 1. September. sPer transatlantischen Telegraph-) Der Schnelldampfer Ems, Capt. R. Sander, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. August von Bremen und am 23. August von Southampton abgegangen war, ist gestern 10 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.
Verkehr, £an6* rrn- Volkswtrthschaft.
S Abev-Geernen, 1. September. Der heute hier abgehaltene zweite diechahrige Viehmarkt war schwach befahren. Aufgetrieben waren ca. 50 Stück Rindvieh und 90 Stück Schweine. An Rindvieh waren meistens trächtige und junge Kühe aufgetrieben, wovon das Stuck mit 250—300 Mark verkauft wurde; 1—IV-jährige Rinder wurden mit 140-150 Mark per Stück bezahlt; zweijährige Stiere
A ™ aar —500 Mark. Kälber von 3/< Jahren wurden c ; ,—60 Mark bezahlt. An Schweinen waren meistens Frühjahrs- Einlegeschweine vorhanden; von letzteren kostete das Stück 50—60 Mark. Zuchtschweine kosteten das Stück 80—100 Mark. Im Ganzen wurde nur ca. Vg des vorhandenen Viehes verkauft. Der nächste Markt findet am 6. October statt.
„ ^«tbarg, 2. September. Fruchtmarkt. Rother Wetzen .Ä 20.26 weitzer Wehens Korn X 18.25, Gerste X 11.50, Hafer JL 8.25 , Erbsen —, Kartoffeln —.
Gottesdienst der israelitischen Religiovsgesellschast.
Freitag Abend 6CO Uhr, Samstag Vormittag 8»° Uhr, Samstag Nachmittag 400 Uhr, Samstag Abend 71* Uhr. 0
Temperatur in Gießen.
August 1891.
Niederste.......+ 6,5 OR.
(An einzelnen Stellen wurde am 18. früh Reif
beobachtet.)
Mittlere . . . . . . . 4-12 80
Mittel früherer Jahre.....+ 13'65 "
Höchste........4- 22,1 "
Niederschlag an 10 Tagen.....1,29 Par Holl.
„ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,32 °
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Temperatur der Lahn und Lust gemeßen am 3. September, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15, Luft 20i/2 Grad Reaumur.
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