Ausgabe 
30.11.1890 Erstes Blatt
 
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beherrsche. Vorzüglich war Herr Adam Reiners als Wenzel. Die umfängliche und dankbare Rolle des Meinhardt wurde von Herrn Rudolf Biebrach mit Gewandtheit und lustiger Laune wirksam repräsentirt. Sehr lieb war das Spiel von Frau Anni Reiners in der Rolle der munteren Käthe Groß. Frl. Elisabeth Bischoff, Frl. Unger und die Herren Goullon, Rupp und ganz besonders Herr Max Jaskowski trugen in ihren kleinen Rollen ausnahmslos zu dem trefflichen Eindruck der Vorstellung bei, die wiederholt mit dem lebhaftesten Beifall ausgezeichnet wurde. In Bezug aus unsere Besprechung derEhre" möchten wir den Lesern nachträglich mittheilen, daß unsere ganz ausführliche Analyse des Stückes aus redactionellen Gründen auf etwa ein Drittel gekürzt werden mußte. Der stehen gebliebene Theil ist, wie unsere Leser wohl bemerkt haben mögen, naturgemäß leider an sich nicht ganz verständ­lich und nur für Denjenigen einleuchtend, der auch die aus­gefallenen Zwischensätze ihrem Inhalte nach kennt. Wir bitten dieses nach Lage der Sache unvermeidlichen Versehens wegen nachträglich um Entschuldigung.

Theater. Nach dem gewaltigen Eindrücke, den die Ehre" am letzten Dienstag auf ein zahlreich erschienenes Publikum gemacht hat, hat sich die Direction trotz den be­deutenden Unkosten entschlossen, das sensationelle Schauspiel auch einem weiteren Kreise von Kunstinteressenten durch eine Sonntagsaufführnng zugänglich zu machen. Jeder, der ein­mal ein großartiges Bild großstädtischen Lebens, sowohl seinen Nacht- wie seinen Lichtseiten nach, vor sich aufrollen lassen will, wird in der Aufführung von SudermannsEhre" dazu eine Möglichkeit haben, wie sie sich ihm gleich verlockend so leicht nicht wieder bieten dürfte.

E. Friedberg, 28. November. Das hiesige Kaiserliche Postamt wird am 1. December aus den seitherigen Mieths- räumen in das neue reichseigene Postgebäude an der Bahnhofstraße verlegt.

Grünberg, 27. November. Aus dem Wege von Atzen­hain nach Beltershain fand man heute Morgen in einem Graben liegend die Leiche eines Mannes aus Beltershain. Der­selbe war gestern in Atzenhain und begab sich Abends ziem­lich spät auf den Heimweg. Vermuthlich ist er unterwegs gefallen und so, unfähig, sich wieder zu erheben, eingeschlafen und des Nachts erfroren.

Echzell, 26. November. Am 20. d. M. fand hier eine von unserem Herrn Pfarrer und dem Herrn Bürgermeister einberufene Versammlung behufs Gründung einer Molkerei­genossenschaft, sowie einer Spar- und Darlehens­kasse statt. Der auf diesem Gebiete äußerst thätige Herr Landwirthschastslehrer Dr. Ullmann-Büdingen beleuchtete die Dortheile eines solchen Unternehmens nach allen Seiten, während Herr Jhrig-Offenbach aus Grund feiner als Revisor des hessischen Verbandes, sowie als Anwaltschasts - Secretär der landwirthschaftlichen Genossenschaften des Deutschen Reiches gemachten reichen Erfahrungen über die Einrichtung der Molkereigenossenschaften sprach und Vorschläge bezüglich der Beschaffung des erforderlichen Anlage- und Betriebscapitals machte, welche einstimmige Annahme fanden. Durch Statut wurde festgesetzt, daß jedes Mitglied ein während der Mit­gliedschaft unkündbares Darlehen, sogen. Sicherungseinlage, der Genossenschaft zu belassen hat im Betrage von je 10 Mk. pro gezeichnete tägliche Lieferung von 1 Liter Milch. Mit 1500 Liter Milch wird die Molkerei ihren Betrieb eröffnen ein Quantum, das bei den hier vorliegenden Verhältnissen in kurzer Zeit mehr als verdoppelt werden wird. In der­selben Versammlung wurde auch eine Spar- und Darlehens­kasse errichtet, und wenn die Mitternachtsstunde nicht schon vorüber gewesen wäre, wäre es auch noch zur Gründung eines Consumvereins gekommen.

x. Aus dem Ohmthal, 28. November. Die obere Ohm, welche sonst nur bei strengster Winterkälte zusriert, weil ihre Zuflüsse säst ausschließlich Quellwasser führen, ist vollständig mit einer dicken Eisdecke überzogen. Es ist dies ein Beweis, mit welcher Macht der Winter gleich seine Herrschaft angetreten. Es herrscht gegenwärtig eine Kälte von durch­schnittlich 10° R. Selbst in den Wohnstuben sind am Tage die Fenster nicht völlig eisfrei zu halten.

§ Gedern, 27. November. Der auf den 2. December anberaumte Viehmarkt wird wegen der in der Umgegend

herrschenden Maul- und Klauenseuche nicht abgehalten.

Steinheim, 28. November. Unter den Bewohnern unseres Ortes, wie der unserer Nachbarorte wird es für

wünschenswerth erachtet, daß die bei Trais-Horloff bestehende Haltestelle für Güter auch zum Personen-Verkehr eingerichtet würde. Ein diesbezügliches Gesuch wird demnächst, mit zahlreichen Unterschriften der Bewohner unseres Ortes, wie derjenigen unserer Nachbarorte versehen, bei der Direction der Oberhessischen Bahnen eingereicht werden.

vermischtes.

«iekte«, 29. November. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Sutter pr. Pfd. 1,00-105, Hühnereier 1 ©t 7-9, 2 St. Enteneier 1 St.--4, 2 ©t 4-

Käse pr. St. 48 4, Käsematte pr. St. 3 Erbsen pr. Liter 1b H, Linsen pr. Liter 28 A, Tauben pr. Paar A 0,500,65, Hühnerpr. Stück X 0,85-100, Hahnen pr.St X 0/0-0,90 Enten pr. Stück X 1,50-1,80, Ochsenfleisch pr. Pfd- 7074 H, und Rindfleisch 6064 X Schweinefleisch 7080 H, Hammelfleisch 6268 H, Kalb­fleisch 60-64 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo ^3^0-5,50, WeUraut pr. St. 3-7 Zwiebeln per Centner X 6,000,00, Milch per Liter 12-18 H. Gänse pr- Pfd- 45-56

* Darmstadt, 28. November. Die Prüfungen für die Stellen der Werkmeister an den Gefängnissen und am Arbeitshause sollen Montag den 29. December 1890, Vormittags 9 Uhr, dahier beginnen. Die Anmeldungen um Zulassung zu diesen Prüfungen sind spätestens 14 Tage vor dem anberaumten Termine bei Großh. Oberstaatsanwaltschaft einzureichen.

* Aus höherer Stufe. Amerikaner:Aus das Essen wird in Deutschland nicht so viel Werth gelegt, als bei uns. In Amerika hat aber auch jede Familie ihren Koch." Berliner :Wenn's weiter nichts ist! Bei uns hat sogar jeder Soldat seine Köchin!" _____

Mode-Bericht 1890/91. Das bekannte Seidenhaus

Henneberg in Zürich schreibt uns: Es ist sehr schwierig, unter . all' den neuen Seidenstoffen, Geweben, Farben und Dessins den einen oder anderen Genre als bevorzugt oder tonangebend zu be­zeichnen; es ist wieder ein sehr reiches Füllhorn, oas uns die Göttin Mode" für den Herbst und kommenden Winter bringt; auch der anspruchsvollste Geschmack kann befriedigt werden und unter all' den tausenden von Compositionen, Farben, Streifen rc. durste wohl so mancher Dame die Wahl recht schwer werden, und wird wohl ost die Schneiderin, als höchste und letzte Instanz, das entscheidende Wort sprechen müssen! Gestreifte und einfarbige Stoffe sind noch ebenso bevorzugt, wie schottische; für nächstes Frühjahr werden wieder groß und klein carrtrte Seidenstoffe dtspontrt in allen möglichen Farbenzusammenstellungen. Damaste, Satin merveilleux und Duchesse tn schwarz, weiß und farbig, bleiben immer noch in lebhafter Rach- frage und dürften wohl so bald noch nicht ihren beliebten Platz ver­lieren, ebensowenig wie Hennebergs Monopolsetde; schwarze Atlasse mit breiten und schmalen Streifen, Armüre Royale, farbige Damaste mit schwarzen Blumen und Phantasie-Effecten, sowie schwarze Damaste mit farbigen Dessins sind hervorragende Neuheit. Statt der gelben rohseidenen Bastkleider sind die grauen rohseidenen ShantungS oder PongSes bevorzugt. CrSpe de Chine und Seiden-Gaze für Ballzwecke sind viel, namentlich in den neuesten Farben, bestellt worden. Sammte für ganze Roben und Garntturzwecke lassen auch diesen Winter die Plüsche noch nicht aufkommen, und doch ist gerade Plüsch ein so herrliches Gewebe und jedem Teint so sehr schmeichelnd. Die neuesten Farben sind: Anemone, goldgelb, akaziengrün, nicket, Platine, oudme (im Tone des serpent, das sich merkwürdig schnell unzählige Freun­dinnen erworben hat), corail und libellule, ein Ersatz für electric. Mit einer gewissen Freude und Genugthuung constatire ich gern, daß die Damen endlich wieder anfangen, sich bet schwarzen Stoffen den bessern Qualitäten zuzuwenden sie haben ihre Erfahrung mit den alsLockvögel" offertrten, anscheinend so sehr billigen dick­gerippten Seidenstoffen theuer genug erkauft; diese Stoffe, die aus 2/a Farbstoff und 73 Seidenfaden bestehen, sind wahrlich den Macher­lohn nicht werth, aber--sie sind billig 1 - (280)

Neskehr,anö. nnb

- «imtehung »er Postwerth,eiche« altere« Art. V°m

1. December 1890 ob werden tue Verlehrsanftatten nur noch Post­werthzeichen neuerer Art verkaufen. Die alsdann noch in den Händen des Publikums befindlichen Postwerthzeichen älterer Art (Freimarken, sowie gestempelte Briefumschläge, Postkarten, Streif­bänder und Postanweisungs Formulare) können noch bis zum 81. Januar 1891 zur Franktrung von Postsendungen verwendet werden. Vom 1. Februar 1891 ab verlieren die älteren Poft- werthzetchen ihre Gültigkeit. Dem Publikum soll tndetz gestattet sein, die bis dahin nicht verwendeten Poftwerthzeichen älterer Art btS spätestens zum 31. März 1891 gegen neuere Werthzeichen gleicher Gattung und von entsprechendem Werthe umzutauschen. Gestempelte Briefumschläge und gestempelte Streifbänder werden gegen Frei­marken zu 10 und 3 Pfg. umgetauscht, die Herstellungskosten werden mit I Pfg. für jeden gestempelten Briefumschlag und 72 Pfg. für ledes gestempelte Streifband baar erstattet. Der Umtausch der alteren Poftwerthzeichen gegen neue wird an den Postschaltern bewirkt. Postsendungen, welche nach dem 31. Januar 1891 noch mit Werth- zetchen älterer Art zur Auflieferung gelangen, werden dem Absender zurückgegeben, oder wenn dies nicht lhunlich fein sollte, als unfrankirt behandelt werden. Vom 1. April 1891 ab sind die Verkehrsanstalten zum Umtausch älterer Poftwerthzeichen nicht mehr befugt.

Wegfall der gestempelte« BriefumschlSge und der gestempelten Streift)»«»«. Vom 10.D-c.mb-r ISOOab werben g stempelte Briefumichläge und gestempelte Streisbander Seitens der Verkchrsanftalten nicht mehr verkauft. Von demselben Zeitpunkt ab wird die Reichs Postverwaltung derartige Postwertbzerchen überhaupt nicht mehr Herstellen lassen und zum Verkauf bringen; dem Publikum bleibt überlassen, ungestempelte Brsifumschläge und Streifbänder zu verwenden und mit den erforderlichen Freimarken zu bekleben. Die am 10. December 1890 noch in den Händen des Publikums befind­

licher gestemp lten Briefumschläge und gestempelten Streifbänder neuerer Art können weiter verwendet werden. Dagegen behalten die Brt.fumschläge und Streifbänder mit W- tbzttchm älterer Art nur noch bis zum 31. Januar 1891 ihre Gültigkeit.

Auszug uus den StandescunLsregifteen

der Stadt SWtu

Aufgebote.

November: 24. Dr. Earl Nicolaus Ustnger, GerichtSaccesfist zu Mainz, mit Charlotte Johanna Babette Noll dahier. 24. Philipp Werner, Taglöhner dahier, mit Marie Eltsabethe Erb Hierselbst. 25. Leonhard August Wilhelm Robert Brauch, pract. Arzt zu Stein­brücken, mit Bertha Philtppine Wilhelmine Fuchs zu Dillenburg. 27. Heinrich Arnold, Glasermeister zu Gießen, mit Elisabeth Katharine Welker Hierselbst. 27. Gustav Emil Theodor Müller, Garnison- Verwaltungs-Jnspector dahier, mit Johanna Mielke zu Saarbrücken.

Gheschlietznnge«.

November: 26. Georg Wink, Schuhmacher dahier, mit Elisabeth Leib hierselbst. 26. Gottfried Mankel zu RachelShausen, Knecht dahier, mit Catharina Nasemann von Allendorf bei Kirchhain. 26. Johann Friedrich August Lotz, Bäckermeister zu Ems, mit Jacobine Karoline Emilie Christine Georgine Maria Emma Frech dahier. 26. Johannes Btcker, Metzger zu Wetzlar mit Catharine Balzer von Rosenthal. 28. Jacob Heinrich Hammel, Fabrikarbeiter von Trohe, mit Maria Gertrude Thielmann, geb. Nickel, Wittwe von Schuhmacher Heinrich Thielmann dahier.

Geborene. ,

November: 16. Dem Taglöhner Ludwig Baumann eine Tochter, Katharine. 18. Dem Universitäts-Professor Dr. Konrad Cosack ein Sohn, Karl Albert Heinrich Hellmuth. 20. Dem Schriftsetzer Hermann Stolting eine Tochter, Anna Elifabetha Bertha. 22. Dem Hütten­arbeiter Philipp Balser ein Sohn, Wilhelm. 23. Dem Bahnhofs- arbeiter Jacob Dingel ein Sohn. 24. Dem Bremser bei den Ober- hessischen Eisenbahnen Hans Heinrich Scherz ein Sohn, Karl Heinrich Moritz. 25. Dem Landgerichtsgehülfen Otto Geilfus ein Sohn. 25. Dem Schaffner bei den Oberhessischen Eisenbahner Johannes Schlitt eine Tochter, Katharine Carola Johanna. 26. Dem Schmied Johann Georg Schäfer ein Sohn.

Gestorbene.

November: 23. Sophie Wöhler, geb. Grohn, 32 Jahre alt, Ehefrau von Bergmann Christian Wöhler zu Winnersbach. 25. Karl Gräber, 12 Jahre alt, Sohn von Georg Gräber zu Niederwetz. 26. Heinrich Steinmüller, 50 Jahre alt, Zimmermann von Rodgen. 27. Luise Helene Laudon, 5 Jahre alt, Tochter von Schreiner Adolph Laudon dahier. 28. Katharine Weller, geb. Wadenpfuhl, 67 Jahre alt, Wittwe von Dienftmann Melchior Weller II. dahier. 28. Elise Petri, geb. Soldan, Wittwe von Weißbindermeifter Heinrich Petri dahier. 28. Otto Hollmann, 11 Jahre alt. Sohn von Maschinen- fabrtkant Friedrich Hollmann zu Oberndorferhütte.

ArrsMS den

ds* Stadt Gietzen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 26. November. Johannes Becker, Metzger zu Wetzlar, und Katharina Balzer, Tochter des verstorbenen Zimmermanns Wilhelm Balzer aus Rosenthal.

Denselben. Georg Wink, Schuhmacher, ein Wittwer, und Elisabeth Leib, Tochter des verstorbenen Aufsehers Konrad Leib, zu Gießen.

Denselben. Johann Friedrich August Lotz, Bäckermeister zu Ems, ein Wittwer, und Emma Frech, Tochter des verstorbenen Octroierhebers Heinrich Frech zu Gießen.

Den 28. November. Heinrich Hammel, Fabrikarbeiter aus Trohe, ein Wittwer, und Marie Gertrud, geb. Nickel, Wittwe von Schuhmacher Heinrich Thielmann.

Getaufte.

Den 23. November. Dem Secondlteutenant Karl HooS eine Tochter, Anna Amalie Lina Johanna, geboren den 29. September.

Denselben. Dem Handelsmann Johann Hankel ein Sohn, Heinrich Adolf, geboren den 9. October.

Denselben. Dem Taglöbner PhUipp Roll eine Tochter, Anna Katharina Elisabeth, geboren den 25. September.

Denselben. Dem Metslldreher Emil Schützler eine Tochter, Therese Marie Johanna, geboren den 5. October.

Beerdigte.

Den 22. November. Julius Hoch, Bauunternehmer, alt 61 Jahre, starb den 20. November.

Den 23. November. Dr. Wilhelm Diehl, Gymnasiallehrer i. P., alt 83 Jahre, starb den 21. November.

Denselben. Elisabeth Wittich, geb. Becker, Wittwe von Schuh­macher Georg Wittich, alt 79 Jahre, starb den 20. November.

Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde.

Sonntag den 30. November:

Kinderkirche um 7-12 Uhr.

Gedenket der hungernden Vögel!

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