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Mittwoch den 26. März.
(Siebener Anzeiger.
Beilage zu Nr. 72. - 1890.
Feuilleton.
S r n st Schul; t.*)
(Fortsetzung.)
In dieser Seelenstimmung lernte er ein Mädchen kennen, das seine ganze Anschauung über die Frauen über den Haufen wersen und ihm einen besseren Begriff von weiblicher Würde geben sollte. Zwar urtheilt er anfangs über jenes Mädchen gerade so scharf, wie über alle Frauen, aber bald sah er sich veranlaßt, seinen Tadel ganz und gar zu widerrufen. „Cäcilie ist ein himmlisches Mädchen. O, warum mußte ich sie erst so spät ganz kennen lernen !" schreibt er am 22. August 1812 in sein Tagebuch. Cäcilie Tychsen, die Tochter eines Göttinger Prosessors, muß aber auch nach der Beschreibung der Zeitgenossen ein Mädchen gewesen sein, wie es wenige gibt und gegeben hat. Bouterwek, der Lehrer und Freund des Dichters, schildert sie folgendermaßen: „In der vollen Blüthe der Jugend, reizend vor Vielen ihres Geschlechts, von zarter Sittsamkeit, empfänglich für alles Schöne, geistvoll, von hinreißender Lebendigkeit in ihrem ganzen Wesen, zeichnete sie sich auch durch ihren feinen Kunstsinn und ihre Talente aus. Im Zeichnen und Malen hatte sie es schon weit gebracht. Mit Fertigkeit und Ausdruck spielte sie das Clavier und die Harfe." Alle diese Eigenschaften konnten einem Schulze nicht lange verborgen bleiben, und als er sie einmal erkannt hatte, da wallte seine glühende Seele diesem schönen Wesen entgegen und sein Genius warf ihm die duftigsten Blüthen einer echten Poesie zu dessen Verherrlichung in den Schooß. Seine Liebe zu Cäcilie war keine irdische im gewöhnlichen Sinne, „denn eine poetischere und den gewöhnlichen Forderungen der Leidenschaft williger ent-
*) Nachdruck verboten.
sagende Liebe kann es nicht wohl geben" (Bouterwek). Sein Geist erhielt einen neuen Schwung, der sich auch in seinen wissenschaftlichen Bestrebungen geltend machte, so daß er in dieser ersten Zeit der „Cäcilienperiode" zum Doctor und Magister in der philosophischen Faculrät promovirte. Unterdessen trat er in ein immer näheres Verhältniß zu der Familie Tychsen. Sein Tagebuch gibt uns Kunde von den schönen Stunden, die er in deren Kreise verlebte, sei es, daß er mit der Familie Ausflüge machte oder sie in ihrem traulichen Heim aussuchte, wo er dann gewöhnlich mit der Geliebten musicirte, ihr vorlas, oder interessante Gespräche mit ihr führte. Ob Cäcilie die innige Liebe des Dichters ebenso innig erwiderte, wissen wir nicht, da es nie zu einer entschiedenen Aussprache zwischen beiden gekommen ist, es steht aber fest, daß sie ihm ein lebhaftes Wohlwollen entgegentrug und an seiner Person, seiner Thätigkeit und feiner Entwickelung als Dichter den regsten Antheil nahm. Mehr verlangte ja auch Schulze von der Geliebten nicht: es war ihm genug, wenn er ihrer Stimme lauschen, ihr in die klaren Äugen blicken durfte; eine Blume, ein gütiges Lächeln machten ihn überglücklich. Doch lange sollte sein Glück nicht währen, Cäcilie war unheilbar krank. Schon im März 1812 hatte sie an einem Nervenleiden darnieder gelegen und feit dieser Zeit kränkelte sie immer mehr. Schulze konnte sich die Gefahr bald nicht mehr verhehlen; er schreibt am 4. September in sein Tagebuch: „Es ist Zeit, daß ich auch aus dem Becher des Unglücks trinke, bisher hat mein leichter Sinn keinen tieferen Schmerz gekannt." Und wie sollte er aus dem Becher des Unglücks trinken! Bis zur Neige hat er ihn leeren müssen. Sein Auge sah mit furchtbarer Klarheit den Tod herannahen und sein edles Herz verzehrte sich vor Kummer, daß er ihn nicht aufhalten konnte — und er kam. Am 3. December 1812 starb Cäcilie und mit ihr sank ein
I gut Theil der Lebenskraft des Dichters ins Grab. Der
wahnsinnige Schmerz, der Schulzes Innerstes durchtobte, spiegelt sich am besten in dem Eintrag vom 6. December in seinem Tagebuch wieder:
Des Kirchhofs Pforten sah ich offen, Der Todtengräber grub ein Grab, Und all mein Sehnen, all mein Hoffen Sank In die finstere Gruft hinab.
Ich sah den Leichenkranz verschwinden, Die Erde rollte drüber her, Todt war mein Geist, mein Busen schwer Und keine Thräne könnt ich finden.
Wodj einen kalten starren Blick Warf ich aufs frische Grab zurück. Und heimwärts wankt ich dumpf und trübe. O, lebe wohl, mein süßes Glück!
Leb wohl, du meine zarte Liebe!
Wenn man mich auch doch bald begrübe.
Die frühere Heiterkeit des Dichters war dahin — für immer. Sein tiefgebeugter Geist richtete sich nur auf in dem Gedanken, die geliebte Todte im Liede zu verherrlichen. „Holde Laura, ich will Dein Petrarca sein. . . So lange meine Lieder leben, sollst auch Du nicht sterben!" Und acht Tage nach dem Begräbniß schreibt er an Bergmann: „Gleich nach Cäciliens Tode, am ihrem Sterbebette selbst, faßte ich die Idee eines großen poetischen Werkes, um meine Geliebte auf eben die Weise nach ihrem Tode zu feiern, wie Dante seine Beatrice oder Petrarca seine Laura. . . Ich will ein Werk dichten, worin Cäciliens Character bis in seine kleinsten Feinheiten dargestellt werden soll. ... In Cäcilien soll die christliche Sehnsucht nach dem Himmlischen und Ewigen dargestellt werden, und ich selbst will in demüthiger Entfernung als die irdische Liebe neben ihr stehen." . . . Und er machte seinen Gedanken zur Wirklichkeit. Während dreier Jahre arbeitete er an seinem Heldengedicht „Cäcilie" und nach Ablauf dieser Zeit hatte er der Geliebten ein Denkmal gesetzt, wie es wenige Frauen besitzen.
I (Schluß folgt.)
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An der Veterinäranstalt sollen vergeben werden und zwar vom 1. April d. I. bis zum 31. März 1891:
1. Reinigung der Senkgruben und
2. Reinigung und Putzen der Oefen an den Wenigstnehmenden,
3. die der Veterinäranstalt zufallenden Pferdehäute an den Meistbietenden.
Reflectanten wollen bis Ende dieses Monats ihr Angebot schriftlich einsenden.
Gießen, 22. März 1890.
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