Ausgabe 
27.4.1890 Zweites Blatt
 
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dem uns W zahlreiche BlMit hen Dank, lmilien Böller und

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1890

Sr. 97. Zweites Blatt. Sonntag den 27. April

Der

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Alle Annoncen-Bureaux de- In» und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Aintttcher Tbeil.

Bekannnnachung.

,')m Kreise Gießen sind in der Zeit vom 1. Febr. 1889 6ii dahin 1890 in den einzelnen Gemeinden die nachstehend «lzeithneten Beträge für die Landeswaisenkasse eingegangen.

Wir bringen dies mit herzlichem Danke für die Geber .hindurch zur öffentlichen Kenntniß.

Niesten, am 24. April 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

OEM

«r.

Gemeinden

JL

Orb.-- Nr.

Gemeinden

X

1.

Mach ....

1.35

42.

Lindenstruth . . .

4.12

2.

Mendorf a. b. Lahn 1.55

43.

Lollar .....

2.54

3.

.'Mendorf a. d. Lda

1.84

44.

Londorf ....

.25

Allertshausen

-.25

45.

Lumda.....

.

5,

Mten-Buseck . .

2.40

46.

Mainzlar ....

3.40

6.

Mnnerob . . .

6.89

47.

Münster ....

.

7.

Wellersheim . .

3.-

48.

Muschenheim. . .

-.78

8.

Rettershain . .

3.24

49.

Nieder-Bessingen

-.38

9.

Nersrod . . .

3.55

50.

Nonnenroth . . .

.60

10.

Kettenhausen. .

4.94

51.

Obbornhofen . .

-.20

11.

feuern ....

5.01

52.

Ober-Bessingen . .

.42

12.

Niiklar . . .

-.53

53.

Ober-Hörgern . .

7.97

13.

Nurkhardsfelden

180

54.

Odenhausen . . .

.

11.

Climbach . . .

180

55.

Oppenrod . . .

3 94

1\

Dauvringen . .

2.77

56.

Queckborn . . .

-.68

16.

Dorf-Gill . . .

-.50

57.

Rabertshausen . .

-87

11

Oberstadt . . .

1.07

58.

Reinhardshatn . .

1.70

ib.

Ettingshausen

-.70

59.

Reiskirchen . . .

4.10

19.

farbenreich . .

1.05

60.

Nodheim ....

16.02

Geilshausen . .

61.

Rödgen ....

.35

221.

Meßen ....

231.93

62.

Röthges ....

.

Ä

(Möbelnrob . .

2.42

63.

Rüddingshausen

2.03

!L.

froßen-Buseck .

9.73

64

Ruttershausen . .

1.05

221.

frotzen-Ltnden .

6

65.

Saasen ....

2.04

(Mriberg . . -

8.72

66.

Stangenrod . . .

.71

226.

Müningen . .

1.72

67.

Staufenberg . . .

4.

221.

Harbach . . .

.22

68.

Steinbach ....

4 50

Hattenrod . .

.50

69.

Steinhetm . . .

6.

J.

sausen . . .

.44

70.

Stockhausen . . .

1.73

Zieuchclheim . .

4.15

71.

Trais-Horloff - .

8.72

31.

h.'olzheim . . .

2

72.

Treis a. d. Lda.

1.04

32

H.mngen . . .

4.89

73.

Trohe.....

.65

31.

Inheiden . . .

> essclbach . . .

3.70

74.

Utphe .....

3.37

31

1.69

75.

V'.llingen . . .

2.90

35.

A

Gleit'-Linden . .

Langd ....

1.68

4.17

76.

Watzenborn mit Steinberg ....

7.52

31.

!' ang-Göns . .

5.15

77.

Weickartshain . .

1.50

W

Langsdorf . . .

3.70

78.

Wettershatn . . .

.

M

L'auter ....

79.

Wieseck ....

12.

V

Leihgestern . .

3.56

80.

Winnerod ....

.

Ul

Ach.....

10.78

Sa. X

459.47

Feuilleton.

Die Naturgeschichte des Knobelns.

Von Paul Belgard.

ist Alles schon dagewesen", sagt bekanntlich Ben >2 !UJia, und er hat Recht: auch derin der Welt, in der n M kmobelt", mit allgemeiner Trauer aufgenommcnc Wahr­st^ des Richters von Ncurodc in der Grafschaft Glatz, wie s. Z. von den Blättern gemeldet, das Aus- lc jjhclffli von Bier als Glücksspiel in Acht und Bann that, der erste, der so drakonisch verfährt. Schon den a w Römern, welche dem edlen Knobelspiel mit großer ÄMlchaft zugethan waren, wurde durch den Erlaß des ,01 adateoribus dasTrudeln" verboten. In diesem K Eilige setz wurde alles Würscln untersagt und nur zur Zeit bi im .Saturnalien erlaubt. Allerdings müssen es die Welt- c Mcrr auch etwas zu arg getrieben haben. Welches waren d diie ersten Worte, die der große Cäsar, als er den überschritt, ausrief:Jacta est alea, und der K tor Claudius glaubte sein Volk durch nichts mehr beglücken 5; n Immen, als dadurch, daß er den ersten offiziellen Knobel- Ciimsmt, der damalsda alea hieß, herausgab. O, du L Wellige Zeit, in der gewiß im Palast und in der Hütte ,, M edlen Chicanen" flott geknobelt wurde.

Mer auch die alten Griechen huldigten dein edlen C rofiklesie kannten schon dreißig verschiedene Würfel-Touren, d M» Namen kaum weniger originell waren als unsere hi Migem. Der schlechteste Wurf hieß bei ihnenKyos", d. h. HW, und der beste trug den Namen der schaumgeborenen G ickiii. der Liebe,Aphrodite".

D^ unsere Urahnen, die alten Germanen, dem Würsel- sstM himgegeben waren, daß sie nicht selten Acker und Vieh,

Gießen, den 24. April 1890. Betr.: Die Regulirung der Gewerbsteuer.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien de- Srcise-.

Nach Art. 27 des Gesetzes vom 8. Juli 1884, die gleich­mäßige Besteuerung der Gewerbe betreffend, geschieht die M- gulirung der Gewerbsteuer durch eine Commission, welche aus dem Steuercommissär als Vorsitzenden und drei von der Stadtverordnetenversammlung, beziehüngsweise dem Gemeinde­rath einer jeden Gemeinde aus drei Jahre gewählten Mit­gliedern besteht.

Für den Fall, daß gewählte Mitglieder mit Tod abgehen oder nicht mehr die Bedingungen der Wählbarkeit besitzen, oder sonst dauernd außer Stande sind, ihr Mandat zu erfüllen, werden in jeder Gemeinde weiter zwei Ersatzmänner gewählt, die in solchen Fällen an die Stelle von ursprünglich Gewählten zu treten haben-

Zu Mitgliedern der Commission und zu Ersatzmännern können nur solche gewählt werden, welche zur Zeit der Wahl volle 30 Jahre alt sind und welche die passive Wahlfähigkeit als Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, beziehungs­weise als Gemeinderathsmitglied besitzen.

Sie wollen durch die Stadtverordnetenversammlung, beziehungsweise den Gemeinderath, die Wahl der drei Mit­glieder und zwei Ersatzmänner alsbald vornehmen lassen und uns das Ergebniß derselben binnen acht Tagen mittheilen.

v. Gagern.

Darmstadt, 22. April. Das gestern ausgegebene Groß­herzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 8) enthält u. A. :

Dienstnachrichten.

Seine königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- guädigst geruht: Am 20. März dem Pfarrer Emil Pfaff zu Schornsheim die evangelische Psarrstelle zu Hahnheim zu übertragen.

Am 15. März wurde der von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein auf die 5. Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Sprendliugeu präsentirte Schulamtsaspirant Leon­hard Thierolf aus Neustadt für diese Stelle, am 27. März wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau aus die 5. Lehrerstelle an der Gemeiudeschule zu Beerfelden prä­sentirte Schulamtsaspirant Jacob Friedrich aus Kirch-Brom­bach für diese Stelle bestätigt- am 28. März wurde dem Schulamtsaspiranteu Karl Keller aus Bauernhetm die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder - Mockstadt übertragen- am 29. März wurde der Bremser bei den

Oberhessischen Eisenbahnen Heinrich Schneider zum Schaffner bei diesen Bahnen ernannt- am 31. März wurde dem Adolf Heß aus Vilbel das Patent als Geckkneter 2. Klasse für den Kreis Friedberg ertheilt - am 4. April wurde der Gefangen­wärter Philipp Winkes in Marienschloß zum Gefangen­aufseher am Landeszuchthaus mit Wirkung vom 1. April an ernannt- am 9. April wurde dem Schullehrer Johannes Adam zu Rimbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Langwaden, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspi­ranten Philipp Rau aus Hahn eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Erfelden übertragen.

Concurrenzeröffnung.

Erledigt ist: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wendelsheim mit einem Gehalte von 900 Mk.

Berlin, 23. April. Der evangelische Ober- kirchenrath hat, wie diePost" berichtet, nun auch einen Erlaß aus Anlaß der soeialistischen Bewegung an die Geist­lichen der Landeskirche gerichtet. Der Erlaß entspricht in manchen Punkten dem Erlaß des Cultusministers an die kirchenregimentlichen Behörden in den neuen Provinzen. Es heißt in dem Erlaß u. a.:Wo irgend möglich, ist es auch in den Städten wie auf dem Lande zu versuchen, daß der Geistliche in freien Versammlungen, verbunden mit Rede und Gegenrede, den Arbeitern unter die Augen tritt und Vor­urteile zerstreut. Fehlt einem Geistlichen die Gabe dazu, so findet sich unter den übrigen Geistlichen einer Diöcese wohl einer ober der andere, der für ihn eintreten kann." Ferner wird es als eine besondere Pflicht der Geistlichen bezeichnet, in und außer den Conferenzen die Volksschullehrer vor den in Rede stehenden Verirrungen zu behüten und ihre Mit­wirkung zur Bekämpfung derselben zu gewinnen. Ferner hat der Oberkirchenrath eine Ansprache an die Gemeinden verfaßt, welche am Bußtage von den Kanzeln verlesen werden soll. Es heißt am Schluffe derselben:Laßt uns als die von Einem Stamm stehen auch für Einen Mann, um han­delnd und betend die Vorurtheile zu überwinden, die Leiden­schaften zu dämpfen, den Frieden zu sichern und vor Gott und den Menschen zu beweisen, daß dir Gottesfurcht auch in unserem Volke aller Weisheit Anfang ist, und daß die Gott­seligkeit die Verheißung auch des diesseitigen Lebens hat."

Die vom Zuchlverein Lauterbach für Züchtung der Simmenthater Rindviehraste am 24, 26. und 28 Februar, 7. und 8. Mär? abgrhattenen

Körungen.

Die Körung wurde meistens durch den ganzen Vorstand des Zuchtvereins ausgeführt. Außer dem Hof Eisenbach und

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Havs und Hof, Weib und Kind, ja, ihr höchstes Gut, ihre eigentliche Freiheit, von den Augen der Würfel abhängig machten, wissen wir aus dem Taeitus, der in seiner Ger­mania die Charaetereigenschaften der alten Germanen so treffend gezeichnet hat. So böse Menschen sind wir nun allerdings nicht, wenn auch nicht geleugnet werden soll und kann: es wird bei uns viel geknobelt intra muros et extra. Daß im neuen Deutschen Reich die edle Kunst des Knobelns durch ungezählte Knobel-Breviers, Trudel-Vademeeums und sonstige Hilssbücher auf einen, ihrer würdigen Höhepunkt ge­bracht ist, braucht wohl nicht betont zu werden. Auch, daß im Reiche der drei Würfel neben dem geschriebenen Gesetz auch das Gewohnheitsrecht großen Einfluß hat, dürste dem £aien und es soll deren wirklich noch einige geben einleuchten. Auch beimTrudeln" ist eben jede Theorie grau, und grün des Lebens goldner Baum: denn das muß jeder Knobler selbst prüfen, ob er mit kräftigem Umsturz des Leberbechers oder mit langsamem Hinausgleitenlassen oder endlich mit Zurückziehen viel oder wenig Augen wirft.

Welches sind nun die sogenannten Knobel-Touren? Diese Frage erschöpfend zu beantworten, ist sehr schwer, ja un­möglich, ihre Zahl ist im wahren Sinne des Wortes Legion, wir müssen uns daher damit begnügen, aus dem Ueberreichen das Originellste und Amüsanteste herauszunehmen. Aus Galanterie gegen die Damen und um die schönere Hälfte des Mannes einigermaßen für die unzähligen Gardinenpredigten zu entschädigen, die der unscheinbare Lederbecher schon ver­ursacht hat, sei hier denBlauen Augen" und denGrauen Augen" der Vortritt gegeben. Bei ersterer Bestimmung werden nur die Ungraden eines Würfels gezählt, bei letzteren nur die Geraden. Worauf diese Schätzung schöner Augen beruht, wer mag es wissen- ebensowenig ist es je ergründet worden, weßhalb die bösen Männer nicht auch die braunen

und schwarzen für würdig befunden haben, im Knobel-Com- rnent zu glänzen. Doppelt schwer ist diese Unterlassungs­sünde, wenn man sieht, wieRollmops",Gänseklein" und Ragout mit Trüffeln", diese prosaischen Dinge, beim Würfeln sehr beliebt sind. Da klingt dersüße August" und sein Antipode, diekleine Inste", schon pikanter- unter jenem versteht man den höchsten Wurfwie er rasselt", unter diesem den niedrigstenPasch",Sequenz",Keins von Beiden", undhöchste", sowieniedrigste Hausnummer" werden sehr oft bestimmt- seltener ist schon dertodt- gemimte Droschkenkutscher", derbrüllende Löwe", der arme Ritter", der hohe und niedrigeSpitzberger",Zeno- bias fliegende Husaren", derunbesoldete Assessor", der Magister",Kückelberger",Salamander", derCholera­kranke in der Hand des Medicinmannes", derdicke Bier­bauch",Rattenkönig", dergelockte Europäer",Mumpitz", derElephant von Indien", dasMauseohr", dasHeidel- gebirge", derverliebte Nachtwächter", diedrei fliegenden Hasen", derblutwürstige Dieterich" (blutdürstige Wütherich), daslachende Känguruh", derknobelnde Walfisch", bas hüpfende Rhinoceros", derBiersriedrich", dieJapanesische Gesandtschaft", dergeizige Erbonkel", derkleine Postillon" und derVeloeipedentriumphzug mit Klimbim und Schnäd- derängtäng".

Aber auch birect ungalant ist ein richtiger Knobler, sonst könnte er auf keinen FallMeine keifende Alte" be­stimmen. Zu denmilitärischen" Würfen gehörenLos" und Halt", während diesiamesischen Zwillinge" und diestig- matisirte Jungfrau" mehr ins Bereich der Naturgeschichte gehören. Eine originelle Bestimmung ist derPotsdamer", bei dem der erste Wurf verliert, und derNassauer", wobei der den zweiten Wurf thuendereinfällt". Man sieht, auch der Knobel - Comment hat die BegriffePotsdamer" und