— Wie aus nachfolgenden Ziffern ersichtlich, war der Fleischkonsum in hiesiger Stadt im Jahre 1889 wiederum ein recht erheblicher. Es wurden geschlachtet: 1431 Ochsen, 54 Fassel/^181 Kühe, 1290 Rinder und Stiere, 120 Pferde, 7583 Schweine, 5773 Kälber, 521 Hammel, 370 Schafe, 20 Ziegen, zusammen 17,343 Stück.
rrnwerfitSts. Nachrichten.
Berlin, 29. Januar. Der bekannte Psychiatriker Geheimrath Vrofessor Westphal ist gestorben. Karl Friedrich Otto Westphal, aeb 23 März 1833, hatte sich 1861 als Privatdocent an der Berliner Universität habtlitirt und war fett 1874 ordentlicher Professor der ^rrenbeilkunde an dieser Hochschule, zu deren Zierden er gehörte. Leider verfiel der thatkräftige Mann der Morphtumsucht, die seinem Leben ein so frühes Ende gemacht bat.
teresse sein.
* Berlin, 22. Januar. Sie kriegt Achttausend mit! Ein empfehlenswerther Schwiegerpapa ist ohne Zweifel Herr W., der an der K.-Straße ein flottes Cigarrengeschäst besitzt. Herr W. hält stets gute Sorten auf Lager und so war es kein Wunder, daß ein Herr N., glücklicher Besitzer
einer Möbeltischlerei und Verehrer feiner Cigarren, zu seinen I Kunden zählte. Herrn R.s Verehrung erstreckte sich aber auch aus feines Cigarrenlieseranten liebreizendes Töchterlein, und da Herr W. an dem jungen Manne nichts auszusetzen hatte, kams nach den üblichen Präliminarien zu einer Verlobung zwischen diesem und der frischen, blonden Mieze W. Gelegentlich der Verlobungsseier raunte der künftige Schwiegerpapa, ein gemüthlicher Herr, seinem Schwiegersöhne vertraulich zu: „Mein ganzes Vermögen besteht zwar eigentlich nur in „Rauch"-Waaren — allein, Achttausend kriegt die Mieze doch mit und zwar gleich am Hochzeitstage!" Herr N. hatte es nun zwar nicht gerade „nöthig", auch hatte er höchstens auf eine anständige Ausstattung seiner Zukünftigen gerechnet, doch meinte er, die verheißenen „Achttausend" würden ihm durchaus I nicht ungelegen kommen. Dieser Tage nun fand die Hochzeit statt. Die Feier verlies in aller Gemüthlichkeit, und den I Neuvermählten gelang es, sich auf gut französisch zu empfehlen I und in ihr neues Heim zu gelangen. Doch was war das? All die funkelnagelneuen Möbel, die die junge Frau erst noch am Tage vor der Hochzeit mit zärtlich prüfendem Blick auf ihren tadellosen Glanz hin gemustert, von denen sie jedes feine Stäubchen sorgfältig entfernt, waren über und über mit kleinen, braunrothen Kistchen besetzt; Tische, Stühle, sogar I Sopha und Büffet waren damit vollgepackt. Und auf einem der rähselhaften Kistchen lag ein Brief, adressirt au den jungen Ehemann. In erklärlicher Wißbegier erbrach dieser das Schreiben und seiii Weibchen, das ja nunmehr ein Anrecht an Allem, was „Ihn" betraf, zu habeu glaubte, lugte ihm über die Schulter, und beide lasen die wenigen, inhalts- schweren Worte, die da geschrieben standen und so da lauteten. I „Beifolgend, lieber Schwiegersohn, die versprochenen Acht- tansend — in bester GüteErst blickten sie einander erstaunt an, dann ließen sie ihre Blicke über die achtzig wohl- | gezählten Zehntel Kistchen schweifen und schließlich brachen sie | beide in ein herzliches Lawen au§ — sie, die sie in dem Scherz so recht ihren lieben, lustigen Vater erkannte, er, da er's eben nicht „nöthig" hatte und die verheißenen Achttausend auch in dieser Gestalt als willkommene Mitgift betrachtete.
* Berlin, 27. Januar. Die Frage, wie lange die Studirenden im Durchschnitt aus der Universität verbleiben, ist an sich nicht ohne Interesse - sie wird aber für die Politik des akademischen Unterrichts ir.it) der Staatsprüfungen geradezu wichtig. Nun stellt sich nach den neuesten amtlichen Berechnungen die durchschnittliche Dauer des Aufenthalts aus der Universität für evangelische Theologen auf 7,85, für katholische Theologen auf 10,70, für Juristen aus 7,17, für Mediciner aus 12,16, für Philologen u. s. w. aus 11,70 und für Naturwissenschaftler u. s. w. auf 11,16 Semester. Es muß hinzugefügt werden, daß die hier ermittelte durchschnittliche Dauer des Aufenthalts aus der Universität wegen der Wirkungen des ziemlich umsänglichen Facultätswechsels, welcher eine Verzögerung des Studienabschlusses mit sich bringt, nicht gleichbedeutend ist mit der durchschnittlichen
I Dauer des Facultätsstudiums.
* Nach der vom Statistischen Reichsamt veröffentlichten Statistik der Krankenversicherung der Arbeiter gab es Anfangs 1888 bereits 19573 Krankenkassen mit 4,842,226 Mitgliedern
Vermischtes.
* Marburg, 29. Januar. Die bei der letzten Personenstandsaufnahme im Herbst v. I. ermittelte Einwohnerzahl hiesiger Stadt ergab 14021, worunter 649 Militärpersonen.
* Wetzlar, 28. Januar. Die Bewohner unserer Vorstädte, namentlich die vor der Neustadl wohnenden Bürger- Hatten gestern Abend allen-Anlaß, mit Besorgniß der Nacht errtgegenzusehen. Die Dill war nämlich im Laufe des Tages so enorm gewachsen, daß das ganze weite Feld wie ein einziger See aussah. Breit und trüb wälzten sich die Fluthen gegen die Brücke, deren Bogen natürlich in keiner Weise dazu ausreichten, die andrängenden Wassermassen durchzulassen. Wesentlich durch die hierbei veranlaßte Stauung wurde die Ueberfluthung der ganzen umliegenden Gemarkung veranlaßt. Uebrigens hegte man vielerseits wirkliche Sorge wegen der Brücke, von der man glaubte, daß sie einer länger andauernden Überschwemmung nicht mehr Stand halten und einstürzeu werde. Jedenfalls ist gestern wieder einmal dringend erwiesen worden, wie nothwendig der Umbau der Brücke, zu dem ja glücklicherweise die Gelder bereits bewilligt sind, in der
Reiskirchen, 29. Januar. Herrn Bürgermeister Heinrich Jünger IV. wurde von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" verliehen.
Bad-Nauheim. Das Ministerium hat das Gesuch des hier ansässigen Rentners Manice aus Newyork um Con- cessionirung einer Dampfwagenbahn von dem Bahnhof über die Parkstraße nach dem Johannisberg abschlägig beschieden. Maßgebend für die Entscheidung dürfte die Opposition verschiedener Hausbesitzer gegen das Project und das ungünstige Gutachten mehrerer Aerzte gewesen sein. Die Ablehnung ist nach allgemeiner Ansicht hier aufs Höchste zu bedauern.
Herbstein, 27. Januar. Durch die in den letzten Tagen stattgehabten starken Niederschläge wurde unserem Nachbarorte Rixfeld eine solche Wassermasse zugeführt, daß der größte Theil des Ortes, worunter auch die Kirche, von diesem Elemente stark heimgesucht wurde. Das Wasser drang nicht allein in die Keller, sondern auch in die Wohnhäuser, Stallungen re., und machte auch die nach Rixfeld führende Staatsstraße unpassirbar - nunmehr ist der Wasserstand etwas im Abnehmen begriffen.
Herbstein, 27. Januar. Während die umliegenden Orte von der Influenza stark heimgesucht wurden, ist dies dahier bis jetzt nicht der Fall gewesen. Erst im Laufe weniger Wochen ist dieselbe in ganz geringem Maße dahier aufgetreten und ist nunmehr ein Abnehmen derselben zu beobachten.
und zwar 3754 Ortskassen mit 1,909,046 Mitgliedern, 5724 Betriebs(Fabrik)-Kassen mit 1,374,683 Mitgliedern, 1838 eingeschriebene Kassen mit 727,127 Mitgliedern, 7343 Gemeindekassen mit 628,985 Mitgliedern, 466 landesrecht- tiche Kassen mit 143,374 Mitgliedern, 350 Jnnungskassen mit 41,700 Mitgliedern, 98 Baukassen mit 17,311 Mitgliedern. Es geht hieraus hervor, daß schon Ansangs 1888 unter den 7 durch das Gesetz eingerichteten bezw. zugelassenen Kassenarten die Ortskrankenkassen die größte Anzahl von Mitgliedern zählen. Es gehörten den Ortskrankenkassen 39,4 pCt. aller Versicherten an.
* Graz, 27. Januar. In der Strafanstalt Karlau bei Graz starb der vom Schwurgericht Botzen zu 18 Jahren I Kerkers verurtheilte Gattenmörder Henri Tourville, I dessen Verbrechen seinerzeit so großes Aufsehen erregte, 53 Jahre alt.
* Am 8. d. M. feierte Hans v. Bülow seinen 60. Geburtstag und erhielt aus diesem Anlaß von vielen Seiten Glückwünsche. In Deutschland circuliren nun originelle Er- | wider ungskarten, welche der ewig frondirende Künstler an alle Gratulanten versendet. Aus denselben ist., der „N. Fr. Pr." zufolge, zu lesen: „Dr. Hans v. Bülow, Hof- capellmeister und Hauspianist Sr. Majestät des deutschen
| Volkes".
* Düsseldorf, 28. Januar. Gestern Vormittag gegen lli/2 Uhr, als der Sturm in seiner ärgsten Kraft wüthete, wollte der Pächter der Grimlinghausener Rheinfähre, J o h. Pascher, Vater von sieben Kindern, ein Boot mit acht Insassen von der rechten zur linken Rheinseite übersetzen. Inmitten des Stromes setzte der Sturm mit solcher Gewalt ein, daß das Segel riß und das Boot trotz aller Anstrengung kenterte. Es war entsetzlich für die am Ufer stehenden Personen, die Hülseruse zu vernehmen, ohne Hülfe bringen zu können. Von der aus acht Mann bestehenden Besatzung des I Bootes sanden, nach der „Eres. Ztg.", sieben ihren Tod in den Fluthen, darunter der Fährmann I. Pascher, dessen 15 Jahre alter Sohn Mathias, der Schneider Wilhelm Bauer und der Arbeiter Michael Krüll aus Neukirchen, letzterer I Vater von sieben Kindern, ein Milchmädchen und ein Junge I aus Grimlinghausen, und ein junger Mann aus Uedesheim, I der nächsten Samstag heirathen wollte. Der Arbeiter Hart- I stein, ein geübter Schwimmer, an dessen Bein sich zwei andere Bootsinsassen festklammerten, wurde von vier anderen Schiffern, die herbeieilten, noch rechtzeitig gerettet.
* Newyork, 27. Januar. Auf dem hier im Dock liegenden, mit Jute von Calcutta angekommenen Schiffe „Philomele" brach Feuer aus. 10 Feuerleute verloren bei dem Löschen I in dem furchtbaren Rauche die Besinnung. Die Ladung
That ist.
* Frankfurt a. M., 30. Januar. Unter der Spitzmarke „Musikalisches" schreibt der „Gen.-Anz.": In einem Hause des vornehmen Westens war die Clavierseuche ausgebrochen. Vier Stockwerke — vier Elaviere, vier Meths- p arteten — vier saitenzermarternde Jungfrauen und Jünglinge: 24 Tagesstunden und 15 Stunden unausgesetzten Geklimpers. Das war genug, um die Nachbarn rasend zu machen. Zunächst wurden sie dies jedoch nicht, sie machten vielmehr den Einwohnern des musikalischen Hauses höfliche Vorstellungen, man verschrieb ganze Ballen Papier und begründete eingehend die höfliche Bitte um eine geringe Einschränkung des musikalischen Sportes, ja man warf sich in Frack und weiße Binde und suchte allerunterthänigst um eine Audienz nach, um auch mündlich die gerechte Forderung vorzubringen. Hier ward man höflich hinauscomplimentirt, dort wurden halbe Versprechungen gemacht, aber es blieb alles beim Alten. Nach wie vor ertönte aus dem Erdgeschoß das „Gebet der Jungfrau" in die Lüfte, stiegen aus dem ersten Stockwerk die Töne auf ihrer Leiter lustig und unaufhörlich auf und nieder, erklangen aus den anderen Stockwerken das Misere aus dem „Troubadour" und das wehmuthsdurchzitterte „Es wär so schön gewesen". Da lies, wie man zu sagen pflegt, den Nachbarn doch die Laus über die Leber. Man hielt Rath und kam zu der Einsicht, daß hier nur Selbsthilfe am Platze sei. Worin diese bestehen sollte, werden wir gleich erfahren. Es war Vormittags gegen 9 Uhr. Das musikalische Haus war aus dem Schlafe erwacht und bereits ertönte es präludirend aus allen Fenstern — da fielen aus dem Nachbarhofe lustig und quietschend die Klänge einer Drehorgel ein. In das „Gebet der Jungfrau" mischten sich die profanen Töne des „Fatinitzamarsches"; im Nu fiel eine zweite Drehorgel mit einem Walzer aus dem „Zigeunerbaron", eine dritte mit „Freut Euch des Lebens" und eine vierte mit der ewig jungen „Donna Theresa" ein. Und während des tollen Tohu-Wabohu stürzten an alle Fenster des musikalischen Hauses wuthentbrannte Gesichter und sahen im Nachbarhofe vier grinsende Leierkastenmänner, die von den gemarterten Anliegern engagirt waren, um den Nachbarn einen Begriff von musikalischem Genuß beizubringen. Die Leetion soll geholfen haben, freilich soll der Act der Selbsthilfe aber auch eine Anklage wegen groben Unfugs nach sich ziehen. Jedenfalls dürfte der musikalische Proceß, wenn er zum Austrage gelangt, für weitere Kreise von In-
Dame Haus und dort rückt der Herr Prälat mit der etwas „faustisch" anhebenden Frage heraus:
.....„Darf ichs wagen, Nach dem Namen Sie zu fragen?" Und das rasche Musenkind Schnell auf Antwort sich besinnt: „Aus der Frage kann ich sehn, Daß sie nie zur Oper gehn; Als die erste Sängerin Jedermann bekannt ich bin.
Nun ist wohl an mir zu fragen, Und ich bitte Sie, zu sagen, Wer mir unterm Schirm soeben Gütig das Geleit gegeben?"--
„Aus der Frage kann ich sehn, Daß Sie nie zur Kirche gehn; Alle Frommen kennen mich, Denn der Herr Prälat bin ich!"
* Selbstgefühl. Gelegentlich der Trauerfeier für die Kaiserin Augusta, so erzählt der „Hann. Cour.", redet in der Schule der betreffende Lehrer von den Schicksalsschlägen, welche in den letzten Jahren unser -Kaiserhaus getroffen.
I Als derselbe jedoch auch aus den Segen hinweist, der dem Kaiser Wilhelm II. in seinen fünf hoffnungsvollen Spröß- lingen erwächst, ruft ein sechsjähriger A-B-C-Schütz, der elfte Sohn eines Kaufmanns, triumphirend aus: „Die könne« an uns nicht tippen (d. h. sie kommen nicht gegen uns auf), denn wir sind unserer elf!"
* Zu arg. Gläubiger (wüthend): „Herr, wann wollen Sie eigentlich einmal zahlen?" (Schuldner schweigt.) — Gläubiger (in höchsterWuth): „So, die Antwort bleiben Sie mir auch noch schuldig?"
* Paffendes Geschenk. A.: „Wenn ich nur wüßte, Waich eigentlich meinem Onkel zum Geburtstage kaufen soll. Er ist nämlich so furchtbar geizig, — schenke ich ihm etwa-, so benutzt er es doch nicht i" V. • „Ach, das ist ja herrlich! Da fülle ein halbes Dutzend Flaschen mit Wasser, verkorke und versiegele sie gut und kleb darauf: Alter Rheinwein 1780!"
* Wer nur einmal geliebt hat, soll nicht mitrede«- er ist der Mann, der nur einmal eine einzige Cigarre geraucht hat, und die erste bekommt dem zarten Alter meist übel. _
wurde stark beschädigt. Rian wurde der Flammen erst Herr, als man das Schiff ms Wasser sinken ließ. — Die Fabrikanten des Aufzuges des Eissel-Thurmes, Otis Brothers in Newyork, haben einen Proceß angestrengt, um den ihnen gebührenden Antheil am erzielten Gewinne des Thurmes zu erhalten. — Der Kassier des Newyorker Postamtes, George Lounsberry, beging Selbstmord, als seine sich aus 30000 Dollars belaufende Unterschlagung ans Licht gekommen war.
* Newyork, 28. Januar. Zu viel Hilfe in der Noth. Eine Amerikanerin hatte vor einiger Zeit einen Preis von 100,000 Fr. für ein Heilmittel gegen Krebs ausgesetzt. Seitdem ward ihr Haus in Clatonsen von Bewerbern um den Hunderttausendfrankenpreis förmlich belagert, während die Post täglich ganze Wagenladungen von Zuschriften bringt. Die kranke Dame hat sich daher genöthigt gesehen, den Preis wieder zurückzuziehen und sich von Neuem den Aerzten anzuvertrauen, die sie bisher bebandelt haben.
* Ein origineller Miethzins. Ein Fischhändler in Wittenberg hat an seinen Wirth für die Erlaubniß, aus dem Hose einige Fässer lagern zu dürfen, täglich einen Häring zu entrichten. Die Häringsmiethe wird pünktlich jeden dritten Tag vom Empfänger abgehoben.
* Zur Gruß-Reform. Die Zeitungen brachten kürzlich die Nachricht, daß in Graz sich eine Anzahl Männer zusammengethan, um den militärischen Gruß auch für Civilisten' durchzusetzen. Es dürfte alle Freunde dieser Bestrebungen — und solche werden es wohl viele sein interessiren, wie Goethe über das lästige Hutabnehmen dachte. Er sagt:
Ehret die Frauen, begrüßt sie mit Neigen, Begrüßt sie mit freundlichem, sittioem Beugen Des bedeckten männlichen Haupts!
Glaubts dem erfahrenen: Jede erlaubts'. Wollt Ihr trotz hippogratischem Schelten Denn mit Gewalt das Genie Euch erkälten? Lasset die Hüte, die stattlichen Mützen Fest auf der Locke, auf Glatzen fest sitzen! Grüßet mit Worten, grüßt mit der Hand, Ehret die Sitte, schont den Verstand!
* Prälat und Sängerin. Ein hübsches Erlebniß, das der kürzlich zu Stuttgart verstorbene Dichter und Prälat Carl von Gerok einst gehabt haben soll, besingt eine Ravensburgerin, Frl. Thekla Schneider, im „Oberschw. Anzeiger". Nachdem sie zuerst in schwärmerischen Worten die Pracht eines Frühlingstages in den K.-Anlagen geschildert — die Sonne scheint hell neben regendrohenden Wolken — sagt die Dichterin: Auf dem Philosophenpfad — Sinnend kommt ein Herr Prälat . . . Vorsichtig trägt er einen Regenschirm in der Hand, indeß eine bekannte Stuttgarter Sängerin aus dem Seitenwege arglos und keiner Tücke des Regengottes gewärtig daherschreitet. Plötzlich sängt es an zu tröpfeln, es regnet stärker, und der Herr Prälat, ebenso christliche Nächstenliebe als ritterliche Galanterie übend, tritt herbei, die Sängerin zn „beschirmen". Keines kennt da- Andere. Sie wandeln in freundlichem Gespräche vor der


