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Nr. 43.

Donnerstag bett 20. Februar

1890

Der Lietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Aamikien v tatter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Vierteljähriger

Köonnementspreti 2 2 Mart 20 Pfg. mit Bringcrlohn.

Durch die Post bezog«, 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

KchutstraßeAr.7.

Fernsprecher 51.

2lmts# und Anzeigeblatt für? den Atreir Gieren.

chraüsöeikage: Gießener Kamitienökätter.

c)

a) b)

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

Sodann wird noch besonders bemerkt:

qu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest dre Unter­schrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.

au pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und dre derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse sur dte Pnma der Gymnasien, Realgymnasien und Ober > Realschulen, sämmtlich nach dem Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 Reg - Bl. Nr. 5 von 1889 ausgestellt sein müßen.

Im Uebriaen wird auf die Bestimmungen der Sb °8, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwresen- Großh. Prüfungs-Commission

für einjährig Freiwillige zu Darmstadt.

Der Vorsitzende:

Dr. Zeller.

Neueste Nachrichten.

Wolff- telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 18. Februar. DenBerl. Polit. Nachr." zu­folge ist die vorläufige Geheimhaltung der vorbereitenden

politilche Neverficht.

Gießen, 19. Februar.

Die lange und zuletzt immer lebhafter gewordene Wahl- Bewegung ist nun bald durch Vornahme der Wahlen selbst beendigt und bald wird sich die Zusammensetzung des neuen Reichßparlaments übersehen lasten. Da die Wahlen des 20. Februar vermuthlich nicht unbedeutende Veränderungen

Bekanntmachung,

die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen

Dienst auf Grund von Schulzeugnisten betreffend.

Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgen­den, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvoll­ständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen gestel­lungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

2) Die Berechtigung zum einjährig frerwrllrgen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet.

Der Nachweis der Berechtigung zum ein­jährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres

Amtlicher Tbeil.

Bekanntmachung.

ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz die derFreia", Kinderversorgungsbank in Hamburg, unterm 17. Juni 1887 in widerruflicher Weise erthellte Erlaubmß zum Geschästsbetrieb im Großherzogthum Hesten bis aus Weiteres zurückgenommen hat.

Gießen, am 17. Februar 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm«, Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Arbeiten des Staatsraths aus den directen Befehl des Kaisers zurückzusühren. Die Vernehmung von Interessenten seitens der Abtheilungen des Staatsraths werde sich nicht aus In­dustriearbeiter beschränken, sondern aus Handwerksmeister, Gesellen, sowie Sachverständige ausgedehnt werden, welche sich besonders mit der Arbeiterfrage beschäftigen.

Pest, 18. Februar. Die Leiche Andrassys trifft am 20, ds. hier ein und wird nach der Akademie der Wissen­schaften überführt werden. Die Einsegnung erfolgt wahrschein­lich Freitag Vormittag, worauf die Leiche mittelst Separatzug nach Trepes gebracht wird. In dem zu einer außerordent­lichen Sitzung versammelten Ministerrath wurden Beschlüße, betreffend das Begräbniß, gefaßt. Der Präsident der Aka­demie der Wissenschaften richtete eine Beileidsdepesche an die Wittwe. . ,

Pest, 18. Februar. Sämmtliche Blätter veranstalteten zweite Ausgaben, worin sie in tief empfundenen Artikeln die großen Verdienste Andrasshs um die ungarische Monarchie würdigen. Insbesondere heben die Blätter die Begründung des deutschen Bündnisses hervor, das die Frucht einer groß- gedachten, zielbewußten, Jahre hindurch mit ungewöhnlich großem Geschicke verfolgten auswärtigen Politik gewesen sei.

Basel, 18. Februar. Nach dem vom großen Rath des Cantons Basel-Stadt angenommenen Krankenversiche­rungsgesetz, das noch der Volksabstimmung unterliegt, sollen alle in^Basel beschäftigten Arbeiter, auch wenn sie m den angrenzenden deutschen Gemeinden wohnen, unentgeltliche Verpflegung im Baseler Spital und Hausbesuch durch Baseler Aerzte genießen. Der Jahresbeitrag wurde aus 12 Fr. festgesetzt, wovon die Hälfte der Arbeitgeber bezahlt- bei einem Einkommen unter 1200 Fr. wird der Jahresbeitrag

in dem bisherigen gegenseitigen Stärkeverhältnisse der einzelnen Reichstagsfractionen zur Folge haben werden, so sei hier , nochmals eine Uebersicht über die Zusammensetzung des alten Reichstages am Schlüsse seiner Legislaturperiode gegeben. Es zählten: Deutschconservative 78, Reichspartei 39, Ratio na l- liberale 93, Centrum 103, Freisinnige 35, Socialdemo- craten 11, Polen 13, Elsaß-Lothringer (ohne den Straßburger Abgeordneten Dr. Petri) 14 Mitglieder und bei keiner Frac- ,tion waren 11 Abgeordnete (Wilde"). Die Fractionen sind hierbei mit ihren Hospitanten aufgezählt und außerdem sind auch die erledigten Mandate den Fractionen ihrer früheren Inhaber htnzugezählt. Im Ganzen zählten die drei Cartell- parteien, diewilden" Abgeordneten Böckel, v. Levetzow, Deahna und Retemeyer mit zu ihnen gerechnet, 214 Abge­ordnete und besaßen sie hierdurch eine absolute Mehrheit von 15 Stimmen, ein Verhältniß, das im neuen Reichstage allem Vermuthen nach nicht wiederkehren dürfte.

Die alsbald nach dem jüngsten parlamentarischen Dmer beim Fürsten Bismarck aufgetauchten Gerüchte, der Kanzler wolle, nachdem er bereits von der Leitung des preußischen Handelsministeriums zurückgetreten, nun auch sein Amt als preußischer Ministerpräfident niederlegen und nur noch den Reichskanzlerposten behalten, finden jetzt auch in die officwse Presse Eingang. In einer officiösen Berliner Mittheilung desPester Lloyd" findet sich eine Andeutung,^ der zufolge es in der That nicht unwahrscheinlich wäre, daß Fürst Bis­marck demnächst sich von der Leitung der preußischen Ange­legenheiten zurückziehen würde und eine ähnliche Notiz steht in denHamb. Nachrichten", welches Blatt mit den maß­gebenden Berliner Kreisen bekanntlich Fühlung unterhalten soll. Dasselbe erinnert daran, daß Fürst Bismarck schon einmal, im Jahre 1873, den Vorsitz im preußischen. L-taats- Ministerium niederglegt habe, jedoch nur, um ihn mvbald wieder zu übernehmen. Das Blatt bemerkt weiter , die da­malige Scheidung zwischen der Leitung der preußischen und der Reichs-Politik habe sich als unhaltbar erwiesen, sie sei aber nicht nndurchsührbar. Ihre Undurchführbarkeit. habe vor 17 Jahren wohl mehr in dem Verhältniß des Grasen Roon als Ministerpräsident zu seinen preußischen Collegen, als in der objectivcn Unmöglichkeit einer Sonderung des Ressorts gelegen. Ob jetzt in der That der schon 1873 auf kurze Zeit bestandene und ausgesührte Plan des Fürsten Bismarck, die Leitung der preußischen Geschäfte gänzlich ab­zugeben, nachdrücklicher und ernsthafter wiederkehrt, läßt sich für den Fernerstehenden noch nicht hinlänglich beurtheilen. Aber wenn sich der Reichskanzler wirklich mit dieser Absicht tragen sollte, so läge hierin kaum etwas sonderlich Ueber- raschendes, denn man muß nur bedenken, daß er im über­nächsten Monat 75 Jahre alt wird und wenn Fürst Bismarck sich trotzdem noch einer bewundernswerthen geistigen Spannkraft und zur Zeit auch wieder günstigen körperlichen Wohlbefindens erfreut, so macht sich ihm doch die Doppellast der Geschäfte des Reichskanzlers und des preußischen Ministerpräsidenten immer fühlbarer. Schließlich darf auch angenommen werden, daß der mächtige Kanzler, selbst wenn er aus dem preußischen Ministerium ausgeschieden wäre, noch immer genügenden Einfluß besitzen würde, nm auf dasselbe in seinem Sinne einzuwirken.

lieber die Sondirungen der deutschen Diplomatie tm Auslande in Sachen der internationalen Arbeiterschutzcouferenz liegen jetzt die ersten näheren Meldungen vor. Die englische Regierung will die Angelegenheit ernstlich prüfen und dann ihre endgültige Antwort geben, die schwedische Regierung da­gegen hat ohne Umschweife ihre Bereitwilligkeit zur xfy\V- nahme an einer solchen Conserenz zu erkennen gegeben. Auch die Schweiz steht derselben freundlich gegenüber, wie die Antwort des Bundesrathes auf die deutsche Einladung be­kundet, nur will dabei die Schweiz anscheinend auf die von ihr einberusene Arbeiterschutzcouferenz nicht verzichten und wünscht sie außerdem nähere Mittheilungen über das Con- serenzproject der deutschen Regierung. Was endlich die Stel­lung Frankreichs zu dem Conserenzvorschlage Deutschlands anbelangt, so liegen hierüber officiöse Aeußerungen aus Pans vor, welche wenigstens erkennen lassen, daß das Ministerium Tirard die Angelegenheit ohne jede Voreingenommenheit und mit sachlichem Ernste prüft. Jedenfalls dürften sich aber die Vorbesprechungen zwischen den Mächten noch geraume Zeit hinziehen, ehe das deutsche Conferenzproject eine greif­barere Gestalt erhält.

zu erbringen- ~ t r ,

3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein uno ist hierzu ein Bogen in Actensormat (nicht Briefpapier) zu verwenden- Auch erscheint es zweck' dienlich, wenn die nähere Adresse angegeben w,rd.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

' Geburtszeugniß;

ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereit­willigkeit den Freiwilligen während einer ein­jährigen actioen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrig­keitlich zu bescheinigen;

ein Unbescholtenheitszeugntß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Real­gymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien.Real­schulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den sonstigen militärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit ooer ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;

d) das Schulzeugniß.

erlassen.

Paris, 18. Februar. DerTemps" meldet aus Besancvn: General Negrier hob bei der Uebernahme des Commandos des 7. Armeecorps in seiner Ansprache hervor, daß ihm die Wacht an diesem Theile der Grenze anvertraut und damit ernste Pflichten auferlegt worden. Er werde diese Pflichten erfüllen, denn er wisse, daß das Vaterland auf den Opfersinn der Mannschaften rechnen könne.

Der Polizeipräfect macht die Mittheiluug/ daß die stetig anwachsende Zahl der Personen, welche die Erlaubniß einholen, den Prinzen von Orleans -zu besuchen, die zulässigen Grenzen überschreite.

Paris, 18. Februar. Wie die Blätter melden, sandte der Gras von Paris dem Orleanisten Bocher eine Depesche, in der es heißt:Ich bin stolz auf meinen Sohn und glücklich über seine Haltung. Die Verurtheilung hat mich sehr bewegt." Der Graf kehrt unmittelbar über Newyork nach Europa zurück. Der Herzog von Orleans wurde gestern vom Prinzen Philipp von Coburg besucht. In­folge des Wahlerfolgs vom Sonntag wird eine lebhafte b o u l a n gi st i s ch e Propaganda für die bevorstehenden Muni- cipalwahlen vorbereitet.

Im Kohlenbecken von Saint Etienne brach eine Str ikebewegung aus. Vierhundert Bergarbeiter weigerten sich gestern, wegen Entlassung eines Kameraden, in den SchachtJubin" einzufahren. Die Bergleute in V i l l e b o e u f drohen aus der gleichen Veranlassung zu striken.

London, 18. Februar. DemStandard" wird aus Zanzibar vom 17. d. M. telegraphirt, daß der britische Consul Namens seiner Regierung den neuen Sultan förmlich anerkannt hat.

London, 18. Februar. Die amtlicheGazette" ver­öffentlicht die Ernennung des Commandanten vom deutschen Kreuzergeschwader Viceadmiral De in Hard zum Ehren­mitglied der Militärabtheilung des Bathordens zweiter Klasse.

London, 18. Februar. Gladstone empfing eine Depu­tation der Bergarbeiter, welche seine Ansichten über die achtstündige Arbeitszeit ausbaten. Gladstone wies besonders auf die Schwierigkeiten hin, Diejenigen zur Niederlegung ihrer Arbeit zu zwingen, welche dieselbe fortsetzen wollten.

Belgrad, 18. Februar. Der Handelsminister wird der Skupschtina einen Nachtragscredit von 120,000 Fr. für die montenegrinischen Ansiedler einbringen.

Wie dieAgence Belgrade" meldet, ist die Nachricht von der endgiltigen Annahme der Eisenbahnanleihe durch die Skupschtina verfrüht- die definitive Erledigung der Angelegenheit ist jedoch in nächster Zeit mit Sicherheit zu erwarten.

Sofia, 18. Februar. Die Nachrichten von Unruhen in der Umgebung von Küstendil werden von derAgence Bal- canique" für unbegründet erklärt. Die Ruhe in Bul­garien wurde nirgends gestört.