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*/\ Mainz, 18. März. Die Lohnbewegung tritt jetzt hier auch unter den Schneidergehilsen zu Tage. In einer gestern Abend stattgehabten, sehr zahlreich besuchten Versammlung wurde von verschiedenen Rednern constatirt, daß die Lohnverhältnisse der hiesigen Schneidergehilsen derart seien, daß bei den heutigen Lebensmittelpreisen ein Auskommen ganz unmöglich. Insbesondere wurde über die Löhne in den Confectionsgeschästen geklagt und bestätigten mehrere in der Versammlung anwesende Schneidermeister, daß die Lohn-

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des Jung wurde aber angenommen, daß er den Ulm durch Geschenke oder Versprechungen zu falscher Aussage verleitet habe, da er bei den fragt. Schöffengerichtssitzungen den Ulm beide Male hier mit Frühstück tractirte und ihm eine Fuhre Holz unentgeltlich leistete. In letzterer Richtung hat die Untersuchung Anhaltspunkte nicht ergeben, weshalb das Ver­fahren gegen Jung eingestellt wurde, dagegen sprechen die gegen Ulm aufgebrachten Beweise nicht zu dessen Gunsten. Der Angeklagte räumte heute die Möglichkeit ein, daß er nicht bei dem in Rede stehenden, wohl aber bei einem späteren ähnlichen Vorfälle im Hause des Adam Jung zugegen gewesen sein könne und will glauben machen, daß er das Opfer einer Täuschung Seitens des Jung und seines Neffen geworden sei, welche dieselben bei feiner Ankunft im Jung'schen Hause mit ihm vornahmen, indem sie den Vorfall noch einmal so wie er sich wenige Minuten vorher zugetragen, vor Ulm auf­führten, um ihn zum Zeugen dafür aufzurufen, daß die von Jung gebrauchte unanständige Aeußerung nicht gegen den Feldschützen, sondern Jungs Neffen, Ludwig Euler, gerichtet worden sei und sich hierdurch Straflosigkeit zu sichern. Die Beweisaufnahme ergibt hierin nichts, was zu Gunsten des Angeklagten sprechen könnte, vielmehr äußern sich die hier in Betracht kommenden Zeugen Jung, dessen Neffe Ludwig Euler und dessen Mutter namentlich die beiden letzteren entschieden übereinstimmend dahin, daß Ulm bei dem fragt. Vorfälle nicht zugegen war und auch der Feldschütze Volk sah, als er gleich nach dem Vorfälle den Jung'schen Hof verließ, den Ulm auf denselben zugehen.

Das Urtheil lautete auf eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren, unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungs­haft, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren, sowie auf dauernde Unfähigkeit, als Zeuge oder Sachverständiger zu fungiren.

Die heutige unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt­gehabte Verhandlung gegen Wilhelm Steinmüller von Rödgen, welcher am 14. Februar d. I. auf der Straße nach Rödgen ein Sittlichkeitsverbrechen beging, endigte mit der Verurtheilung des Angeklagten in eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren und die Aberkennung der bürgerlichen Ehren­rechte auf die Dauer von fünf Jahren.

Eine derFranks. Ztg." zugegangene Zuschrift in Betreff der von uns gebrachten Mittheilung und darauf folgenden Berichtigung über die Aufstellung eines conservativen Candidaten im hiesigen Wahlkreise lautet:Als Schriftführer des hiesigen conservativen Wahlcomitös bitte ich Sie ergebens!, die von derFrankfurter Zeitung44 gebrachte Notiz, daß Pros. Adolf Wagner als Candidat für die Nachwahl zum Reichstag im Wahlkreise Gießen von der conservativen Partei aufgestellt worden sei, dahin berichtigen zu wollen, daß Prof. Wagner die ihm angebotene Candidatur abgelehnt hat. Dr. Clemm." Nach Darlegung dieses Sachverhalts war unsere Mittheilung doch nicht so ohne Begründung, als dies nach der uns direct zugegangenen Berichtigung den Anschein hatte. Wir befleißigen uns gegenüber uns zukommenden Mittheilungen stets der größten Vorsicht, bevor solche zur Veröffentlichung gelangen.

Lich, 17. März. Gestern fand hier eine von Herrn Provinzial-Director v. Gag er n einberufene Versammlung von Gewerbtreibenden aus Lich und Umgegend statt, zu welcher sich weit über 100 Personen eingefunden hatten. Der Vorschlag, einen Local-Gewerb-Verein zu gründen, welcher auch die Handwerkerschule in die Hand zu nehmen hätte, sand lebhaften Anklang und unterzeichneten sich sofort 65 Mitglieder des neuen Vereins, dessen Statuten gleich festgestellt wurden und dessen Vorstand in einer weiteren Versammlung am nächsten Samstage gewählt werben soll.

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Montag, 31. März 1890 Vormittags 10 Uhr

mH Büchner, Herr Bürgermeister Gnauth, mehrere Afeglieber des Schul- und Stadtvorstandes, einige Jnnungs- msier, eine größere Anzahl ältere und jüngere Lehrer und Mige Freunde der Schule. Zur Prüfung gelangten bürger- ! und geometrisches Rechnen, Aufsatz und Buchführung. M Leistungen müssen als recht befriedigende angesehen mrden, insofern man nicht allzuhohe und undurchführbare Anforderungen stellt und geneigt ist, allen grade hier mit 'mzitrechnenden Schwierigkeiten und Hemmnissen volle Wür- l'jizung widerfahren zu lassen. Und solche waren es, die sich

Ses mal in erheblich größerer Anzahl als sonst einem gedeih- chcil Fortgang des Unterrichts störend in den Weg drängten, .fmukheiten der Lehrer und Schüler, Ausfall des Unterrichts iki mehreren dringenden Anlässen und ein an Zahl geringeres Uchrerpersonat als früher.

Wenn nichts destoweniger wie an Quantität so an Qua- 6tät des Unterrichts recht Gutes geboten ward, so ist das ®obl zumeist dem durchgreifenden Eifer und Lehrgeschick der ielreffenden Herren aufs Conto zu stellen.

In erfreulicher Weise hat auch die Zucht im allgemeinen -eine Wandlung zum Besseren erfahren, und obgleich die Klagen über übles Betragen der Schüler während des Unterrichts unb besonders beim Verlassen desselben noch nicht ganz ver- ; Hur.innen wollen, wird doch allerseits ein recht erträgliches Lerhältniß zwischen Lehrern und Schülern, ohne Anwendung fchärsferer Zuchtmittel, rückhaltlos zugestanden. Man wird lvohl nicht fehlgreifen, wenn man annimmt, daß hierzu wohl wesentlich, eine neuere Einrichtung beigetragen hat, nämlich hie Einführung von Controlbüchelchen, welche Fühlung zwischen Wjrrjerren und Lehrern vermitteln sollen.

Nach Entlassung jeder Klasse fand Prämiirung durch die Hmmngsmeister für die der betr. Innung angehörenden Lehr­linge und Belohnung solcher statt, welche wegen Fleißes und tobelCofen Benehmens hierzu als würdig erkannt.

Möchten die jungen Leute von dem in der Fortbildungs- slhulk Erlernten einen jederzeit richtigen Gebrauch machen und Dabei in Achtung und Liebe Derer gedenken, die ihnen dieses schätzbare Gut mit auf den Lebensweg gegeben haben!

Zur Warnung. AnsScherz", in Folge von Wetten und idergl., theils ans Rache und Haß, werden zuweilen den Zmu-ngs-Expeditionen gefälschte Annoncen ausgegeben, ohne daß aber Annahmebeamte im Stande ist, dieselben auf ihre Echtheit prüfen zu können. Mit Bezug hieraus hat das Reick sgericht kürzlich entschieden, daß auch ein Zettel, durch Alchen eine Anzeige in einer Zeitung bestellt wird, als eine Hrivnturkunde im "Sinne des Gesetzes zu betrachten ist. Der also eine gefälschte Anzeige aufgibt, macht sich dadurch einex Urkundenfälschung schuldig. Aus Grund dieses Reichs- gerichtserkenntnisses wurde kürzlich ein Aufgeber einer ge­pichten Annonce, obgleich er sich mit derselben nur einen Scherz" hatte machen wollen, wegen Urkundenfälschung zu künem Monat Gefängniß verurtheilt und zwar unter Inno hmc mildernder Umstände. Mögen die betreffenden M-erzbolde" sich diesen Fall somit als Warnung dienen lassen.

t Das Schwurgericht beschäftigte gestern wieder einmal einen jener Meineidsprocesse, die in den allergeringfügigsten Arsaikhen ihre Entstehung haben und deren öfteres Vorkommen iüiber längst nicht mehr zu den Seltenheiten gehört.

Angcschuldigt ist der verheirathete Zimmermann Jo h. 7Üim von Mendorf a. d. Lahn, der zweimal vor dem hiesigen «Hchöfffengerichte in einer Strafsache gegen Adam Jutig, in welcher er als Zeuge vernommen worden war, ein falsches Hugmiß abgegeben hat. Es handelte sich in jenem Falle um Ktnc Idespectirliche Aeußerung, welche Adam Jung dem Forst- ntnb Feldschützen Volk von Allcndorf a. d. Lahn gegenüber geihan haben soll und bezüglich deren der heutige Angeklagte Bor Diem Schöffengerichte beschwor, daß solche zwar in seinem Herßein gefallen, jedoch nicht dem Feldschützen, sondern Ärm!üudwig Euler, einem Neffen des Jung, gegolten habe, äiefe Aussage des Ulm war Grund der Freisprechung des Zldam Jung, jedoch blieb auch die Einleitung der Untersuchung gegen Ulm wegen Meineids und gegen Adam Jung wegen Äsiiftung nicht aus, da Gründe für die Annahme vorhanden mären, daß Ulm bei fragl. Scene gar nicht zugegen gewesen, jinbein erst einige Minuten später, nachdem schon Alles iDoriUncr, im Jung'schen Hause erschienen sei, mithin eigene Wahrnehmungen gar nicht gemacht haben konnte- hinsichtlich

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Verhältnisse in genannten Geschäften absolut eine Aenderung erheischen. Zum weiteren Verfolg der Lohnsrage wählte die Versammlung eine Commission und beschloß weiter, den 1. Mai d. I. als allgemeinen Arbeiterfciertag zu begehen.

Wie hiesige Blätter mittheilen, circuüren gegen­wärtig hier und in der Umgegend wieder massenhaft falsche 20 Pfennig- und Markstücke. Dieselben seien leicht erkenntlich aridem dumpfen Klang.

Auf Anordnung der Kreisschulcommission werden die Kinder der hiesigen Volksschulen für die Folge erst dann aus der Schule entlassen, wenn sie die oberste Schulklasse erreicht haben. Wenn dies nicht geschehen, müssen die Kinder die Schule weiter besuchen, gleichviel ob sie das 14. Lebensjahr überschritten haben.

* Frankfurt a. M., 18. März. Wie man derKl. Pr.4 mittheilt, wurde der Unteroffizier Kluge des Bockenheimer Husaren-Regiments wegen Mißhandlung von Untergebenen zu 3 Jahren Festung und Degradation verurtheilt.

Ju Folge des gedrückten Marktes vom Montag hat die Fleischer-Innung beschlossen, vom Donnerstag ab mit dem Preis für Ochsenfleisch um 5 Pfg. ab zu sch lagen.

* Berlin, 16. März. An dem Hochzeitstage seines Vaters erhängt hat sich der sechszehnjährige Schüler eines Realgymnasiums. Vor etwa 9 Monaten verstarb nach kurzem Krankenlager die Frau eines hiesigen Kaufmannes. Der junge Mensch sah mit großem Verdruß, das sein Vater, ein etwa 48jähriger Mann, beabsichtigte, sich wieder zu verheirathen, und als vor etwa 4 Wochen Herr K. sich mit einer jungen Dame verlobte, erklärte der Schüler weinend seinen Ge­schwistern und Verwandten, daß er, bevor er eine Stief­mutter anerkenne, sich lieber das Leben nehmen werde. Die Aenßerungen des exaltirten Knaben wurden jedoch nicht für Ernst genommen und am gestrigen Vormittag fand^ die standes­amtliche Trauung der Verlobten statt. Als dieselben jedoch nach der Eheschließung mit ihren Trauzeugen gegen 1 Uhr Mittags in die Wohnung zurückkehrten, kamen ihnen auf der Treppe bereits die beiden Töchter in furchtbarer Aufregung und weinend entgegen mit der Nachricht, daß sich der Bruder in seiner Stube eingeschlossen und dort krank geworden sein müsse, da er entsetzlich stöhne. Hierauf erbrach der Vater mit Hilfe der Trauzeugen die von inwendig verriegelte Thür zu dem Zimmer seines Sohnes und fand diesen, an einem Bilderhaken hängend, bereits fast leblos vor. Zwar gelang es einem sofort hinzugerufenen Arzte, den Bewußtlosen wieder ins Leben zurückzurufen, trotzdem ist der Zustand desselben höchst besorgnißerregend.

* Eine Bauernbörse. Aus Innsbruck wird berichtet: Am ersten Aiontag in der Fastenzeit versammeln sich alljährlich die Bewohner des Passeyer Thales in dessen Hauptort St. Leonhard zum sogenanntenTh ad in g", um nach altüber- Eommener Sttte die schwebenden Geschäfte des verflossenen Jahres zu schlichten. Da werden bei einer Brücke unter- freiem Himmel die Schulden ausgeglichen, die Zinsen bezahlt, kurz, geschäftliche Pflichten erfüllt und neue Verbindungen angeknüpft. Wehe dem Schuldner, der hier nicht erscheint. Verlust des Credits im ganzen Thale ist die unabwendbare Folge. Bei der letzten derartigen Versammlung waren auch viele Städter anwesend.

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