Ausgabe 
24.12.1890
 
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Wir machen daraus aufmerksam, daß es im Interesse des Publikums liegt, mit der Versendung der Neujahrskarten recht frühzeitig zu beginnen, da es bei der Anhäufung der Briesmassen am 31. December und 1. Januar trotz der all­jährlich von der Postverwaltung eingestellten zahlreichen Hülss- krä ste nicht immer thunlich ist, die betreffenden Sendungen den Empfängern rechtzeitig zuzustellen. Es empfiehlt sich zu diesem Zwecke, die sür Gießen selbst bestimmten Neujahrs­karten unter Umschlag mit der Bezeichnunghierin Neu­jahrsbriese" schon vom 2 6. d. Mts. ab dem Kaiser­lichen Postamte zum einstweiligen Sortiren zu übergeben. Im Weiteren empfiehlt es sich, die Neujahrssendungen mit der näheren Bezeichnung der Wohnung des Em­pfängers zu versehen, da zu den Aushülssleistungen im Be­stelldienste häufig ungeübtes Personal verwendet werden muß, welches am Orte nicht genau bekannt ist.

Nachahmenswerth. Die Würzburger Kaufleute haben in sämmtlichen Localblättern folgende Annonce erlassen: An die Einwohner Würzburgs!

Der unterzeichnete Verein sieht sich in Folge des all­gemein schlechten Geschäftsganges veranlaßt, an die Ein­wohner Würzburgs, insbesondere an den hohen Adel, die Herren Offiziere, Staats- und Communalbeamre die ergebene Bitte zu richten, bei ihren Einkäufen in erster Linie die hiesigen Geschäftsleute zu berücksichtigen.

Lediglich Vorurtheil kann bestimmend sein, Dutzende von Artikeln von auswärts zu beziehen, welche in jedem hiesigen Geschäfte ebenso gut und gerade so billig zu erhalten sind.

Lasse sich Niemand durch marktschreierische Annoncen, Detailreisende oder Hausirer blenden und sei Jedermann über­zeugt, daß der einheimische seßhafte Kaufmann und Gewerbe­treibende jeder Branche gewiß Alles aufbietet, um seine werthen Abnehmer zur Zufriedenheit zu bedienen und als ständige treue Kundschaft zu erhalten.

Schon aus Anhänglichkeit an das freundliche Würzburg sollte Jedermann bestrebt sein, möglichst Handel und Gewerbe am Platze zu unterstützen und nicht den Verdienst auswärtigen Unternehmern zufließen lassen, deren Geschästsgebahren meistens ««bekannt mjd, oft sehr zweifelhafter Natur ist.

Nur durch Aufblühen^ Äon Handel und Gewerbe kann unsere Stadt gedeihen, wozu jeder hier Wohnende sein gut Theil beitragen möge.

Würzburg, November 1890.

Der Verein zum Schutze des Detailhandels.

Theater. Am Sonntag ging die letzte Anfführung t»Neuen Theater" vor Weihnachten von Statten und brachte eine Wiederholung des Moser'schen SchwankesNervös". Der Inhalt ist kurz folgender: Der Rentier Hampel, der in Folge der Nervosität der Frauen seines Hauses keine frohe Stunde mehr genießt, erhält den Besuch eines jungen Ge­schäftsreisenden, der seinen wahren Namen Ochs aus begreif­lichen Gründen in Ossorius umgewandelt hat. Diesen hält Hampel für den Sohn seines Geschäftsfreundes Horn, mit dem er schon vor Jahren ausgemacht, daß dessen Sohn der­maleinst seine Tochter heirathen soll. Er leiht daher dem jungen Manne, dessen NamenOssorius" er nur sür ein Pseudonym hält, einige tausend Mark, um ihm die Gründung eines eigenen Geschäfts zu ermöglichen. Erst nach der Ab­reise des Ossorius erfährt er durch den inzwischen ange- kommenen Horn, daß er sich geirrt hat, und glaubt sich von einem fremden Schwindler betrogen. Das bringt ihn aus die Idee, wie er seine Damen endgiltig von ihrer Nervosität curiren kann. Er gibt vor, sein ganzes Vermögen verloren zu haben und geht mit seiner Familie aufs Land, wo sich dann die Damen die größten Beschränkungen auserlegen, selber im Haushalte alles besorgen müssen u. s. w. Damit aber erreicht Hampel seinen Zweck und heilt seine Familie gründ­lichst von ihrer Nervosität. Sein infolge seines gelungenen Streiches oft ausgelassenes Wesen jedoch und nicht minder- feine Rührung angesichts der sorgsamsten Pflege der Familie, der Ehrlichkeit des Ossorius, der herbeigeeilt, um Hampel in seiner vermeintlichen Noth das geliehene Geld zurückzuerstatten und zudem seine Ersparnisse zur Verfügung zu stellen, und bei anderen Anlässen bringt seine Angehörigen auf den Arg­wohn, er sei verrückt. Nach einer Reihe komischer Scenen klärt sich endlich alles auf, zugleich erhält Ossorius Hampels Tochter und der Sohn Horns, für den diese ursprünglich be­stimmt war, entschädigt sich durch seine Verlobung mit einer Verwandten eines Obersten Bardua, die er im Hause Hampels zufällig kennen gelernt hat. Damit schließt das muntere Stück, dessen loser Inhalt zwar nicht den Gesetzen ernst­gemeinter dramatischer Dichtung entspricht, aber eine bunte Fülle ergötzlicher und unterhaltender Momente bietet. Ge­spielt wurde wie zum erstcnmale recht gut. In erster Linie nennen wir das niedliche Spiel von Frau Anni Reiners, sodann die characteristische und amüsante Darstellung des Herrn Winolt. Als Hampel war Herr Reiners sehr- gut. Herr Goullon bewegte sich gewandt und wirksam in der Rolle des jungen Horn, wenn ihm auch der leichte Ton des Schwankes noch immer nicht ganz so gelang, wie Herrn Biebrach, der wieder sehr frisch und erheiternd spielte. Ebenso war Herr Schreiner ganz an seinem Platze.

Militärdienstnachrichteu. Schräder, Vrcefeldwebel vom Landw.-Bez. I Cassel, zum Sec.-Lt. der Reserve des 2. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Großherzog) Nr. 116, Clemm, Gabriel, Sec.-Lts. von der Inf. 1. Aufgebots Les Landw.-Bez. Gießen, zu PremieEeutenants, Beyer, Vicefeldwebel von dems. Landw.-Bez., zum Sec.-Lt. der Res. des 1. Nass. Jnf.-Regts. Nr. 87, Kretschmar, Zimmer­mann, Cellarius, Hüsfel, Schmitt, Jost, Vice­feldwebel vom Landw.-Bezirk Gießen, zu Sec.-Lts. der Res. des 2. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Grobherzog) Nr. 116, Stisel, Vicefeldw. von demselben Landw.-Bez., zum Sec.- Lieutenant der Res. des 3. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Leib­regiments) Nr. 117, Schüz, Vice-Feldw. von demselben Landw.-Bez., zum Sec.-Lt. der Res. des 4. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Prinz Carl) Nr. 118 befördert.

§ Rieder-Ohmen, 22. December. Die Frau eines hiesigen Einwohners begab sich zu ihrem Bruder aus die in der Nähe Wettsaasens gelegene Nicolausmühle zum Besuche. Am andern Tage trat sie Morgens den Heimweg an, glitt aber im be­nachbarten Walde aus dem gegenwärtig vorhandenen Glatt­eise aus und brach ein Bein. Ungehört verhallten ihre Hilferufe im Walde. Erst am Nachmittag sanden sie zusällig durch den Wald kommende Leute, aber in einem saft gänzlich erstarrten Zustande. .Es war die höchste Zeit, eine Stunde spätere Hilfe hätte sie nicht mehr retten können.

Dermtfdytefe

* Mainz, 22. December. Jüngst berichteten wir, daß die Mainzer Gasthofsbesitzer gegen die Redaction desBer­liner Tageblatt" eine Beleidigungsklage angestrengt haben, weil in einemReisebriefe" des genannten Blattes den Mainzer Nheinhotels der Vorwurf der Fremdenübervortheilung gemacht worden war. In Folge dieser Klage, die Anfangs Januar vor den Berliner Gerichten zur Verhandlung kommt, nimmt der Verfasser beregter Reisebriefe Veranlassung, pater peccavi zu sagen, indem er in einer der jüngsten Nummern desBerliner Tageblatt" unter allerlei Redensarten seine Behauptungen über die Mainzer Hotels alsMißverständ­nisse" deutet und den gebrauchten AusdruckStrandraub" als einetwas kühnes Bild" bezeichnet. Wie wir hören, werden die Gasthofsbesitzer trotz diesem Rückzüge an der Klage sesthalten.

* = Frankfurt a. M., 22. December. Die Einführung des Herrn Oberbürgermeisters Adickes wird zwischen dem 9. und 11. Januar erfolgen.

* Heidelberg, 18. December. In der gestrigen Stadt­rathssitzung kam das Gesuch wegen Errichtung eines Leichen­verbrennungsofens unter Vorlage der Projecte zur Verhandlung. Der Stadtrath erklärt sich bereit, mit den Gesuchstellern wegen Regelung der Angelegenheit zu unter­handeln.

* Limburg, 19. December. Immer gemüthlich! Nach diesem Recept scheinen hier die communalen Steuern eingetrieben zu werden. Der Stadtrechner Tippel erläßr nämlich folgende, mehr als merkwürdige Bekanntmachung: Am 1. December war Termin zur Einzahlung der dritten Rate städtischer Steuer. Die Mitglieder der Drückeberger und des po8tuumeranäo-Vereins werden ersucht, zu ihrem Vortheil ihre Statuten zu ändern. StadtkaffeTippel". Darauf antwortet nun einer derDrückeberger" öffentlich: Lieber Herr Stadtkasse! Gih' seid su gout und woart noch e' Keitsche. Mer hon jo doch grob die Christkinnercher ze kaase." Ob der humoristische Stadtrechner diese Gründe gelten läßt?

* Eugets, 20. December. Auf dem hiesigen Bahnhose war gestern der Locomotivsührer Reis an seiner über dem Aschecanal im Maschinenschuppen stehenden Locomotive beschäf­tigt. Um an dem unteren Theile derselben eine Besichtigung vorzunehmen, kletterte er in den Aschencanal hinab. Unten angeEommen; rief er dem Heizer zu, er solle etwas Vorfahren. Als die Maschine wieder stillstand, sah man mit Entsetzen den Rumps des Reis im Aschencanal, den Kopf jedoch neben den Schienen liegen. Ob nun Reis hierbei unvorsichtig ge­wesen oder ob er den Kopf selbst aus die Schienen gelegt hat, wird wohl nicht aufgeklärt werden.

* Eine Geschichte zum Herzen. In einem Städtchen Norddeutschlands heirathete ein Amtsrichter das ziemlich verwöhnte Töchterchen eines Rittergutsbesitzers. Anfänglich bezog die junge Frau ihre Toilettengegenstände und Kleidungs­stücke aus der Großstadt. Als jedoch Anschaffungen nöthig wurden, ließ sie auch in ihrem Wohnorte arbeiten und beauf­tragte die Lieferanten, Alles aufs Beste herzustellen. Unter diesen Beauftragten befand sich auch eine arme Wittwe, eine geschickte Stickerin, die mit ihrer Nadel fünf Kinder zu er­nähren hatte. Sie hatte von der Frau Amtsrichter die Bestellung eines eleganten Morgenrockes erhalten. Schon während sie an dem Morgenrocke stickte, ging es im Haus­wesen der Wittwe recht knapp zu. Garn und Seide mußte verlegt werden und voraussordern wollte die arme Frau nicht,- deßhalb entzog sie sich und ihrer Familie das Fleisch und bessere Kost. Befriedigt von der Arbeit, nahm die Be­stellerin den Morgenrock an und stellte weitere Aufträge in Aussicht; aber von Bezahlung war keine Rede. Die Stickerin tröstete sich mit der Hoffnung, die Dame wolle erst die Rech­nung prüfen und würde dann das Geld schicken, aber sie täuschte sich. Es verging Tag auf Tag und die Bezahlung kam nicht. Da beschloß die Stickerin in ihrer Noth, der Dame einige Zeilen mit der Bitte um etwas Geld zu schicken. Der Bote, der älteste Knabe der Wittwe, traf die Dame auf der Straße und überreichte ihr den Brief der Mutter. Weinend kam der Knabe zurück. Die Dame hatte ihn aus­gescholten, daß er sie aus offener Straße, obendrein in Gegen­wart einer anderen Dame, anspreche. Die Mahnung wäre eine Unart und Dreistigkeit^ sie würde die Lumperei schon bezahlen. Sie that es aber nicht, vielleicht aus Aerger über die Mahnung. Da kam eines Abends ihr Gatte zeitiger als gewöhnlich vom Gericht nach Hause. Seine Stirn zeigte tiefe Falten und sein Auge blickte ungewöhnlich ernst, ja fast traurig auf die geputzte Gattin. Betroffen forschte sie nach dem Grunde seiner Verstimmung. Da brach der Zorn des Mannes los mit den Worten:Kennst Du den ältesten Knaben Deiner Stickerin?" Die Dame aber antwortete erstaunt und unmuthig:Gewiß, er ist ein unverschämter Bengel, der mich vorige Woche aus der Straße anüef; hat er etwas verbrochen?"Er hat etwas verbrochen!" fuhr der Amtsrichter heftig aus.Und weißt Du wohl, was ihn dazu getrieben hat? Du warst es! Warum gabst Du dem Knaben, als er Dich um Begleichung Deiner Schuld bat, statt des Geldes bittere Worte? Weßhalb zwangst Du sechs Menschen, Deinetwegen zu hungern? Der Knabe sah daß Elend seiner Geschwister und stahl beim Bäcker ein Brot. Vor einigen Stunden wurde er mir vom Amtsdiener vor-

gesührt. Da hat mir der arme Junge mit Thränen fein Vergehen gestanden und Deine Hartherzigkeit. Wie willst Du sie sühnen? Ich muß den Diebstahl bestrafen^ welche Strafe aber gebührt Dir, der Anstifterin?" Was die junge Frau antwortete, wissen wir nicht, wohl aber, daß ihre Augen bittere Thränen vergossen. So viel uns bekannt wurde, nahm sic sich der Familie der armen Stickerin aufs Wärmste an und seit jenem Tage bezahlt sie alle gelieferten Arbeiten, prompt und baar. Möge dieses Beispiel zum Tröste und zum Wohlbefinden der Tausende, die von ihrer Hände Arbeit leben, allgemeine Nachahmung finden.

Beiträge?um Genossenschaftswesen.

ArrS Oberhefferr, 21. December.

Mit noch nie dagewesener Jntenflvtlät und Schnelligkeit sind in den letzten Wochen und Monaten die landwtrthschaftltchen Spar­und Darlehnskassen ins Leben gerufen worden und zwar fast aus­schließlich in den Provinzen Oberhessen und Starkenburg. In Rhein­hessen ist das Bedürfnttz geringer, einmal weil eine genügende Anzahl Kassen schon vorhanden zu sein scheint, dann aber, weil jene Provinz geldretcher als die beiden anderen ist. Es mögen im 4. Quartale 1890 wohl 40 bis 50 landwtrthschaflliche Spar und Darlehnskassen in den beiden rechtsrheinischen Provinzen gegründet worden sein. Wir wünschen allen ein kräftiges Emporblühen und fröhliches Ge­deihen, wenn auch anzunehmen ist, daß der Wirkungskreis mancher dieser Kassen ein sehr enger und beschränkter bleiben wird. Andrer­seits darf angenommen werden, daß durch diese Kassen der Unter­nehmungsgeist geweckt und damit neue Bahnen eröffnet werden, die zum Segen führen, wenn die Kassen einer «rnftchtigerr rrrrd vor- ftchtigen Leitung unterstehen.

Unter diesen 40 bis 50 Genossenschaften befinden sich nun aber höchstens einige, vielleicht nur zwei bis 3 Consirm-Bereirre und das halten wir nicht für practtsch. Um jeden Jrrthum auszufchlteßeo, bemerken wir, daß wir keine Eonsumvereine tm Auge haben, die sich mit dem An- und Verkaufe von Kaffee, Zucker, Pfeffer u. dgl., also von Colonial- und Materialwaaren rc. befassen, sondern lamdwirttz- schafttiche Consrrmvereiire, deren Ziel und Zweck es ist, in erster Linie Gegenstände für die Landwirtbschaft: Saatgut «Ud reie«, künstliche Durrgstoste, «raftfuttermittel aller Art (Palm- und Lemkuchen, Erdnußkuchen, Kleien, Malzketme ufw.), landwirthfchaftliche Werkzeuge, Gerüthe und Mafchiue», Piafsavawaaren, Kohlen, Brenn- und Beleuchtnng-gegen- stünve, Schmiermittel, Zucht- und Siaffevieh und noch ver­schiedenes Andere zu beschaffen.

Wir behaupten: Nur dann, wenn neben der Spar- und Dar- lehnskasse ein landwirthschaftlicher Consumverein besteht und mit ersterer Hand in Hand geht, wird der kleine Bauer die ganze Wohl- that des Genossenschaftswesens empfinden, denn nur dann wird er die An- und Verkaufspreise eines Großproducenten zu erlangen im Stande sein. Der Beweis dafür ergibt sich leicht; z. B. ein Verein bestellt einige Hundert Centner Dungstoffe, Saatfruchte, Futter­mittel ic.; der Großhändler wird einer solchen Bestellung gegenüber ganz andere, d. h. viel billigere Preise machen und vielleicht auch wesentlich bessere Qualitäten liefern, als wenn ein einziger Bauer mit ein Paar Centnern vorspricht.

Dasselbe drückt sich bet dem gemeiufchaftlicheu verkaufe von landwtrthschaftltchen Producten: Obst, Getreide, Kartoffeln, Heu u. dgl. m. aus. Ein Händler wird gerne etwas mehr zahlen, wenn er 1000 Centner Obst, Kartoffeln, Getreide auf einem Platze (an Bahnhöfen) in Empfang nehmen kann, als wmn er an 15 bis 20 Plätzen und Hofraithen herumziehen muß.

Noch viel bedeutender werden die Vortheile, wenn die Consum- oeretne sich dem Lande-verbarrde »«schließe«/ der aus andert­halbhundert und mehr Vereinen mit etlichen tausend Mitgliedern besteht. Dieser Landesverband opertrt mit Lausenden und Hundert­tausenden; seine bezogenen Maaren und Sämereien werden von der landwtrthschaftltchen Versuchs- und AuskunftSstatton auf das Sorg­fältigste geprüft und seine Abschlüsse find darum für jeden Einzeln« kaum zu erreichen. An den Leistungen des Landesverbandes kann man so recht erkennen, was ,es heißt: Viribus unitis = Einigkeit macht stark.

Um nun den Segen zu erkennen, den die Vereinigung von Spar- und Darlehnskasse mit landwtrthschaftlichem Consumveretne liefert, möge Folgendes bemerkt werden: Die Spar- und DarlehnS- kaffe macht die Zahlungen für die Mitglieder; je nachdem einer Geld hat, zahlt er auf seine Schuld. Die Kaffe empfängt aber auch die Erlöse der Mitglieder für Vieh, Obst, Getreide und Kartoffeln und schreibt sie den Mitgliedern gut. Sobald daS Guthaben größer ist, als die Schuldigkeit, beginnt der Zinsengenuß. Auf diese Weise geht kein Pfennig Zinsen verloren, das Geld arbeitet also mit und es ist sehr fleißig, denn es arbeitet Tag und Nacht. In der Ausnützung der Capitalien sind uns die Engländer wettüber"; ste lassen keinen Schilling ungenützt liegen. Man soll nicht glauben was für ein stattlicher Posten Geld in einem Bauerndorfe von etwa 1200 Seelen jährlich an Zinsverlust für nicht angelegte Capitalien verloren geht, sozusagen rein zum Fenster hinausgeworfen wird! Nebenbei bemerkt liegt das Geld in dem feuerfesten Kaffaschrank des Sparvereins auch viel sicherer, als bei dem Bauer selbst. Auf der anderen Sette ist es für Diejenigen, denen das Geld etwas leicht durch die Hand läuft, sehr gut, wenn sich die Baarbestände in der Vereinskasse befinden. Die meisten kleinen Landwirthe führen keine Bücher, es ist ihnen zu unbequem. Die Darlehnskasse besorgt es jetzt für ste und ihre Zahlen öffnen Vielen die Augen.

Wir könnten noch Vieles hierher setzen; es mag indessen für heute genug sein. Vielleicht kommen diese Zeilen während der vielen Sonn- und Feiertage manchem Landwirthe zur Hand und regen ihn zum Nachdenken an, was schon ein großer Gewinn wäre. Wir rufen ihm eineFröhliche Weihnachten!" zu und er möge das schöne Wort: Viribus unitis Einigkeit macht stark, wohl beherzigen.

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Gießen, 23. December. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmartt kostete: Butter pr. Pfd- 0,901,10, Hühnereier 1 St. 7-8, 2 St. H, Enteneier 1 St.--H, 2 St.

Käse pr- St- 57 H, Käsematte pr. St. 3 H, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen pr. Liter 28 H, Tauben pr- Paar 0,400,50, Hühner pr. Stück X 0,801 00, Hahnen pr. St X 0,751,00, Enten pr. Stück JL 1,40-1,80, Ochsenftetsch pr. Pfd 7074 H, Kuh- und Rtndfleffch 6064 4, Schweinefleisch 60-70 H, Hammelfleisch 6268 4, Kalb­fleisch 60-64 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo Jt 5,CO0,00, Weißkraut pr. St. 37 -Ä, Zwiebeln per Centtier 5,000,00, Milch per

Liter 1218 H Gänse pr- Pfd. 5464 H.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Katholische Gemeinde.

Weihnachten, 25. December.

Mittwoch: Nachmittags um Vr4 Uhr und Abends um «/r8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. _

Donnerstag: Morgens um 5 Uhr Chrrstmetten, um </A um 6 und um W Uhr hl. Messen. Nach Beendtaung der ChriA metten Gelegenheit zur hl. Beichte. Um %8 Uhr Mllitargottesdienst mit Prediat; um ®/<10 Ubr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um Va3 Uhr Festandacht. Nach der Festandacht Gel-genheit zur hl Beichte.

Fest des hl. Stephanus, 26. December.

Freitag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl Beichte; um */?7 Ubr Austheilung der hl- Communion; um Vi8 Uhr Mtlttär- gottesdienst; um 8/410 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittag« e» '/,3 Uhr Festandacht.