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amstag den 26. April

1890.

Der

Hietzener Anzeiger ulrf)fint täglich, nt Ausnahme des

Montags.

Die Gießener ^«itienökätler rtbrn dem Anzeiger ilchnntlich dreimal beigelegt.

Kenerak-Mnzeiger.

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Alle Aunonccn-Bnreaux des In« und Auslandes nchmm Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen. n» iniifin»--- ii

Deutsches Reich.

|[ Darmstadt, 25. April. Ihre Majestät die Kaiserin Kru drich traf heute Nachmittag 1 y2 Uhr mit den Prin- Wirnen-Töchtern Victoria und Margarethe von Homburg lomiTiciit) hier ein. Höchstdieselbeu wurden am Bahnhose der Mir deeckar-Eisenbahn von Seiner königlichen Hoheit dem Grvßherzog, S. K. H. dem Erbgroßherzog, I. K. H. der Pwyiessin Heinrich von Preußen, I. Gr. H. der Prinzessin Ach, Ihren Großh. Hoheiten den Prinzen Heinrich und Ml)! lm, sowie Sr. Erl. dem Grafen Erbach Schönberg cm pMM'n und begrüßt. Ihre Majestät hatten einen officiellen lsnlpjcmig dankend abgelehnt und so waren denn nur der Jlömcil. preußische Gesandte, der Königs. Großbritannische Ge- 'DMräger, der Stadtcvmmandant und der diensthabende teralabjutant fammt den Flügeladjutanten bei dem Em- .pliuigj: anwesend. Nachdem die sehr herzliche Begrüßung auf km derron stattgefundcn, bestieg Ihre Majestät die Kaiserin mit Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog und I. K. H. ihj Prinzessin Heinrich von Preußen den mit vier Pferden lb-ipaiiinten Hofwagen, welcher des regnerischen Wetters wegen gebEdti und geschlossen worden. In einem zweiten geschlos- ^skiieil Wagen folgten die Prinzessinnen Victoria und Mcrrga- ntlic uoon Preußen mit dem Erbgroßherzog lind der Prinzessin Ällix mon Hessen. Die Herrschaften wurden am Bahnhof von Sim zahlreich herbeigeströmten Publikum ehrerbietig begrüßt um) fuhren di re et nach dem dienen Palais, wo höchstdieselben M 2' Uhr in Gemeinschaft mit der Königin Victoria von Cßiigidüii) und den übrigen hohen Besuchsgästcn das Lunchcon DM.,men. Um 5!/4 Uhr trat die Kaiserin Friedrich mit iihlkii Töchtern, von der Großhcrzoglichen Familie zur Bahn geleit ft, die Rückreise nach Homburg v. d. H. an. Soviel Dis jegtzt fcststeht, treffen Seine Majestät Kaiser W i l h e l m jreirqg Abend 7 Uhr hier ein. Ein officiellcr Empfang soll M statt finden.

im. Darmstadt, 24. April. Hessischer Landtag. 'Ii heutiger Sitznng wird die General-Discussion über die K!cbl nbahn-Vorlage fortgesetzt und ergreift der Abg.

' IM Mainz das Wort.

Derselbe wünscht, daß mau uoch etwas weiter hätte z )|tben sollen als die Großh. Regierung in dem Bahnbau und i und) i er Herbeiführung von Reichseifcnbahnen stehe er sym- : mihifty gegenüber. Mit der Verstaatlichung der Hessischen ^M'izgsbahn sei auch er einverstanden, ebenso mit dem äjnbau durch den Staat. Leider sei das große Wort, das i mi gestern so gelassen ausgesprochen,daß alle hessischen lÄrn verstaatlicht werden sollen", dadurch schon wieder Wort worden, daß man beabsichtige, mehrere der pro- j eithtcn Nebenbahnen nicht durch den Staat, sondern durch r iZMiigeseltschaften Herstellen zu lassen. Bezüglich der Hessischen S. WogSbaljn könne er sagen, daß sich diese bei ihm und bei s «,i Freunden keines guten Rufes hinsichtlich ihres Betriebes e Mim. Mit dem Bau der Nebenbahnen möge man möglichst iratf) vorwärts gehen und nicht so lange warten, damit die ciAenrn Landestheile recht bald die Wohlthat der Bahnen cDeßien könnten. Daß mit dem Bahnbau der Wohlstand c Mdiert werde, müsse er bestreiten. Es sei dieses eine x Motivische Ansicht, welche in Nichts ende. Er glaubt, d N Dum einem Wohlstand in der Bevölkerung überhaupt nicht r umji" gesprochen werden könne und derselbe auch nicht mehr c iiimi.c. Immerhin halte ihn dieses keineswegs ab, für die LWrUe zu stimmen, er wünsche aber auch, daß man Sorge l1 flir tragen möge, daß die Gemeinden nicht allzusehr zu den > toin: herangezogen würden, wie dieses z. B. bei der Gemeinde L 'Miim geschehen sei. Viele Hoffnungen gingen dann zwar i m Ltksüllnng, müßten aber mit schweren Opfern erkauft n uckrn und das vermehre die Unzufriedenheit.

rllbg. Br eim er spricht für die Ausführung der Neben- b Wtni im westlichen Odenwald, um hierdurch eine Verbindung r m bnm Odenwald und der Bergstraße hcrbeizuführcn. Die 2 88roCtiferung des westlichen Odenwaldes verarme, wenn nicht (; Mi. Aibhülfe geschaffen werde. Er plaidirt ferner noch für d wLlau einer Bahn von Hetzbach nach Beerfelden.

Abg. v. Rabenau wünscht, daß mit dem Bahnbau r :oojim vorgegangen werde. Es sei dieses nöthig, um den a «not Gegenden rasch zu helfen. ReichseisLnbahnen begrüße aWr mit Freuden - denn von Hessen sei schon früher die e M Anregung hierzu ausgegangen. Auch die erste nationale jiir Einigung Deutschlands sei durch die Errichtung des > j-llvecceins von Hessen herbeigeführt worden. Die Er- n oonhinng der Hessischen Ludwigsbahn durch den Staat sei uMMeidlich. Er verwahrt sich gegen die Aeußerung des 3 Miistikr-Präsidenten, als würden in Oberhessen die Privat- £ fäfireft'fen vor die allgemeinen Interessen gestellt. Er bittet z M Schluß die Regierung, mit Preußen nochmals in Ver­

handlung zu treten, damit Oberhessen aus dem eisernen Gürtel der Preußischen Bahnen befreit werde.

Abg. Kugler kann sich durchaus nicht aus den pro­vinziellen Standpunkt stellen, wie dieses im Hause geschehe. Der Abgeordnete müsse sich nicht dadurch, sondern von seinem Gewissen und seiner Pflicht leiten lassen, für die Vorlage, wie sie vorliege,, zu stimmen. Er sei bereit, falls der Nach­weis der Nothwcndigkeit erbracht werde, noch mehr als bisher zu verwilligen. Bedauerlich sei cs, daß die Preußische Regierung der Hessischen so wenig Entgegenkommen zeige. Er glaube nicht, daß die Schuld au Hessen liege. Er empfehle daher, falls diese Angelegenheit nicht geregelt werde, sich an den Bundesrath zu wenden. Es solle im Deutschen Reiche der Grundsatz herrschen, daß jeder Staat Bahnen bauen kann, wohin er will, um einen Anschluß an andere Bahnen herbei­zuführen. Bezüglich der Uebernahme der Hessischen Ludwigs­bahn durch den Staat warne er vor einem allzugroßen Drängen. Der Vertrag derselben mit dem Staat lause erst 1891 ab. Die Concessionen, welche der Bahn gemacht wurden, seien so große, daß dieselbe eine sofortige Ueber- nahme ohne gütliche Uebereinkunft mit einer Anzahl Prozesse beantworten würde. Er sei aber auch dafür, daß die Hessische Ludwigsbahn verstaatlicht werde, aber nicht stückweise.

Staatsminister Finger erklärt, nach den Ausführungen des Abg. Kugler könne es scheinen, als wolle die Preußische Regierung die Hessische vergewaltigen. Er könne diese Auf­fassung nicht unwidersprochen lassen. In politischer sowie in nationaler Beziehung sei die Hessische Regierung mit der Preußischen Regierung im engsten Einverständniß und hätten Meinungsverschiedenheiten noch niemals bestanden. Die Hessische Regierung habe allen Grund, zu glaube», daß baldigst eine loyale Bundesgesinnung hinsichtlich unserer Bahn­bauten zur Geltung gelangen werde.

Abg. Kredel wünscht einen möglichst Vortheilhaften Abschluß mit der Hessischen Ludwigsbahn für das Land. Er werde für alle Linien stimmen.

Abg. Frank bittet, daß man bei dem Bau der Neben­bahnen den Odenwald und den Vogelsberg nicht vergefsen möge, wie man auch die Linie Fürth Weinheim nicht ans den Augen lassen dürfe. Die Ludwigsbahn erfülle ihre social- politische Pflicht nicht, indem sie ihre Arbeiter zu schlecht bezahle. Er sei mit deren Verstaatlichung voll und ganz einverstanden.

Ministerial-Prüsident Weber glaubt, daß salls die Kammer ein rascheres Tempo im Bahnbau wünsche, eine Vermehrung des technischen Personals im Ministerium ein­treten müsse. Ob die Kammer darauf eingche, lasse er dahingestellt. Commissarisch ließen sich die technischen Stellen aber nicht mehr besetzen, da die Techniker im Bahnbau schwer zu finden seien. Er hoffe, daß man die gute Absicht an­erkenne, daß die Regierung ihre Schuldigkeit thuc, sie habe sich ehrlich abgearbeitet und abgcmüht bei dem Zustande­kommen der Nebenbahn-Vorlage. Er könne selbst nicht sagen, daß er mit allzugroßer Begeisterung an die 14 Millionen denke, welche zum Bahnbau verwendet würden. Es sei hervorgehoben worden, es wäre ein Fehler gewesen, daß die Main-Wescr-Bahn an Preußen abgetreten worden sei. Die Abtretung war keine freiwillige und vorbereitete- dieses sei durch den Friedensvertrag, in welchem die Grundlagen gegeben waren, geschehen. Zum Schluß wünsche er, daß die Ver­handlungen mit Preußen zu einem gedeihlichen Ende geführt werden.

Es sprechen noch die Abgg. Ullrich, Metz- Darmstadt, Wasserburg, Jöckel, Schade, Schröder, Berg- st räßer, sowie der Abg. Reinhardt.

Sämmtliche Redner heben die Nothwendigkeit des Staats­bahnbaues hervor, wie ebenso die Erwerbung der Hessischen Ludwigsbahn im Interesse des Hessischen Staates liege.

Hiermit ist die General-Diseussion geschlossen.

Morgen beginnen die Berathungen über die einzelnen Nebenbahnprojecte.

Berlin, 23. April. Im Militäreabinet des Kaisers wird gegenwärtig, derNordd. Allg. Ztg." zufolge, das Diplom eines Genera l-Ob ersten der Cavallerie für den Füvsten Otto von Bismarck, Herzog von Lauenburg", aus­gefertigt. Dies würde also der amtliche Titel Fürst Bis­marcks sein. Er selbst bleibt bei dem einfachenv. Bismarck".

Erhebungen über die Lebensweise der Ein­jäh ri g-Fre iw i l li g e n der deutschen Armee sollen gegen­wärtig mit der Absicht stattfinden, apch hier dem Luxus künftig nachdrücklichst entgegenzutreten.

Osnabrück, 23. April. Seine Majestät der Kaiser passirte mittels Kaiserlichen Sonderznges bereits um 2 Uhr

45 Min. Nachmittags unsere Stadt. Der Aufenthalt währte nur einige Minuten- eine zahllose Menge begrüßte Seine Majestät mit jubelndem Zuruf, worauf der Kaiser huld­vollst dankte.

Köln, 23. April. Seine Majestät der Kaiser traf um 6 Uhr 2 Min. Hierselbst ein und setzte, ohne den Salon­wagen zu verlassen, um 6 Uhr 9 Mm. nach geschehenem Maschinenwechsel die Reise fort.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 24. April. Der Bundesrath trat heute zu einer Plenarsitzung zusammen. Vorher waren der Ausschuß desselben für Justizwesen, sowie die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Stenerwesen und für Handel und Verkehr zur Berathu»g versammelt.

Berlin, 24. April. Nach Erledigung zweier Rechnungs­sachen genehmigte das Abgeordnetenhaus heute in dritter Berathung in unveränderter Fassung die Regierungsvorlagen betr. die Erweiterung und Vervollständigung des Staats- cisenbahnnetzes und betr. den weiteren Erwerb von Privat­eisenbahnen durch den Staat. Sodann wurden kleinere Vor­lagen in erster und zweiter Lesung erledigt und schließlich der Gesetzentwurf enthaltend Bestimmungen über das Notariat und über die gerichtliche oder notarielle Beglaubigung von Handzeichen nach Bemängelung einzelner Paragraphen an die Commission wieder zurückverwiesen. Nächste Sitzung Freitag den 25. April, Vormittags 11 Uhr. Anträge und Petitionen.

Elberfeld, 24. April. Regiernngsrath Kuhlmeyer, Dircctionsmitglied des hiesigen Eisenbahnbezirks, ist gestern Abend gestorben.

Friedrichsthal (Kreis Saarbrücken), 24. April. Die Bergarbeiter-Massenversammlung unter freiem Himmel, welche für den 30. ds. Mts. geplant war, ist ver­schoben wordni. Maßgebend hierfür war hauptsächlich die Erwägung, man in einer solchen Versammlung eine in- birccte Feier hu* 1. Mai hätte erblicken können.

Saarlouis, 24. April. In zahlreichen Versammlungen, welche für die Bergleute der einzelnen Jnspectionen in den letzten Tagen im oberen und unteren Saargebiet all- gehalten wurden, erklärten die Hauptredner unter dem Beifall der Arbeiter, daß von einem neuen Strikc nichts zu erwarten' sei. Man müsse vielmehr alle friedlichen Mittel versuchen, um die in Dudweiler am 16. März aufgestellten Forderungen durchzusctzcn. Es wurde allenthalben beschlossen, an diesen Forderungen sestzuhalten.

Hagenau, 23. April. Se. Majestät der Kaiser traf um 1 Uhr Nachts hier ein und wurde aus dem Bahnhofe von dem Statthalter Fürsten von Hohenlohe, welcher aus Straßburg herüber gekommen war, begrüßt. Gleich daraus fuhr Se. Majestät zum Jagdhäuschen in den Hagenauer Wald und begab sich um 33/4 Uhr auf die Auerhahnbalz. Der stürmischen Witterung wegen kam Se. Majestät der Kaiser nicht zum Schuß. Bei der Rückkehr von der Jagd fuhr Se. Majestät der Kaiser durch die festlich geschmückte Stadt. Die Vereine, mit dem Bürgermeister und Gemeinde­rath an der Spitze bildeten Spalier. Trotz der frühen Stunde war eine zahlreiche Menschenmenge erschienen, die den Monarchen enthusiastisch begrüßte.

Straßburg, 24. April. Se. Majestät der Kaiser ist heute früh 7 Uhr 30 Min. ans Hagenau mittelst Extra­zuges hier eingetrosten. Ein offizieller Empfang hat nicht stattgefunden. Die Stadt ist reich beflaggt. Se. Majestät begrüßten nach der Ankunft Morgens im Kaiserpalast die dort versammelten Generale. Nachmittags soll ein größeres Manöver stattfinden. Tie Garnisonen aus Zabern, Pfalzburg und Saarburg sind per Bahn in die Nähe von Straßburg gerückt.

Straßburg, 24. April. Zur Nlittagstasel bei dem Kaiser waren die Spitzen der Militär- und Civilbehörden geladen. Die für den Nachmittag bestimmte Gefechtsübung wurde wegen anhaltenden Regens abbestellt; die bereits ausgerückten Truppen marschirten daher in ihre Quartiere, zurück. Als jedoch später das Wetter sich aufhellte, wurde die gesammte Garnison von Straßburg mnd Kehl zur Parade auf dem neuen Exerzierplatz bei dem Vorort Kronenburg versammelt. In der Front der Parade hatte der Großherzog von Baden als Generalinspecteur der 5. Armeemspection auf dem rechten Flügel Aufstellung genommen. Es fand ein zweimaliger Vorbeimarsch statt. Die Truppen waren in feldmarschmäßigem Anzuge, die Generalität in Compagnieninform, der Kaiser in der Uniform des 1. Garderegiments zu Fuß. Nach der Parade kehrte der Kaiser an der Spitze der Fahnencompagnie.