1890
Freitag den 31. Januar
Nr. 26
Amts- unb Anzeigeblatt für den Aveis Giefze»»
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zu stellen.
v. Gagern.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
der Opposition berichtet, Anstiftung von Unruhen noch im Keime erstickt verlies in aller Ordnung tion , welche nur einen
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Die Gießener Ai«micienörälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
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Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
zu benutzen, welche Versuche jedoch worden sind. Das Wahlgeschäft und sehr ungünstig für die Opposi- einzigen Abgeordneten durchzusetzen
gelangt sei, nicht ohne und auch nicht gegen die Deutschen regieren zu können, und diese Erkenntnis werde allen Deutschen zu gute kommen. — Auch im Wiener Gemeinderathe gedachte Bürgermeister Dr. Prix in einer Ansprache mit freudigen Worten der nun vollzogenen nationalen Verständigung in Böhmen.
Seit vorigem Sonntag weht in Adoa, der Hauptstadt Tigries, der nördlichsten Provinz Abyssiniens, die italienische Flagge und unzweifelhaft haben die Italiener mit der fast spielenden Besetzung dieses wichtigen Platzes ihre colonial- politische Stellung in Ostafrika erheblich verstärkt. Indessen hat man nach den italienischerseits vorliegenden Versicherungen in dem Marsche des Generals Orero nach Adoa keineswegs eine fernere Erweiterung des colonialen Gebietes Italiens auf Kosten Abyssiniens zu erblicken. Wie General Orero beim Einrücken in Adoa den dortigen Notabeln erklärte, sei er nicht beauftragt, die Provinz Tigris zu unterwerfen, sondern er wollte nur die Wünsche der Einwohner vernehmen und dann nach Mareb zurückkehren. Indessen ist es doch nicht sehr glaublich, daß General Orero mit seinem 6000 Mann starken Expeditionscorps den sehr schwierigen Marsch von Osmara nach Adoa blos deßhalb unternommen hat, um die
Gießen, am 29. Januar 1890. Betreffend: Die Reichstagswahlen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises»
Mit dem morgigen Tage ist die Frist für Offenlegung der Wählerlisten und damit auch diejenige für Einsprachen gegen deren Richtigkeit und Vollständigkeit abgetaufen; — beides unter der Voraussetzung, daß die Listen seit dem 23. L M. offengelegen haben.
Wir erinnern Sie daher — wie bereits von uns unterm 14. d. Mts. (Anzeiger Rc. 13) verfügt — unverzüglich und spätestens bis Montag den 3 Februar hierher zu berichten, daß die Wählerlisten nach vorausgegangener ortsüblicher Bekanntmachung am 20 und 2l. d Mts., vom Donnerstag den 23. dis Donnerstag den 30. Januar, beide Tage einschließlich, offengelegen haben, und daß Erinnerungen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Liften nicht erhoben, bezw. von Ihnen erledigt worden sind.
Soweit etwaige Erinnerungen gegen den Inhalt der Wählerlisten von Ihnen nicht erledigt werden konnten, sind — gleichfalls bis spätestens Montag den 3. Februar — die gesummten Acten mit Begleitbericht an uns einzusenden. Der Begleitbericht hat außer dem auf die Reclamation bezüglichen Inhalt den Nachweis der ordnungsmäßig erfolgten Offenlegung zu enthalten. (Vergl. Absatz 2.)
Mit Rücksicht auf die Kürze der Fristen sehen wir uns genöthigt, denjenigen von Ihnen, welche den oben ^setzten Termin nicht einhalten, ohne nochmalige Erinnerung die sofortige Zusendung eines Wartboten in Aussicht
Gießen, am 24. Januar 1890.
Betr.: Die Verpflegung von Landarmen. k
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
au die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Wir erinnern Sie, soweit Sie unserer Verfügung vom 24. v- Mts. — Kreisblatt Rr. 302 — noch nicht nachgekommen sind, an umgehende Vorlage der bei Ihnen etwa eingelaufenen Anerbietungen.
v. Gagern.
Berlin, 30. Januar. (Privatdepes che.) Einer Wiener Blättermeldung zufolge haben gestern 500 excedirende Glasarbeiter einige Schleifmühlen in Neudorf-Wiesenthal (Bezirk Gablonz) zerstört. Zwei der Exeedenten wurden getödtet, mehrere verwundet. Abends rückte Militär von Reichenberg dahin ab.
Vierteljähriger AVonnementspreis: 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Rcdaction, Expedition und Druckerei:
Schutstraße Wr.1.
Fernsprecher 51.
Locales und provinzielles.
Gießen, 30. Januar.
Theater. Auf die morgen stattfindende Gastvorstellung
vermochte.
Die Absicht der serbischen Regierung, von der Skupschtina einen Nachtragseredit für artilleristische Zwecke zu verlangen, hat eine Menge Sensationsgerüchte, wie daß die Mvbilisirung der serbischen Armee, die Reactivirung des Generals Hor- vatocie, die Befestigung von Zajesar an der bulgarischen Grenze u. s. w. bevorstehe, gezeitigt. Eine amtliche Belgrader Meldung dememirt jetzt aber alle diese Gerüchte in bestimmter Weise. -
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
mit 30 Mann und 200 Weibern überwältigt und gefangen. Nach 2 Tagen wurde Buschiri von Eingeborenen des Dorfes Mohamed-Soa gefangen und ausgeliefert, sein Unterführer Gomero Jehasi entkam, Buschiri sagte aus, der Sultan Said Kalifa habe ihm, ehe er zum ersten Mal bei Bagamoyo geschlagen wurde, sagen lassen, wenn er sich gegen die Deutschen halte, würde er zum Vezir der ganzen Küste ernannt werden, den Beleg dafür konnte er nicht vorbringen. Das Todesurtheil überraschte ihn, er bat um eine Unterredung und sagte, die Hauptschuld an dem Erscheinen Mafitis trage ein gefangener Jumba. Das Urtheil wurde am 15. December vollzogen und die Leiche den Arabern auf ihre Bitte zur Beerdigung übergeben. Es folgt sodann der Bericht vom 28. December über die Befestigungen. Im ganzen Lande herrscht Ruhe und bestes Einvernehmen mit den Eingeborenen, welche mit gegen die Rebellen fechten. Es folgt dann der Bericht vom 1. Januar 1890 über die Recognoscirung von Lieutenant Schmidt nach Useguhwaha und das Gefecht gegen Banaheri, welches Wißmann als für ihn ungünstig verlaufen hinstellt, jedoch der Schutztruppe die größte Anerkennung zollt. Wißmann hat dann Saadami befestigt und gedachte am 2. Januar den Feldzug gegen Banaheri zu beginnen.
Paris, 29.' Januar. In der heutigen Plenarversammlung der Republikaner waren alle Schattirungen der Linken vertreten. Vielte schlug Brisson zum Präsidenten vor. Dieser nahm den Vorsitz jedoch nicht an und bekämpfte den Antrag Brousts, ein permanentes Bureau zu ernennen, da dies daraus hinausliefe, eine geheime Macht zu schaffen. Schließlich wurde der Antrag Lancssan angenommen, wonach alle republikanischen Abgeordneten ohne vorherige Einberufung sich an jedem letzten Mittwoch eines jeden Monats versammeln sollen. Die Versammlung beschloß dann, eine Liste zu eröffnen, in welche sich alle Anwesenden eintragen sollten. 162 Teilnehmer schrieben sich ein, während sich ungefähr 50 dessen weigerten. Wer den Vorsitz in den künftigen Versammlungen führen solle, wurde noch nicht festgesetzt.
Durham, 29. Januar. Die heutige Versammlung des Centralbureaus des Nationalvereins der Bergarbeiter, die unter dem Vorsitz des Parlamentsmitgliedes Burf statt- faud, nahm einstimmig eine Resolution an dahingehend, daß angesichts der befriedigenden Antworten, die von den Bergarbeitern in Frankreich, Belgien, Deutschland und anderen Ländern aus die an sie ergangene Aufforderung, Vertreter zu dem beabsichtigten internationalen Congreß zu entsenden, eingegangen sind, die Versammlung es für erforderlich hält, diesen internationalen Congreß in der letzten Hälfte des Mai in Belgien abzuhalten. Weitere Resolutionen bestätigen den früheren Beschluß, wonach alle die Bergarbeiter bindenden Zusicherungen abgelehnt werden.
Lens, 29. Januar. Der Strike in den 8 Gruben der „Compagnie Lens" ist heute ein Allgemeiner geworden. Es herrscht große Aufregung unter den Arbeitern. Zwei Com- pagnieen Infanterie und Pioniere sind heute von Arras hier eingerroffen, um die Gruben zu schützen.
pottttsche Ueverficht.
Gießen, 30. Januar.
In den Berliner parlamentarischen Kreisen geht das Gerücht, Fürst Bismarck werde im Abgeordnetenhause noch vor dessen anläßlich der Reichstagswahlen zu erwartender Vertagung über die innere politische Lage sprechen.
Die von der schweizerischen Bundesregierung schon im vorigen Jahre angeregte Frage einer internationalen Regelung des Arbetterschutzes scheint nunmehr in Fluß kommen zu wollen. Der Bundesrath hat die Regierungen aller europäischen Industriestaaten zu einer Conserenz in Sachen des Arbeiterschutzes eingeladen, welche am 5. Mai in Bern zusammentreten soll; schweizerischerseits wird der Conferenz ein Entwnf der zur Discussion kommenden Dinge vorgelegt werden. Ob indessen die Conferenz einen großen practfichen Erfolg haben wird, mochte bei der Verschiedenartigkeit der Arbeiterverhältnisse in den einzelnen Ländern beinahe zu bezweifeln sein.
Der von den Abgeordneten der Deutsachöhmen wie der Altczechen und des Großgrundbesitzes in Böhmen rückhaltlos angenommene Ausgleich, der zwischen ihren Vertrauensmännern in Wien vereinbart worden ist, wird von dem gesammten Deutschthum in Oesterreich als ein erster großer Erfolg der deutschen Sache nach jahrelangen herben Enttäuschungen empfunden. Die großen Wiener Blätter werden nicht müde, immer wieder die Bedeutung des nationalen Einigungswerkes in Böhmen für die Deutschen Oesterreichs hervorzuheben, während sie zugleich betonen, der Ausgleich sei für das ganze Reich von Wichtigkeit, da er dessen Kraft erheblich festige. Mit Recht heben die Führer der Deutschböhmen, die Abgeordneten Schmeykal und v. Plener, in ihren an das deutschböhmische Volk gerichteten Aufrufen hervor, wieviel durch den Ausgleich für die Deutschen in Böhmen erreicht worden sei, trotzdem daß noch so manche berechtigte Forderungen derselben sich noch in der Schwebe befänden. Mit offenkundiger Ge- nugthuung hebt hierbei Herr v. Plener noch hervor, daß man in den Wiener maßgebenden Kreisen jetzt zu der Erkenntniß
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Gesinnungen und Wünsche der Einwohner keimen zu lernen, viel wahrscheinlicher ist es, daß die Italiener Adoa besetzt haben, um für alle Fälle gegenüber ihrem Bundesgenossen, dem König Menelik und jetzigen Negus von Abyssinien, gesichert zu sein. Uebrigens sand sich im Fort von Adoa die von dem abyssinischen General Ras Alula bei Dogali den Italienern abgenommene Mitrailleuse vor, welche die italienischen Soldaten jubelnd wieder in Besitz nahmen. General Orero ist nach seinem Berichte von der Geistlichkeit und der Bevölkerung Adoas sehr sreundlich ausgenommen worden.
In Rumänien fanden am Montag sechs Ersatzwahlen zur Depntirrenkammer statt und scheint hierbei die Partei des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Catargin einen kleinen Putsch geplant zu haben.- Wenigstens wird von Versuchen die Wahlen zu beeinflussen und zur
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bbach, Gießen.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 29. Januar. Das Emin-Pascha-Comite empfing heute zn^i Depeschen aus Zanzibar von gestern, die von Borchert mittheilen, daß er die Station Kenia erreichte, von wo Peters und Tiedemann 40 Tage vorher, Anfangs November, gesund abgereist waren. Er passirte ohne Kamps das Nassariland iuiD sei jetzt weit über Baringo hinaus. Das zweite Telegramm rührt von Hansing her. Nach demselben liegt Borchert krank in Lamu. Französische Missionare melden, daß Peters in Ukanba angekommen sei.
Berlin, 29. Januar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgende Ordensverleihungen: Die Schwerter zum Kronenorden dritter Klasse und den rothen Adlerorden dritter Klasse mit Schwertern an Major Wißmann, den Kronenorden vierter Klasse an die Chefs der ostafrikanischen Schutztruppe Krenzler, Schmidt, Eberstein, Sulzer, den Generalvertreter der deutsch-ostafrikamschen Gesellschaft St. Paul Jllaire und den Adjutanten Bumiller, den Kronenorden vierter Klasse mit Schwertern am weißen Bande und schwarzer Einfassung an den Chefarzt Kohlstock,, das Militärehrenzeichen zweiter Klasse den ProviantmeisMn Trenoire und Jllich, dem Feldwebel Hoffmann, den Unteroffizieren Hocke und Nutter- das allgemeine Ehrenzeichen den Feldwebeln Näter und Kay.
Berlin, 29. Januar. Der Reichsanzeiger' veröffentlicht einen Bericht des Majors Wißmann vom 27. December 1889, betreffend die Gefangennahme und Hinrichtung Buschiris. Ches Schmidt überfiel das Lager des Nachts, trotz des Verbotes zu schießen fielen dennoch einige Schüsse, wodurch Buschiri in einen dicken Busch entkam, während der größte Th eil seiner Leute im Lager niedergemacht wurden. Bei der Verfolgung wurden drei aufständische Jumbes von Bagamoyo
Fräulein Toni Tusch vom Frankfurter Stadttheater des Herrn Siegmann von Hanau weisen wir noch Mal besonders hin. Die erstere ist eine talentirte Künstlerin und hat noch erst vor Kurzem im „Dorfbarbier"
Gießener Anzeiger
Kenerak-Mnzeiger.
die umfangreichste Partie mit großem Beifall gesungen. Herr Siegmann ist ein trefflicher und in Hanau höchst beliebter Comiker, den Herr Lerch auf Grund persönlicher Bekanntschaft vermocht hat, hier zu gastiren. Die Wahl der Stücke ist eine sehr glückliche. Wer kennt nicht das „Versprechen hinter dem Herde?" Nicht weniger amüsant ist das darnach zur Aufführung kommende „Des Nächsten Hausfrau". Zugleich darf man versichert sein, daß diesmal Herr Richard Lerch, der sich durch seine sorgfältige und ver- ständnißvolle Direction des musikalischen Theiles der Aufführungen und sein gewandtes Clavierspiel einen guten Namen bei den Theaterbesuchern gemacht hat, eine ganz besondere Sorgfalt auf die Einübung der beiden Operetten verwandt hat. Die Vorstellung findet ja bekanntlich zum Benefiz unseres tüchtigen Theater-Capellmeisters statt.
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