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Samstag den 27. Septbr (ßt^etter Anzeiger. Beilage zu Nr. 225. -1890,

machen, weil dadurch die

der Augen unnöthiger Weise zu stark angestrengt

sichtig.

Im schreiben Sehkraft wird.

Zlhn Gebote ?ur Augrnpflege.

Bei jeder Arbeit, besonders aber beim Lesen und Schreiben, sowie bei den weiblichen Handarbeiten rc. achte genau daraus, daß genügend Licht zur Arbeit vorhanden ist und, wenn irgend möglich, von der linken Seite und von oben auf die Arbeit fällt.

Vermeide es thunlichst, das Sonnenlicht, sowie auch das Licht der Lampe rc. direct ins Auge fallen zu lassen oder durch den Reflex desselben, aus Schnee, weißem Papier rc. die Augen zu blenden.

Das künstliche Licht darf nicht flackern, unstät und ungleich sein- der Anblick der Flammen muß dem Auge durch einen Schirm entzogen sein.

Schirme von Milchglas sind die besten, wogegen Kuppeln und Schirme von mattem Glase mit eingeschliffenen Streifen und Figuren für die Augen höchst gefährlich und schädlich sind. Ebenso sind diejenigen Schirme verwerflich, welche das Licht gar nicht durchlassen, wie z. B. die grünen Papier- und Pappschirme, weil sie das Auge zu einem steten Wechsel zwischen greller Helligkeit und Dämmerung zwingen.

Man achte stets darauf, daß die Augen nicht zu nahe auf die Arbeit gehalten werden, weil dies gar leicht beim Schreiben und bei den weiblichen Handarbeiten der Fall ist. Das ist meist zur Angewöhnung geworden und macht kurz­

Wenn die Augen bei der Arbeit schmerzen oder thränen oder wenn die Buckstaben beim Lesen und Schreiben zusammen- lausen, so muß man von der Arbeit eine Weile weg und in die Ferne, wenn möglich ins Grüne sehen und erst nach kurzer Rast die Arbeit wieder aufnehmen oder im Wiederholungsfälle ganz davon abstehen.

Das Lesen beim Liegen in dem Bette oder aus dem Sopha, im Gehen oder während der Fahrt auf der Eisen­bahn, aus der Pferdebahn und in anderen Wagen ist zu unterlassen- diese verderbliche Gewohnheit schadet den Augen ebenso wie flackerndes Licht. Auch nach der Genesung von einer schweren Krankheit muß man die Augen vorsichtig schonen.

Brillen darf man nur auf Verordnung eines Arztes gebrauchen, sie dürfen nicht fortwährend getragen und bei jeder Arbeit benutzt werden, weil dadurch die Augenschwäche mehr befördert wird. Dasselbe gilt auch von den blauen Brillen.

Man bewahre die Augen soviel wie möglich vor schnellem Wechsel von Licht und Finsterniß und bestrebe sich, dieselben durch eine vernünftige Lebensweise überhaupt und namentlich durch eine richtige Verkeilung der Zeit für Schlafen und Wachen zu kräftigen.

Wer diese Gebote hält, der wird sein Augenlicht sich bis ins hohe Alter bewahren und erhalten.

Vernaschtes.

* Hamburg, 22. September. Guten Appetit! Einen eigentümlichen Einblick in die heutigen Restaurationsverhält- nisse gewährte ein Proceß, der in diesen Tagen vor dem Hamburger Schöffengericht zur Aburtheilung gekommen ist. Angeklagt war ein Gastwirth S., welcher in den letzten Wochen zahlreiche Gäste durch den billigen Preis seines Mittagstisches angelockt hatte. Es stellte sich heraus, daß derselbe in dieser letzten Zeit 6643 Pfund Pferdefleisch an­gekauft und davon täglich 400 bis 500 Pfund Beefsteaks, Filets, Rinderbraten u. s. w. verarbeitet hatte, ohne daß seine Gäste eine Ahnung von dem Ursprung der ihnen vor­gesetzten Leckerbissen hatten. Der betriebsame Verarbeiter des Pferdefleisches, welches stets um Mitternacht in seine Wirthschaftsräume geschafft wurde, kam mit einer Gefängniß- strafe von 3 Wochen davon.

* Ein tadelloser, grüner, zahmer Papagei (kein Schreier) spricht: Hoch lebe der deutsche Kaiser, Eins, Zwei, Drei, Hurrah, der Prinz ist da, Wache heraus, Wache heraus, der Prinz ist da. Wir brauchen keine Schwiegermama, Schwieger­mama. Die schöne Adelheid mit dem bunten Kleid, Guten Morgen, Papa, schlaf wohl, mein süßer Jung. Herein! Was willst Du, wie heißt Du, Lora will spazieren gehen

wohl, daß diese Dame mit ihren weiblichen und männlichen Gehülsen schon viele Diebesthaten vollführt hatte, doch war es sehr schwer, dieselbe bei einem ihrer schlau angelegten Pläne zu überraschen. Da entschloß sich denn ein türkischer Geheimpolizist, der Dame einen Heirathsantrag zu stellen. Sie verlebte mit ihrem neuen Gemahl zwei frohe Wochen, die für diesen gerade hinreichten, um die Schlupswinkel der Gesellschaft und von ihr zusammengeraubten Schätze kennen zu lernen. Er stattete darauf seiner Behörde Bericht ab, und es wurde verabredet, die ganze Bande bei einer passenden Gelegenheit auszuheben. Als aber der Tag herankam, war der Detective mit seiner Gemahlin verschwunden und zwar unter Mitnahme der Kasse und der Werthsachen, die man auf mehrere Tausend türkische Psund schätzt. In dem Kampfe zwischen der Liebe und seinen Dienstpflichten hatte erstere den Sieg davongetragen.

* Amsterdam, 21. September. In dem von Dr. van Hamel Roos in Amsterdam herausgegebenenMonatsblatt gegen Verfälschungen" findet sich in der neuesten Nummer eine Mittheilung über die Verfälschung vonPferden. In Arkansas scheint nämlich bei den dortigen Pferdedieben ein Mittel in Schwung zu sein, durch welches die gestohlenen Thiere unkenntlich gemacht und dann verkauft werden. Ein Zufall veranlaßte die Entdeckung dieses Industriezweiges. Bei einer Schlägerei zwischen den Mitgliedern der Diebes­bande hatte es blutige Köpfe gesetzt und es mußte deshalb ein Arzt geholt werden. Dieser scheint aber zu sehr unge­legener Zeit gekommen zu sein, denn er kam gerade dazu, wie man damit beschäftigt war, ein Pferd zubleichen", d. h. dasselbe mit Schwefeldämpfen zu behandeln, wobei es mit einer Guttaperchadecke bedeckt wurde. Eine Frau, welche diese Behandlungsweise erfunden und zuerst Versuche an ihrem eigenen Haar angestellt hatte, leitete und überwachte das Verfahren. In der That kann durch dieses Mittel jeder Rappe oder Fuchs in einen Schimmel oder Apfelschimmel verwandelt werden, und wenn die Pferdediebe dabei noch die Vorsicht gebrauchen, Mähne und Schwanz zu stutzen, so wird selbst ein langjähriger Eigenthümer sein Pferd nicht mehr er­kennen. In Amsterdam kam vor einigen Jahren ein ähnlicher Fall der Pferdeverfälschung vor, indem der Verkauf eines Pferdes vom Gericht für nichtig erklärt wurde, weil der Verkäufer seiner alten Rosinante durch einen Zahnarzt ein ganz neues Gebiß hatte einsetzen lassen.

* Das fehlt noch. In einer Göttinger Zeitung findet sich folgendes Inserat:Von einem jungen Ehepaare wird ein accurates, in allen häuslichen Arbeiten erfahrenes Mädchen gesucht, welches perfect Scat spielen kann, um eventuell als dritter Mann zu fungiren."

* In K. ist eine bösartige Ruhr ausgebrochen.Keine Angst, meine Herren!" beruhigte der alte Sanitätsrath am Stammtisch die Gemüther,die Hauptsache ist, keine Unregel­mäßigkeit, nur nicht von der Lebensgewohnheit abgehen!" Plötzlich erbleichte einer der Gäste.Was ist Ihnen denn?" fragte man besorgt. Darauf die angstdurchbebte Antwort: Und ich habe heute ein Bad genommen!"

* Frau D.:Lieber Herr Doctor da mein Mann nicht hier ist, wollen Sie nicht ein Telegramm an meinen Bruder aussetzen, daß wir Zwillinge haben?" Doctor: Gern." Schreibt und liest dann vor:Große Freude! Wir haben heute Zwillinge bekommen später mehr!"

* Richter:Sie gestehen also zu, den Diebstahl begangen zu haben- können Sie etwas zu Ihrer Entschuldigung an­führen ?" Angeklagter:Mein Großvater war russischer Zollbeamter."

mit Carl Meyer. Singt: Du schöne Adelheid, bist meine Lust und Freud, Lott ist tobt z Jule liegt im Sterben. Spricht außerdem noch etwa 60 Worte und Sätze und lernt Neues in kurzer Zeit. Preis 300 Mk. So wörtlich eine Anzeige in einem rheinischen Blatt. Mehr kann man von einem Papagei nicht verlangen.

* Lüdinghausen, 22. September. Eine. Wette. Ein auswärtiger Handelsmann hatte mit einem Holzarbeiter um 50 Mk. gewettet, daß dieser nicht ein Jahr lang desAlten Klaren" fich enthalten könnte. Vor einigen Monaten hatte sich der Holzhauer, welcher in der Fremde arbeitet, gemeldet, um seinen Lohn in Empfang zu nehmen, da nunmehr ein Jahr verflossen sei, seit der letzte Tropfen Schnaps über seine Lippen gekommen. Das Gegentheil konnte ihm nicht bewiesen werden. Auch erbot sich der Arbeiter, dem die Abstinenz sauer genug geworden sein mag, seine Behauptung aus Ver­langen zu beschwören. Die Sache sand heute vor dem Amts­gericht ihre Erledigung dadurch, daß der Richter feststellte, eine Wette im gesetzlichen Sinne liege nicht vor, namentlich weil der Betrag nicht hinterlegt worden sei- der Kläger nahm danach seinen Antrag zurück.

* Rur ein Brod!Haltet den Dieb!" Dieser Ruf durchtönte am Donnerstag Abend in der Nähe der Schön- häuserstraße die Linienstraße in Berlin. Ausgestoßen wurde er von einer Menge, die hinter einer ärmlich gekleideten 40jährigen Frau herlief. Die Verfolgung währte nicht lange, denn die Frau stürzte hin und wurde sestgehalten. Bereits hatte sie mehrere Püffe und Stöße empfangen, als sie aus­rief:Ich habe ja nur ein Brod genommen!"Sie hat nur ein Brod genommen, laß sie laufen! Ich werde es bezahlen! Ich! Ich!" so tönte es nun aus der Menge heraus, und der dicke Bäckermeister, welcher im Schweiße seines Angesichts an der Spitze gelaufen war, hatte Mühe, alle die ihm plötzlich zugereichten 50-Psennigstücke zurück­zuweisen. Er eilte von dannen, ohne eine Bezahlung an­genommen zu haben.

* In einem in derNordd. Allgem. Ztg." wieder­gegebenen Schreiben, zu welchem das bekannte v. Werner'sche GemäldeKronprinz Friedrich Wilhelm an der Leiche des Generals Douay" die Anregung gegeben hat und welches von dem geschichtlichen Tage von Weißenburg eine neue und in mannigfacher Hinsicht sehr bedeutsame Mittheilung enthält, wird erzählt:Abel Douay fiel durch die Hand eines seiner Offiziere vom 2. oder 3. Turko-Regiment. Diese Thatsache wurde mir'verbürgt, scheint aber nicht bekannt zu sein. Ich war in Wörth, Morsbronn u. s. w. am 6., 7. und 9. August 1870. In der Nacht vom 9. August brachte ich einen Trans­port von 17 Wagen französischer Verwundeter von Hagenau nach Straßburg durch die deutschen Vorposten hindurch. Ich fuhr in einem Wagen mit einem Turko-Osfizier mit zer­schmettertem Oberschenkel und brachte denselben nach dem Hospital von Herrenschmidt am Wacken bei Straßburg-Schil- tigheim. Der Verwundete weigerte sich, den Fuß amputiren zu lassen, und sprach von seinem baldigen Tode. Er ver­traute mir nun an, daß sein Tod dadurch erschwert würde, daß sein Freund vor seinen Augen seinen eigenen Genera! ermordet habe! Soviel ich mich erinnere, kämpften die Turkos in den Weinbergen bei Weißenburg unweit eines Mennoniten- hoses. Die Turkos waren unzufrieden, daß sie nicht vor­stürmen dursten. Als die Bayern vorrückten und Abel Douay den Befehl zum Rückzüge gab, erhob ein Turko-Osfizier seinen Revolver und schoß mit dem Ruse:Traitre, voilä pour toi Abel Douay vom Pferde und erschoß sich dann selbst. Mein armer Verwundeter sprach die lange Nacht, die wir von Hagenau bis Straßburg fuhren, von nichts Anderem, als dieser Schande für sein Regiment und für Frankreich. Er selbst stand neben seinem Freunde, als dieser die That be­ging." In Anknüpfung an diesen Bericht wird noch bemerkt, daß weiland Kaiser Friedrich s. Z. in einem Gespräch über den Fall des Generals Douay vor dem Empfänger des Schreibens bemerkte, es habe schon am Tage von Weißenburg den Kron­prinzen selbst und die deutsche Generalität überrascht, daß der französische General an einem Punkte gefallen sei, bis zu welchem Geschosse aus deutschen Gewehren unmöglich getragen werden konnten. Man nahm deshalb an, daß General Douay von einem verirrten Granatsplitter tödtlich getroffen worden sei.

* Ein interessantes Polizeistückchen aus Adrianopel wird in türkischen Blättern erzählt. Es trieb dort seit Langem ihr Wesen eine Diebesgesellschaft, an deren Spitze eine Frau, die Wittwe eines türkischen Krämers, stand. Man wußte recht

sogenannten Zwielicht darf man niemals lesen, oder feine Handarbeit i

Literat«» unö Itunft

P. K. Rosegger, der beliebte und unerreichte Schilderer des Volkslebens in den Alpen, Iläßt Anfang October dss. Js. unter dem TitelDer Schelm aus den Alpen, Geschichten «nd Ge­stalte«, Schwänke und Schnurren", ein neues zweibändiges Werk in A. Hartlebens Verlag in Wien erscheinen. Nach den letzten ernsten und tiefsinnigen Schöpfungen des Autors,Jakob der Letzte", Martin der Mann", wird es den Freunden desselben um so will­kommener sein, daß Nosegger nun auch wieder einmal seinen ur­sprünglichen, anmuthenden Humor zur Geltung kommen läßt. Wer die Schriften Roseggers mit dem Wunsche aufblättert:Lachen will ich, lachen," wird imSchelm aus den Alpen" dessen vollste Er­füllung finden und auch der ernster Angelegte wird bei der Lectüre nicht schlecht fahren, da Rosegger in dem Vorworte des Buches aus­drücklich betont,daß jedes Blatt desselben zwei Seiten habe, gleich der Erdkugel; hier der heitere Tag, hier die ernste Nacht".

7752] Ueberzählige Weinfässer von ca. 600 Liter Inhalt verkaufen

Gebrüder Mayer in Gießen.

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beginnt soeben ein neues Quartal mit der Novelle: fluf schwankem Jäoöeii von W. Heimburg.

Man abonnirt auf die Gartenlaube bei allen Buchhandlungen und Postämtern für 1 Mark 60 Pf vierteljährlich.

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müssen meine sämmllichen Fatalitäten geräumt ft in, da dieselben theils oermiethct, theils ver­kauft sind.

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I beginnt Vorcursus 1. October, "Wintersemester 3. November. Aus-

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