Einzelbild herunterladen

(Siebener Anzeiger. Beilage zu Nr

271. - 1890,

Donnerstag den 20. Novbr.

130-0°

Reihen auf die Köpfe gestellt.

Der August war fast ebenso widerwärtig wie der Juli und trotzalledem sah Jeder, der es sehen wollte, daß eine Ernte zu bergen war, wie sie nicht häufig wächst. Die Halmfrüchte erwiesen sich als wohlgerathen; das Obst drang unter den Blättern hervor; Heu und Klee wuchs in Fülle, Kartoffeln und Dickwurzeln gediehen nach Herzenslust. Nur der Wein und die Zuckerrüben waren ersichtlich zurückgegangen. Zucker gedeiht nur unter reichlichem Sonnenschein. Auch die Engerlinge nagten an den Rüben und verursachten Fehl­stellen. Hier ist ein Punkt, wo rechtzeitig eingesetzt werden muß: Der Kampf gegen die Maikäfer ist rechtzeitig und mit vereinten Kräften, nach wohlerwogenem Plane, zu führen, dann kann der Erfolg nicht fehlen.

Bis Ende August (27.) dauerten die schweren Wetter mit wolkenbruchartigem Regen; die warmen, trockenen Sommertage waren seltener, als die Regentage. Von Mitte Juli bis Ende August mußte der Bauer einen förmlichen Kampf mit den entfesselten Elementen führen, welche die Gottesgaben zu verschlingen drohten. In diesen sechs Wochen wurden Ansprüche an die Geduld, die Ruhe, die lieber: legung und die körperlichen Kräfte des Landwttthes gemacht, von denen der Städter keinen Begrrff hat. Am 27. August gegen Abend erreichten die excessioen Witterungserscheinungen ihren Höhepunkt. Von West kommend raste ein Cyclon durch die Wetterau hinein in den Vogelsberg, wie er sonst nur in den Tropen erlebt wird. Ge­waltige Bäume (600jährige Linde zu Ltndheim) wurden niedergelissen; in den Wäldern (hohes Rad bei Michelau) lagen die BauMriesen übereinander, als hätten sich die Riesen eine Schlackt geliefert. Ur­plötzlich auftretende Wassermassen (Altenstadt und Umgegend) rissen Garben, Ackergeräthe, sonstiges Mobiliar mit sich fort und brachten Menschen in Lebensgefahr.

Nun wurde es ruhig in der bis ins Innerste aufgewühlten Natur. Die Dreschmaschinen begannen ihre lohnende Thättgkeit und es zeigte sich bald, daß der 1890er Sommer gute, sehr gute, mitunter an einzelnen bevorzugten Stellen ganz colossale Erträge hervorgebracht hatte. Bis in die höchsten Spitzen des Vogelsberges hinein waren Halm- und Hackfrüchte, Obst- und Futtergcwächse wohl gediehen.

So zog nun der September ins Land hinein, mit ewig heiterem, lachenden Himmel, als befand.n mir uns in Italien oder Griechen­land. Die herrlichen Sonnentage beseitigten die wässerig schmeckenden Gemüse und das wenig gewürzreich schmeckende Obst von dem Wasser- überschusse. Ein wundervolles Grnmmetgras schoß üppig empor und ersetzte dem Vogelsberge das zu Grunde gegangene Heu. Die be­denklich auftretende Kaitoffelklankheit kam zum Stillstände und ver­schwand nach und nach. Die Obsternte begann; es wurden bedeutende Quantitäten unter Dach gebracht und sehr befriedigende Preise erzielt, dabei aber auch die Wahrnehmung gemacht, daß die Nimmersatten, denen die hohen und höchsten Preise nicht genügten, durch einen Preisrückgang abgestraft wurden. Gute Mittelpreise muß der Bauer zu erstreben suchen, alle Schwindelpreise taugen nichts.

Die herrliche Witterung, die der September in seltener Be­ständigkeit geschenkt hatte, setzte der Oktober fort. Man konnte im Freien sitzen wie im Juli, und in Hemdsärmeln verrichteten die Leute die Herbstarbeiten. Wie Juli und August ihren excessioen Witterungs- Character durch übermäßige 9lüffe bewiesen, so zeigten sich September und October durch ungewöhnliche Trockenheit. Doch bte Sonne scheint keinen Bauer zum Lande hinaus. Die Arbeiten förderten und die Wintersaaten gingen besser auf, als man dachte, weil allnächtlich reichlicher Thau fiel, der das Saatkorn erreichte und es zum Keimen brachte. Den trägeren Körnern half ausgiebiger Regen nach und

Soven die Bäume, welche «mgepflanzt werde«, gestutzt werden oder nichts Die Ansichten hierüber sind sehr verschieben; der eine behauptet, bie Krone der umzvpflanzenden Bäume müsse gestutzt werden, der andere meint, es sei nicht nöthig. Die richtige Antwort kann aber nur gegeben weiden, wenn man die Bewurzelung mit rn Betracht zieht. Wurzelmenge und Knospenzahl müssen in einem bestimmten Verhältnisse zu einander stehen. Hat ein gesetzter Baum wenig Wurzeln und viele Knospen, fn bekommt er viele Blätter, die so viel Feuchtigkeit verdunsten, daß die Wurzeln dieselbe nicht decken können; der Daum trocknet ein und verdorrt. Auf der anderen Seite kann arrch das umgekehrte Verhältniß den Untergang des Baumes herberfuhren; er erstickt im Saft, wenn er zu viel Wurzeln und nur wenig Knospen besitzt. Letzterer Fall tritt jedoch selten ein.

dieser weichte die Kleeäcker, welche hart und fest wie eine Scheuer­tenne waren, so auf, daß sie leicht umgebrochen und bestellt werden konnten.

Unheimlich schleicht durch diese vielen erfreulichen Resultate die Maul- und Klauenseuche, der Störenfried in den Ställen. Man hat sie unterschätzt, sie ist in das Land hinaus gedrungen, wie die Laster aus Pandoras Büchse und nun ist sie schwer zu bannen.

Fragen wir uns nun einmal speciell über die einzelnen Punkte, um zu sehen, wie es in Scheuer, Stall, Keller und Speicher des Bauers aussehen mag. Weizen und Roggen lieferten gute, stellen­weise sogar recht gute Resultate und zwar sowohl hinsichtlich der Körner als auch in Betreff des Strohes. Gerste und Hafer schwanken zwischen befriedigend bis recht gut. Alle Futtergewächse sind quanti­tativ und qualitativ recht gut ausgefallen; es hat Dickwurzeln, Kraut und Wirsinghäupter von monströser Größe gegeben. In Folge dieses Segens gingen die Preise zurück. Man kaufte um 5 Pfg. ein Krcmt- haupt von solcher Dimension, daß sich eine Familie von sechs Personen daran sättigen konnte. Die Kartoffeln lassen in schweren, nassen Lagen zu wünschen übrig. Es wird bereits über Fäulniß im Keller geklagt. Darum vergeßt nicht, Ihr Hausfrauen, nach den Kartoffel- vorräthen im Keller zu sehen wie dies schon vor Wochen in dieser Zeitung betont worden ist. Auch das Obst zeigt Neigung zur Fäulniß, wie dies nach den wochenlangen Regen im Juli und August begreiflich erscheint.

Auch die Preise der Früchte verdienen einige Worte. Alle land- wirthschaftlichen Pcoducte ohne Ausnahme: Weizen, Korn, Gerste, Hafer, Obst, Kartoffeln, Heu, Stroh und Rüben haben gute bis recht gute Preise, bei denen der Bauer sehr wohl bestehen kann. Die Vieh-, besonders Schweinepreise erreichten zuletzt eine geradezu exorbitante Höhe, sodaß es als Wohlthat bezeichnet werden muß, daß nun wirklich ein Preisrückgang stattgefunden hat. Keller, Scheuer und Speicher sind voll, Alles hat gute Preise, der Landwirth kann dahier mit wirk­licher Befriedigung auf 1889 und 1890 zurückblicken. Dabei leben wir in geordneten politischen Verhältnissen; unser engeres Vaterland darf sich mit feinen Gesetzen und Einrichtungen jedem anderen deutschen Lande an die Seite stellen, in manchen Dingen ist es vielen voraus.

Trotzdem herrscht Unzufriedenheit, auch unter dem Bauernstände, besonders unter der Heranwachsenden Generation. Die jungen Leute Haschen nach Plaisir und Vergnügen, mehr als je. Für Kleiderund Putz, Bänder und Tand geben die jungen Leutchen heutzutage in wenigen Jahren mehr aus, als unsere Großeltern während ihres ganzen Lebens. Wir gönnen Jedem sein Vergnügen und sind kein Kopfhänger; aber wenn man im Sommer die kleinen Wochenblätter zur Hand nimmt und darin lieft, was an Tanzmusiken, Fahnen­weihen, Stiftungsfesten, Vereinsparthlen und fonfiigen Vergnügungen geleistet wird, dann muß doch zugestanden werden, daß das zu viel ist. Alle diese Dinge machen weder zufrieden, noch glücklich und je mehr einer davon bekommt, desto weniger zufrieden wird er.

Ueber diese Punkte mit Freunden und Nachbarn während der Winterabende zu reden, ist ebenso wichtig, als über Milchvieh, Pferdezucht, Saatfrüchte und Futterstoffe; sie gehören auch in eine landwirthschaftliche Rückschau und darum haben wir diese Punkte berührt.

Mit Zufriedenheit darf der Landwirth dem kommenden Winter entgegensetzen und sogar auf das neue Jahr 1891 darf er bereits Hoffnungen setzen, denn die prächtige Herbsiwitterung hat die jungen Wintersaaten so begünstigt, daß sie ganznad) Wunsch aufgegangen sind und sich bestockt haben. Das ist ermuthigend und freut dm Berichterstatter, der ein aufrichtiger Freund der Landwirthschaft und des Bauers ist und darum schließt er auch diese Jahresrückjchau mit dem herzlichen Zurufe: »Heil -em Bariernfiau-e

Landwirthschaftliche Rückblicke auf das Jahr 1890.

(Nachdruck verboten.)

AuS Oberhefien, 16. November.

WPm einmal der Marttnstag 10./11. November vorüber ist, dann hat der Landwirth das Meiste feiner Thättgkeit für das be­treffende Jahr hinter sich. Leiden und Frendm sind zum großen Theile getragen; auch die Freudenfeste, die Kirchweihen, gehen zu Ende, denn ein ländliches Sprichwort sagt richtig:

Kathrine, Kathrein! (25. November) Schließt Geige und Pfeife ein!

Nach und nach geht die Natur zur Ruhe; Busch und Wald verlieren das letzte bunte Laub, seuchte Nebel liegen über den Fluren, immer länger werden die Nächte; es sitzt sich behaglich beim warmm

Literatur und lüitift.

Die Kaltwassereuren, gemeinverständlich dargestellt von Dr. med. et phil. Axel Winckler, pract. Arzt. Mit 25 Abbild­ungen. Preis 1 Mk. Verlag von Martin Hampel in Berlin- Friedenau. In dem vorliegenden Buche gibt uns der Verfasser eine Uebcrsicht der Geschichte der Kaltwassercuren, schildert sodann in klarer, sachlicher Weise die Ausführung der jetzt gebräuchlichen ver­schiedenen Theil- und Vollbäder, Douchen, Packungen, Umschläge rc. Es folgt eine eingehende Besprechung der durch Kaltwassercuren zu bekämpfenden Krankheiten und der practischen Anwendungswelse in jedem einzelnen Falle, sodann eine Aufführung derjenigen Krankheits­formen, bei denen Kaltwassercuren nicht angewendet werden dürfen. Die beigegebenen 25 Illustrationen erhöhen wesentlich die Leichtver­ständlichkeit der oorgeschriebenen Proceduren. Nicht nur der interessirte Leidende, sondern jeder Gebildete überhaupt sollte es sich angelegen sein lassen, mit hier gegebenen, beherzigenswerthen Winken über den Erhalt und die Erlangung des körperlichen Wohlbefindens bekannt zu werden.

'Mim.

istger *

"'«CSS

£anö< tntö VEsVirlhsbchafr.

Patente von im Grotzherzogthnrn Hessen wohnende« Erfindern. Patent-Anmeldungen. Kl. 42, W. 6974. Rechen­tafel zum Vervielfältigen und Thellen; Heinrich Weicker in Darm­stadt. Kl. 83, B. 10800. Electrischer Wecker; Fried. Wilh. Baad in Alzey. Patent-Ert Heilung en. Kl. 13, Nr. 54573. Anordnung einer schwimmenden Filterschicht bei Wasserreinigungs- Apparaten; E. Boening in Bad-Nauheim, vom 11. April 1890 ab. Kl. 13, Nr. 54763. Stehender Wasserröhrenkessel; Zusatz zum Patente Nr. 44581: A. Rodberg in Darmstadt, vorn 13. Mai 1890 ab. Kl. 22, Nr. 54679. Verfahren zur Darstellung eines wasser­löslichen beizenfärbenden Baumwollfarbstoffes aus Indulin; Zusatz zum Patente Nr. 53357; K. Oehler in Offenbach a. M., vom 8. September 1889 ab. Kl. 33, Nr. 54598 Bügelverschluß; H. Lehmann in Offenbach a. M., vom 25. Juni 1890 ab. Kl. 45, Nr. 54726. Einrichtung an Pflügen, um in der gepflügten Furche eine besondere Rinne zum Einlegen von Saatkartoffeln zu bilden; F. Boxheimer in Boxheimer Hof, Post Bürstadt, vom 7. Juni 1890 ab. Kl. 64, Nr. 54772. Neuerung an Korkwaschmaschinen. H. Fehmel in Pfeddersheim, vom 28. März 1890 an.

Dir Pflichten eines Hausvaters nach dem Inkrafttreten desJnvaliditäts- undAlters- Versicherungsgesetzes am 1. Januar 1891 werden in einer Reihe von Artikeln derD. Verk.-Ztg." so anschaulich klargelegt, daß es wohl verlohnt, die hauptsächlichsten Punkte daraus mitzutheilen, zumal über diese Pflichten bei allen den­jenigen Hausvorständen, die nicht zu den großen Arbeitgebern gehören, noch nicht allzu viel Klarheit herrschen durste.

Versicherungspflichtig sind bekanntlich alle Personen, welche als Arbeiter, Gehülfen, Gesellen, Lehrlinge oder Dienst­boten gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt werden und das 16. Lebensjahr überschritten haben. Also nicht nur alle Dienstmädchen, Köchinnen, Knechte müssen versichert werden, sondern auch alle Bonnen, Kindergärtnerinnen, ferner die Ausbesserinnen, Plätterinnen, die Wasch- und Reinmacherinnen, sobald das Entgelt für die Dienstleistungen aller dieser Per­sonen nicht nur in freier Station besteht. Versichert wird mit Hülse vonQuittungskarten" undBeitragsmarken" ; man klebt eine Beitragsmarke auf die Quittungskarte aus und wenn die letztere gefüllt ist, liefert man dieselbe ab. Zu allererst hat also jeder Hausvater dafür zu sorgen, daß Jeder, der in seinem Hausstand versicherungspflichtig ist, eine ^Quittungskarte erhält. Man schickt, sobald der erste Januar naht, zur Polizei und sagt dem Dienstboten, er solle sick eine Quittungskarte geben lassen. Dabei wird man gut thun, ihm irgend etwas Amtliches, das Dienstbuch u. dergl. mitzugeben, woraus der Geburtstag zu ersehen ist. Der Dienstbote oder Arbeitsmann erhält dann eine zweiblätterige Karte aus gelbem Kartonpapier, um ein Geringes größer als die Doppelpostkarten. Aus der ersten Seite stehen der Stempel der Behörde und die Personalien der Person, für welche die Karte ausgestellt ist. Die zweite und dritte Seite enthalten 52 nummerirte Felder für die Marken. Die vierte Seite trägt den Abdruck dreier, bei der Verwendung der Quittungskarten besonders zu beachtenden Bestimmungen. Für die Ausstellung solcher Quittungskarten hat der Ver­sicherungspflichtige nichts zu zahlen, sollte ein Arbeiter oder Dienstbote in der Beschaffung solcher Karten säumig sein, so hat der Hausherr für ihn eine zu besorgen, woraus etwa 5 oder 10 Pfennige Kosten entstehen werden, welche vom Lohne abgezogen werden können. Auf die zweite und dritte Seite der Karte muß nun der Hausvater für sein Personal die Bei­tragsmarken aufkleben und zwar jedesmal bei der Lohnzahlung. Daraus folgt, daß man Jeden, der Lohn fordert, fragt: Haben Sie Ihre Quittungskarte da? Wenn nicht, so besorgen Sie dieselbe! Ist sie glücklich zur Stelle, so kann das Auf­kleben beginnen vorausgesetzt, daß man dieBeitrags­marken" hat. Mit solchen muß sich also der Hausherr oder die Hausfrau vor der Lohnzahlung ausrüsten.

Diese Beitragsmarken, welche in vier Abtheilungen zu 14, 20, 24 und 30 Pfennigen zu haben sind, werden von den Postanstalten feilgehalten. Diese Marken enthalten u. A. auch den Namen der Versicherungsanstalt, von welcher sie ausgegeben werden, und jede Postanstalt hält die Marken nur derjenigen Versicherungsanstalt zum Verkauf, in deren Bezirk sie liegt. Der Hausvater darf nur die Marken derjenigen Versicherungsanstalt verwenden, in deren Bezirk sein Haus­wesen sich befindet. Der Hausvater wird nun aber im Zweifel sein, welche der vier Sorten von Marken er zu kaufen hat. Das hängt von derLohnklasse" ab, in welche der Dienst­bote oder der Arbeiter gehört. Nach dem Gesetze gibt es nämlich vier Lohnklassen, in welche die Versicherten nach der Höhe ihres Arbeitsverdienstes vertheilt sind. Zur 1. Lohn­klasse gehören die Personen mit einem Jahresarbeitsverdienst bis zu' 350 Mk., zur 2. Lohnklasse diejenigen von 351 bis 550 Mk., wer jährlich 551 bis 850 Mk. verdient, gehört zur 3. Lohnklasse, wessen Verdienst über 850 Mk. hinaus- geht, zur 4. Lohnklasse.

Um dies zu berechnen, ist nun Folgendes nöthig: hat man Arbeiter, die einer Krankenkasse angehören, so nimmt man den Tagesbetrag des Lohnes, von welchem die Kranken­kassenbeiträge berechnet werden, multiplicirt ihn mit 300 und hat die Lohnklasse. Bei den übrigen, insbesondere bei Dienst­boten und den auf einzelne Tage im Hause beschäftigten Personen, kommt es nur daraus an, wie hoch allgemein der von der höheren Verwaltungsbehörde festgesetzte ortsübliche Tagelohn ist: das 300fache ergibt die Lohnklasse. Für jede Woche der Beschäftigung ist eine Marke einzukleben und zwar bei der Lohnzahlung. Bekommt Jemand für einen langen Zeitraum Lohn, so sind bei der Lohnzahlung so viele Marken auf die Karte zu kleben, als er Wochen gearbeitet hat. Nun kommt es vor, daß Jemand, z. B. eine Näherin, nicht die ganze Woche an derselben Stelle beschäftigt ist, dann hat Derjenige die Marke einzukleben, bei welchem der Versicherte zuerst arbeitet. Wer also eine Näherin am Montag beschäf­tigt, zahlt für die ganze Woche; nimmt man sie an einem späteren Tage der Woche, so muß man sich bei der Lohn­zahlung vergewissern, ob sie bereits für bte laufende Woche eine Marke auf ihrer Karte hat ober nicht.

Bankgeld-

>-r i*

89.30

91.50 i 77.00

77 50 I

d-" »ft««».

mV1 N** ^Knetern, 96,6 in

bEisch. Offert, sub K. K. MMJl

ölliöte Kletdermachtritt n,efr Beschäftigung in und ist- Näheres

Wolkengasse 17.

'«.*»** lreicheii W

hn®»

Ofen im Kreise der Seinen und manches Wort wird über die Wirth- I chaft, über das abgelaufene Jahr, über sein Gutes und Schlimmes gewechselt Das ist anregend und lehrreich zugleich. Die meisten Stände: Kaufleute, Fabrikanten, Politiker, Geistliche, Lehrer, Künstler halten Rückschau hinsichtttch der abgelaufenen Campagne und sie thun gut daran. Warum soll es nicht der Bauer, für den es ganz besonders von Interesse ist? Versuchen wir es einmal, wir sind Überzeugt, es findet Anklang. r _ t £

Das Jahr 1889, welches bei Landwirthen, Winzern und Gärtnern in gutem Andenken steht, brachte einen ungebetenen Gast an die Schwelle seines Nachfolgers: die Influenza. Anfangs lachte man darüber; Viele glaubten, diese tolle Krankheit beruhe zum Theil auf Einbildung der davon Befallenen. Als aber die stärksten Männer am heftigsten davon ergriffen wurden, als sich die Ergriffenen mit­unter nur langsam erholten, als ganze Dörfer darniederlagen und der vielen Erkrankungen wegen fast das Vieh nicht gefüttert werden konnte, da sah man ein, daß die Influenza ein grimmiger Feind war, der im Monat Jannar viele Opfer forderte. Der erste Monat des Jahres zeicynete sich aber auch in meteorologischer Beziehung aus: er sandte an mehreren Tagen heftige Gewitter, was um jene Zeit eine große Seltenheit ist.

Die Monate Aebruar und März verliefen ziemlich normal. Im März konnten wir die interessante Beobachtung machen, daß der Märzenschnee (thut Frucht und Weinstock weh) auf den Märzenstaub (bringt Gras und Laub) fiel, sodaß sich also plus und minus in der Witterung aufhoben.. r _ ,

Der April blieb frostig, er hielt die Vegetation zuruck und das war gut. Für unsere Breitegrade sind späte Frühjahre die besten, denn die Nachtfröste werden seltener und die kräftigere Sonne holt die Verspätungen sehr bald nach. Nur wenige Jahre in einem ganzen Jahrhundert gibt es, wo keine Rückschläge erfolgen; im 19. Jahrhundert waren es die Jahre 1811, 1834, 1846, 185759, 1865 und 1868. Das sind nun gerade auch die hochfeinen Wein­jahre. Im April konnte man conftattren, daß die Saaten gut überwintert und sich sehr befriedigend bestockt hatten, dies ist die beste Grundlage für eine gute Ernte.

Der Wonnemonat Mai machte, wie sein Vorgänger des Jahres 1889, feinem Warnen alle Ehre. Die Maimonate von 1889 und 1890 konnten die Dichter begeistern. Es war aber auch Zeit, daß wirklich wieder einmal Lenze erschienen, sonst hätte man glauben können, Maienwonne bestände nur in der Phantasie der Dichter. Eine wunderbare Blüthenpracht entfaltete sich; Gras, Klee, Halm- und Gartenfrüchte zeigten das herrlichste Aussehen. Ohne Schaden anzustiften zogen die Eisheiligen Pankratius und Servatius vorüber, die Arbeiten auf Feld und Flur waren eine Lust und mit den größten Hoffnungen sah man dem kommenden Monate entgegen.

Der Juni kam und mit ihm die Hiodsposten. Immer tiefer sank die Temperatur, es gab Eis. Kartoffeln, Gemüse, Bohnen, Gurken, in exponirten Lagen wurden sogar das Korn und der Wald vom Froste geschädigt. Das bessere Wetter heilte jedoch viele Schäden wieder aus und als die Heuernte begann, fand man, daß auch dieses Jahr ein Primasutter gewachsen war. Man vermied den Fehler be? zu lange Stehenlassens und erzielte dadurch eine gute Qualität. Der Landwirth darf die Futtergräser nicht bis zur Reife des Samens stehen lassen, das hat man in 1889 deutlich erfahren und Erfahrung ist ein guter Lehrmeister. Der Juni blieb sehr trocken; wer dies auszunutzen verstand, erhielt das Heu schön nach Hause. Das Dick­wurzelsehen litt unter dieser Trockenheit.

Nun kam der Juli; er brachte wochenlang ungeheure Regen« Mafien. Die Vogelsberger Landwirthe sahen ihr Heu unter den Fluten verderben. Wochenlang konnte nichts gearbeitet werden. Das Behacken der Kartoffeln und Rüben war erschwert. Die Ernte rückte näher; sie versprach gute Resultate, aber die excessive Nässe drohte Obst, Halmfrüchte und Wurzelgewäckse schwer zu schädigen. Man begann mit dem Kornschneiden; die Frucht blieb lange liegen, weil die frässe das Binden und Einfahren unmöglich machte. In dieser kritischen Zeit bewährte sich das Binden der Halmfrüchte nach norddeutscher Methode, über welche Ihre Zeitung einen Aufsatz brachte, d. h. kleine Garben, nicht ausgepuppt, sondern in

116.00 ( 107-50 . igo.OO 155-00 !

löö-iO ittbO ] 5100 |

Qnr ! $on unübertroffener Wirkung ist das

<0111 ftaatlid) geprüfte und begutachtete

Saarwafier von Retter in München- welches statt Cd ober Pomade, täglich gebraucht, das Haar bis ins höchste Alter glanzend, geschmeidig und Scheitel haltend macht, die Kopfhaut von Schuppen rc. befreit und dadurch die Thätigkeit derselben erhöht- Z. h. um 40 A und 1.10 bei I. H. Fuhr, Sonnenstraße 25, in Gießen. [6887

Sibilbtltä »tlttfein, bet ouftanbtg mächtig, in allen ^^rs'' gestützt auf gute wünscht zum 1. Januar 'Maltesin ober Stühe der besserem Hause. Off. postlagernd Eichen erbeten. rngs Bureau Völker, : Nachweis von Stellen

M

I auf TieppdeSe«. wozu Ansicht oorliegen, können ostkasie gemacht werden.

r-PanoroN, borg 12, Parterre.

pradjtooik Reise durch

elgien.

»rem Interesse die prachi- (e und die St. Paulskirche mit den wundervollen Mar­as Leiden Christi darstellend, nte Kanzel von St- Rom- tereffante Ladestellen von llanlenbergbe, der Lowe von > ßxploston -er Pattv-

Antverpen rc

5,, Kinder 2b bfitot 00" ®ot8t"3 lO llhr. M

-onrsiaa neue JWJ ung^stnder^nWstatt.

Mädchen»

fSmSenleN« smd dl g«b-r 3$