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Rr. 251.

Dienstag den 28. October

1890

Der ftetener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener MsmitteuökLtter werden dem Anzeiger Ußchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Unzeiger.

Lierteljähri^er Adonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expeditiov und Druckerei:

Schulstratze Ar.^

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblatt ffir den Atveis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. PBBMMSaJWBBMBgBMSgaWSawaMMtMttia^ga

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Hraiisösikage: chiehener Kanülienbtäiier.

Acte Annoncen-Burcaur de§ In- unv Auslandes netyiirti Anzeigen für DenGießener Anzeige:" entgegen.

ArrrtLicheV Shell.

Gießen, den 27. October 1890. Betr.: Den Wiesengang.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien deS KreiseO.

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände damit sind, wiederholt an Erledigung der Verfügung vom 22. September l. I. Anzeiger Nr. 223.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Nachstehende Bekanntmachung Großh. Kreisamts Friedberg bringen wir hiermit zur Kcnntniß der Interessenten.

Gießen, den 20. October 1890.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung.

Wegen des Ueberhandnehmens der Maul- und Klauen­seuche im Kreise Friedberg wird bis aus Weiteres die Ab­haltung von ViehmLrkten Pferdemärkte ausgenommen verboten. Ebenso wird der Hausirhandel mit Klauenvieh im Kreise Friedberg hiermit untersagt. Der Friedberger und Butzbacher Schweinemarkt, ebenso der Friedberger Faselmarkt finden nicht statt.

Friedberg, den 15. October 1890.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg.

Dr. Braden.

Gießen, den 25. October 1890. Betreffend: Herbst-Controlversammlungen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großh. BnrgerMeiftereien des Kreises.

Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Bei den diesjährigen Herbst-Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmelde- amt Gießen gehörigen:

1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve.

2) Reservisten, sowie die zur Disposition des Truppentheils und der Ersatz-Behörden Entlassenen.

3) Diejenigen der Landwehr I. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl zur Gestellung bei der Herbst'Controlversammlung zu­gegangen ist.

Die Ersatz-Neservisten haben bei der Herbst-Control- versammlung nicht zu erscheinen.

Nachstehend ist Angegeben, wo und zu welcher Zeit die Controlpflichtigen anzutreten haben:

A. Zu Gießen

am 8. November 1890 im Oswald Aschen Garten für die Bewohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffen- berg und Herrnmald, Heuchelheim, Kleinlinden, Oppenrod.

1. Appell Vormittags 8 Uhr: Reservisten der Infanterie, 2. Appell Vormittags 9 Uhr 30 Min.: Offiziere, Sanitätsoffi­ziere und Beamte der Reserve, Reservisten der Garde, Jäger, Cavallerie, Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- . und Lustschiffertruppen, hes Trains (einschl. Kranken­träger), Sanitäts-und Beterinärpersonals, Büchsen- machergehülfen, Oecouomiehandmerker, sowie alle übrigen im Reserveverhältniß stehendell Mann­schaften.

Diejenigen Wehrleute I. Aufgebots, denen ein besonderer Gestellungsbefehl für die diesmalige Herbst-Controlversammlnng zugegangen ist.

3. Appell Nachmittags 2 Uhr für die Bewohner von Allen- dorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Langgöns, Leih- gestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen.

B. Zu Lollar

am 10. November 1890, Vormittags 9 Uhr, neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alteu-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daub- ringen mit Heibertshausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedel- Hausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.

J C. Zu Grünberg

am 10. November 1890, Nachmittags 12 Uhr 30 Minuten, an dem Bahnhose für die Bewohner von:

Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bing­mühle, Georgenhammer, Strelles-Mühle und Walk-Mühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Vurgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhos, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit dem Hainerhof, Winnerod.

D. Zu Hungen

am 11. November 1890, Vormittags 9 Uhr 30 Minuten: an dem Friedhof für die Bewohner von:

Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langs­dorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.

E. Zu Lich

am 11. November 1890, Nachmittags 3 Uhr: am Bahn- Hof für die Bewohner von:

Wach, Birklar, Dors-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettings­hausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher- Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, NiederiBessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.

Besreiungsgesnche sind bis längstens 8 Tage vorm Appell auf dem Dienstwege durch das Hauptmeldeamt einzu­reichen und müssen durch die Bürgermeisterei beglaubigt sein werden aber nur int dringendsten Nothsalle genehmigt.

Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an: Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher abzulegen.

Die Militärpapiere (Paß und Führungszeugniß) müssen zur Stelle sein.

Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe oes ganzen Controltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.

Gießen, den 23. October 1890.

Casp ary, Oberstlieutenant z. D. und Bezirks Commandeur.

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PoiMsche Usberficht.

Gießen, 27. October.

In den weitesten Kreisen der deutschen Nation, in allen Gauen des deutschen Vaterlandes ist an diesem Sonntag der 90. Geburtstag des Generalfeldmarschalls Grafen Moltke durch entsprechende Festlichkeiten freudig gefeiert worden und zahl­lose Glückwunsch-Telegramme und Glückwunsch-Schreiben, Adressen u. s. w. haben dem greisen Helden davon Kunde gegeben, welcher unbegrenzten Liebe, Bewunderung und Ver­ehrung er sich in seinem Volke erfreut. Diese Gefühle spie­gelten sich auch in den Artikeln wieder, welche die Tages­presse, ohne Unterschied der Parteistellung, dem selten festlichen Ereignisse widmete und diese Preßkundgebungen zeugten da­von, wie hoch das Bild des allverehrten großen Heerführers über dem Streite der politischen Parteien schwebt. Ganz besonders glänzend aber hat sich der Verlauf Oer Moltke- Feier in Berlin gestaltet, woselbst Generalfeldmarschall Gras Moltke, begleitet von seiner Schwester und seinem persönlichen Adjutanten und Neffen, Major v. Moltke, bereits am Nach­mittag des 24. October eingetroffen war. Schon am Sams­tag wurde Moltkes Geburtsfest in der Reichshauptstadt durch eine Reihe von Vorfeierlichkeiten begangen, deren Glanzpunkt der großartige und vollkommen künstlerisch gehaltene Fackel­zug bildete, welchen die Berliner Bürgerschaft dem Feld­marschall darbrachte. Als der eigentliche Mittelpunkt der gesammten Moltke-Feier jedoch muß die^Beglückwünschung Moltkes durch den Kaiser in der Wohnung Moltkes, im Generalstabsgebäude, am Sonntag Vormittag gelten, welcher Vorgang sich zu einem bedeutsamen und ergreifenden Aete gestaltete. Umgeben vom König von Sachsen, sowie von den Großherzögen von Baden und von Hessen, ferner im Beisein der königlichen Prinzen, der im Gardecorps dienenden Prinzen aus souveränen Häusern, der Generalfeldmarschälle Prinz Georg von Sachsen und Graf Moltke, des Generalstabschefs Grafen Waldersee, des preußischen Kriegsministers, sämrnt- licher eommandirenden Generäle der deutschen Armee und sonstiger hochgestellten Militärs brachte der allerhöchste Kriegs­herr dem berühmten Schlachtendenker feine und des Heeres

Glückwünsche dar, woran sich die Beglückwünschung des Ge­feierten Seitens der übrigen Anwesenden anreihte. Sonntag Abend fand bei den kaiserlichen Majestäten im Neuen Palais bei -Potsdam große Galatafel zu Ehren des Generalseld- marschalls Grafen Moltke statt.

Auch von den Deutschen im Auslande ist der 90. Ge­burtstag Moltkes vielfach festlich begangen worden und liegen hierüber eine ganze Reihe von Meldungen vor. Zahlreich sind die dem Feldmarschall zu seinem Geburtstage gewid­meten Gaben, deren ersten Platz natürlich der neue kostbare Marschallstab entnimmt, den der Kaiser dem Nestor der deutschen Heerführer verehrt hat. Auch vom russischen Kaiser ist Moltke anläßlich seines 90. Geburtstages in besonderer Weise ausgezeichnet worden durch Zusendung des Bildnisses Kaiser Alexanders III.

Während die Frage nach dem Zeitpunkte des Zusammen­tritts des preußischen Landtages nunmehr entschieden ist, herr­schen über den Termin für die Fortsetzung der Reichstags­arbeiten noch immer Zweifel. Verschiedene Blätter wollten wissen, daß der Reichstagspräsident, dem bei der Vertagung die Festsetzung der ersten Plenarsitzung des Reichstages nach dem 18. November überlassen wurde, sich für die Wieder­berufung des Plenums erst zu Anfang December entschieden habe. DieNordd. Allg. Ztg." bezeichnet indessen diese Meldung als unzutreffend und bemerkt, die Anberaumung der ersten Sitzung hänge wesentlich vom Eingänge des zu erwartenden Berathungsmaterials ab. Falls demnach für das Neichstagsplenum bis zum 18. November genügender Berathungsstoff vorhanden ist, so steht alsdann die Wieder­aufnahme der Plenarverhandlungen, ohne Rücksicht aus das gleichzeitige Tagen des preußischen Abgeordnetenhauses, zu erwarten.

Die Verhandlungen zwischen dem Auswärtigen Amte in Berlin und der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft nähern sich, wie dieNat.-Ztg." mittheilen kann, ihrem Abschlüsse. Dem genannten Blatte zufolge werden die Grundlagen des ge­planten Abkommens über die Neugestaltung der Dinge in Deutschostafrika andere sein, als bisher allgemein angenommen wurde. Die deutsch-ostafrikanische Gesellschaft tritt die landes­hoheitlichen Rechte wie auch die Zollerhebung an das Deutsche Reich ab und erhält aus den Zollerträgnissen eine Rente, aus der die Gesellschaft gewisse ihr auszuerlegende Leistungen zu bestreiten und außerdem die vier Millionen Mark Ent­schädigung an den Sultan von Zanzibar zu verzinsen und zu tilgen hat. Die Gesellschaft tritt in der Hauptsache in die Stellung einer bloßen Erwerbsgenossenschaft.

Der Sultan von Witu weigert sich, laut Mittheilungen aus englischer Quelle, Genugthuung für die Ermordung des Deutschen Küntzel und seiner Gefährten zu geben. Es heißt, er bereite sich auf Feindseligkeiten vor und habe er von den benachbarten Stämmen zahlreiche Verstärkungen erhalten. Unter diesen Umständen wird der von Zanzibar nach der Wituküste unter dem Oberbefehle des Admirals Fremantle abgegangenen englischen Strafexpedition nichts Anderes übrig bleiben, als ihre Kanonen sprechen zu lassen. Vielleicht kommt den Engländern das feindselige Verhalten des Sultans von Witu gerade erwünscht, um nun sein Land ohne weitere Um­schweife einfach aunectiren zu können.

DenLseves Reich.

Darmstadt, 25. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Oberstabsarzt erster Klasse Dr. Mende vom 2. Großh. Infanterie-Regi­ment (Großherzog) Nr. 116.

Darmstadt, 25. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 23. October d. I. allergnädigst geruht, den Gerichts-Accessisten Leopold von Werner zum Großherzogl. Hofjunker zu ernennen.

Berlin, 25. October. Zum Geburtstage des Grasen Moltke sind bereits zahlreiche Spenden und Adressen ein- getroffen, mit deren Anordnung man im Conferenzsaale Moltkes beschäftigt ist. Unter den ausgestellten Gegenständen befindet sich eine prachtvolle Meißener Porzellanvase vom König von Sachsen, eine großartige Blumendecoration der Stadt Bremen, eine Bierspende mit Flaschen und Gläsern aus München. Unter den Adressen befindet sich auch eine solche aus dem ständigen Wahlkreise Moltkes: Memel-Heyde- krug. Die Gänge und Treppen sind mit Blattgrün und Blumen reich geschmückt.

Berlin, 25. October. Anläßlich des Geburtstages des Generalfeldmarschalls Grasen Moltke sanden heute in sämmtlichen Schulen der Stadt und der Vororte Festacte statt} auch in den militärischen Bildnngsinstituten, sowie in