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M. 172 Erstes Blatt. Sonntag dm 27. Juli
1890
Aints- und Anzeigeblutt fföt? den Ameir Gieren.
HraLisöeikage: Gießener IaMilienMtter.
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Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegn».
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Die Gießener
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Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, »it Ausnahme deS Montags.
Kreßener Anzeiger
Generat-Mnzeiger.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
3Pir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß mit Wirkung vom 1. August l. I. ab für den Bezirk I. an Stelle Les aus dem Dienst scheidenden Kreisboten Horn zu Gießen Adam Guldan zu Gießen zum Kreisboten ernannt und verpflichtet worden ist-
Gießen, am 24. Juli 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, 24. Juli 1890. Betr.: Die Anstellung der Kreisboten und deren Bezirke. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen <ut die Großherzoglichen Bürgermeistereien und Einnehmer der dem Kreisbotenbezirk I. zugewiesenen Gemeinden deS Kreises.
Unter Bezugnahme auf unsere Verfügung vom 19. Juni A. I. — Kreisblatt 143 — verweisen wir Sie aus vorstehende Bekanntmachung.
v. Gagern.
Gefunden: 1 Strumpfband, 1 Griffelkasten, 1 Broche, 1 Haarpseil, 1 Taschenuhr, 1 Schraubenzieher, 1 Halstüchelchen, 1 Scheere, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 1/2-Literblech, -1 Geldbeutel.
Zugestogerr r 1 Kanarienvogel.
Gießen, den 26. Juli 1890.
Grobherzogliches Amtsgericht.
Fresenius.
Verrtsches Reich.
Darmstadt, 25. Juli. Landtagswahlen. Während die vereinigten bürgerlichen Parteien in Offenbach (Stadt) mit 1156 Stimmen über die Socialdemokraten, welche es bei /-riesiger^ Agitation aus 835 Stimmen brachten, gesiegt haben, Ist es'letzteren gelungen, in dem 16. Wahlkreis (Groß- Sreinheim) die Majorität zu erlangen. Das Einzelresultat in diesem Landkreis ist recht interessant. Socialdemokratische Candidaturen siegten: in Mühlheim 5, in Bieber 4, in Klein- Steinheim 3, in Heusenstamm 3, in Dietesheim 2, in Obertshausen 2, in Rumpenheim 1, in Hausen 1 und in Klein- Auheim 1, Summa 22 Wahlmänner. Die Centrumspartei siegte: in Bürgel 6, Groß-Steinheim 3, Klein - Auheim 2, .Jügesheim 2, Weiskirchen 1, Rembrücken und Hainhausen 1, Summa 16 Wahlmänner.
Herr Wasserburg wird hiernach seinen Platz an den Schreiner Ohlig verlieren.
Die Socialdemokraten werden im kommenden Landtag somit in Stärke von 3 Mann erscheinen. Sie sind also jetzt nahezu so stark wie die 4 Mitglieder zählende Centrums- fraction.
Da auch in Mainz die Abgeordneten Jöst und Ulrich, welche jetzt dort wieder siegreich das Feld behaupten, s. Zt. nach heißem Wahlkampf der Centrumspartei die beiden Mandate abnahmen, so haben die Socialdemokraten bei den hessischen Landtagswahlen bis jetzt nur aus Kosten der Centrumspartei Wahlerfolge erzielt. Eine Thatsache, die immerhin bemerkenswerth erscheint.
In Lampertheim ist die Wiederwahl des Herrn Rechtsanwalts Metz I. zweifellos. Das Gleiche ist in Gießen (Stadt) der Fall, woselbst die Wiederwahl des dortigen .Rechtsanwalts Metz ohne Opposition im Voraus gesichert war. In Alsfeld (Stadt) haben die Deutsch-Freisinnigen bei großer Wahlbetheiligung gesiegt. Candidat derselben ist Herr Gastwirth Gundrum, während der Wahlkreis bisher durch Herrn Grünewald vertreten wurde.
Bis jetzt haben die Socialdemokraten und die Deutsch- Freisinnigen je einen Sitz gewonnen, in deren Verlust sich die Centrumspartei und die Nationalliberalen theilen.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Torrespondenz-Bureau.
Berlin, 25. Juli. Wie der „Reichsanzeiger" meldet, hat der Kaiser gestern Abend mit „Wacht" und „Irene" Molde verlassen, um nach Bergen zurückzukehren,- er gedenkt von dort Samstag Mittag die Heimreise sortzusetzen.
— Wie verlautet, trifft der Kaiser, von Bergen kommend, am 28. Juli in Wilhelmshaven ein, verbleibt daselbst bis zum 31. Juli an Bord des „Hohenzollern" und
fährt am 1. August über Ostende nach England, von wo er amMI. August voraussichtlich in Berlin wieder eintrifft.
^ Berlin, 25. Juli. Der „Reichsanzeiger" bezeichnet die Meldung, daß nach erfolgter Uebernahme Helgolands das dortige Postamt der Hamburger Oberpostdirection unterstellt werde, als unrichtig. Es seien keinerlei Bestimmungen hierüber getroffen.
Spandau, 25. Juli. Im benachbarten Dorfe Grünseld wurde durch einen Wirbelsturm bei dem gestrigen Gewitter ein großer Theil der Häuser abgedeckt, der Kirchthurm umgestürzt und die Mühle zerstört.
Bonn, 25. Juli. Minister Goßler besichtigte heute Vormittag die Münsterkirche und unternahm eine Rheinfahrt nach Königswinter und Drachensels; Nachmittags war Festessen in Godesberg, um 6 Uhr Abreise nach Coblenz.
Halle a. d. S., 25. Juli. Heute erfolgte die Uebergabe der üblichen Geschenke anläßlich der Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II. und zum Gedächtniß Kaiser Friedrichs an die Halloren-Salzbrüderschaft durch den Berghauptmann Heydenrynsch in Anwesenheit des Ministers Wedell. Nach einer Ansprache des Berghauptmanns gelobte der Vorsteher Treue dem Regenten und übernahm die Geschenke, bestehend aus Fahnen, Pokal und einer Fuchsstute.
Serajewo, 25. Juli. Auf Grund einer Verordnung des Ministers Kallay hat die Regierung den Weinzehnt für immer abgeschafft.
Dresden, 25. Juli. Der bisherige Vicariatsrath Dr. Wahl ist vom päpstlichen Stuhl zum apostolischen Vicar in den sächsischen Erblanden ernannt und heute in dieser Eigenschaft in Gegenwart des Cultusministers Dr. v. Gerber verpflichtet worden.
Wien, 25. Juli. Minister Kallay lehnte entschieden die vom Gemeinderathe in Serajewo beschlossene Errichtung eines Monuments ab und erklärte, er sei genügend belohnt, wenn das Volk anerkenne, daß die Regierung nur das Volkswohl anstrebe und wenn es die Regierung in diesem Bestreben unterstütze.
Paris, 25. Juli. Nach dem „Matin" steht der Abschluß der Verhandlungen zwischen Frankreich und England bevor.
— Die Ex-Königin Isabella reist heute nach Schlangenbad und von dort nach beendeter Kur nach Nymphenburg zu ihrer Tochter, der Infantin della Paz.
London, 25. Juli. Eine Lloyd-Depesche aus Rio de Janeiro meldet den Untergang deSHamburger Dampfers „Buenos Aires" bei der Rosa-Insel. Mannschaft und Passagiere wurden gerettet.
London, 25. Juli. Eine Meldung der „Times" aus Konstantinopel besagt, der russische Botschafter Nelidow überreichte der Pforte eine Note, worin erklärt wird, das Entgegenkommen der Pforte in der bulgarischen Bischofssrage sei ein für Rußland wenig freundschaftlicher Act und könne ernstliche Consequenzen herbeiführen, da die bulgarische Regierung der russischen feindlich gegenüberstehe. In unterrichteten Kreisen ist außer dieser Meldung Weiteres nicht bekannt.
London, 25. Juli. Nach Meldungen aus Newcastle werden mit Rücksicht daraus, daß die Seeleute der Nordhäfen die Arbeit einzustellen drohen, fremde Seeleute für die englischen Dampfer gedungen, stellenweise bei niedrigerer Löhnung.
London, 15. Juli. Bei der Fortsetzung der Berathung der Helgolandbill im Unterhaus tadelte Osborne es, daß England keine Sicherheit dafür habe, das Protectorat über Zanzibar zu erhalten. Temple befürwortete die Bill. Labouchere erklärte, er sei nicht gegen die Abtretung Helgolands, glaube aber, daß England keinen genügenden Ersatz erhalte, womit er nicht sagen wolle, England bekomme ein zu geringes Gebiet in Afrika. Alfred Pease bekämpfte, Bethell befürwortete die Bill. Storey billigte die Abtretung Helgolands, tadelte es aber, daß England die Insel zum Gegenstand eines Tauschhandels gemacht habe. Harcourt wünschte Aufklärung über die Haltung der Regierung betreffs der constitutionellen Bedenken Gladstones. Die liberale Partei wolle die Prärogative der Krone nicht der Gnade des Oberhauses überliefern. Dann nahm das Unterhaus in zweiter Lesung die Helgoland-Bill mit 209 gegen 61 Stimmen an. Dagegen stimmten die Parnelliten und einige Radicale.
Bergen, 25. Juli. Die „Hohenzollern" und die „Irene" sind heute Nachmittag 2i/2 Uhr hier eingetroffen. Das Wetter ist schön. Der Kaiser begab sich erst am späteren Nachmittag vom Schiff ans Land/ er machte Einkäufe an Pelzwerk und Goldsachen. Es verlautet, die Abreise sei auf morgen Mittag festgesetzt. In Ostende werden zum Empfang deS Kaisers große Vorbereitungen getroffen.
Rom, 25. Juli. Nach einer Meldung der „Agenzm Stefanie" aus Guatemala vom 23. d. M. hat die Republik Guatemala vorgestern der Republik San Salvator den Krieg erklärt.
Rom, 25. Juli. Der Papst empfing heute den seine Urlaubsreise antretenden Gesandten v. Schlözer in Abschiedsaudienz. — Das Amtsblatt veröffentlicht die Verleihung einer goldenen Gedenkmedaille durch den Marineminister an den Fürsten von Montenegro für die Hilfe, welche zwei italienischen Barken bei Antivari seinerzeit geleistet worden ist.
Liffabon, 25. Juli. Die Pairskammer hat den Antrag auf eine sechsprocentige Erhöhung aller Abgaben, von denen nur solche von Zinsen der öffentlichen Schuld und die Einkommensteuer ausgenommen sind, angenommen.
Buenos Aires, 25. Juli. (Meldung des „Bureau Reuter".) Es lausen Gerüchte über eine bevorstehende Ministerkrise um; der Kriegsminister wolle demissioniren.
Buenos Aires, 25. Juli. Der Minister des Auswärtigen hat folgendes Communique versandt: Die Finanzlage bessert sich in Folge der beabsichtigten Sparsam- keitsmaßregeln; die diesjährige Ausfuhr übersteigt bedeutend die vorjährige, die Einfuhr nahm ab, die Ausgabe von Hypothekarnoten wird dem Mangel an Umlaufsmitteln abhelsen, ohne den Credit zu belasten. In der politischen Lage des Landes ist eine Veränderung nicht eingetreten; es existirt eine Regierungs- und eine Oppositionspartei, wie in jedem freien Lande. Verschwörer sind nicht vorhanden. Die Wahlconvention wird, wie üblich, den Nachfolger des Präsidenten nominiren und die Regierung sich jeder Einmischung enthalten; die öffentliche Meinung zeigt sichtbares Vertrauen zu den ehrlichen Absichten der Regierung.
Darmstadt, 26. Juli. Se. König!. Hoheit der Groß- h erzog empfing heute Mittag den nach Hamburg versetzten preußischen Gesandten Freiherrn v. Thielmann in Abschieds- Audienz.
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Gießen, 26. Juli.
— Der Stadtarchivar Professor Dr. Höhlbaum in Köln hat einen Rus zur Uebernahme der ordentlichen Professur für mittelalterliche Geschichte an unserer Universität erhalten und angenommen.
— Am 23. d. M. beging der Oberhesstsche Verein für innere Mission sein zwölftes Jahresfest in Gießen. Der Festgottesdienst begann um 10 Uhr; die Liturgie, bei welcher mehrere Chöre vom Kirchen-Gesangverein, unter Herrn Dr. Hayms Leitung, sowie einige Knabenchöre in vortrefflicher Weise zum Vortrag kamen, wurde von Pfarrer Schlosser abgehalten, während Pfarrer Frohnhäuser aus Mainz über das Gleichniß vom großen Abendmahl predigte. — Die Jahresversammlung fand im Anschluß an den Gottesdienst gleichfalls in der Kirche statt und wurde von dem Vorsitzenden Professor Stamm geleitet; in seiner Eröffnungsrede gedachte derselbe der im Laufe des Jahres verstorbenen Vorstands- Mitglieder, des Kirchenraths Dr. Strack in Lang-Göns und des Stiftsdechanten Dr. Clemm in Lich. Sodann erstattete Pfarrer Schlosser den Jahresbericht; darnach belief sich die Einnahme und Ausgabe des Vereins auf 1834,94 Mk., wovon etwa die Hälfte aus Unterstützung des Kinderhospitals in Nauheim und die Herbergen zur Heimath in Gießen und Friedberg entfielen. In der Gießener Herberge übernachteten Wanderer in 7320 Nächten und wohnten 120 Gesellen in 2348 Tagen. Durch den mit dem Verein in naher Verbindung stehenden Colportageverein wurden verkauft gute Schriften im Betrage von 10004 Mk. (gegen 4186 Mk. in beiden übrigen Provinzen zusammen), dazu ca. 1000 Bibeln und Neue Testamente (ebenfalls mehr, als in den anderen Provinzen). Pastor Droß aus Berlin überbrachte die Grüße des Centralausschusses für innere Mission, und Pfarrer Göhrs aus Gernsheim sprach als Delegirter des Landesausschusses der südwestdeutschen Conferenz für innere Mission und machte unter Anderem die Mittheilung, daß in Ausführung der Mannheimer Conferenz-Beschlüße demnächst eine Anstalt für weibliche Epileptische in Verbindung mit der Darmstädter Diakonissen-Anstalt begründet werden sollte. Professor Dr. Gottschick berichtete in längerem, lichtvollem Vortrage über die Verhandlungen, welche vor etlichen Monaten in Berlin bei der Versammlung deö Central-Auöschusseö für innere Mission, sowie aus dem evangelisch-socialen Congreß stattgefunden hatten, und gab damit eine treffliche Einleitung zu dem Hauptthema, das nunmehr zur Besprechung kam: „Welche Aufgaben erwachsen den Vereinen für innere Mission aus der gegenwärtigen Lage?" Pfarrer C. Wagner (der


