Ausgabe 
1.11.1891 Erstes Blatt
 
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Neusahrwasser. Die Abreise hatte sich infolge des Sturmes verspätet.

Washington, 31. October. Es verlautet, Blaine habe dem Gesandten Eg an befohlen, sofort von Chile ab­zureisen.

Danzig, 31. Oct. DerPolarstern" mit der Czaren- familie und dem dänischen Königspaar lief heute Morgen 9 Uhr hier ein. Die Herrschaften wurde von Bot­schafter Schuwalow, mehreren Consuln und den Spitzen der Behörden empfangen.

Locales nttfc provinzielles.

Gießen, 31. October 1891.

Morgen, als am Reformationsfeste, wird früh 7 Uhr, unmittelbar nach dem Festläuten, vom Th urme der Stadt­kirche aus Choral (Ein' feste Burg") geblasen wer­den. . Auch die Gesänge im Hauptgottesdienst werden mit Posaunen begleitet.

Neues Theater.Die Haubenlerche", Schau­spiel in 4 Acten von Ernst von Wildenbruch, hatte bei der gestrigen ersten Aufführung einen unbestrittenen großartigen Erfolg aufzuweisen. Da das ausgezeichnete Werk für Sonn­tag als zweite Aufführung vorgesehen ist, so werden wir uns ein näheres Eingehen auf dasselbe für heute erlassen.

A Concertverein. Mit einem reichen und viel versprechen­den Programm tritt der hiesige Concertverein heute in sein 100. Concertjahr. Aus der im März 1792 von dem Geheimen Medicinalrath Professor Dr. Thom, späterem Großh. Leibarzt, gegründetenMusikalischen Gesellschaft", die ihr erstesLiebhaber-Concert" am 14. deff. Mts. im Gast­haus zumLöwen" hielt, hat er sich im Lause eines Jahr­hunderts zu einem angesehenen Kunstinftitut entwickelt. Mit verhältnißmäßig beschränkten Mitteln hat er seit langen Jahren musikalische Aufführungen zu Stande gebracht, die ihm und unserer Stadt zur Ehre gereichen. Die eigentliche Jubelfeier wird derselbe in zwei aufeinanderfolgenden großen Concerten mit hervorragenden Solisten, im Laufe dieses Semesters in noch näher zu bestimmender Zeit begehen, unter Mitwirkung des akademischen Gesangvereins.

lieber Concert. und Mufikvereine. JrmHinblick darauf, daß der Gießener Concertverein sich anschickt demnächst, das Fest seines 100 jährigen Bestehens zu feiern, dürfte es lohnend sein, aus die Entstehung, Entwicklung und Bethätigung des Concertvereins einen Blick zu werfen. Wie man hört, wird unser Concertverein ein Festbuch herausgeben und in demselben eine Uebersicht seiner Thätigkeit geben. Deshalb können wir unsere Ausführungen allgemeiner halten und müssen dies auch schon, weil uns die Acten des Concertver­eins nicht vorliegen. In den früheren Jahrhunderten waren die Residenzstädte, an denen bekanntlich Deutschland damals unendlich reich gesegnet war, mit ihren Hofcapellen für die betreffenden Länder die Blüthestätten der Musik. Selbst gut situirte Grasen und Barone ließen es sich zuweilen angelegen sein, eine eigeneHof-Capelle" zu halten. Die reicheren und größeren Städte wollten nun gegen diese nicht zxrückstehen, und deshalb errichteten und pflegten sie so­genannteStadtpseisereien." Als Blüthezeit dieser ist das 17. und 18. Jahrhundert anzusehen, in letzterem hatte fast das kleinste Städtchen seinen Stadtpfeifer oder Thürmer, wie dieselben auch genannt wurden, weil sie Wächterdienste zu verrichten hatten. Es ist natürlich, daß die Pflege der reinen Instrumentalmusik in den Stadtpseisereien einen größeren Umsang gewinnen mußte als in den Hofcapellen, weil die hauptsächlichste Bethätigung der Letzteren sich auf Begleitung von Oper und Ballet erstreckte. Die Stadtpseisereien haben sich, so lange sie mit mannichfachen Privilegien ausgestattet waren, lange bis in unser Jahrhundert hinein gehalten- den Todesstoß versetzte ihnen die Gewerbefreiheit. Allein schon längere Zeit vor der Gewerbesreiheit gingen sie einen Krebsgang- der Grund dafür liegt in der Entwicklung der Musik. Am Ende des vorigen Jahrhunderts und zu An­fang des unsrigen wurden Haydn und Mozarc in ihren Sonaten und Kammermusiken allmählich dem größeren Theile der Musikfreunde lieb und werth. Da war es natürlich, daß man auch bald bestrebt war, die Orchesterwerke jener Meister kennen zu lernen. Auch das Gestirn Beethovens fing eben an zu dämmern- die erste (unserm verwöhnten Publikum jetzt zu fimpel erscheinende) Sinfonie und das erste Clavierconcert jenes Riesen erschienen und setzten die Welt in Staunen. Aber nicht blos das Publikum, sondern auch die Stadtpfeifer- einerseits boten ihnen diese Sachen unge­wohnte technische Schwierigkeiten, andererseits sahen sie ein, daß die einfache Besetzung ihres Orchesters nicht mehr ge­fügte. Wie nun die Ausübung der Musik dem Dilettentismus in vielen Fällen geradezu ihre Existenz verdankt, so auch hier. Dilettanten unterstützten den Stadtpfeifer und bildeten mit der kleinen Zahl der Berufsmusiker ein Concertorchester. Aus dem Zusammenwirken dieser beiden Elemente entstanden zum größten Theil diejenigen Vereinigungen, welche den Namen Concert-, Musikverein, philharmonische Gesellschaft rc. führen - dieselben sind noch heute die vornehmsten Vermittler der höheren Instrumentalmusik für Deutschland. Ganz ver­einzelt begegnet man zwei derartigen Vereinsbildungen aller­dings schon im Ausgang des 17. Jahrhunderts. Es sind dies das Collegium Musicum zu Winterthur und das Collegium 'Ultrajectinum in Utrecht. Ein rechter Fluß in die Vereins­bildung kam aber demnach erst ums Jahr 1800. In manchen Städten nahm man Beigaben und Gewohnheiten, die in den Concerten der Stadtpfeifer obgewaltet hatten, in die neuen Verdinigungen mit hinüber- so z. B. Tanz, Festessen rc. Ein Ueberrest hiervon scheint sogar jetzt noch in Leipzig er­halten- die Gewandhausgesellschaft dieser Stadt hält nämlich noch alljährlich einen solennen Ball ab. Die erst in unserem Jahrhundert gegründetenVereine dugegenscheinendieMusik einzig und allein als Ausgangspunkt gewählt zu haben. Das durch die

Concertvereinigungen hervorgerufene Kunstinteresse, kaum zu wirklichem Dasein erstanden, hatte bald ganz außerordentlich durch die Napoleonischen Kriege zu leiden. Manche Vereine gingen in dieser Zeit völlig ein, andere fristeten ein sieches Leben und erholten sich erst wieder nach langen Jahren. Außerdem nahm noch der Umstand, daß allmählich mehr und mehr Stadtpfeifereien eingingen, vielen Concertvereinen ihre Kern­truppen. Gerade die kleineren Mittelstädte wurden hiervon am meisten betroffen - sie erholten sich erst, wenn sie Gar­nisonstädte wurden und Vollbesitze Militärcapellen erhielten. In manchen Städten stellen sich jetzt ganz allein die Militär­capellen in Dienst der Concertvereine, in größeren vereinigen sich die Stadtcapellen mit den Collegen vom Militär, und bilden sowohl zu ihrem eigenen wie dem Frommen und Gedeihen der Concertinstitute ein einziges großes Orchester. Der ausübende Dilettantismus ist leider mehr und mehr aus den Concertvereinsorchestern geschwunden. Die Entwicklung und Bethätigung der Concertvereinsinstitute hat sich natur­gemäß nach der Litteratur der Orchestermusik gestaltet. Bei manchen neuen Erscheinungen haben einst und jetzt die Musiker, wenn es an die Aufführung gehen sollte, den Kopf geschüttelt, aber schließlich ist man doch gewöhnlich dann über alle tech­nischen Schwierigkeiten weggekommen. Es gingen z. B. noch in den zwanziger Jahren die Musiker des be­rühmten Pariser Conservatoriums nur mit Hangen und Bangen an die Eroica- die Herren an der Clarinette, Oboe und Fagott im Gewandhaus zu Leipzig weigerten sich sogar bei der ersten Aufführung der o-dur-Smsonie von Fr. Schubert mitzublasen, weil ihre Stimmen unausführbar seien- wie staunten die Wiener Musiker, als sie in ihre Stimmen zur Neunten Sinfonie sahen! Ja, es ging sogar so weit mit der Neunten, daß ein kurzsichtiger Musiker schrieb, das Werk wäre nicht aus dem Hirn eines vernünftigen Musikers geflossen. Wo die Vorstände von Concertvereinen dies hehrste Werk der Instrumentalmusik in früheren Jahr­zehnten probeweise aufzuführen beschlossen, da erlaubte man sich viele Stellen (namentlich in den Hörnern und Trompeten) derselben so zurecht zu machen, wie es ge­rade die Bläser auszusühren im Stande waren. Diese Stellen werden heutigen Bläsern (nach Erfindung der Ventil­instrumente) ungleich leichter und werden entschieden voll­kommener ausgesührt. Aber dennoch hört man noch ost Bläser (selbst bei Musiksesten!) darüber stolpern, gleichsam, als wären es historisch verhexte Stellen. Unendlich sind die technischen Anforderungen in allen Instrumenten gestiegen, ja sogar so weit, daß man aus den ersten Blick die Horn- stimme einer Rubinstein'schen Sinfonie rc. als Violin- oder Flötenstimme ansehen wird. Unsere tapferen Orchester­mitglieder weichen aber nicht mehr davor zurück. Auck der neuesten Literatur der Instrumentalmusik begegnet man auf dem Programm der Concertvereine. Das wird Alles gemacht, und wenn es die e-äur-Sinfonie von A. Bruckner ist. Hieraus erhellt, daß das Zusammenspiel in den Orchestern ganz wesent­liche Fortschritte gemacht haben muß. Daß die Streicher (namentlich die Geiger) im Verhältniß die Bläser in technischer Beziehung übertreffen, daran ist der veränderte Geschmack unserer Concertvereine zum größten Theil schuld. Es giebt eine reichhaltige, werthvolle Literatur an Concertsachen für ! die Flöte, auch für die Oboe (namentlich die älteren Meister haben dies Instrument gern bedacht), ebenso auch für die jüngere Schwester, die Clarinettte; (mit zu den besten Werken M. v. Webers gehört sein Clarinettenconcert und Quintett, auch Mozart hat uns wahre Perlen für dies Instrument hinterlassen). Selbst Horn, Trompete, Posaune und Fagott haben ihre Concertliteratur. Es existiren werthvolle Ensemble- und Kammermusikwerke, welche entweder nur aus Blasinstrumen­ten sich zusammensetzen oder in welchem eins von den oben genannten Instrumenten neben Geige und Clavier wirkt. Wie außerordentlich selten stehen derartige Compositionen heute auf den Programmen. Da war man doch bis zu den fünf­ziger Jahren rücksichtsvoller- in diesen Zeiten begegnet man Solis und Ensemblestücken von Bläsern noch oft auf den Programmen. Warum heute nicht mehr? Es ist doch natür­lich, daß ein Bläser, indem er sieht, wie sein Instrument in unverdienter Weise nicht mehr für voll angesehen, nicht ge­rade angeregt wird, vorwärts zu streben. Es ist eine Schmach, daß man Flötensolos rc. jetzt eigentlich nur in Bierconcerten hört. Hier müßten vornehmlich unsere Con­certvereine eine Aenderung schaffen. Daß Posaunen-, Fagott- und theilweise auch Trompetensolos nicht mehr wie im vori­gen Jahrhundert in den Concertsaal gehören, versteht sich einigermaßen von selbst. Auch in Betreff der Anfor­derungen, welche man an die Solisten stellt, hat sich Vieles geändert. In früheren Jahrzehnten nahm man als Vocal- wie Jnstrumentalsolisten am liebsten befähigte Vereinsmitglieder. Welche Fortschritte die xeproductive Kunst gemacht hat und wie die Schwierigkeiten, welche an dieselbe herantreten, ge­wachsen sind, daraus weist schließlich auch noch ein anderer Umstand hin. Zu den ersten Zeiten unserer Concertvereine war es noch selbstverständlich, daß der Dirigent selbst die erste Geigenstimme mitspielte- das verbietet sich heute voll­ständig. Bei Mozart- und Haydn'schem Orchester war das wohl möglich, selbst bei Begleitung von Concerten irgend eines Soloinstrumentes. Heute dürfte dies kaum in den allerbesten Orchestern bei Brahms, Schumann und selbst auch Beethoven völlig unmöglich sein.

Kunstverein. Die Gemäldeausstellung im ehemaligen Hosgerichtsgebäude (täglich geöffnet von 11 bis 1 Uhr) hat in den letzten Tagen wiederum eine nach Zahl und Kunst­werth der Gemälde erhebliche Bereicherung erfahren. Neu ausgestellt sind: Scheuermann (München) Abschied- Müller (Düsseldorf) Die erste Cigarre - Asperger (Weimar) Wellenrauschen a. d. Jem- Ludwig (Berlin) Trautchen- Braubach (Cronberg) In der Küche- Kau si d e r (München) Wald-Inneres - Menshausen (Kassel) Studienkops, Damenporträtgruppe, Japanerin- Münch (Vellinghausen) Mandel- und Pfirsichblüthen, Mackartgräser- Wenz (München) Dorspartie, Dünen

ö. d. Nordsee- Schleich (Berlin) Mondnacht, Mühle im Harz , Jentzen (Berlin) Blumenstrauß - Semenowskh (Paris) Zigeunerin- Reh ar (Berlin) Venezianer.

Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht: am 10. October den außerordentlichen Professor an der Universität Leipzig Dr. Ernst Beckmann zum außerordentlichen Professor an der philo­sophischen Facultät der Landes-Universität mit Wirkung vom 17. October d. I. an zu ernennen und in der gedachten Eigenschaft zu berufen.

Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche der Großherzogthums Hessen Nr. 16, ausgegeben am 28. October, enthält: 1) Außschreiben Nr. 26 vom 16. October 1891, betreffend den evangelischen Religionsunterricht in den Volks­schulen. 2) Ausschreiben Nr. 27 vom 6. October 1891, betreffend die Anlegung von Capitalien bei Spar- und Darlehenskassen. 3) Dienstnachrichten. 4) Concurrenzeröff- nungen.

An im Großherzogthum Hessen lebende Erfinder wurden letzthin folgende Pateute ertheilt: Treppenroststab - A. Römheld in Friedrichshütte bei Laubach in Hessen, vom 27. März 1891 ab. Ledersalzmaschine, Zusatz zum Patente Nr. 50 905- W. Hartmann und I. Thomson in Offenbach a. M., vom 29. April 1891 ab. Neuerung an Oefen für Briquettes- Feuerung- Buderus'sche Eisenwerke in Hirzenhainerhütte, Eisenbahnstation Hirzenhain, vom 26. August 1890 ab. Dampfdruckminderer mit selbstthätigcm Durchlaß- und mittelst Nebenleitung bethätigtem Regelungsventil- W. Kuhlmann irr Offenbach a. M., vom 30. October 1890 ab.

Bad Salzschlirf (Oberhessen). Auch in der diesjährigen Saison hat trotz der Unbill der Witterung die Frequenz des hiesigen Bades wieder bedeutend zugenommen. In der hohen Saison waren außer den Wohnungen der zum Bade gehörigen fünf Logirhäuser sämmtliche Privatlogis (einschließlich der voriges Jahr neu gebauten) besetzt und gab dies Anlaß zu begonnenen weiteren Neubauten, durch welche die Zahl ber Fremdenwohnungen wieder erheblich vermehrt wird. Den Ruf als Heilbad verdankt Salzschlirf seinem Bonisacius- bru nne n und zwar nicht allein aus dem Grunde, daß dieser der Analyse nach der stärkste aller überhaupt existirenden Lithionquellen ärztlich und in den medicinischen Lehrbüchern des In- und Auslandes als wirksamstes Heilmittel gegen Gicht, Rheumatismus, Harngries und -Stein, Nieren- und Blasenleiden empfohlen wird, sondern weil dessen tatsächliche Heilerfolge gegen genannte Krankheiten derartige sind, wie sie durch kein anderes Mineralwasser oder Arzneimittel erreicht werden können. Viele durch Gicht und Rheumatismus voll­ständig gelähmte Kranke und ebenso an Nieren- und Blasen­krankheiten schwer leidende Patienten finden alljährlich durch den hiesigen Curgebrauch Heilung, die sie vordem in den renommirtesten Weltbädern vergeblich gesucht hatten. Wer den Bonifaciusbrunnen nicht hier an der Quelle zu trinken vermag, kann es mit gleich gutem Erfolge zu Hause thun, da er sich auf der Flasche vollständig unverändert erhält. Niederlagen desselben befinden sich in allen Mineralwasser- Handlungen- auch erfolgt directe Lieferung nebst Zusendung von Gebrauchsanweisung durch die Brunnenverwaltung zu Salzschlirf.

-dt. Neu - Ulrichstein , 31. October. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro October 18 91. Ende October 1891 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 57 Mann. Dieselben vertheilen sich aus das Groß­herzogthum Hessen 13. Königreich Preußen: Provinz Berlin 1A Provinz Brandenburg 2, Provinz Hannover 1, Hessen- Kassel 6, Provinz Hessen-Nassau 11, Provinz Pommern 11 Provinz Rheinlande 1, Provinz Schlesien 1, Provinz West­falen 1- Königreich Bayern 6, Königreich Württemberg 2,. Großherzogthum Baden 3, Großherzogthum Mecklenburg 1; Herzogthum Braunschweig 1 - thüringische Staaten 4. Freie Stadt Bremen 1. Ausland: Kaiserreich Oesterreich: Wien 1. Hiervon waren: Anstreicher 1, Arbeiter 19, Bäcker 1, Färber 1, Former 1, Glaser 1, Goldschläger 1, Gürtler lr Kaufleute 7, Krankenwärter 1, Kupferschmied 1, Metzger 1, Schlosser 2, Schuhmacher 3, Schneider 6, Schreiber 3, Schmiede 1, Seiler 1, Strumpfwirker 1, Schweizer 1, Tüncher 2, Weber 1. Im Monat October wurden ent­lassen 5 Mann, und zwar durch eigenes Bemühen 1, auf eigenen Wunsch 2, wegen Arbeitsunfähigkeit 2. Verpflegungs­tage im October 1891 : 1524. Gearbeitet wurde an 1382 Tagen, hierunter 344 Tage für fremde Rechnung. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 1781 Mann, dagegen abgegangen im Ganzen 1724- bleibt Bestand 57 Mann.

Darmstadt, 30. October. Von nächsten Montag an wird in den sechs städtischen Volksschulen (wieder mit der Verab­reichung warmen Frühstücks an arme, schwächliche und kränkliche Schulkinder begonnen. Das Frühstück besteht, wie im vorigen Winter, in 1/4 Liter (V2 Schoppen) gekochter Milch und einem Wasserweck von 7080 Gramm Gewicht. Zur Theilnahme an dem Frühstück sind bis jetzt nahezu 550 Kinder ausersehen.

Vermischtes.

* Frankfurt a. M., 30. October. Die Kraftübertragung Lausfen-Franksurt, an welcher von der Prüfungs- Commission während der nächsten Tage weitere Messungen vorgenommen werden, war heute Abend seit Schluß der Ausstellung zum ersten Male wieder in Betrieb. Es wurde mit Strömen bis zu einer Spannung von 26,000 Volt ge­arbeitet. Die an dem bekannten großen Schilde befindlichen 1000 Glühlampen brannten sehr schön.

* Frankfurt a. M., 30. October. Die hiesige Polizei scheint infolge des kaiserlichen Erlasses gegen das Zuhälter- thum in schärferer Weise vorzugehen. Die unter Sitten- controle stehenden Insassinnen des Polizeigefängnisses wurden.