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Mittwoch den 26. November. (Stefcencv Anzeiger. Beilage zu Nr. 276. - 1890.

aus je 5 Jahre.

füttern.

* Vor einigen Tagen rühmte sich in München ein junger Bursche in einem größeren Locale mit seiner Leistungsfähig­keit im Rauchen und verdampfte während des Abends 68 Stück Cigaretten- sodann stellte sich plötzlich ein heftiges Zittern am ganzen Körper ein und der junge Mann mußte bewußtlos heimgeschafft werden.

* Ein Gaftwirthsehepaar in Berlin sperrte seine zwei Dienstmädchen einige Tages-Stunden in deren Kammer ein, weil sie den Dienst verlassen wollten. Die Mädchen klagten und ist das Ehepaar wegen Freiheitsberaubung zu 1 Tag

* Kaltwafferuberschütten und seine Folgen. Professor Dr.

Krafft-Ebing in Wien konnte in seiner Vorlesung am letzten rechtlichen Mannes Donnerstag wiederholt daraus Hinweisen, wie schwere Folgen* s?n m-

dieharmlosen" Scherze, die man den Kleinen anthut, nach sich ziehen können. Ein kleines sechsjähriges Mädchen kann ihr schweres Leid einem solchen Scherze verdanken. Das Mädchen schlief und sein Onkel wollte sich nun den Spaß bereiten, die kleine Josefine vom Schlafe aufzuschrecken und überschüttete sie mit kaltem Wasser. Die Kleine erschrack hierüber so sehr, daß sie von da an ihr Leiden davontrug, welches darin besteht, daß sie nicht mehr Meisterin der Be­wegungen ihrer Hände und ihres Gesichtes ist. Hört das Gesicht auf, die verschiedenartigsten Grimassen zu schneiden, so beginnt das lebhafteste Spiel der Hände und so wieder­holt sich das Spiel fort und fort, bis die Kleine ermattet niedersinkt, um nach einer kurzen Ruhe die verschiedenen Be­wegungen wieder von Neuem auszunehmen. Die kleine Patientin hat auch nicht das geringste Bedürsniß nach Nahrungsaufnahme und die Mutter muß sie gewaltsam

PermiWte»*

* Worms, 21. November. Die Firma Valckenberg & Schoen, Kammgarnspinnerei, hat zum Besten ihrer Arbeiter die Summe von 120000 Mk. behufs Erbauung von A r b e 11 e r-

wo hu ungen bestimmt.

* Breslau, 17. November. Das große Loos der S ch l o ß f r e i h e i t s l o 11 e r i e der 4. Klasse wurde von einem hiesigen Kohlenhändler gewonnen. Er hatte von dem Loose verschiedene Anthcile abgegeben. Ein Halbes und em Vier- _

tel hatte er ohne Weiteres an die Mitspieler ausgezahlt. Bei Gesängnih verurtheilt worden,

einem Sechszehntel war nur die 1. Klasse bezahlt worden * Odern (Kreis Thann), 16. November. Als heute und der Gewinner hatte sich aus einen-Bergleich von 8000 Mk. Morgen, als es schon 9 Uhr schlug, die Famute oe-> IN

eingelassen, ein Achtel aber, das ein hiesiger Criminal- Wesserling beschästigten Fabrikarbeiters Leander Arnold nicht

commissarius beanspruchte, stritt der Gewinner ab. Er gab §um Vorschein kam, wurden die anderen Hausbewohner be-

zu, der Criminalcommiffarius habe wohl die Absicht geäußert, forgt und machten der Gensdarmerie Anzeige. Dieselbe sand

das Achtel zu erwerben, er habe ihm aber erwidert, daß er die Wohnung verschlossen, bemerkte jedoch tm Innern der

Qoofe nicht borge. Geld habe er von dem Commissarius sonst unheimlich stillen Wohnung Licht. Dem die Thur aus- nicht erhalten, mithin besitze dieser kein Anrecht an das Loos brechenden Beamten bot sich ein schrecklicher Anblick, und dessen Gewinn. Der Proceß um dieses Achtel des I Mitten zwischen fünf Kinderleichen im Alter von 29 Jahren, aroßen Looses hat hier große Sensation erregt, nicht allein I z^i Knaben und drei Mädchen, lag die Mutter derselben, wegen der Person des Klägers, sondern auch wegen der Ver- ebenfalls tobt. Allen waren die Kehlen durchschnitten, dte Haftung des Angeklagten durch den Kläger in seiner Eigen- I Leichen schwammen im Blute. Die Kinder waren nur mit schäft als Polizeibeamter und einer Klage des hiesigen Polizei- | dem Hemde, die Mutter jedoch saft völlig bekleidet, ^etztere Präsidiums gegen den Rechtsanwalt des Angeklagten und eine hielt in ihrer erstarrten Hand noch das Mordwerkzeug, etn hiesige Zeitung wegen Beleidigung des Klägers (Beamten- I altes Rasirmesser. Sie hatte damit ihren Kindern den Too beleidigung). Heute stand in dem Proceß Schlußverhandlung I gegeben, und dies, ehe sie Hand an-sich selbst legte, mt vor der Civilkammer an, der Kläger wurde mit seinen An- Kreide ans den Tisch geschrieben, auch einige Abschiedsworte sprüchen ab gewiesen. Im Princip wurde der Anspruch an ihren Gatten, welcher ahnungslos etwa dreiviertel Sttmden eines Spielers auf den Gewinn einis Looses, wenn er auch I tior der That seiner täglichen Arbeit nachgegangen war. Wohl nur die erste Klaffe bezahlt hat, auch bei der Schloßsreiheits- toQr von den Hausbewohnern Schreien der Kinder gehört (otterie anerkannt, aber wegen des von 4 Zeugen bekundeten I worden, dasselbe war jedoch bald verstummt und nicht aus-

Ausspruches, daß Verklagter dem Kläger gesagt habe, er borge fällig gewesen. Das älteste Bübchen hatte, wohl schou mit

keine Loose, die Klage abgewiesen. Die Behauptung des der,tödtlichen Wunde und in der Todesangst, unter das Ben

Klägers, daß er 3 Mk. bei jener Gelegenheit gezahlt habe, kriechen wollen, das jüngste Kind, ein Mädchen, Jag 9alb

konnte durch Zeugen nicht erhärtet werden. unter seiner Mutter. Furcht vor Strafe wegen eines kleinen

Diebstahls, wohl mehr aber die Furcht vor dem Zorn ihres r.......3, der von ihrem Vergehen noch nichts

wußte, auch die Verzweiflung vor Hunger und Noth scheinen die Unglückliche zu der grausigen That getrieben zu haben.

* Schwerte, 17. November. Der Wirthzum Frei­schütz" im Schwerter Walde wollte gestern Abend eine fremde Katze erschießen, die ihm Schaden zugesügt. Zu diesem Zwecke trat er, begleitet von einer Magd, die ihm leuchtete, vor die Thür. In demselben Augenblicke wurde aus der entgegengesetzten Seite ein Schuß abgefeuert, durch den der Wirth derart schwer getroffen wurde, daß er nach zwanzig Minuten starb. Man vermnthet einen Mord aus Rache.

* Traunstein (Bayern), 19. November. Der vormalige Bäcker Anton Ketterl und der Metzger Eduard Peisl haben in ihrer großen Schweineschlächterei 20 theils erkrankte, dem Verenden nahe und theils verendete Schweine zu Würsten und Rauchfleisch verarbeitet und verkauft. Das Landgericht verurteilte den Ketterl zu 1 Jahr, den Peisl zu 10 Monaten Gefängniß und beide zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte

Gerichtliche Entscheidungen.

Nach S 749 Pos. 7 der C.-P.-O. sind die den Wiltwen und Waisen aus Wtttwen- und Waisenkassen zukommenden Bezüge der Pfändung nicht unterworfen. Im vorliegenden Falle erhielt die Beklagte aus der Stadtkasse, in Folge der den Gemeinden obliegenden Pflicht zur Armenunterstützung einen Geldbetrag zur Erziehung ihrer Kinder und zwar auf Grund eines mit ihr abgeschlossenen Verpfleg­ungsvertrags. Ein derartiger Bezug fällt aber unter den § 749, ist also unpsändbar, da es keinen Unterschied begründen kann, ob die Stadtgemeinde ihrer Verpflichtung zur Unterstützung in der Form der einfachen Zuweisung einer Pension, oder in der Form eines Vertragsabschlusses genügt und ob die Unterstützungskasse selbst­ständig verwaltet wird oder mit der allgemeinen Stadtkasse vereinigt ist. (Entscheidung Gr. O.-L.-G., 1. Senat. W. 93/90 d. d. 29. Sep­tember 1890). _______________

Entscheidungen des Reichsgerichts.

Butter, die infolge schlechten Auspressens eine den normalen Procentsatz übersteigende Wassermenge enthält, gilt als gefälscht; derartig beschaffene Butter darf nicht verkauft werden oder der Landwirth wird wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz bestraft.

verkehr,a«6« und volkswirthschast

Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Roheifenprodirction des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Monat October 1890 auf 373 090 Tonnen, darunter Puddelroheisen und Spiegeleisen 150 811 Tonnen, Bessemerroheisen 38 774 Tonnen, Thomasroheisen 140 939 Tonnen und Gießereiroheisen 42 566 Tonnen. Die Production im October 1889 betrug 391 337 Tonnen, im September 1890 363 324 Tonnen. Vom 1. Januar bis 31. October 1890 wurden producirt 3 839 081 Tonnen gegen 3 606 855 Sonnen im gleichen Zeiträume des Vorjahres.

Recepte zu Raupenleimen. In der Zett, wo jeber Obstbaumbesitzer seine Obstdäume mit Klebgürteln versieht, resp. bie Klebstoffe auf denselben erneuert, dürften einige Recepte, nach denen man Raupenleime Herstellen kann, willkommen sein.

1. Der Perring'sche Brumataletm (zuerst barg, stellt vom Kgl. Garten-Jnspector Perring): 700 Gramm Holztheer, 500 Gramm Colophonium, 500 Gramm schwarze Seife und 300 Gramm Thran.

2. Der Neßler'sche Brumataletm (dargestellt von Hofrath Pros. Dr. Neßler): 5 Theile Fichtenharz, 5 Theile Colophonium, 2 Theile Stearinöl, 2 Theile Schweineschmalz, 1 Theil venettanischer Terpentni.

3. 500 Gramm schwarzes Pech, 250 Gramm dicker Terpentin und 375 Gramm Leinöl.

4. 5 Kgr. Rüböl und 1 Kgr. Schweinefett tüchtig eingekocht, ferner 1 Kgr. dicker Terpentin und 1 Kgr. Colophonium zusammen- geschmolzen und unter Umrühren dem elfteren Gemisch zugesttzt.

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Der PoftdampferNoorbland" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 21.'November wohlbehalten in New- york angekommen._____________________________________________

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