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Donnerstag den 2. Juli

(Siebener Anzeiger.

Beilage zn Rr. 150. - 1891

Feuilleton.

Afrika.

Eine allgemeine Uebersicht.

(4. Fortsetzung.)

Der südliche Theil dieser Scholle ist fast nur im Kap- lande genauer bekannt. Dort liegt über altem gefalteten archäischen und paläozoischen Gebirge, das sowohl an der Küste wie auch im Innern, besonders am Oranje und nörd­lich desselben vorkommt, die von Schenck neuerdings unter­schiedene Kap-Formation in der Form einer großen Mulde zwischen den Zwartenbergen und dem Vaalfluß. Aus sie folgt nach oben die Karroo-Formation, die von Schenck in die Zeit zwischen Karbon und Trias, also in den Schluß der paläozoischen und den Beginn der mesozoischen Zeit gestellt wird. Die Kap-Formation mit dem Tafelbergsandstein gehört demnach in noch ältere Zeit."

Die untersten Ablagerungen der Karroo-Formation be­stehen aus eigenthümlichen Conglomeraten mit gekritzten und geglätteten Geschieben, die in den Verdacht glazialer Bil­dungsweise gekommen sind, so daß ernstlich von einer früheren Eiszeit in der Steinkohlenperiode gesprochen werden durste. Im Uebrigen sind die Ablagerungen derKarroo- sowohl, als auch der Kap-Formation großentheils Sandsteine, Schiefer, Schieferthone, sowie auch Kalksteine. Dazu treten bedeutende Mengen von alten Eruptivgesteinen, besonders diabasähnliche, sowie auch melaphyrartige, petrographisch schwer zu be­stimmende Gebilde. In der Karroo-Formation fehlen alle Reste von Meeresthieren, dagegen führt sie solche von Land- thieren und gilt darum für eine Süßwasserseebildung. Da diese Karrooschichten fast ganz horizontal gelagert sind, können sie seit den Zeiten der Karbonformation nicht gefaltet gewesen

sein- und da außerdem im ganzen südlichen Afrika, mit Aus­nahme der Küsten, alle jüngeren Meeresbildungen bis zum Quartär fehlen, muß geschlossen werden, daß seit der Karbonzeit in ganz Südafrika keine Meeresbedeckung wieder eingetreten ist.

Afrika südlich des Aequators ist eines der ältesten Fest­länder und muß seit der paläozoischen Periode stets aus dem Meere hervorgeragt haben. Die im Kaplande geschilderten Verhältnisse setzen sich nämlich, soweit wir bis jetzt sehen können, auch durch das ganze übrige südäquatoriale Afrika fort. Dort liegen überall Sandsteine und ähnliche, der Karroo-Formation wahrscheinlich entsprechende Gesteine über dem alten Grundgebirge, so daß im Innern steter Wechsel von Granit, auch Gneis und Sandstein herrscht, der nur an den Rändern des Tafellandes unterbrochen wird, wo durch die Wasserläufe das alte archäische Grundgebirge stärker an­geschnitten ist und eine größere Mannigfaltigkeit von Ge­steinen zeigt.

Dieser Wechsel zwischen altem Grundgebirge und hori­zontal darüber ausgebreiteten, häufig dem Alter nach un­bestimmbaren Sandsteinen läßt sich aber auch noch über den Aequator nach dem Sudan und Senegambien verfolgen und ebenso hat die schon erwähnte vulcanfiche Zone Ostafrikas ein Gegenbild im Kamerungebirge. Am unteren Congo will Dupont in den stark gefalteten Kalken über den Quarziten und Schiefern des alten Schiesergebirges devonische Ver­steinerungen gesunden haben, doch bedarf diese Angabe noch der Bestätigung.

Tertiäre Schichten sind an den Küsten der südlichen Hälfte Afrikas nicht vorhanden, wohl aber finden sich zahl­reiche quartäre Muschelbänke in verschiedener Höhe über dem Meere und im Innern sind als quartäre Bildungen vor allem die Laterite anzusehen, zellig-poröse, meist gelbe bis rothe Verwitterungsproducte der archäischen Gesteine, sowie der

Sandsteine, die namentlich im Congogebiete enorme Strecken Landes bedecken.

Auch thätige Vulcane fehlen in Afrika nicht, sind aber gering an Zahl. Die Maskarenen und Komoren besitzen thätige Krater- auf dem Festlande kennen wir den Erteali, Dubbi und Ali Bogo im Osten Abessiniens und durch Teleki und Höhnet den Teleki-Vulcan am Rudolssee.

Endlich besteht auch die große Insel Madagaskar wie die Hauptmasse Afrikas aus einer Granitunterlage mit hori­zontal aus dieser liegenden Sandsteinschollen, tertiären Bil­dungen am Westrande und vulkanischen im Innern.

Während nun das Atlasgebiet einer starken Faltung unterworfen war, sehen wir in dem übrigen Afrika nur in den ältesten Formationen, der archäischen und paläozoischen Unterlage, Spuren von Faltung. Dagegen ist die große afrikanische Scholle dem zweiten wichtigen tektonischen Factor, der Streckung, Zerreißung und Raumerweiterung in hohem Grade unterworfen gewesen. Naturgemäß zeigt sich die Wirkung der Streckung in Gestalt von Brüchen und Ab­senkungen vor Allem an den Rändern des Continents. So sind namentlich an der Südost- und Nordostküste gewaltige Abbrüche zu erkennen.

Es scheint aber, daß auch im Innern Afrikas diese Bruchbildung vorgekommen ist und vielleicht noch jetzt an­dauert. Die beiden langgestreckten Seen Tanganika und Njassa, vielleicht auch die Furche des Albert-Edward- und des Albertsees erinnern schon in ihrer Form an Grab­versenkungen - ihr Wasserspiegel liegt mehrere hundert Meter unter dem Niveau des Tafellandes. Wahrscheinlich zieht vom ostafrikanischen Seengebiete eine Spalte zum Rothen Meere, welches selbst einer Grabversenkung seine Entstehung verdankt.

(Schluß folgt.)

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