Ausgabe 
3.11.1891
 
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Nr. 256

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Dienstag den 3. November

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rlintlichev Theil.

Gießen, den 31. October 1891.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreise-.

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch rückständig sind, an Erledigung, unseres Ausschreibens vom 1. October 1891. (Gießener Anzeiger Nr. 230) _____________ v. Gagern.__________________

Gießen, den 30. October 1891.

Betr.: Die Auslegung des Art. 32 des Jagdstrafgesetzes.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises, das Großh. Polizeiamt Gießen, das Grotzh. Polizeieommissariat Arnsburg und die Grotzh.

Gendarmerie des Kreises.

Es hat sich als zweckdienlich herausgestellt, daß bei An­zeigen auf Grund das unten abgedruckten Art. 32 des Jagd- ftrafgesetzes angegeben werde, wo und zu welcher Zeit das verkaufte oder feilgebotene Wild erlegt worden ist.

Wir beauftragen Sie daher, das Ihnen unterstehende Polizei-Aufsichtspersonal, insbesondere die Feldschützen, dem­gemäß anzuweijen, bezw. selbst darnach zu verfahren.

v. Gagern.

Art. 32.

Wer Wild innerhalb der für solches bestimmten Heeg­zeit verkauft oder feilbietet, wird mit einer Geldstrafe von 1,80 bis 34,30 Reichsmark und Confiscation des verkauften oder feilgebotenen Wildes bestraft, es sei denn, daß er sofort durch ein von dem zuständigen Jagdpolizeibeamten ausgestell­tes oder beglaubigtes Attestat nachweisen kann, daß das Wild in einem der in Art. 30 bezeichneten Ausnahmsfälle von den Jagdberechtigten befugter Weise erlegt worden sei.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 31. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Kreisarzt Medi- cinalrath Dr. Follenius aus Gießen, den Oberamtsrichter Hofmann aus Nidda.

Darmstadt, 31. October. Mit Allerhöchster Ermäch­tigung Seiner Königlichen Hoheit des Groß Herzogs wurde der Großh. Landgerichtsrath Gustav Cellarius in Darm­stadt für die Dauer der Verhinderung des Großherzoglichen Ministerialraths Dr. Ditrmar mit Aushilfeleistung im Ministerium des Innern und der Justiz, Section für Justiz­verwaltung, beauftragt.

Berlin, 31. October. Die Kaiserin Augusta Victoria traf am Freitag Abend zur Theilnahme an den Tausfeierlichkeiten bei den erbprinzlichen Herrschaften in Gera ein, von der Bevölkerung jubelnd und festlich em­pfangen. Am Samstag Abend 6 Uhr 15 Min. trat die hohe Frau die Rückreise nach Potsdam an.

Der Kaiser wird dem Herzog von Alten­burg am 26. November einen Besuch im Jagdschloß Hummels­hain abstatten. Man wird sich erinnern, daß ein Besuch des Kaisers in Hummelshain schon im vorigen Jahre beabsichtigt war, dessen Ausführung aber noch in letzter Stunde wegen einer Unpäßlichkeit des Kaisers unterblieb.

Berlin, 31. October. DenBerl. Polit. Nachrichten" zufolge begannen heute die Conferenzen der Delegirten Deutschlands und Oesterreich-Ungarns wegen Regelung der Beziehungen im Patent- und Musterschutzwesen zwischen den beiden Reichen.

Berlin, 31. October. Nach derPost" hatte sich der Ezar wegen der russischen Hoftrauer alle Empfangsfeierlich­keiten verbeten.

Lauenburg, 31. October. Amtliches Wah lres ultat. Von 20,037 abgegebenen Stimmen fielen 11,861 auf Hof­besitzer Gustav Dau (dsr.), 7868 auf Rittergutsbesitzer Major von der Osten (cons.) Ersterer ist also gewählt.

Ausland.

Wien, 31. October. DerPresse" zusolge wird gegen­wärtig auch Seitens Oesterreich-Ungarns die Aufhebung des Einfuhrverbots amerkanischen Schweine­fleisches ventilirt, da die Vereinigten Staaten bestrebt seien, ihre Vorschriften den Anforderungen einer verläßlichen Veteri­närpolizei anznpassen.

Paris, 81. October. Der Siegelbewahrer legte dem Ministerrath einen Gesetzentwurf, betreffend die Beför­derer der Unzucht vor. Vermiether und Cafetiers sollen von drei Monate bis zwei Jahre Gesängniß erhalten. Die Strafe für Zuhälter wird nach dem code penal bemessen, zuzüglich fünfjähriger Ausweisung.

Paris, 31. October. Neben dem Gesetz gegen das Zuhälterwesen wird behufs Unterdrückung unzüchtiger Public ationen ein Spezialgesetz ausgearbeitet.

London, 31. October. Nach hier eingetroffenen Privat- depefchen über das Erdbeben in Japan sind in der Pro­vinz Nagoya 18,000 Häuser zerstört, 2000 Personen getödtet wordcn. In der Stadt Gifu wurden 5000 (?) Gebäude zer­stört und 5000 Menschen getöbtet; die Städte Ogakt, Kano und Kasamutso mit 50,000 Einwohnern und die dortige Eisen­bahn sind zerstört.

London, 31. October. DerMormngpost" zufolge ver­sicherte die deutsche Regierung der englischen, daß den Deutschen in Ostasrika besohlen wurde, die beiderseitigen Ver­träge genauest zu beobachten.

Washington, 31. October. Die Regierung scheint zu den schärfsten Maßregeln gegen Chili entschlossen zu sein. Es wurden Kriegsschiffe in Bereitschaft gesetzt.

Konstantinopel, 31. October. DerAgence de Con- stantinople" zufolge lautet das Rundschreiben der Pforte an die Botschafter hinsichtlich der Judeneinwanderung folgendermaßen: Um den aus der Anhäufung von israelitischen Einwanderern für die öffentliche Gesundheit sich ergebenden Gefahren vorzubeugen, muß die Pforte als prophylaktische Maßregel jüdischen Einwanderern das Betreten des türkischen Gebietes untersagen. Der Minister des Aeußern ersucht in Folge dessen die Botschafter, die Schiffsgesellschaften auf­zufordern, den Einwanderern die Beförderung nach dem tür­kischen Reiche zu verweigern, indem sie die Seebehörden beauf­tragt, dieselben nicht landen zu lassen.

Neueste Had?rict?tete.

Wolffs irtegrLpkstschrS Tkinespondenz.-Surcon

Wien, 1. November. Die Baronin Suttner erhielt von dem Grafen Leo Tolstoi ein Schreiben, in welchem er sie zu ihrem gegen den Krieg gerichteten RomanDie Waffen nieder" beglückwünscht- gleichzeitig aber bemerkt, er glaube nicht, daß das Schiedsgericht ein wirksames Mittel sei, den Krieg abzuschaffen,- er sei eben mit der Vollendung einer Schrift über diesen Gegenstand beschäftigt, in welcher er von dem einzigen Mittel spreche, das feiner Meinung nach Krieg unmöglich machen könnte.

Paris, 1. November. In der Nähe des Bahnhofes von Poves (Departement Eure et Loire an der Orleans-Bahn) ist ein von böswilliger Hand vorbereiteter, aber noch recht­zeitig entdeckter Versuch gemacht worden, einen Zug zur Entgleisung zu bringen. Nach den Thätern wird eifrig geforscht - es sind Anzeichen vorhanden, welche beweisen, daß die­selben mit den Einrichtungen der Eisenbahn wohl vertraut sind.

Paris, 1. November. Nach officiellen Meldungen aus Petersburg verbietet ein kaiserlicher Ukas von heute ab die Ausfuhr aller Cerealien mit Ausnahme des Weizens. Die bereits verladenen Mengen können noch com- pletirt werden, wofern sie innerhalb drei Tagen zur Expedition gelangen.

Washington, 1. November. (Reurermeldung.) Aus Regierungskreisen verlautet nichts, was auf weitere Com- plicationen in dem Stande der chilenischen Angelegen­heit schließen lasse. Der hiesige Gesandte Chiles ist über­zeugt davon und hat versichert, daß der Zwischenfall in einer für beide Theile ehrenvollen Weise seine Erledigung finden werde. Ein Telegramm aus Santiago besagt, daß das dortige amerikanische Gesandtschaftsgebäude zum Schutze von Polizeimannschaften bewacht wird.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 2. November. In Anwesenheit des Kaisers wurde gestern Nachmittag der von der Stadt Berlin dem Kaiser gewidmete Brunnen auf dem Schloßplatz enthüllt. Der Kaiser gratulirte dem Oberbürgermeister von Forcken- beck nachträglich zu dessen siebzigstem Geburtstag. Die An­sprache Forckenbecks beantwortend, rühmte der Kaiser dessen erfolgreiche Amtsthätigkeit und wünschte derselben noch eine recht lange Dauer. Er sei als geborener Berliner besonders über den neuen Schmuck Berlins erfreut. Der Kaiser gab dem Brunnen den NamenSchloßbrunnen"- im Gespräch mit dem Stadtbaurath Hobrecht bekundete er ein lebhaftes Interesse für die städtischen Angelegenheiten.

Antwerpen, 1. November. DerPrecurseur" theilt mit, der chilenische DampferMillo", welcher ab hier nach Val­paraiso ging, sei auf der Magelhanstraße untergegangen und 70 Personen ertrunken.

Localer uttö provinzieller.

Gießen, 2. November 1891.

Coucertverein. Das erste diesjährige Concertvereins- concert bot quantitativ und auch qualitativ in Hülle und Fülle recht gute Musik. An Orchestersachen brachte das Pro­gramm die Pastoralsinsonie von Beethoven, die Athalia- ouverture von Mendelssohn und das Intermezzo sinfonico von Mascaquis' epochemachender OperCavalleria rusticana. Die Leistungen des Orchesters unter Leitung des Herrn Musikdirectors Fe Ich ne r hielten sich auf derselben Höhe, auf der sie auch früher standen. Das Streicherchor hat gegen voriges Jahr noch an Glanz gewonnen. Die Sinfonie wie die Athaliaouverture, die so reich ist an schöner, weicher Empfindung, waren dem Publikum von früher her alte, liebe Bekannte. Das Intermezzo sinfonico des so überaus schnell zur Berühmtheit gelangten Italieners war Novität. Es übt in der Oper selbst einen wahrhaft fascinirenden Eindruck - zu diesem führt größtentheils die Eigenthümlichkeit der Situation, in der gerade das Musikstück ertönt. Aus seinem Zusammenhang gerissen, vermag dies an und für sich aller­dings ganz reizende Cabinetstückchen nicht im Entferntesten so zu wirken, wie gerade in der Oper. Dies gilt auch von der gestrigen Aufführung. Als Solisten wirkten in dem Concert die Pianistin Frl. E. Rouge auö Berlin, die Sängerin Anna Mosebach aus Frankfurt a. M. und der Cellist Herr Kammermusiker H. Kruse aus Cassel. Frl. Rouge hatte sich in dem Grieg'schen A-moll-(Soncert eine technisch wie musikalisch überaus schwierige Composition ge­wählt. In technischer Beziehung gebührt der Leistung ganz unbedingte Anerkennung. In der musikalischen Interpretation bietet Grieg mit seinem typisch nordischen, manchmal etwas bizarrem Gepräge die größte Schwierigkeit. In dieser Hin­sicht bot Frl. Rouge vor Allem Selbständigkeit- dies muß anerkannt werden, auch wenn man nicht der individuellen Auffassung bis ins Kleinste zustimmen konnte. Auch in den Solosacheu machte sich die Dame in der vortheilhastesten Weise bekannt. Hier sei aber bemerkt, daß die tändelnde, oft triviale, und musikalisch recht unbedeutende Staccato- Caprice von Bogrich, eigentlich nicht in den Rahmen des Concertes gehörte. Die Leistungen der Sängerin Frl. Mosebach waren im Liede recht sympathische- nicht ganz denselben Eindruck vermochte die Dame als dramatische Sängerin mit der FidelioarieAbscheulicher" zu machen. Der Stimme ist Kraft und Innigkeit nicht abzusprechen, die­selbe ist aber nicht besonders groß. Kops- und Brustregister waren nicht so gut ausgeglichen wie die weit ausgedehnte Mittelstimme. Den überaus günstigen Eindruck machte der Cellist Herr Kruse mit seinem kurzen SoloKol nidrei oon Bruch. Geradezu absolute Reinheit, ausgezeichnete Bogen- sührung, dabei noble Auffassungsgabe, die alles hypersenti­mentale Wimmern, was bei vielen Cellisten fast lächerlich wirkt, vermeidet, ließ den Vortrag als einen künstlerisch ge­reiften und vollendeten erscheinen. Wo die Harfe beschäftigt wurde, waren die Partieen stets nicht so bedeutend, daß das Instrument als Solo besonders hervortrat.

Neues Theater. Nachdem dieHaubenlerche" vor voll­besetztem Hause sich Sonntag Abend wiederum einen ungeteilten Beifall errang, geht heute Dienstag den 3. November ein Lustspiel von Fritz Brentano:Durchlaucht haben geruht!" in Scene. Der Autor, ein ausgezeichneter Schriftsteller und bekannt durch seine vorzüglichen Humoresken, bedarf wohl keiner besonderen Empfehlung.

Wohlthätigkeils-Bazar. Wie uns mitgetheilt wird, hat die Sammlung von Gaben für den Ende dieser Woche stattfindendcn Wohlthätigkeits-Bazar im Club guten Erfolg gehabt und werden sehr hübsche Gegenstände zum Verkaufe kommen und verloost werden. Diejenigen Familien, welchen die Sammelliste aus Versehen nicht vorgelegt wurde und welche geneigt wären, für den wohltätigen Zweck noch Gaben zu spenden, sind gebeten, solche in den nächsten Tagen bei Freifrau v. Gagern (Schüler'sche Villa) abgeben zu lassen.

Von der Universität. DerDarmst. Ztg." wird von hier geschrieben: Die Berliner Studentenschaft hat an die Studirendeu der Landesuniversität eine Einladung zu dem am 7. November stattfiudenden Festcommers für die Pro­fessoren Helmholtz und Virchow ergehen lassen. Da an der hiesigen Universität kein Studenten-Ausschuß besteht, was '' sich bei derartigen Gelegenheiten stets unangenehm fühlbar