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Gnauth.
A9.I Maurerarbeit
Gießen, 19- November 1890.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth.
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A« DoctCF^ Seltersweg,
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im Blödner’schen Hause (ehemals I^abroisse).
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vor Trunksucht, in Anbetracht, nommen hatte. Woche frei und Nasenfresko.
Louis Lony,
Bahnhofstraße 27.
Giessen
Zeltersweg.
welcher seine Sitzungen allwöchentlich hielt, daß das Laster gar so stark überhand ge- So war ihm nun kein Abend in der jede Sitzung pinselte neue Gluthen auf sein
werden: veranschlagt zu
9644] Für die Weihnachts Saison empfehle das Neueste in
Sophakissen, Schlummerrollen und Schlummerpufts.
1'ritz Äowack, SUtersweg.
Ge- der
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Samstag den 22 l. M,
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Alle unsere Patienten, so viel wir deren bisher — nicht in die Kur genommen, sie genossen, so schwer sie mitunter an des Lebens Last und Leid zu tragen hatten, doch des Glückes, selbstständig ihren Weg zu gehen, mit eigenem Auge ihren Pfad zu wählen, allein bitter ist das Loos Derer, die außerhalb ihrer vier Wände stets des Leiters bedürfen, denen das fremde Auge jeden ihrer Schritte lenken muß.
Dort der schöne junge Mann mit dem blonden Vollbart und den sanften, melancholischen Zügen, dem wir.jeden Mittag am Arme seiner Gattin hier Unter den Linden begegnen, wer sähe es seinen glänzenden, lichthungrig in die Welt schauenden Augen an, daß sie in ewige Nacht gehüllt sind? Eines Abends legte er sich sehend ins Bett und erwachte Morgens als ein Blinder. Aber ein Engel stand ihm schützend zur Seite. Fortan wird seine edle, junge Gefährtin es sich zur
den Eingang sämmtiicher Neuheiten für Herbst und Winter 1890,91
heiligen Aufgabe machen, ihn als Mentor durchs Leben zu geleiten, jeden seiner Schritte zu behüten.
Man preist das Auge als das zarteste und edelste Organ, als das Wunder im Wunderbau des Menschen. Und wenn wir ein uns Anvertrautes so recht in Acht zu nehmen geloben, so wollen wir es „behüten wie unseren Augapfel". Gehen wir denn aber in der That so ängstlich und sorgsam mit demselben um? Arbeitet denn nicht unser ganzes Erziehungssystem von der ersten Schulzeit ab auf den Verlust dieses Juwels hin ? Verbieten es die Lehrer etwa, wenn die Kinder das Auge auf Schreibebuch und Rechenheft förmlich hinlegen? Besonders aber sind es wieder die höheren Schulen, die wir als Gesundheitsverderber anzuklagen haben, sie sind es, die namentlich dem Auge Kraft, Glanz und Schönheit rauben. Jede höhere Klasse vermehrt die Zahl der Augenkranken, zumal der Kurzsichtigen. Sprachen und Wissenschaften stürmen aus das arme Kindergehirn ein, zu ihrer Bewältigung muß die Nacht zu Hilfe genommen werden. Wie der Bergmann den Korb rastlos in die Tiefe sendet, um deren Erz hervorzuholen, so tauchen wir zwölf bis zwanzig Jahre hindurch, die schönsten des Lebens, unser Auge in den Schacht des Wissens, um geistige Schätze — aber ach, mit wie viel taubem Gestein vermischt — einzuheimsen. Dieser Schatzsörderer wird aber durch übermäßigen Gebrauch bald schadhaft und das Glas ist das Flickwerk, welches ihn noth- dürftig wieder brauchbar machen soll. Daher diese Legionen männlicher und weiblicher Brillenträger, von welchen unsere Straßen wimmeln und von denen unsere zukünftigen Generationen nur eine gründliche Reform des Unterrichts, die allen Ballast über Bord wirft, wird befreien können.
Noch zeigt unsere Sprechstunde sich überfüllt. Sehet jenen Unglücklichen mit dem schlotternden, schwankenden Gang, der uns sofort — Lasciate ogni speranza — den Rücken-
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth.
märker verkündet, jenes beständig von Zuckungen, dem sichtskrampf, verzerrte Antlitz, jenen Bedauernswerthen, mitten auf der Straße von epileptischen —"
„Aber, lieber College, was fehlt Ihnen? Sie unwohl?"
„Es ist mein Asthma — das mich befällt — wie
Steinhauerarbeit Schlofferarbeit “ Gußeisenlieserung
Pflasterarbeit
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Ieilgeöotenes.
Korkstopfen, Korkmaschinen siehlt billigst
Dieb — aber heute bei Hellem Tag. — Ich suchte Splitter und vergaß den Balken im eigenen Auge —"
„Kommen Sie, kommen Sie, ich werde Sie nach Hause bringen."
Eben treffen wir auf ein solches Musterexemplar von Kupfernase, dem es auch nicht an der Wiege vorgesungen worden war, daß es einst unter seines Gleichen wie ein Rubin an Glanz und wie eine Gurke an Größe hervorleuchten würde. Ich kenne den Träger dieses Weltwunders sehr wohl, mag ihn aber nicht näher bezeichnen, aus Rücksicht aus seine Familie, die es nicht erfahren darf, daß ihr würdiges Oberhaupt sein Riechorgan tagtäglich in 10 bis 12 Seidel, will sagen, alljährlich in 30 Centner Bier eintaucht. Diese Nase war einst schlecht und recht, wie Deine und meine, lieber Leser, sie wuchs aus wie ein Veilchen im Garten und hatte keine Ahnung von ihrer künftigen Größe. Da trat ein Wendepunkt in ihrem Leben ein und zwar mit dem ersten Vereinsdiplom ihres Besitzers. Unser Ovidius wurde Mitglied des Vereins zur Rettung Schiffbrüchiger — hier erheischte die Beschaffenheit des tückischen Elementes schon an sich eine energische Befeuchtung der Lippen. Aber die Ehren häuften sich, der Scat-, Kegel- und Debattirclub, die Dichterschule, der Turn-, Bezirks-, Vorschuß-, Radfahrer-, Gesang-, Krieger- und Jmkerverein, die entlassenen Sträflinge, die verwahrlosten Fabrikmädchen und Waisenknaben, alles riß sich um den verdienten Mitbürger. Zuletzt — und das war sein, oder vielmehr ihr, nämlich der Nase, Verderben — berief man ihn in den Vorstand des Vereins zur Bewahrung
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Die Arbeiten zur Herstellung der Blitzableiter-Anlage sollen im Wege öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.
Arbeitsverzeichniß und Bedingungen liegen im Geschäftszimmer Nr. 3 zur Einsicht offen und sind die Angebote bis spätestens
SamStag den 22. d. M., Bormittag- 10 Uhr,
vei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Gießen, den 18. November 1890.
-Bekanntmachung.
Die Herstellung der Schreiner- und Anstreicherarbetten zur Ausführung eines Winterhaujes für das Liebig- denkmal sollen im Wege öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.
Zeichnung, Arbettsverzeichniß und Bedingungen liegen im Geschäftszimmer Nr. 3 zur Einsicht offen und sind die Angebote bis spätestens
Montag den 24. ds. Mts,, Vormittags 10 Uhr, bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Gießen, den 18. November 1890.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
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Reparaturen. Veränderungen.
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Freitag den 21. November. Aiehenev Anzeiger. Beilage zu Nr. 272. - isso.
Feuilleton.
Das Lazareth auf der Straße.
Von Br. M. Dyrenfurth.
(Schluß.)
Aber ach, der Scylla verfällt, wie der Charybdis entfliehen will! Indem ich mich umwende, versinke ich saft in eine Fleischmaffe, welche täglich um die Mittagszeit von ihrem Besitzer, dem Rentier Fabich, spazieren geführt wird und bereits zum Vorschein kommt, wenn Jener sich noch einige Ellen hinter der Straßenecke befindet. Herr Fabich ist das Wunder der Stadt, der Schrecken der Droschken- befitzer und der treueste Kunde der feinsten Frühstücksstuben. Er ist berühmt wegen der ausgesuchten Diners, die er gibt, ich glaube aber, daß er fast noch besser speist, wenn er bei sich allein zu Gaste ist. Sein Vorbild Lucullus, der Brillat- Savarin des alten Roms, war einst sehr unzufrieden mit dem Menu, das ihm sein Koch angerichtet- derselbe entschuldigte sich damit, daß ja heute keine Gäste eingeladen seien. Da kam er aber bei seinem Herrn schön an. „Wie?" erwiderte dieser (indem er ihm einige Hiebe versetzte). „Erbärmlicher Sclave, weißt Du nicht, daß Lucullus beim Lu- eullus speist?" — Unser Feinschmecker ist von sanfterer Ge- müthsart, nimmer wäre er der Grausamkeit jenes römischen Senators fähig, welcher die Karpfen seines Teiches nur dann schmackhaft fand, wenn er sie vorher mit einigen seiner Sclaven gemästet hatte. Nur mit einem Menschen steht er aus keinem guten Fuße, es ist der Nathswaagemeister, denn er beschuldigt ihn, daß er ihm bei der Abreise nach Marienbad stets zwanzig Pfund unterschlage, die er bei der Rückkunft von da ihm zu viel ankreide.
Auch sein Verhältniß zu mir zeigte eine mehr winterliche als laue Temperatur, da er andauernd meine Recepte geschmacklos und meine diätetischen Predigten ungenießbar findet. „Doctor," pflegte er zu sagen, „ich bin stets bereit, mit Ihnen, nie aber etwas von Ihnen und Ihrer Küche zu trinken."
In dem socialen Leben der Gegenwart hat sich das Bier zu einer Macht emporgeschwungen, welche nicht nur auf unsere Sitten und Gewohnheiten, sondern auch auf unsere Gesundheit den bedeutendsten, aber nicht immer den förderlichsten Einfluß ausübt und ihre Spuren mit Keilschrift u. A. auch — aus der Nase ihrer Verehrer — auszuprägen liebt.
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