Donnerstag den 2. April. Gietzener Anzeiger♦ Beilage zu Nr. 75. - 1891.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 28. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 21. März den Rath bei der Brandversicherungscommission Brandver- ficherungsrath Karl Hechler von der ihm gleichzeitig übertragen gewesenen Stelle eines Secretärs gedachter Commission mit Wirkung vom 1. April 1891 zu entheben- am 21. März den Kreisbauasseflor Friedrich Zimmer aus Lich zum Brandversicherungs-Jnspector, und den Finanzaspiranten Heinrich Schneider ans Leeheim zum Calculator bei der Brandversicherungscommission — beide mit Wirkung vom 1. April 1891 zu ernennen.
Darmstadt, 31. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 28. März den Lehrer an der Realschule zu Bingen Hermann Jäger zum Director der Realschule zu Butzbach, und den Lehrer an dem neuen Gymnasium zu Darmstadt Dr. Joseph Hahn zum Director der Realschule zu Heppenheim, den Wasserbauassessor Hemrich Simon zu Mainz zum Eisenbahnbauassessor, den Baumeister Franz Frenay aus Mainz zum Kreisbauassessor, den Baumeister Rudolf Schmitt aus Alsfeld zum Wasierbauassessor, sämmtlich mit Wirkung vom 1. April l. I., zu ernennen.
Darmstadt, 31. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: dem Ober- consistorialrath Superintendenten Dr. K. Sell dahier das Comthurkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.
Darmstadt, 31. März. Seine Königliche Hoheit der Erbgroßherzog begaben Sich heute nach Potsdam, um Sich morgen zum Eintritt m das 1. Garde-Regiment z. F. zu melden.
Darmstadt, 31. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen am Samstag, den 28. d. Mts., u. A. den Hauptmann G o l d m a n n vom 2. Großherzogl. Hess. Jnf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116.
Berlin, 31. März. Am deutschen Kaiserhofe wurde das Osterfest in der üblichen Weise begangen, doch erfuhr die Osterseier am Berliner Hofe diesmal insofern eine Veränderung, als die Kaiserin sich zu Ostern auf einen Tag nach Dresden begeben hatte, um der Confirmation ihrer jüngeren Schwester, der Prinzessin von Schleswig-Holstein-Augustenburg, beizuwohnen. Das Programm für den Aufenthalt der Kaiserin in Dresden war ein sehr einfaches, es bestand nur in einem Besuche der Königin Carola, in der Beiwohnung der Confirmation der Prinzessin von Schleswig- Holstein und in einem Diner bei der zur Zeit ebenfalls in Dresden weilenden Mutter der Kaiserin.
— Am 1. April feiert der politische Begründer des neuen deutschen Reiches, der ehemalige langjährige Reichskanzler Fürst Bismarck seinen 7 6. Geburtstag, und es wird für viele Vaterlandsfreunde
erfreulich sein, zu hören, daß Fürst Bismarck sein 76. Lebensjahr verhältnißmäßig in guter Gesundheit vollendet. Aus verschiedenen Städten wird auch berichtet, daß Vereine und Corporationen beabsichtigen, den Geburtstag des Fürsten Bismarck festlich zu begehen.
— Die Zahl der Mitglieder der Commission ür die zweite Lesung des Entwurfs eines deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs ist, nach einem kürzlich gefaßten Beschluß eitens des Bundesrathes, um zwei erhöht worden. Bisher betrug die Zahl der ständigen Mitglieder der genannten, im Januar dieses Jahres neueingesetzten Commission zehn, welche jetzt durch die Berufung des Directors im Reichs-Justizamt Wirkl. Geh.-RathS Hanauer, aus 11 gestiegen ist, während der Rechtsanwalt beim Kammergericht, Justizrath Wilke, der als nichtständiges Mitglied berufen ist, die Zahl der nichtständigen auf 13 vermehrt. Die Gesammtzahl der Mitglieder der Commission, einschließlich des Vorsitzenden, beträgt jetzt 24.
----- Frankfurt a.M., 31.März. Friedrich Stoltze f. Frankfurts bester und treuester Sohn hat mit den Klängen der Osterglocken die Augen zum ewigen Schlummer geschlossen. Der Dichter Friedrich Stoltze, der Mann mit dem interessanten Kopf, dem geistvollen Gesichte ist zur ewigen Ruhe eingegangen. Die ganze Bürgerschaft trauert um den Heimgegangenen, dessen biederer Character, dessen Ueber- zeugungstreue von Allen ohne Unterschied ebenso offen anerkannt wurde wie seine Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehr. Die Blätter widmen ihm spaltenlange Nachrufe. Der Verstorbene war am 16. November 1816 in der Frankfurter Altstadt, im „Rebstock", dessen Gasthalter sein Vater war, geboren und hatte mit seiner ältern Schwester Annette eine sehr sorgfältige Erziehung genossen. Auf den Wunsch seines Vaters, aber gegen seine eigene Neigung widmete er sich dem Kaufmannsstande. Bei der Firma G. C. Melchior trat er als Lehrling ein, wo der nachmals berühmte Bühnenkünstler Hermann Hendrichs das gleiche Amt bekleidete. Friedrich Stoltze blieb dem kaufmännischen Berufe bis zu dem am 6. November 1833 erfolgten Tode seines Vaters treu, dann warf er die Fesseln von sich und gab sich seiner Neigung, dem literarischen Schaffen, hin. Bei seinem früheren Lehrer Dr. Textor, dem Neffen Goethes, sowie durch eine Reise nach Frankreich suchte er seine Bildung zu vervollkommnen. Im Jahre 1841 erschien die erste Frucht seiner literarischen Thätigkeit, ein Band Gedichte. Vorher war schon eine Reihe von Dichtungen im „Frankfurter Conversationsblatt" erschienen. Friedrich Stoltze war bei dem ihm wohlgesinnten Frankfurter Kaufmann Marquard Seufferheld eine Zeit lang Secretair, machte auf dessen Wunsch auch einen Versuch, die pädagogische Lausbahn zu beschreiten, indeß bei dem Versuch blieb es auch. 1849 kehrte Stoltze von Crefeld, wo er kurze Zeit Hauslehrer war, nach
Frankfurt zurück und vermählte sich mit Frl. Marie Messenzehl. Am 4. August 1884 ist seine Gattin ihm im Tode vorausgegangen. Der Verlust seiner Lebensgefährtin schmerzte ihn tief; er faßte seine Klage in folgende Verse:
So ist es endlich mir gelungen Nach langer Zeit mit Lied und Reim, So hab' ich endlich mir ersungen Für Dich und mich ein eigen Heim- Zwei Kämmerchen getreu erwogen, Zwar klein, doch bei einander dicht, Du bist in Dein's schon eingezogen, Ich komme, ich verlaß' Dich nicht.
Mit Stoltzes Verheirathung begann die Zeit seines reichen Schaffens. Seit 1852 erschien die in Frankfurter- Mundart geschriebene „Krebbelzeitung", die ihm viel Freunde gewann, aber ebenso viel Anfechtungen. 1865 folgte auf die „Krebbelzeitung" die „Frankfurter Latern", die Stoltze mit dem Zeichner Schalk gründete und die mit Ausnahme der Jahre 1866—1872, in welchen Jahren der Herausgeber politischer Flüchtling war, bis jetzt forterschienen. Dies Wochenblatt mit seinen politischen und unpolitischen Liedern, seinem humoristisch-satirischen Inhalt ist allenthalben bekannt. Schwere Schicksalsschläge sind Stolze nicht erspart^ geblieben. Er sah drei Söhne sterben, darunter einen Sohn im Alter von 23 Jahren. Zwei Töchter von ihm leben hier und ein Sohn in Ravensburg. Stoltze kränkelte seit Frühjahr 1890. Im vorigen Sommer suchte er im Bad Königstein Erholung, aber er fand sie nicht. Sein Zustand, der sich zum Schluß als ein schmerzhaftes Leberleiden characterisirte, wurde schlimmer und am Osterabend ist der Sänger Frankfurts entschlafen. Das Leichenbegängniß Friedrich Stoltzes gestaltete sich zu einer wahrhaft großartigen Trauerkundgebung. Eine unendliche Fülle von Blumen und Kranzspenden schmückte das Studirzimmer des Verblichenen, dessen sterbliche Reste dortselbst aufgebahrt worden waren. Unter dem Trauergefolge befanden sich die Herren: Oberbürgermeister Adickes, Bürgermeister Dr. Heuffenstamm, Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, Intendant Claar, Vertreter der Presse, Freunde von auswärts, Deputationen von Vereinen rc. rc. Der Zug der Leidtragenden zählte nach Tausenden. Auf dem Friedhöfe wurde des Sängers sterbliche Hülle von den Klängen der Feuerwehrcapelle und dann von einem Choral des Theaterchors empfangen. Am Grabe sprach zuerst Sonnemann, der im Namen der deutschen Volkspartei einen Kranz niederlegte. An zweiter Stelle sprach der Stadtverordnete Jean Drill, welcher im Namen der Frankfurter Sängervereinigung einen Kranz niederlegte. Der dritte Redner war Dr. Wilhelm Jordan, der dem treuen Kameraden im Namen der Berussgenoffen einen warmen Nachruf widmete. — Daß Stoltze in seiner Vaterstadt ein schönes Denkmal gesetzt werden wird, kann ich, ohne Prophet zu sein, heute schon Voraussagen.
Bekanntmachung.
Die am 18. d. M. im hiesigen Ge- «eindewald abgehaltene Bau-, Werk- und Nutzholzversteigerung ist nicht genehmigt worden und soll daher abermals
Donnerstag den 2. April I. I.,
von Vormittags 9 Uhr an, abgehalten werden.
Es werden zur Versteigerung kommen 106 Eichen-Baustämme von 14 bis
33 Ctm. mittleren Durchmesser und bis zu 12 Mr. Länge, 40,29 Fstm. enthaltend,
168 Nadel-Baustämme von 14 bis 20 Ctm. Durchmesser und bis zu 20 Mtr. Länge, 65,64 Fstm. enthaltend,
63 Nadel-Derbholzstangen, 6,23 Fm. enthaltend,
1 Eichen-Stange.
Die Zusammenkunft ist am Wege nach Bersrod im District Wilshäuserwald am Eingang des Waldes-
Reiskirchen, am 27. März 1891. Großh. Bürgermeisterei Reiskirchen. 2877 Jünger.
Donnerstag den 2. April, Nachmittags von 2 Uhr an, »erden im Hause des Herrn Merz, Bahnhofstraße Nr. 48, wegzngs- halber verschiedene MSbel u. s. w- versteigert, rote:
mehrere gnte Bettstellen, 5 Wasch- sousole, 1 Waschkommode, 1 Sopha 3 Commoden, 4 Kleiderschränte (etnthür.), 1 deSgt. zwetthür., 1 Wetßzengschrank,
1 neuer Küchenschrank, 1 runder Tisch, mehrere läng- liche Tische, 1 großer Tisch (für Wtrthe geeignet), 23 Stühle, mehrere Spiegel, 1 GestmS, 1 Parthie steinerne Töpfe, HanS- gerüth re.
Im Auftrag: [2824
Hont- Rothenberger, Auktionator.
Versteigerung.
Freitag den 3. April, Nachmittag» von 2 Uhr ab, werd«« im früher Rahn'fch«« Haufe, Wetzsteingaff«, wehrer« Taufend alte Ziegel, Thür««, -O«f«u, Fenster, ei« «och sehr guter kupferner Äeffel und eine Parthie Brenn- und Nutzholz
metstbietend gegen Baarzahlung versteigert.2912
Mittwoch den 8. April l. A,
Nachmittags 2'/r Uhr,
soll auf dem hiesigen Ortsgericht die dem
Martin Schmidt in Gießen gehörige Hofraithe:
Flur I Nr. 797 — 37 Mtr. in der Schloßgasse
öffentlich meistbietend oet steigert werden.
Gießen, den 17. März 1891. Großherzogliches Ortsgericht.
I- V-
2498___________Bogt._________
Donnerstag den 30. April,
Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die der Jost Bellos Wittwe in Gießen gehörigen Immobilien:
Flur 36 Nr. 3,s — 319 Meter Hofraithe unter den alten und neuen Eichgärten am Steinweg,
Flur 36 Nr. 3,t — 606 Meter Grabgarten daselbst
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 17. März 1891.
Großh. Ortsgericht Gießen.
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