Freitag den 1. Mai (Siebener Anzeiger. Beilage zu Nr. 100. - 189L
Feuilleton.
D i e Lan^meisterin.
Novellette von Jenny Piorkowska.
(Nachdruck verboten.)
„Eins, zwe^ drei, vier, fünf, sechs! — Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs! — Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs! Bitte, Vicomte, den rechten Fuß schneller heben! Etwas mehr auf den Fußspitzen! — Noch einmal, vier, fünf, sechs! — Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs
Ein Jeder, der Mademoiselle Gervaux kannte, mußte zugeben, daß sie nicht nur die erste Tanzmeisterin von Paris war, sondern daß sie mit ihren lebhaften, lachenden Augen, dem frischen Teint und der geschmeidigen, schlanken Gestalt auch sicher mit zu den hübschesten Mädchen der französischen Hauptstadt zählte.
Dieser Meinung war auch Mademoiselles neuer Schüler, der Vicomte Alphonse Carmignol, ein stattlicher junger Mann, der sich in der wenig angenehmen Lage befand, allein im Zimmer herumchasfiren zu müssen- die verschiedenen Spiegel ringsum zeigten ihm dabei ein Bild, das eingedenk der zwei dunklen Augen, die einen jeder seiner Schritte mit kritischem Blicke beobachteten, keineswegs dazu angethan war, seiner Eitelkeit zu schmeicheln.
Der Vicomte war ein junger Marineoffizier, der längere Zeit im Auslande gedient hatte und erst vor wenigen Tagen nach Paris zurückgekehrt war, wo er in den hohen und höchsten Kreisen aufs Herzlichste willkommen geheißen wurde.
Er hätte wohl noch länger die Freiheit in fernen Landen genossen, wenn ihn nicht besondere Gründe in die Heimath zurückgerufen hätten.
Sein verstorbener Onkel hatte ihn in seinem letzten Willen als Universalerben eingesetzt, unter einer Bedingung, daß derselbe die Tochter seines liebsten Freundes, des Marquis de la Penthiere, zur Gemahlin wählte. Sollte dagegen der junge Mann sich rocigern, die schöne Comteß Marguerite als Gattin heimzuführen oder diese einen andern dem jungen Vicomte vorziehen, so fiele das ganze enorme Vermögen des Erblassers milden Stiftungen zu.
Als letzter Termin zur Erfüllung dieser Clausel, als letzter Tag, an dem beide Theile einander das Jawort geben mußten, war der 20. März bestimmt. Heute war Samstag, der verhängnisvolle Tag war in einer Woche, am nächsten Sonntag. An diesem Tage sollte im Hause des Marquis ein
großes Diner stattfinden, und feine Tochter und der junge Vicomte der Gesellschaft als Brautpaar vorgestellt werden.
Der junge Vicomte hatte seine Ankunft in Paris erst für den 18. März angemeldet- in Wahrheit war er jedoch schon acht Tage früher daselbst eingetroffen, mit der Absicht, die Bekanntschaft der ihm bestimmten Braut zuvörderst in- cognito zu machen.
Gleich am ersten Tage seiner Anwesenheit in Paris erhielt er eine Einladung zu einem Maskenball im Hause des deutschen Gesandten. Das gab ihm die beste Gelegenheit, die Comteß ohne deren Wissen kennen zu lernen.
Um sich aber in der vornehmen Pariser Gesellschaft als liebenswürdiger galanter Vicomte zu zeigen, fehlte demselben eins: er konnte nicht tanzen! Und schnell entschlossen, begab er sich eines Morgens zu der berühmten Tanzmeisterin Mademoiselle Gervaux. Er trug derselben sein Anliegen vor und legte ihr in ungenirter Weise seine ganze Lage ohne Rückhalt dar- er erzählte ihr, wie sehr es ihn danach verlangte, seine zukünftige Gemahlin kennen zu lernen, wie er hoffte, im Haufe der deutschen Gesandtschaft ihre Bekanntschaft in- cognito zu machen und wie dringend er wünschte, bis dahin als gewandter^Tänzer austreten zu können- ob sie das für möglich halte?
„Gewiß," entgegnete Mademoiselle, „ich verspreche Ihnen, mir alle Mühe geben zu wollen, damit Ihre schöne Comteß zufrieden mit Ihnen ist."
Der Unterricht begann an demselben Tage.
Anfangs zeigte der Vicomte großen Eifer, aber es währte nicht lange, so entdeckte er, daß es außer der Comteß — die wenigstens dem Gerücht nach sehr reizend war — auch noch andere junge Damen gab, die ihr an Liebreiz sicher nicht nachstanden! So meinte wenigstens der junge Vicomte, wie er Mademoiselle Gervaux gegenüberstand und sein Blick, anstatt auf die hübschen kleinen Füße und die Pas, welche dieselben ausführten, zu achten, wie gebannt auf den dunklen, lebhaften Augen und der schönen edlen Gestalt haften blieben. Wenn er noch nicht verliebt war, so war er doch nahe daran, und unwillkürlich that er einen tiefen; schweren Seufzer, als er dachte: noch zwei Besuche, und dann ade, du Schöne!
Die letzte Unterrichtsstunde war zu Ende, Mademoiselle hatte ihrem Schüler erklärt, daß es nun nur noch der Uebung bedürfe, ihn zu einem vollendeten Tänzer zu machen.
„So soll ich Ihnen nun Lebewohl sagen?" sprach der Vicomte in weichem Tone, während er Mademoiselles Hand j ergriff und sie zärtlich in seine beiden nahm.
„Es wird Ihnen wohl nichts anderes übrig bleiben- voraussichtlich ist es ein Lebewohl auf Nimmerwiedersehen," versetzte Mademoiselle mit cocettem Lächeln, während ihre dunklen, feurigen Augen ihn mit so beredtem Blick anschauten, daß der junge Vicomte, alle Vorsicht vergessend, ohne Ueber- legung, nur seinen momentanen Gefühlen folgend, den Arm um ihre nur halb widerstrebende Gestalt legte, sie leiden- chaftlich an sich zog und einen zärtlichen Kuß aus ihre schönen Lippen preßte.
„Mademoiselle! Adrienne!" stieß er in höchster Erregung hervor, „ich liebe Sie — reden Sie nicht von Nimmerwiedersehen! Ich will, ich muß Sie Wiedersehen!"
Dunkle Glnth ergoß sich über Mademoiselles Züge- mehrere Augenblicke lang wogte ihre Brust heftig aus und nieder, allmählich aber legte sich die Erregung und auf ihre schönen Züge trat ein Ausdruck der Entrüstung.
„Vicomte," erwiderte sie mit Würde, „Sie vergessen, was Sie sich und vergessen, was Sie mir schuldig sind. Bedenken Sie, daß Sie binnen drei Tagen der Verlobte der Comteß de la Penthiere sind."
„Was kümmert mich die Comteß? Sie, Adrienne, Sie allein liebe ich und keine andere!" ries der Vicomte leidenschaftlich.
„Gemach, mein Freund!" erwiderte Mademoiselle, mit dem Finger drohend, „die Comteß soll schön, ja, sie soll be- strikend schön sein- ein Blick auf sie und die arme Adrienne ist für immer vergessen." '
„Sie irren, Adrienne!" versetzte der Vicomte. „Sie werden stets den ersten Platz in meinem Herzen behalten."
Mademoiselle zog finster die schönen Brauen zusammen.
„Das ist Wahnsinn, so zu mir zu reden!" rief sie, „ja, es ist eine Beleidigung, die ich Ihnen nur unter einer Bedingung vergeben kann."
„Und diese Bedingung? Welcher Art sie auch sei — ich will mir Ihre Verzeihung für meine Kühnheit erringen !"
„Gut denn — ich nehme Sie beim Wort. Sie haben nicht nur mich, nein, Sie haben nicht minder die Comteß beleidigt, und zur Sühne dafür fordere ich, daß Sie ihr bei Ihrem ersten Begegniß gestehen, wie wenig Ihres Namens würdig Sie sich mir gegenüber gezeigt haben."
(Schluß folgt.)
Verdingung.
Die Anlieferung von ea. 200 ebm Uferbausteinen zur Unterhaltung der Uferbauten an der Lahn zwischen Gießen und der Landesgrenze in der Gemarkung Heuchelheim, soll im Wege der öffentlichen Ausschreibung in einem Loose vergeben werden. .
Die Bedingungen sind bei Gr. KreiSbauamt Gießen in den Dienststunden zur Einsichtsnahme offen gelegt und find Angebote bis längsten« den 6. Mai 1891, Vormittags 11 Uhr, geschloffen und mit entsprechender Aufschrift versehen an die unterfertigte Stelle einzusenden.
Mainz, den 27. April 1891.
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